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Donnerstag, den 25. April.
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Wagener war geboren am 8. März 1815 zu Segeletz im Kreise Ruppin, ist also 74 Jahre alt geworden. ,
• Der 8. deutsche Geographentag ist heute in Berlin durch den Kultusminister Dr. v. Goßler feierlich eröffnet worden.
* Der diesjährige Chirurgen - Kongreß wurde heute um 1 Uhr in der Aula der Berliner Univerfität eröffnet. Die Verhandlungen leitet Profeffor von Bergmann. Der Schluß des Kongresses ist am Sonnabend. Die Reise der Vorträge leitete Profeffor von Esmarch mit seinen Erfahrungen „über die Antiologie und die Diagnose der Krebse, insbesondere derjmtgen der Zunge und der Lippe" ein. Am Schluffe seiner intereffanten Ausführungen sprach sich der berühmte Operateur dahin au», daß der Krebs heilbar ist, sobald derselbe ftüh und gründlich genug entfernt wird.
* Die Eröffnung der deutschen allgemeinen Ausstellung für Unfallverhütung wird auf den besonderen Wunsch de» Kaisers nicht den 27., sondern Dienstag, den 30. d. M. stattsinden.
• Der.Retchsanzeiger' publtzirt die Ernennung des Geheimen RegierungS- und Vortragenden Rath im Ministerium de» Innern, Grafen Hue de Grais zum Regierungspräsidenten in Potsdam.
• Al» Abgeordnete Deutschlands bei der Spezial- komm'sfion, der intetttationalen Zucker- konferenz, welche am 1. Mai in London zusammentritt, werden der Geheime OberregierungS- rath im Reichsschatzamt Bocciu» und der kaiserl. Generalkonsul in London, Geheimer Legationsrath v. Jordan fungiren. Geheimrath Boccius wird sich Ende der Woche nach der englischen Hauptstadt begeben. , ,
• Neuerdings taucht wieder der Plan auf, eine internationale Konferenz zur Unterdrückung des afrikanischen Sklavenhandels abzuhalten. Der britische Unterstaattsekretär Ferguffon hat nämlich vor kurzem im Parlament erklärt, Großbritannien würde einer solchen Einladung Folge leisten. Auch die .Agence Havar' spricht sich jetzt Namen» Frankreich« in demselben Sinne au». Angesicht« dieser Strömung, welche möglicherweise zur Abhaltung einer solchen Konferenz führt, ist e» von Jntereffe, zu untersuchen, zu welchem Ergeb- Nisse die gleiche Bewegung geführt hat, welche Kardinal Lavigerie im vorigen Herbste anregte, dann meiner Frau und langsam ging ich zu dem Platze zurück, wo ich jste verlaffen. Aber die Straße war stockfinster, ich sah und hörte nicht» von ihnen. Ich ging an da« erste beste Hau» und klopfte — Niemand gab mir Antwort; e» schien Alle» tobt um mich her. Ich ging an'« zweite, dritte — Niemand hörte oder wollte mich hören. Ich durcheilte eine Straße nach der andern, ich schrie und rief, dann hielt mich eine Nachtpatrouille an, und wir suchten gemeinsam. Aber Alle» war vergeblich, wir sanden sie nicht. Wenn Jemand ängstlich und scheu an'« Fenster oder an die Thür trat, so erhielten wir doch immer verneinende Antwort, Niemand hatte fie gehört und gesehen. Ich suchte die ganze Nacht, durchlief wie wahnsinnig die Stadt, kehrte immer wieder zur Brandstätte zurück, aber auch der Morgen fand mich noch vergeblich suchend. Ich muß schrecklich ausgesehen haben, denn einige Frauen, die mich am frühen Morgen sahen, liefen schreiend vor mir davon.
