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Montag, den 15. April.

1889

filiirr W 3citiuig.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Deutsches Weich.

Berlin, 13. April.

• Der Kaiser hat fich heute Abend nach Olden­burg begeben. — Der Kaiser begibt sich im Laufe der Sommers auf fünf Tage nach Bay­reuth, um den Wagner'schen Aufführungen bei­zuwohnen.

* Minister v. Maybach soll bei einem Fest- eflen, das er am vorigen Samstag-Abend gab, eine im Laufe des Gespräches sich bietende Gelegen­heit benutzt haben, um den Gerüchten über seinen angeblich bevorstehenden Rücktritt entgegenzutreten. Es verdient hierbei bemerkt zu werden, daß auch der Staatssekretär v. Stephan zu dem Mahle eine Emladung erhalten hatte, daß er aber durch eine Dienstreise am Erscheinen verhindert war.

* Anklage wegen Majestät- - Beleidigung ist gegen den verantwortlichen Redakteur der Volks­zeitung, Oldenburg, nunmehr doch wegen des Artikels über den verstorbenen Kaiser Wilhelm I. eingeleitet worden. Dieselbe wird angeblich in der Weise konstruirt, daß, weil der jetzige Kaiser sich in jeder Hinsicht mit der Gesinnung und Handlungsweise seines Großvater« einverstanden erklärt habe, derjenige, welcher da« Andenken de» Großvater« beleidige, auch ihn beleidige. Eine solche „Konstruktion" wäre von gerade beängstigender Kühnheit.

• Rach einer von den englischen Missionen in Sansibar eingegangenen Nachricht berichten die englischen, aus dem Innern in Bagamnyo einge­troffenen Missionäre, daßBuschiri mit Wißmann wegen eines Friedensschlusses verhandele.

* Der Dampfer „Lübeck" hat aus Samoa die freudige Nachricht überbracht, daß die .Kreuzer- korvette „Olga" wieder flott gemacht, auch nur leicht beschädigt ist und noch Sydney absegeln wird. Der „Nipflc" dagegen sei stark beschädigt, und es erscheine zweifelhaft, ob derselbe nach Amerika werde zurückkehren können. Im Uebrigen herrsche aus Samoa vollständige Ruhe. Ein bei der Direktiou de« „Norddeutschen Lloyd" in Bremen eingelaufener Telegramm bestätigt die frohe Bot- s'aft. Die Kreuzer korvette „Olga" ist in Begleit­ung des Norddeutschen Lloyddampfer« „Lübeck" heute in Sydney eingetrossen. Nach einer weiteren Meldung des Reuter'schen Bureau'» au« Sydney wird die „Olga" dortselbst die erlittene Havarie repariren. Auf dem Dampfer „Lübeck" befanden sich zwei Offiziere und 30 Mann de« gestrandeten

Jm Stromhixsk.

Novelle von I. Gr.

(13. Fortsetzung.)

Etwa zwei Stunden später war Werner auf seinem Zimmer damit beschäftigt, seine wenigen Sachen zuiammenzupacken, al« plötzlich ein schril­ler Angstschrei die Stille de« Hause« durchdrang.

Da« mußte Marien'« Stimme gewesen sein! Der junge Mann lauschte athemlo« hinab auf da» Geräusch und die Bewegung, welche dem Schrei folgte, und eilte dann int nächsten Momente in’« Erdgeschoß hinab.

Welch' ein Anblick bot fich thm hier dar! Durch die nach dem Flusse führende Hinterthür hatte der Forstmeister mit seinem Burschen eben einen Tobten oder Schwerverwundeten hereingetragen. Em Blick aus die hünenhafte Gestalt in blutbefleckten Jäger- kleidern und ein zweiter in das von einem dlon- den Volltart umrahmte todtsahle Männergesicht ließen Werner den Unbekannten aus der Wald schenke erkennen — ihn, der so übermüthig der Gefahr gespottet hatte! — Und da war ja auch der Hund N.mrod, da» mächtige, treue Thier;

„Adler", sowie die überlebenden Offiziere de» „Eber". Dieselben gehen am 24. April an Bord de« Reichspostdampfers „Habsburg" nach Deutsch­land zurück. Um die deutschen Interessen in Ap!a zu schützen, ist daselbst ein Wachtkommando von 100 Mann zurückgeblieben. Die Streitigkeiten unter den Eingeborenen haben zur Zeit aufgehört und bat Maatafa den größten Theil seiner Leute entlassen.

