dieser Frage nicht auch ermöglichen? Die Angaben über Lenkbarkeit, Geschwindigkeit und Sicherheit des Lustschiffes waren überraschend günstige; leider bestätigten sich dieselben nicht, indem mir eben zugehende amerikanische Berichte ander» lauten und da« Ergebniß als nicht viel günstiger erscheinen lasten, al» die bisher bereits mit anderen Modellen erzielten.
Nun, doch ein kleiner Fortschrstt! Vielleicht auch gelingt eine zweite Probefahrt bester; man kann ja selten, und am wenigsten bei der Luftschifffahrt, wo die Erfahrungen noch nicht allzu groß find, auf den ersten Versuch sich verlassen. Die Vereinigung von Luftballon und Flugmaschine scheint mir ein vorzüglicher Gedanke; die bisher zur Fortbewegung von Ballons verwendeten Schrauben haben ja nie besonder» günstige Ergebnisse geliefert, vielleicht weil ste mit zu kleinen Flächen arbeiteten. Die künstlichen Flügel einer Flugmaschine dagegen bieten viel größere wirkende Flächen dar, können also recht wohl einen Ballon fortbewegen. Daß trotzdem da» neue lerckbare Luftschiff nicht eine solche Geschwindigkeft erreichte, um al» vollkommene Lösung de» vielumworbenen Problem« gelten zu können, wird wohl seinen Gmnd darin haben, daß sein Gewicht und damit der Umfang und die Oberfläche be» Ballon» im Verhältniß zu der ver- fügbaren Kraft zu groß war. Da« ist ja die Klippe, woran bisher alle Luftsch'ffe gescheitert find.
So unerfreulich et ist, da» sagen zu müssen, so angenehm ist e«, zu wissen, daß die« die einzige Schwierigkeft ist, die noch zu überwinden bleibt. Je größer die Fläche, die der Ballon der Luft entgegenstellt, desto größer der Widerstand, den diese seiner Fortbewegung leistet, um so größer natürlich auch die dazu erforderte Kraft. Leider find die gegenwärtig vorhandenen Kraftmaschinen eile so schwer, daß fie zur Hebung ihre« Gewichte« einen so großen Ballon verlangen, daß ste dem- selben keine bedeutende Geschwindigkeit mehr zu ertheilen im Stande find, well die Ueberwindung be» Luftwiderstände» bett größten Theil ber gegebenen Kraft für stch beansprucht. Zum Glück ist jedoch dieser Mißstand zu heben. Unsere Er- sinder werden schon noch leichtere Kraftmaschmen ersinnen, und wenn nicht, so ist da» Aluminium da, da» die vorhandenen Maschinen um zwei Drittel leichter machm kann. Wiegt doch eine ganz au» Aluminium hergestellte Dampfmaschine kaum den drllten Theil einer gleichkräftigen au« Stahl und Eisen I Eine solche würde also einem viel kleineren Ballon zu ihrer Hebung erfordern, dem fie mfthin eine höhere Geschwindigkeit sichern würde, al» die gewöhnliche Dampfmaschine ihrem dreimal größeren. Indessen darf ich sicher erwarten, daß etwa» noch Bessere» al« diese Aluminiumdampfmaschine kommen roitb, ein Motor, bet diese bet gleicher Kraft an Leichtigkeit noch übertrifft. Die Elektromotoren neuester Erfindung find ja überau» kräftig und trotzdem klein unb leicht, fie wären für Luftschiffe wie geschaff n, wenn nicht zu ihrer Speisung bte schweren Akkumulatoren nöthlg wären. E« braucht also nur
aber ich glaubte, btt» Blut in meinen Aoern erstarren zu fühlen, al« ich, näher kommenb, bie Flammen sah, wie fie au« bett Fenstern heraus- schlugen, au« den Fenstern unsere« Hause«, au« dem Zimmer, wo unsere Kinder lagm. Eine Eckunde lang zerfloß Alle» vor meinen Augen in feurigen, undurchdringlichen Rebel, ich glaubte umstnken zu müssen; da wankte ein kleine« Etwa» unsicher über die erleuchtete Straße, ich konnte e» zuerst gar nicht unterscheiden.
