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Deutsches Reich.
Berlin. 16. April.
* Der Kaiser ist heute in Wilhelrnthaven geblieben, um noch das Schulgeschwader zu inspi- ziren, das gestern nicht eingetroffen ist. Der Kaiser übernachtete im Salonwagen, welcher auf die Werst überführt war. Heute Früh ging der Kaiser an Bord des „Greif" in See, dem Schulgeschwader entgegen. Tausende erwarteten die Rückkehr desselben auf den Moolen. Kurz nach 12l/a Uhr kam Se. Maj. mit dem Schulgeschwader vor Wilhelmshaven zu Anker. Die Ankunft des Kaiser« in Berlin wird heute Abend gegen 10 Uhr erwartet.
* Die Kaiserin Friedrich erhält anläßlich der Galliera'schen Erbschaft zahlreiche Bettelbriefe, über deren Einsender finden Erhebungen statt und nur die wirklich Bedürftigen werden berücksichtigt.
* Dem bisherigen Kriegsminister, General der Infanterie von der Armee Bronsart von Schellendorff ist der Stern des Großcomthurn des Hausordens von Hohenzollern verliehen worden.
* Der englische Premierminister Lord Salisbury wird in Folge einer Einladung des Reichskanzlers Fürsten Bismarck demselben einen Besuch in Deutschland kurz nach Ostern abstatten.
• Für den Besuch des Königs von Italien in Berlin scheint nun auch der Tag festgestellt zu sein. Er wird mit aller Bestimmtheit der 20. Mai genannt. Voraussichtlich wird König Humbert, der von Crispi begleitet wird, auch dem verwandten sächsischen Hofe einen Besuch adstatten. — Der Aufenthalt des Königs von Italien am Berliner Hofe ist auf Tage bemefferr. •
• Auf dem Uedungsplatz der Luftschiffer- Abtheilung zu Berlin führte heute Vormittag der Luftschiffer Seroux eine praktische Probe mit dem von ihm hergestellten Fallschirm au«. Der Probe, welcher noch mehrere folgen füllen, wohnten der Kriegsminister, der Chef des Generalflabe«, der Stadtkommandant und viele andere höhere Offiziere bei. Der Fallschirm hat ausgespannt etwa 5 Meter Umsang. Der Lustschiffer gelanate mit demselben aus einer Höhe von über 1000 Meter sicher zur Erde.
* Zwischen den Deutschen und den Ausständischen in Ostafrika ist der .Times' zufolge vor etlichen Tagen ein kurzer Waffenstillstand abgeschloflen worden. Rach derselben Quelle nahm
J« Streulmfr.
Novelle von I. Gr.
(Schluß.)
Ein warmer Freudenschimmer flog über da» faltenreiche Gesicht des alten Freiherrn. „Gott, o Gott, nun wird die Zukunft wieder licht," stammelte er tief gerüht. „Norbert, wir beide find zwar alte, morsche Stämme, die bald absterben werden, aber war so frisch noch grünt, darf nicht verkümmern. Da« Glück unserer Kinder —"
„Soll neu erblühen," fiel ihm der Forstmeister rasch ins Wort. „Wenn Wittekind« Wunde gehellt ist, dann müffen auch die Herzenswunden hellen, nicht wahr, Töchterchen?"
Die letzten Worte galten der erröthenden Marie. Herr von Thüren aber drückte ihr einen väterlichen Kuß auf die Stirn und sagte herzlich: „Nun wirst Du doch noch meine liebe Tochter, und ein feste» Band, so wie e« einst beschlossen ward, wird unsere beiden Häuser vereinigen."
„Ich hoffe, sogar ein doppelte» Band, da» hält befl.r, — gelt, Otto?" rief der Forstmeister in so munterem Tone, wie ihn seine Kinder lange nicht von ihm gehört, feinem Sohne zu, der mit Irmgard flüsternd glückliche Worte tauschte.