Endlrch erbarmte sich meiner ein alter Mann. Er nahm mich mit tn seine Stube, wusch mir das Blut und den Ruß au« dem Gesichte md ging dann mit mir auf die Suche, und seinen Nachfragen gelang e« dann auch, meine Frau und meine Tochter wieder zu finden. E» war ein arm-
und welche eigentlich bei allen betheiligten Regierungen Entgegenkommen fand. Diese von dem Kardinal hervorgerufene Antisklaverei • Bewegung hat sich in zwei große Strömungen getheilt, welche man wohl als eine katholische und eine pro- test an tische bezeichnen kann, obwohl Kardinal Lavigerie sie nur al« eine allgemein christliche hinstellen wollte. Hinsichtlich der katholischen Be- wegung stand anfangs Belgien im Vordergründe, dort schienen nicht nur die Sammlungen einen guten Fortgang zu nehmen, sondern e« wurde auch sofort eine Truppe zum thatsächlichen Eingreifen in Centralafrika gebildet, welche etwa 100 Mann stark sein sollte. Vor einigen Mona- ten verlautete, daß diese Truppe nunmehr über den Congo in das Innere eindringen sollte, um nach dem Tanganika zu gelangen. Bis jetzt hat sie aber Belgien noch nicht verlaffen. In Frankreich haben sich in Pari», Marseille und Lyon größere Antisklaverei-Komites gebildet; Oesterreich besitzt ein ebensolches zu Wien unter Leit- ung des Dr. Naus, und zu Salzburg hat die Prinz ffin Marie von Rohan ein Damrnkomilö zu gleichem Zwecke gebildet. In Straßburg wurden im Januar zwei Versammlungen abge- halten, wobei sich viele Personen zum Beitritt meldeten. Auch in Köln wurde ein Antisklavereiverein gegründet, an deffen Sp tze der dortige Erzbischof trat ... Die gleichen Bestrebungen haben in Sizilien, in Spanien, in Holland und der Schweiz zu Vereinigungen ge- führt, aber von keiner derselben ist etwas That- sächliches geschehen, auch weiß man nicht, welche Erfolge sie mit ihren Sammlungen haben. Daneben geht eine protestantische Bewegung in Deutschland und England; im Reiche hat sich bekanntlich der „Deutsche Kolonialverein" der Sache angenommen und in England ist am rührigsten der bekannte Afrtkaforscher Cameron, welcher vom Erzbischof von Canterbury und der höheren Aristokratie, z. B. vom Herzog von Portland, unter- stützt wird. Man bekommt aber den Eindruck, als ob alle diese privaten Bestrebungen nicht zum Ziele führen können, und es wird wohl eine internationale Abmachung nöthig werden, um greifbar« Erqebniffe zu erreichen.
» Die Lage der Deutschen in Pari« hat sich in den letzten Jahren bedeutend verschlechtert. Bei der vorige» Jahr angeordneten Einschreibung selige« Hinterhaus, wohin man sie gebracht hatte, es wohnten eine Menge.Menschen darin, aber man hatte ihnen ein Zimmer frei gemacht. Als ich eintrat, faß eine Frau auf der Erde neben ihrem Lager, das aus ein Paar Strohsäcken und Decken hergerichtet war. In wilden Fteberphantasien lag mein Kind, und aus feiner verw orrmen Erzählung, aus dm unzufammmhäagenden Gedanken hörte ich soviel, daß eine Kugel dem kleinen Bruder den Kopf abgeriffen hatte, während das Mädchen un- verfehlt blieb, und von Entsetzen getrieben, war es noch zeitig genug hinausgeeilt.
Meine Frau lag still in ihrer Ecke, regungslos und bleich wie eine Todte. Aber diese Ruhe er- schreckte mich noch mehr. Ich rief sie an, fie rührte stch nicht; nur zuweilen glitt ein irre» Lächeln über da» weiß;, eingefallene Gesicht, dann öffnete fie die Augen und ein stierer Blick traf ihre Umgebung und mit dem Gefühl der unsäglichsten Angst, der niederschmetterndsten Gewißhett mußte ich mir nun sagen, daß fie wahnsinnig geworben sei. — Fast befinnungslo« vor Schmerz hörte ich kaum bis Frage ber Männer, ob sie bie Briden in'« Hospital bringen sollten, wo fie Aerzte und btffere Pflege finden würden. Aber al» fie Marie anfafeten, um sie fortzubringen, verfiel fie
DerrtfcheS Reich.