„Mama, Mama," rief weinend ein kleine« Sümmchen, und da» kleine Etwa« sank vor un» in die Knie. Meine Frau riß e« empor, es war unser Töchterchen. „Wo ist Karl?" schrie ste besser auf. — Fieber und Entsetzen schüttelten da» Kind, kaum verständlich schluchzte e», in« Feuer zeigend: „Dort, dort, er hat keinen Kopf mehrl"
Da tönte ein Schrei durch die Nacht, ein Schrei so gellend, so herzzerreißend, 10 entsetzlich, ich höre ihn heute noch, nach 17 Jahren. — Marie schleuderte die Kleine von sich, und mit einem Satze stand fie in der offenen Tyüre be» brennen* ben Hause». Daß mich da» fürchterlichste Entietzen damals nicht gelähmt, ist mir noch jetzt unot. greifluh; ich sprang ihr nach und riß fie zurück.
„Um Gotte« Willen, wa« willst du ihun?
Einer zu kommen mit der Erfindung leichter Akkumulatoren und die ganze Luftschifffrage ist gelöst. Daß e» gelingen wird, ein Sekundärelement auch ohne Blei herzustellen, scheint außer Frage. Vielleicht vergeht nur noch kurze Zeit, bi» dasselbe angegeben wird, dann aber, Essenbahnen und Dampfschiffe, in die Rumpelkammer I Dann steht uns der Luftraum, der kürzeste und einfachste Verbindungsweg offen!
Das wird einen Umsturz — Umwälzung ist zu schwach — auf allen Gebieten menschlicher Thäügkeit geben, wenn die erste Probefahrt de» unbedingt lenkbaren Luftfchiffes stattgefunden hat! Natürlich werden alle Staaten dem glücklichen Erfinder sein Werk abkaufen und sogleich, zuerst zwischen den großen Städten, regelmäßige Lustschiffoerbindungen Herstellen, Anfang» vielleicht nur für Personen, bald aber auch für Güterverkehr. Die Hindernisse, die die Natur in Gestalt von schroffem Felrgebirg, Schluchten, Sümpfen, Stiö- men, Seen und Meeren den Essenbahnen in ben Weg legt, Untiefen, Sandbänke, Riffe, unbequeme Inseln unb Landzungen, sowie Stromschnellen, wodurch sie ben Wasserweg benachtheiligt, wirb bie Luftschifffahrt nicht kennen. Auf bem nächsten, barum kürzesten Wege wirb fie ihr Ziel erreichen können, ohne babei ben Gefahren zu unterstehen, denen Land- unb Wasserweg ausgesetzt stnb. Denn währenb bet Essenbahnzug auf einer Linie sich bewegt, also höchsten« vor- unb rückwärts fahren kann, währenb ba» Schiff bie Fläche zum Spielraum hat, also vor-, rück- unb seitwärts sich roenben kann, bewegt sich ba« Luftschiff im Raum, wo jebe beliebige Richtung ihm freisteht. Wie sehr wirb dadurch bie Gefahr be« Zusammenstößen« geminbett, um nicht zu sagen ganz aufgehoben!