* Posen, 13. April. Schon wieder ist ein Gneser Lehrer polnischer Nationalität nach dem Westen der Monarchie versetzt worden. Es ist dies laut der .Köln. Vztg.' ein Herr Michael Lakowskt, welchem eine Lehrerstelle in Lamersdorf bei Düren in der Rheinprovinz, übertragen wurde.

* Münster, 13. April. Der Hochw. Herr Bischof Dr. Johann Bernard Brinkmann ist in Folge eine« Schlaganfalls, welcher ihn gestern beim Ausgehen betroffen, heute früh 3 Uhr im Alter von 76 Jahren und 2 Monaten gestorben. Die Bestürzung und die Trauer sind groß. Der ver­ewigte Bischof war geboren am 4. Februar 1813 in Everswinkel (Kr. Warendorf), zum Priester geweiht am 25. Mai 1839 und als Bischof kon- sekrirt am 4. Oktober 1870. Durch Allerhöchste Ordre des Kaiser« Wilhelm vom 21. Jan. 1884 wurde Bischof Brinkmann, gegen welchen durch gerichtliches Urtheil de« sog. „Kirchlichen Gerichts­hofes" am 8. März 1876 „auf Entlassung all­dem Amte als Bischof von Münster" erkannt war, begnadigt. Am 11. Febraar 1884 Abends 12 Uhr traf Bischof Brinkmann, welcher die Zeit seiner Verbannung in Holland verlebt hatte, in aller Stille wieder in Münster ein. Am 12. wurde ihm ein großartiger Fackelzug gebracht, wobei Freiherr v. Schorlemer-Alst die Anrede hielt. In wenigen Wochen — am 25. Mai d. I. — würde Bischof Brinkmann sein fünfzigjähriges Priester-Jubiläum haben feiern können — jetzt hat Gott seinen treuen Diener und Bekenner plötzlich zu fich gerufen, um ihm die Krone de» ewigen Leben» zu geben.

* Oldenburg, 14. April. Der Kaiser traf heute früh hier ein. Am Bahnhof wurde er vom Großherzog empfangen, welchen er durch zweimalige Umarmung begrüßte. Am Eingänge der Heilig­geist-Straße, wo eine Ehrenpforte errichtet worden war, hielt der Oberbürgermeister v. Echter ck eine Ansprache. Auf dem Wege bi« zum Schloß bil­deten Truppen, Krtegervereine, Innungen, andere Vereine und die Schulen Spalier. Die Stadt ist prächtig geschmückt.

mit rührendem Schmerzensausdrucke umwtnselte es seinen leblosen Herrn, der behutsam in de» Hausherrn Schlafzimmer getragen und auf das Bett desselben niedergelegt wurde.

„Um Gottes willen, wa» ist pasfirt?" fragte Werner den verstört aussehenden Forstmeister.

„Ein Schuß ist ihm in die Brust eingedrungen," versetzte dieser leise. „Später sollen Sie Alle« hören; j.tzt lasfin Sie vor Allem Boten nach mei­nem Sohne ausgehen."

Werner vollzog den Auftrag; als er dann wie­der in das Zimmer trat, sah er erst j tzt einen jungen Mann, der am Fußende de» Belte» saß und heftig hinter feinen vorgehaltenen Händen weinte. Da« war der junge Baron von Thüren; Adele trat zu demselben und sprach, den Arm um s.inen Kopf legend, sanft tröstend auf ihn ein. Werner preßte die Lippen zusammen und wandte fich zu Herminchen und Natalien, die zitternd und rathlos in einer Ecke standen

„Ach, wenn nm Otto käme, der kann doch dem armen Wittekind am besten helfen," schluchzte Her- minchen.

„Wittekind?" Werner sah sie groß an.

Ausland.

