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Dienstag, den 23. April.

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(2. Fortsetzung.)

von den grauenhaften Scenen, deren Zeuge ich oft gewefen, aber geschwätzige Passanten oder die au» ihren brennenden, zerschossenen Häusern Fliehenden erzählten ihr genug; die Flammen, wüche bald da, bald dort an» den Dächern hervorbrachen, und die Kugeln, welche auch untere Straße nicht ver­schonten, verkündeten ja eine Schauermär um die andere und hielten sie stet» in einem Zustande der heftigsten Aufregung, die zuweilen in UazmeA nungsfähigkeit ausartete. Die» beängstigte mich fortwährend und ich war in steter Sorge um sie.

So eilte ich einer Tage» heim, e» war schon spät am Nachmittage; ein heftiger Wind hatte sich erhoben und jagte ganze Wolken dicken, s^varzen Rauche» über die Festungswälle hinau», ich sagte mir selbst, daß die ganze Stadt in Gefahr kom­men linnte, wenn der Wind sich drehte, und ich befchleuntgte meineSchritte. Am Klebeiplatze sauste eine Kugel an mir vorbei, eie nur zu bekannte» zischendes Pfeifen, ein Knall, einige zerbrochene Pflastersteine flogen mir um die Ohren, dann bog

zoll» für Schnittblumen, Bindereien, Pflanzen, Gemüse u. s. w. keine Folge zu geben.

• Die Vorlage bett, die Reform der Ein- kommensteuer foll dem Abgeordnetenhause erst nach Ostern zugehen. Die erste Lesung soll noch in der ersten Hälfte de» Mai statifinden.

• Zur Pfarrgehälterfrage wird der ,Kobl. Vztg.' von der Mosel geschrieben: ,^Vor einiger Zeit wandte ich mich, gestützt auf die Ver- sügung de» Kultusminister«, an die Regierung und ersuchte mir baldigst meine gesetzmäßige Auf- befferung von 1500 resp. 1800 Mk. auszahlen iU lasten. Vor einigen Tagen bekomme ich oen Bescheid, „daß nach einem Erlöste de» Herrn Ministers der geistlichen rc. Angelegenheiten vom 16. März d. I. bezüglich der künftigen Berechnung be» Dienstalters der katholischen Pfarrer zum Zwecke der Einkommens-Aufbesserung binnen Kurzem neue Bestimmungen ergehen werden, und bi» dahin die Emreichung von Vorschlags-Nachweisungen zur Aufbesserung der Besoldung katholischer Pfarrer zu fistirm feiV

* Sigmaringen, 22. April. Prinz Fer­dinand von Hohenzollern, der Thronfolger von Rumänien, ist hier eingetrvffen, um morgen nach Berlin zum Besuche de» Kaiser» abzuretfen. Der Prinz wird demnächst in Bukarest erwartet.

* München, 20. April. Die Beantwortung der Denkschrift der bayerischen Bischöse machte laut der .Köln. Volkrztg.' in Rom den übelsten Eindruck. Daß da» Handschreiben de» Regenten einschrär.kungllo» aus den Standpunkt de» Minister« Lutz sich stellt, habe den Gegensatz verschärft; wei- tere Folgen feien unausbleiblich.

Ausland.

• Das Programm für den in Wien abzu­haltenden deutfchen Katholikentag ist nunmehr festaestellt. Am 29. April findet die konstrtmrende Versammlung statt, am 30. folgen Berathungen der Sektionen über die soziale Frage, die Schul- frage und wissenschaftliche Gegenstände. Am 1. und 2. Mai endlich finden beschlußfafiende Plenarver­sammlungen statt. An die vom 2. Mai schließt sich ein Abschiedsbankett.

• üebet da» Befinden des Königs von Hol­land liegt folgende trübe Meldung vor. Nach

brrrger Belagerrrngszert. - - - —.....1X *

Deutsches Reich

Berlin, 22. April.

* Das .Deutsche Wochenblatt' bekämpft die Sinekuren der Lotterteeinnehmer. Die 344 Lotterieeinnehmer hätten jetzt jährlich eine Einnahme von Mk. 2,302,504 oder durchschnittlich für die Stelle Mk. 6693. Da zahlreiche kleine Einnehmer- stellen vorhanden sind, so ist leicht auszurechnen, welche Einnahmen die großen Stellen haben. Die Einnahmen setzten sich zusammen au«: L Schreibgebühren Mk. 1 für da« Loo» und d e Klass- oder Mk. 8 jährlich, 2. Gewinnantheil von 1*/,—2 pCt. Der Lolterie-Einnehmer, in desien Kollekte das große Loos fällt (allerdings durchfchnittlick nur alle 60 Jahre) hat einen Ge- winn von M. 9000. Würde der Staat den Vertrieb übernehmen, so wüide die Schreibgebühr im Be­trage von Mk. 1,408,000 mehr al» ausreichend fein, die Bcttübrkosten zu decken. Der ganze Gc- winnantheil aber würde dem Staate zufallen, der mitbin bei einer bequemeren und gerechteren Ver- theilung der Loose, noch etwa 1 Mill. Mk. jähr­lich mehr Einnahmen zu erzielen im Stande wäre. Ob aber bei einem billigen Abkommen mit der Reich« post der Vertrieb der Loose nicht noch billiger herzustellen wäre, müßte die praktische Erfahrung | sehen. In dem Artikel wird vorg'schlagen, daß bei Bestellung durch die Post derjenige sein Loos oder feinen Loorantheil wieder erhält, der sie zur Erneuerung einfendet. Die nicht erteuerten Loose müßten durch eine Centralstelle in Mrlin den Be­stellern in der Art zugetheilt werden, daß, wenn die Zahl der Besteller überwiegt, die vor­handenen Loose unter dieselben durch Verloos- ung vertheilt werden. Auf diese Werse hört jede persönliche Begünstigung auf und der Loor- Vertrieb wird einfach und bequem. Eme einzige Centralstelle in Berlin genügt und alle LandeS- theile kommen gleichmäßig zu ihrem Recht, während heute namentlich die Bevölkerung des platten Landes und der kleinen Städte viel schwerer ein Loo» erhalten kann, als die Bewohner der Groß- Rä*te$)er Bundesrath hat beschlossen, den an ihn gelangten Petitionen deutscher Kunst- und Handelsgärtner um Einführung eines Emgavgr-