Welche großartigen Vorthelle wirb bet Handel au» bet Luftschifffahrt ziehen können, wenn der Großkaufmann nicht mehr auf großen Umwegen, vielleicht unter öfterem Umladen, seine Maaren au« dem Lande kommen lassen muß, da« ste erzeugt, sondern geradenweg« burch bie Luft, ohne hohe Durchgangszölle entrichten zu müss «! Unb wie viel werthvolle» Gelände wirb burch bett Wegfall ber Eisenbahnen besserer Benützung zurückgegeben, welch' große Summen werben erspart werben können, bie jetzt für Tunnel- unb Kanalbauten nöthig sind? Welchen Aufschwung wird die Wissenschaft nehmen, wenn ihr da« Luftschiff, da» denkbar beste Verkehr«mittel, zur Sette steht! Zur Erreichung unb Erforschung entlegener •rbtijeile, bie j tzt nur mit unsäglichen Schwierigketten ober, wie ber Norb- unb Südpol, gar nicht zu erreichen stnd, zur Untersuchung der Verhältnisse und Zustände de» Lufträume» wirb da» lenkbare Luftschiff ba» beste Mittel sein.
Und erst in Kriegszetten! Alle Bewegungen be« Feinde« von oben herab überwachen, belagerte Festungen angressen unb schwer schädigen, aber auch an« ihnen stet« mit dem übrigen Heer in Verbindung sein, im äußersten Nothfall ungehindert emfliehen zu können, da« wird da« Luftschiff ermöglichen, und noch mehr, e« wird vielleicht
Zurück 1" rief tco ihr zu, „laß mtch sehen, oa er noch zu retten ist I" Aber ste hörte mich nicht mehr.
Sie wollte mir entfliehen, stch mir entreißen, ste sträubte sich, sie schlug um sich, unb ein wilde» Ringen begann. Die Verzweiflung schien ihr ungeahnte Kräfte zu geben, und nur mit Mühe gelang e» mir, fie van der gefährlichen Stätte zu bringen. Ich wallte fie tragen, fie wehrte stch; kein einzige« Wart, kein Ruf, kein menschlicher Laut kam mehr über ihre Lippen, ste stöhnte und keuchte nur; e« war rote da« Röpeln eine* Sterbenden. Sie schlug mir in« G. ficht, fie zer- rauste mir da« Haar unb ben Bart, fie versuchte mich zu würgen, unb plötzlich fühlte ich einen heftigen, stechenden Schmerz im 8lrme; ihre Zähne hatten stch tief in meinen Arm eingebohrt, unb dann sanken ihre Arme schlaff herunter. Ich schrie um Hilfe; vergeben» — unsere ganze Straße schien aurgestorben. Ich trug ste hinweg in eine andere Straße, unb neben mir schleppte sich jammernd mein arme» Kmd einher. Da trat ein Mann auf mich zu. „Hilfe, Hilfe!" schrie ich, „e« brennt, mein Kmd im Feuer I" Mehr brachte ich nicht heraus, aber bie Worte hatten meine Frau wieder zu sich gebracht; von Neuem begann ste zu toben, zu rasen; wir konnten fL kaum bändigen.
(Fortsetzung folgt.)
dahin kommen, daß in und über den Wolken Schlachten geschlagen werden. Besser wäre es freilich, wenn das lenkbare Luftschiff überhaupt nur friedlichen Zwecken dienen müßte, für die e» so segensreich wirken könnte, daß man wünschen muß, es möge nicht mehr lang zu vermissen sein.
Um von den vielen Annehmlichketten, die der Lustschiffverkehr böte, nur eine noch zu nennen, soll darauf hingewiesen werden, wie viel unter» haltender ein Weg ben Wolken nahe oder über ihnen sein muß, gegenüber einer Eisenbahnfahrt im Bummelzug durch eine recht eintönige Gegend. Da» Luftschiff wird im Menschen den Neid auf die Vögel zum Schweigen bringen, einen feiner ältesten und heißesten Wünsche erfüllen.
Aus Stadt, Broviuz uud Nachbargebiet.
F n l d a, 24. April.
• Heute Vormittag 7 Uhr begann da» diesjährige Musterungsgeschäst für die Militärpflichtigen hiestger Stadt. Morgen und an ben folgenden Tagen erscheinen bie Militärpflichtigen ber betr. Gemeinden de« Aushebungsbezirk» Fulda. Da«Musterung»geschäst dauert bis nächsten Montag, an welchem Tage zugleich da» Klassifikationsgeschäft stattfindet.