* Der Kaiser von Oesterreich wird heuer in Folge der Hoftrauer weder persönlich die Fuß­waschung vornehmen, noch an der Auferstehungs- Prozession theilnehmen. In Folge dessen entfällt auch die Betheiligung de« Hofstaate«. — Heber eine Reise des Monarchen nach Berlin .wurden von den Blättern viele Unrichtigkeiten gebracht. Thatsache ist nur, daß eine Begegnung mit dem deutschen Kaiser im Monate August im Plane steht, der Ort aber noch nicht bestimmt ist. — Die mit voller Bestimmtheit aufgetretene Meldung, daß das Jagdschloß Mayerling, der Schau­platz des Kronprinzen - Dramas, auf Anordnung Sr. Majestät de« Kaiser» theil« al« Karmelitin- nenkloster, theil« als Versorgung-Hau« für Witt- wen und Waisen von Forstbediensteten bestimmt sei, ist verfrüht; Schloß May rling ist zwar in den Besitz des Kaisers aus der kronprinzlichen Ver- lassenschaft übergegangen, aber eine endgiltige Ver­fügung über die künftige Verwendung noch nicht getroffen, wenn auch eine solche zu kirchlichen und Humanitären Zwecken jedenfalls den Intentionen des Monarchen am besten entspricht. — Mit großer Bestimmtheit tritt das Gerücht auf, daß Se. Excellenz Fürsterzbischof Dr. Eder von Salz­burg, Primas von Deutschland, im nächsten Kon- fistoetum den Kardinalshut erhalten wird.

* Wien, 13. April. Die schon seit geraumer Zeit eingeleitete Aktion, um da« hiesige „Vater­land" zu einem großen kath.-kons. Centralorgan für die gesammte Monarchie umzugestalten und e« inhaltlich derart zu bereichern, daß e« mit den liberalen „Welt"blättern nach jeder Richtung hin konkurrtren kann, hat nun dazu geführt, daß fich die jetzigen Eigenthümer de« „Vaterland" mit einem Aufrufe an die Katholiken der Monarchie gewendet haben. E« wird darin da« politische Programm und die projektierte Bereicherung de» Blattes eingehend ausgeführt, die ab 15. Noo. d. I. in der Voraussetzung erfolgen soll, daß bis 15. Mai sich 10 000 Abonnenten (Abonnements, preis mit Postzustellung 24 fl.) gefunden haben. Der Aufruf oppellirt warm an die kräftigste Unterstützung der bemittelteren Katholiken Oister- reich» und des deutschen Reiche» und ist es nur zu wünschen, wenn derselbe auch greifbaren Erfolg erzielt. Ein politisches Centralorgan der öster­reichischen Katholiken ist schon seit langem ein Bedürsniß; möge es gelingen, ein solcher, allen Anforderungen entsprechende« Organ zu schaffen!

„Nun ja, wissen Sie denn nicht, daß der Ver­wundete der Baron Wittekind von Thüren ist?

„DerVerwundete istWittekmdvonThüren? Der Verwundete?" ftagte Werner gespannt. „Wer aber ,st denn Jener?" Und seine Augen schweif­ten noch einmal zu der Gruppe'am Bette, deren Anblick ihm doch eine eigen schmerzhafte Empfin­dung weckte.

„Ach, das ist ja Irmgard, Irmgard von Thüren, die stets in Männerkleidern auf die Jagd geht."

Irmgard war es, in Männerkleidern! Werner hätte laut jubeln mögen bei dieser Mittheilung — wie eine Binde fiel es »hm plötzlich von den Augen.

Da trat Dito, der sehnlichst Erwartete, ein. Wie von halber Angst befreit, athmeten Alle auf, nur Irmgard rang die Hände und rief in leiden­schaftlichem Schmerze: „Ach, Otto, Otto, Wirte­kind stirbt! Helfen Sie, wenn Sie hier helfen können!"

Otto sah die Jammernde mit einem tiefiesieg­ten Blicke an, dann fchaute er im Kreise umher — et begriff ja nichts von Allem, was um ihn vorging.

„O mein Vater, mein armer alter Vater; e«