Buschiri jüngst einige eingeborene Arbeiter gefangen, welche von den Deutschen in Bagamoyo bei Ausbesserung ihrer Häuser beschäftigt wurden; er ließ Jedem die rechte Hand abhauen und sandte fie alsdann zurück.
* Die Novelle zum Strafrecht und Preßgesetz soll neueren Nachrichten zufolge, die auf offiziöse Quellen zurückgeführt werden, nicht eher an den Reichstag gelangen, bis das Alters- und Jnvaltditäts-VersicherungSgesitz fertig ist. Da ein sachlicher Zusammenhang zwischen beiden Gegenständen nicht vorliegt, würde man nach taktischen Beweggründen suchen müffen, die allerdings unschwer zu rathen find. Man fürchtet offenbar, daß der Inhalt dieses neuen Maulkordgesetzes eine so weitgreifende Erregung Hervorrufen könnte, daß dadurch die mühsam erreichte Einigung über da« Altersversicherungsgesetz gefährdet würde.
* Münster, 16. April. An der heute Vormittag stattgehabten Beisetzung der Leiche de» Bischofs Brinkmann nahmen laut Telegramm der ,Köl. Vztg.' Theil der Erzbischof von Köln, die Bischöfe von Trier und Osnabrück, Wechhischof Cramer, Oberpräsident v. Hagemeister, zahlreiche Regierungsbeamte, Offiziere und Adelige, darunter Frhr. v. Schorlemer-Alst. Die Zahl der Theil- nehmer betrug im Ganzen etwa 10.000, darunter 20 Ordensleute, 300 Geistliche, das evangelische Presbyterium und die städtischen Körperschaften. Die Stadt hatte Trauergewand angelegt. Alle Läden waren geschlossen. Kapitelrvikar Dr. Giese hielt die Leichenrede.
A«Slarrd
* Der junge König Alexander von Serbien tritt im Juli d. I. eine Rundreise an die europäischen Höfe an. Er begibt fich zunächst zum Besuch des Kaisers von Oesterreich nach Ischl und von da zum Besuch des deutschen Kaisers nach Potsdam. Von hier reist derselbe nach Pari», wo er mit seinem Vater zusammentrifft und wird endlich den in Gegenwart des Czaren stattfindenden russtschen Truppenübungen bei Charkow beiwohnen.
* DieBoulangisten hielten gestern inVer- saille» ein Bankett ab, bei welchem ein phrasenhaftes eine nichtparlamentarische R publik fordernde« Schreiben Boulanger« verlesen wurde. Sonderlich klug wird man aus der Staatsform nicht,
„Ja, wenn ick dem Herrn Baron zum Eidam recht bin," rief Otto beinahe übermüthig. „Irmgard ist damit einverstanden."
Der Freiherr starrte sprachlos da» Paar an. „Irmgard, ist e» möglich, Du wolltest einen so zahmen Mann, wie der Otto einer ist?" rief er endlich in seinem alten, jovialen Tone.
„Ja, Vater, ich will ihn," sagte Irmgard bestimmt mit ihrer klaren vollen Stimme, „denn er hat recht: Wunden heilen ist doch noch besser, al» Wunden schlagen."
„Bei meiner ritterlichen Ehr' nun hat er uns geschlagen!" staunte der Alte. „Aber Gott segne Euch, meine Kinder!"
Werner hatte, als Unbetheiligter abseits stehend, mit seltsamen Empfindungen den ganzen Austritt angesehen. Nun gab es ein allgemeines Beglückwünschen. Auch Irmgard und Adele schlossen fich in die Arme, und letztere sagte frohbewegt: „Nun, mein Herz, haben wir beide, um un« zu sehen, nicht mehr heimliche Zusammenkünfte auf dem Strome oder im Walde nöthig."