Berlin, 24. April.
* Dir Nachricht von der Kaltstellung Stöcker» ivird von der .Kreuzztg.' und dem ,R-ich»boten' bestätigt. Natürlich hüllen beide dem Hofprediger nahestehende Organe die bittere Pille in eine Hülle abschwächender Redensarten, welche jedoch lediglich die Thatsache zugeben. Die Nationalltberalen suchten ihn seit Jahren von ihren Rockschößen abzu- Hüttefa, weil Stöcker ihnen die Wähler kopfscheu mache. Nun haben sie ihr Ziel erreicht. Stöcker geht und schwerlich kehrt er wieder, so lange Fürst Bismarck Reichskanzler ist. Wie aber steht c» nun mit „Denen um Stöcker". Wird Letzterer allein dem Kartellgötzen als Opferlamm geschlachtet oder folgen Herr von Hammerstein und Ge- «offen nach?
• Der bekannte Geheimrath Wagener, ehemals die rechte Hand des Fürsten Bismarck, ist, wie wir bereits gestern kurz erwähnten, nach längerem, schwerem Leiden in Friedenau bei Berlin am Ostersonntag gestorben. Geheimrath Wagener war einer der Gründer und mehrjähriger Leiter der Kreuzzeitung, überhaupt eines der hervor- »agendsten Mitglieder der konservativen Partei, nachdem er unter dem Ministerium Schwerin aus dem Staatsdienste ausgeschieden. Im Jahre 1854 legte er die Redaktion der Kreuzzeitung nieder und widmete sich seitdem der parlamentarischen Thätigkeit. Auf bett Fürsten Bismarck hat er namentlich in sozial-politischer Beziehung großen Einfluß ausgeübt, wie noch jüngst anläßlich der Berathung des Alters- und Jvvaliden-Gefetzes in Erinnerung gebracht wurde. Wagener gehörte zu den sogenannten Staats-Sozialisten. Im Kulturkämpfe machte er anfänglich eifrig mit; insbesondere vertrat er dar Jesuitengeßtz im Reichs- t«ge. Als das Kulturkampfs-Programm sich al- undurchführbar erwiesen hatte, sprach Wagener mit bemerkenswerther Entschiedenheit für die Wiederherstellung des kirchen-politischen Friedens stch aus, namentlich in mehreren Broschüren, welche nicht geringes Aufsehen erregten. In den letzten Jahren wurde der Name des ehemals so einflußreichen Mannes kaum noch genannt. Publizistisch hat Wagener vor allem durch Herausgabe eines „Staats- und Gesellschastr-Lexikons" (23 Bände) von konservativer Tendenz sich bethättgt.
△ Eine Erinnerung ans der Straßburger Belagerungszeit.
(4. Fortsetzung.)
Und inzwischen brannte es immer weiter, und «6 mußte mehr und mehr jede Hoffnung aus etwaige Rettung schwinden. Dann kam noch ein anderer Mann hinzu, ich überließ ihnen meine Frau und mein Kind und rannte an die Brandstätte zurück — es «ar zu spät. — Das Feuer hatte wohl im Erdgeschoß angefangen, bie Decke war bereits eingestürzt, und wenn nicht die ver- hängnißvolle Kugel bett Kleinen sofort getödtet hatte, mußte er längst von bem Rauch erstickt unb von bett Flammen verzehrt worben sein. Hier nmr alle menschliche Hilfe umsonst.
Aber ich konnte mich lange nicht trennen von ber grausigen Stätte, ich konnte es ja nicht fassen; in namenlosem Weh staub ich wie festgebannt; ich konnte nicht anbers, ich mußte stehen bleiben, unb in ohnmächtiger Verzweiflung mußte ich thatenlos zusehen, wie ein Stück um bas anbere von ben gierigen Flammen ergriffen wurde unb zusammen- stürzte, wie bie Flammen weiter hinaufleckten bis zum Dachfirst und ihren Funkenregen bem Winbe Preisgaben. Wie im Traums erinnerte ich mich