* Gutem Vernehmen nach findet die Eröffnung der Theilstrecke Fulda-Bieberstein der Rhön- bahn Fulda-Tann nicht, wie man anfänglich glaubte, am 1. Mai, sondern frühesten« am 15. Mai statt. E-enfo wenig dürfte bie landespolizeiliche Abnahme am 28. b. M. — einem Sonntag — stattfinden.
• Der hiesige Bienenzüchter»Verein läßt Ende diese« Monat« für feine Mitglieder eine größere Anzahl Ätainer Bienenvölker ans Oesterreich kommen. Die Rrainer Biene soll stch durch Fleiß, Sanstmuth unb größere Schwarmlust auszeichnen.
• Der hier vortheilhaftest bekannnte Musik- birektor Herr Olbrich au» Meiningen wirb nach längerer Pause am 4. und 5. kommenden Monat» mit seiner ganzen, von früher in bester Erinnerung stehenden Regimentskapelle in der „Harmonie" hierfelbst einige Concerte geben.
• Die nächste Prüfung für Hufschmiede (Gesetz vom 18. Juni 1884) findet bei der hiesigen Prüfungskommission am Donnerstag, ben 6. Juni d. I. statt. Die Melbungen zu der Prüfung fino an Herrn Kreisthi-rarzt Eberhardt Hierselbst zu richten. Zum Anschaffen unb fleißigen Durchlesen wird denjenigen, welche die Prüfung ablegen wollen, „Anleitung zum Bestehen der Hufschmied» Prüfung" von Professor Dr. Möller, Preis 1 Mark, empfohlen.
• Wie man der ,C. A. Z/ von hier schreibt, kam am Morgen be« ersten Ostertage» auf hiesiger Station ein Arbeiter durch, welcher feine» gleichlautenden Namen« halber feiner Zett in Rostock mit einem Fahnenflüchtigen de« 81. Jasanterie- Regiments verwechselt und verhaftet wurde. Nachdem sich seine Unschuld herausgestellt, wurde er, vom Hauptmann reichlich beschenkt, mittelst Mili- tär-Freifahrtscheins in feine Heimaih Stettin entlassen. — Auf einem Gute im Kreise Fulda verübte ein Bettler am Ostersonntag einen frechen Diebstahl, indem er bie zufällige Abwesenheit be« Gutsherrn dazu benutzte, annähernd 60 Mk. au» bem Tischkasten zu entnehmen. Ueberhaupt scheinen die Bettler ihr Metier in neuerer Zett mehr und mehr mit dem Diebe zu vertauschen. Erklärte doch erst kürzlich ein Dieb, welcher von zuständiger Sette gefragt wurde, warum er denn nicht lieber feinen Unterhalt mit Betteln, denn mit Stehlen bestreite (derselbe hatte schon über 14 Jahre im Zuchthause gesessen), ganz kategorisch, daß er grundsätzlich nicht bettele, da er sonst in'» Besse- rungshau» komme, e« ihm im Zuchthaus aber besser gefalle!
• Wie f. Z. mitgetheilt, hat sich in Berlin ein „Verein der Hessen" gebildet, der j tzt schon an 50 Mitglieder zähtt, gesellgs« Zusammenführen unserer Landsleute in ber Reichshauptstadt bezweckt und den nach dott Reisenden mit Rach und That zur Sette stehen will. De« Weiteren beabsichtigt er bie hessische Geschichte zu pflegen unb fand ber erste zu biesem Zwecke gehaltene Vortrag vor einiger Zett burch ben Schriftführer be« Verein« statt, welcher „Heber bie angeblich nach Amerika verkauften H ff en" sprach. Der Vortragende erntete reichen Beifall. Auch einen Ball