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Dienstag, den 16. April. 1889

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* Luxemburg.

Die Uebernahme der Regentschaft im Großher- zogthurn Luxemburg durch den Herzog Adolf von Nassau, auf welche voraussichtlich bald die end­gültige Uebernahme der Herrscherwürde folgen wird, ist ein Ereigniß, welches nach mehrfacher Richtung hin zu Betrachtungen anregt. Zunächst wird damit die definitive Aussöhnung zwischen dem preußischen Königshaus und dem nassauischen Herzoghaus besiegelt. Herzog Adolf hatte sich freilich längst in die neuen Verhältnisse gefunden; er hatte eine JahreSrente angenommen und von feindseligen Umtrieben gegen die Neugestaltung Deutschlands halte er sich stets ferngehalten; durch die Vermählung feiner Tochter mit dem Ecbgroß- herzog von Baden war er auch verwandtschaftlich dem badischen und preußischen Fürstenhaus nahe­getreten. Persönlich aber vermochte ihn erst die Aussicht auf den Antritt seines Erbes in Luxem­burg, aus seiner Zurückhaltung hervorzutreten. Der Zusammenkunft mit dem Kaiser auf der Insel Mainau im vorigen Sommer wird demnächst ein Besuch tn Berlin folgen. Luxemburg sieht auch heute noch in engen Beziehungen zu Deutschland; es gehört vor allen Dingen noch dem Zollverband an und die Eisenbahnen stehen unter deutscher Verwaltung. Damit sind die wichtigsten wirth- schaftlichen Interessen des Ländchens aufs engste mit Deutschland verknüpft uno es ist selbstver­ständlich, daß der Fürst sich nicht im feindlichen Gegensatz zu dem mächtigen deutschen R ich und seinem Herrscher stellen kann. In der fast ganz katholischen und trotz ihrer veutfchen Abstammung der französischen Sprache, wenigstens im amtlichen Verkehr, sich bedienenden Bevölkerung des so lange Zeit entfremdeten Landes mag die Zuneigung zu Deutschland zur Zeit noch nicht sehr groß sein. Es ist aber, eben wegen seiner wirthschastlichen Inte­ressen, für das Land vollkommen ausgeschlossen, eine andere staatliche Existenz anzustreben als im engsten Anschluß an Deutschland. Von Frankreich ist das Land bis auf eine ganz kleine Grenzstrecke seit der Einverleibung von Lothringen tn Deutsch­land vollkommen getrennt; eine Annäherung an Belgien kann auch nicht in Betracht kommen. Ge­wiß wird Niemand in Deutschland eine unmittel­bare Verbindung von Luxemburg mit dem deut­schen Reich fordern oder anstreben. Wir wüßten nicht, was das letztere dabei für ein besonderes Interesse haben sollte. Militärisch ist seit dem Besitz von Metz Luxemburg mit seiner halbge-

Im Shimlexft.

Novelle von I. Gr.

(14. Fortsetzung.)

Auch die anderen Damen verließen das Zimmer, während Werner und der Forstmeister bei Otto blieben, der mit sicherer Festigkeit Wittekind's Wunde untersuchte. Die Kugel war nicht sehr tief eingedrungen, und bald hatte er sie aufgtfunden.

„Gott sei Dank, sie hat keinen edlen Therl ge­troffen," sagte er, tief ausathmend. „Er ist nur von dem starken Blutverluste sehr erschöpft, bei Ruhe und guter Pflege wird seine kräftige, un­verdorbene Natur schon selbst das Beste thun."

„Ja, dem Herrn sei Dank, daß die Wunde nicht tödtlich war," sagte gerührt der Forstmeister, „denn Wittekind hat sie für mich empfangen."

„Für Dich, Vater?" fragte Otto gespannt, und nachdem er mit feiner sanften und geschickten Hand die Wunde verbunden hatte, gab der Forstmeister mit gedämpter, flüsternder Stimme Aufschluß.