Dann aber hatte fie sich von der friedlichen Gruppe gelöst und war hinter den Gardinen ihrer Fensternische verschwunden. Lange blieb fie indessen hier nicht allein, denn Werner schlüpfte plötzlich
welche Boulanget al» sein Ideal anpreist; er hat wohl auch schwerlich die Abstcht, darüber Klarheit zu schaffen. Da» Bankett hatte insofern ein Nachspiel, als die boulangistischen Depulirten Laguerre und Leheriffe, al« fie den Wagen zur Heimfahrt besteigen wollten, plötzlich verhaftet und gefolgt von einer schreienden Menge nach der Mairie gebracht wurden. Dort verhinderten Militärposten mit aufgepflanztem Bajonnet die Menge, in’« Gebäude einzudringen. Die beiden Deputirten beriefen sich auf ihre Unverletzlichkeit al« Abgeordnete und wurden nach Aufnahme eines Protokolls wieder losgelossen.
* Boulanger, Rochefort und Dillon ließen wegen befürchteter Konfiskation ihr in Frankreich befindlichesVermögen notariell übertragen.
* Auf Befehl des Czaren ist den russischen Zeitungen verboten worden, irgend etwa« über den Konflikt der „freien Kosaken" Aschinoff und seiner Gesellen mit der französischen Marineb.hörde zu veröffentlichen.
Aus Stadt» Vrovtuz Rachbargebier
Fulda, 17. April.
-r Die auf gestern Abend anberaumte Plenar- verfammlung de» Bürgervereins kam nicht zu Stande, weil die zur Beschlußfähigkeit nöthige Hälfte der ordentlichen Mitglieder — 133 — nicht erschienen war. Die nächste Plenarversammlung wird deßhalb am Mittwoch, den 24. April, Abends 8 Uhr im Lokal de» Bürgervereins statt- finden. In derselben muß nach den noch bistehen- den Statuten ebenfalls die Hälfte aller ordentlichen Mitglieder anwesend sein. Die Aenderung der Satzungen kann nur durch eine Mehrheit von ’/4 aller Anwesenden beschlossen werden. Sollte diese Plenarversammlung wieder nicht zu Stande kommen, so muß über die Frage der Erlangung der Korporationirechte und der Statutenänderung durch Zirkular schriftlich abgestimmt werden. Daß dabei von einer gründlichen und allseitigen Erwägung der Statuten, zu denen der Vorstand selbst schon Amendement» in petto haben soll, nicht möglich ist, dürfte wohl einleuchtend sein. Es wäre deshalb zu wünschen, daß die Mitglieder fich zur nächsten Plenar-Versammlung, zu der wohl wieder speziell eingeladen werden wird, in beschlußfähiger Anzahl einfinden möchten.
auch in die traulire, grüne Ecke, aus der er doch vor wenigen Stunden vor ihr entflohen war. —
Und nach einer Weile theilten fich abermals die verhüllenden Borhänge, und Nataliens spähende» Gesicht tauchte vor einem glückoersunkenen Menschenpaare ans. Mit einem Ausdrucke von Erstarrung erblickte die junge Dame, wie Adelen» Kopf an Werners Schulter ruhte, und wie er ihr Stirn und Mund küßte.
„Ei, da hätten wir wohl abetmals eine Verlobung !" lachte fie dann laut, und lebhaft sprudelte fie ihren Glückwunsch hervor. Im Innern aber seuf-te fie: „Drei Brautpaare ohne mich, das ist doch reine Schickialstücke. Aber den langweiligen Doktor Werner hält’ ich gar nicht gewollt," tröstete fie fich. „Der paßt zu Adelen, u-nb es ist doch gut, daß diese nun in die hübsche Universitätsstadt kommt, da kann ich mich gleich bei ihr ein» quartiren. Vielleicht ist jetzt der lange Adjutant, der mir so auffallend den Hof gemacht, Hauptmann geworden, und wer weiß, wer weiß, wie es dann noch wird!"
Doch in dieser Voraussetzung betrog fich Fräulein Natalie. Werner erhielt einen ehrenvollen Ruf als Professor an eine süddeutsche Unioerfität, und Adele folgte ihm al» seine Gattin dorthin. Da«