Wir wohnten in dem Stadttheile, den die heu­tige Steinstraße einnimmt. Damals war es eine kleine, unbedeutende Gaste, schlecht und recht wre alle anderen in dem alten, verbauten Straßburg. Da aber dies Viertel von der Bombardirung am meisten zu leiden halte, war ich tntt meiner Fa­milie in das Haus des Prinzipal« verzogen, da« aus der andern Seite des Kanal«, also schon mehr im Mittelpunkte der Stadt lag. Es war eine düstere, stille Straße mtt meist großen Gebäuden, deren Eigenthümer und Bewohner abgereist waren. Uns gegenüber zogen sich die hohen Mauern eines Waarenmagazin» entlang, das lange Gebäude lag wie ausgestorben, aber wir fühlten uns amficher- sten hinter den dicken Steinmauern. Wir hatten Proviant genug für eine gute Zeit, ich ließ meine Frau nie hinaus und ging selbst nur bann, wenn der Nachtdienst, zu dem wir h -rbeigezozen waren,

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einer unruhigen Nacht bekam der König hesttge Erstickungsansälle. Der Kranke, welcher in groß« Gefahr schwebt, war besinnungslos, al« plötzlich anhaltendes Bluterbrechen eintrat, welches nicht zu hemmen war. Die Königin Emma, sowie die Minister wurden sofort an da« Bett der Schwer­kranken geholt. Derselbe ist vollständig besin-

Dies" Tage wurde durch franzöflschel Zeit­ungen die bevorstehende Ausweisung Boulan­ger s au» Belgien in Aussicht gestellt. Eme offiziöse belgische Nachricht bemerkt demgegenüber, daß seitens der französischen Regierung ein bezüg- licher formeller Antrag nicht gestellt sei. Der ftanzöstsche Gesandte in Brüsiel Bourv- habe nur In einer Privatunterredung mit dem belgischen Minister der Auwärtigen Fürsten Chimay am da» Mißvergnügen hingewiesen, da» in Frankreich durch die Umtriebe der Boulangisten in Brüsiel hervorgerufen werde. Die Unterredung habe aber keinen offiziellen Charakter gehabt und sei nicht durch Bourös ertheilte Instruktionen hervorgerufen worden. Letztere» ist wohl nicht zutreffend, ver- muthlich hat der französische Gesandte den Auf­trag gehabt, die belgische Regierung über ihre Geneigtheit zu einem Vorgehen gegen Boulanger ,W ’Jii französischen Senat al« obersten Gerichtshof in Sachen Boulanger und Genossen einges.tzte Untersuchungskommfifion entwickelt eine recht lebhafte ThättgkUt. Tagtäglich äßt sie Haussuchungen vornehmen und die Verhaftsbefehle stiegen nur so. Während dem befinde^sich der General mit feinen Getreuen in voller Sicherheit in Brüsiel, arbeftet an seinem Feldzugsplan und erläßt Manifeste. Auch auf die Anklageschrift, auf Grund welcher der Senat berufen ist, sein Uriheil abzugeben, will Boulanger eine längere Erklärung loslasien. Einige Mühe hat er, unter seinen Getreuen die Einigkeit zu erhalten. Die Gesellschaft ist bekanntlich fehr gemischt.

* Frankreich hat feinen Beitritt zu der von der Schweiz angeregten internationalen Arbeiter- fchvtz-Konferenz erklärt.

* Der Kaiser von Rußland hat einen Uka» erlassen, welcher allen Mitgliedern des Kaiserhauses morganattsche Ehen verbietet.

tragend. Ich kannte ihn, es war ein für hohen Lohn vom Stadtamte angeworbener Todtengräber, ein verkommene» Subjekt mit rohen, grausamen Gestchtrzügen; aber man durste damals gewiß, nicht wählerisch, sondern mußte noch froh sein, wenn Hände da waren, die sich für diesen schauer- lichen, nie rastenden Dienst hergaben. Täglich und stündlich durchzogen sie mit ihrem Wagen die Stadt, da und dort dieFrüchte ihrer unheilvollen Ernte sammelnd. Al, ich den Mann mit dem gefühllosen, stumpfsinnigen Geficht»au«druck betrach­tete/ wie er mit einer mürrischen Bewegung die kleine Bürde auf die Schulter hob, hörte ich plötz­lich einen lauten Schrei, und in dem gleichen Augenblicke stürzte eme bleiche, abgehärmte Frau au» dem Hause auf den unheimlichen Menschen zu, und mit einem Rucke hatte sie ihm den kleinen Sarg entrifien und floh mtt ihm in da» Hau» zurück. Erschreckt fuhr der Todtengräber herum, bann trat er, einen derben Fluch ausstoßend, vol­lend» auf die Straß-. „Na, meinethalben foll sie den Balg nun auch behalten, zum zweiten Male gebe ich mir die Mühe nicht, ihn zu holen, sie wird ihn fchon von selber bringen, die alte Ver­rückte da drinnl" Dann steckte er die Hände in die Hosentaschen und ging unbekümmert weiter.

; Ich trat kurz entschlossen in da« Hau», in die > erste beste Stube. Wie ein Häufchen Unglück