„Ich war den Strom hinabgeschifft, um dem alten Thürcn eine Kassette mit werthvollen Doku­menten, die sich in unserem Hause gesunden hat,

schleiften Festung kaum mehr von Belang und politisch hätte die Aufnahme einer so entfremdeten und wenig geneigten Bevölkerung auch keinen Werth. Es wird alles bleiben, wie es war. Man wird nun erwarten dürfen, daß mit dem Einzug einer deutschen Dynastie, mit der Befestigung der wirth­schastlichen Beziehungen zu Deutschland, mit dem Schwinden jeder Interessengemeinschaft zu Frank­reich mit der Zeit die ursprünglich deutsche Na­tionalität der Bevölkerung wieder mehr hervor­treten wird. E» ist bemerkenSwerth, mit welcher Ruhe sich dieser Dynastiewechsel vollzieht. Wenn man sich erinnert, wie nahe ee im Jahre 1867 gewesen, daß die Verwicklung wegen Luxemburgs, bte beabsichtigte Erwerbung für Frankreich zum Krieg geführt hätte, konnte man sich beinahe wundern, daß jetzt eine „luxemburgische Frage" von keiner Seite aufgeworfen wird. Für Frank­reich ist freilich ein Erwerb des Landes feit Fest­stellung der Grenzen von 1871 ausgeschlossen, und die R:chtSfrage bei dem Thronwechsel ist auch so klar und einfach, daß nur böse Absicht daraus einen Konflikt machen könnte. Immerhin beweist die Ruhe, mit der sich diese Umwandlung, die in früheren Jahren leicht zu gefährlichen Verwicklungen hätte führen können, jetzt vollzieht, daß gegen­wärtig die Friedensströmung in Europa an allen Orten vorherrscht und daß die Befestigung der Grundbeziehungen der großen Mächte trotz aller dagegen gerichteten Umtriebe Fortschritte macht.

DerrtscheA Reich.

, Berlin, 15, April.

• Die Samoakonferenz wird etwa am 1. Mai zusammentreten. Den Vorsitz wird Fürst Bismarck selbst übernehmen.

* Das Steuerreform-Gesetz ist dem Ab­geordnetenhause angeblich bisher au» dem Grunde noch nicht zugegangen, weil noch die Ermächtigung des Kaisers ausstehe und auch die Begründung noch nicht fertig fein soll, lieber den Hauptinhalt der Vorlage hört die ,Magd. Ztg.' von „unter­richteter Seite", daß an Stelle der jetzigen Klaffen- und Einkommensteuer mit 3 pCt. vom Einkommen eine Besteuerung mit P/g pCt. vom Arbeitsein­kommen und eine solche mit 3 pCt. vorn funbirten Einkommen treten soll. Die Besteuerung des letz- teren würde j-doch nur von einer bestimmten Höhe desselben überhaupt eintreten. Kleine ersparte Ka­pitalien würden steuerfrei bleiben. Gegenüber der Verminderung des Prozentsatzes der Besteuerung

zu überbringen. Doch davon später, lieber Otto," unterbrach er sich, al» er des Sohnes staunend fragende Miene sah. „Nachdem ich das Boot an­gebunden, stieg ich den Burgberg hinan, den mein Fuß so lange nicht betreten hatte. Da wandte ich mich einmal nach dem Flusse um und sah ober­halb seiner großen Biegung ein Floß am Ufer liegen. Jetzt entdeckte ich, wie die herrlichen Stämme bei Seite geschafft wurden, und so schnell ich nur vermochte, eilte ich hinab und kam gerade dazu, wie die Spitzbuben auch noch einen srischgeschoff men Rchbock herveischleppten. Es war lauter fremdes Gesindel, kein Einziger au» unserer Gegend. Als ich sie antief, wollten sie rasch auf ihr Fahrzeug flüchten, aber wie si; gewahrten, daß ich allein und unbewaffnet, da änderten sie die Absicht. „Es ist der Forstmeister, dem wollen wir eins aufhän­gen I" schrieen sie. „Wir wollen ihn lieber selber aufhängen, mag er feinen höchsten Baum zieren!" lachte ein wilder Kerl mit berußtem Gesichte. Und ehe ich'» mich versah, war ich von den Strolchen Überfällen, und wahrhaftig, sie hätten ihre Drohung ausgeführt, wäre mir nicht unerwartet Hilfe ge­kommen. Irmgard und Wittekind erschienen plötz-

des Arbeitseinkommen» um die Hälfte würde der Dektarationrzwang stehen, welche eine gerechtere Veranlagung der Steuer bei den Nichtbearnten her» beizuführen hätte.

* Münster, 13. April. Die Leiche des Hin. Bischof« Johann Bernard wurde bereits heute Nachmittag in der Hauskopelle des bischöflichen Palais zur Schau ausgestellt. Das Ruhelager des hohen Verblichenen ist von einem Kranze grünender Bäume eingefaßt; am Fußende erblickt man einen Palmwedel mit Lilien und weißen Rosen. Die linke Hand des Dahingeschiebenen umfaßt ben Bischofsstab, während die rechte ein Sterbekreuz mit einem Rosenkränze hält. Das Haupt mit dem Bischofshuie ist sanft zur Seite geneigt. Der Be­such der weihevollen Hauskapelle war gleich vom Anfangs an fo stark, daß die trauernden Theil- nehir er da» BedÜrfniß ihres Hetzen» kaum befriedigen konnten. Diese Trauer wird durch den vollständig unerwarteten Verlust noch erhöht. Gestern Nach­mittag noch machte, wie man der .Köln. Vztgtt mittheilt, der selige Bischof dem Hcn. Sanitäts- ralh Dr. Bahlmann in der Klosterstraße einen Besuch, gegen 6 Uhr wurde er auf dem Rückwege von einem heftigen Unwohlsein befallen. Da» klare Bewußtsein blieb jedoch bi» zum letzten Augen­blicke. Am Abende sah der hochwürbigste Herr da» Domkapitel um sich versammelt, welche» bi» gegen 10 Uhr Abenbs anwesend war. Um 9 Uhr verlangte der Herr Bischof seinen Beichtvater, den Kapuzinerpater Aloysius, und empfing die Sterbe­sakramente. Der Zustand erschien zwar weniger bedenklich, aber gegen 3 Uhr Morgens trat eine Verschlimmerung ein, und wenige Minuten später hatte der Herr seinen treuen Diener zu sich in da» bessere Jenseits gerufen.

* O Idenburg, 15. April. Der Kaiser wohnte gestern dem Gottesdienst in der Garnisonkirche bei und frühstückte sodann beim Großherzog; später wurde eine Rundfahrt durch die Stadt unternom­men, Nachmittags war Galadiner im Palais. Abends brachte die Bürgerschaft dem Kaiser einen Fackelzug; die ganze Stadt war glänz-ud illumi- nirt. — Bei der Tafel toastete der Großherzog auf den Kaiser. Der Kaiser dankte für die herz­liche Aufnahme, sprach seine Freude über die von der Bevölkerung kundgegebenen patriotischen Ge­fühle aus uno schloß mit einem dreifachen Hoch auf ben Großherzog. Der Kaiser ist heute Vor­mittag halb 10 Uhr nach Wilhelmshaven abgereift.

* Straßburg, 14. April. H-ute Morgen

sich und drohten schon aus der Ferne den Hallun- ken mit ihren Flinten; da gaben mich diese frei und flüchteten auf ihr Floß, mit dem sie schleu­nigst abstießen; wahrscheinlich hatten sie gefürchtet, es kämen auch noch Andere zu Hilfe. Wir konnten sie nicht verfolgen, aber da f\e auf uns Feuer gaben, fo sandten auch Wittekmd und Irmgard ihnen einige Schüsse nach."

„AuchIrmgard kämpfte mit?" fragte Otto mit zufammengezogenen Brauen."

„Ja, da« muthige Mädchen kennt keinerlei Furcht," nickte der Formerster bewundernd, „aber als plötzlich ihr Bruder getroffen sank, da war sie außer sich vor Schmerz. Dar war eine böse Situation in der einsamen Waldgegend — denn war nun beginnen mit dem Leblosen? Den stellen Burgberg hinan konnten wir ihn nicht transpor- tiren, so eilte ich beim hin zu meinem Boot und ruderte dasselbe in die Nähe des Verwundeten, den wir Beide bann mühsam hineinschleppten und so auf die sanfteste Art hierher brachten, um ihn Deiner Hand zu übergeben, Otto. Gott sei Dank, daß Du den Fall nicht schlimm findest," schloß er bewegt. „Ach, es wäre für den Alten doch ein