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1889
i Das Memorandum der Bischöfe Bayerns
und die ministerielle Antwort.
Nachdem im Diözesanblatte für Regensburg die Vorstellung des bayerischen Episkopate« für den Diözesanklerus veröffentlicht worden war, galt er als selbstverständlich, daß in kurzer Zeit auch die Laien Kenntniß von dem Schriftstück erhalten würden, wie ja auch die im Jahre 1850 verfaßte Denkschrift der Bischöfe veröff.ntlicht worden ist. Die neue Allerunthänigste Vorstellung -der Bischöfe ist ein reichhaltige» Verzeichniß von berechtigten Klagen, Beschwerden und Wünschen, die sich zum Theil zurückdatiren lassen, bi» zur Erlassung de» Konkordate» und de» Religionsedikte». Zwei Gegen« fetze, die sich diametral gegenüberstehen, wurden gleichzeitig al» VerfaffungSgesetze erlassen. Während da» Konkordat die katholische Religion al» bevorzugte Religion bi» Königreiche» proklamirte und der bayerischen Krone Prärogative einräumie, die nur katholischen Regenten eingeräumt werden können, schlug da« Religionredikt die katholische und die protestantische Religion in die gleichen starren Fesseln der Staatsgewalt. Die letztere erlebte im Laufe de« Jahrhundert« eine kleine Verschiebung; au« dem absoluten Monarchen wurde ein konstitutioneller, und der Kultusminister de facto der oberste Regent der katholischen Kirche in Bayern.
Die Widersprüche zwischen Konkordat und Re» ligionsedikt sind so offenkundig, daß schon gleich nach Erlaß der Verfassung Bitten und Klagen an König Max I. herantraten, der dann durch die Tegernsce'r Erklärung vom 15. Frbr. 1821 den offenen Bruch zwischen Staat und Kirche verhinderte durch das Königswort, daß im Kollision«» falle jederzeit das Konkordat den Vorrang haben solle. König Max II. erließ am 8. April 1852 eine Entschließung an die Kcei«regierungen, welche dieselbe Willensrichtung kundgab.
Am 20. November 1873 hat Minister Dr. v. Lutz die königliche Zusage von 1852 zurückgenom- men und die Grundlage dieser königlichen Zusage, die Tegensce'e Erklärung in der Abgeordnetenkammer bei Berathung de« Anträge« Atchbichler al« „unhaltbare Phrase" ohne staat«rechtliche Bedeutung bezeichnet. Das Religionsedikt machte
I» Strintzerse.
Novelle von I. Gr.
(11. Fortsetzung.)
„Von ihrem männlichen Muthe bis zur Unweiblichkeit ist stet« nur ein Schritt," murmelte der Forstmeister finster.
Otto'» Gesicht röthete sich leicht. „Vater, hät« test Du heute gesehen, mit welcher freudigen und beherzten Thatkrast Irmgard Hand an'» Werk gelegt, Du hättest ste auch bewundert," versetzte er nicht ohne einen Anflug von Gereiztheit.
Schnell, wie die Fluth gekommen war, zog sie sich auch zurück, doch hatte sie in der kurzen Zeitdauer genug Verheerung angerichtet.
Manche« Stück Vieh hatte in der Hochfluth seinen Tod gefunden, und wenn auch die Hütten dem anstürmenden Elemente Stand gehalten, die Felder hatten doch großen Schaden gelitten und alle« Grummet war von den Wiesen hinweggeschwemmt. Die armen Ortsbewohner waren in die größte Roth versetzt und dringender Unterstützung bedürftig. Otto ließ es sich jetzt besonders angelegen sein, mit unermüdlichem Elfer den Leuten beizustehen, und die Art und Weise, in der er die« that, war ganz dazu angethan, ihm mehr
seine Herrschaft geltend, und die Klagen der Katholiken, der Bischöfe und de« Volke« mehrten sich.
Die hochwürdigsten Herren Erzbischöfe und Bischöfe reklamiren in ihrer nunmehr veröffentlichten Vorstellung zunächst die volle gesetzgebende, verwaltende und richterliche Gewalt der Kirche, auf welche nach dem Religionsedikte das Schutz- und Aufstchtsrecht ausgedehnt werden will. Die Bischöfe nehmen zu dieser Frage dieselbe Stellung ein, wie 1850 ihre Vorgänger. Mit den durch da« Konkordat gewährten Befugnissen der Bischöfe steht da« längst veraltete Pla- cetum regium in Widerspruch, da« 1870 zur Verkündigung der Beschlüsse de» Vatikanischen Konzil« in Bayern nicht ertheilt wurde. Mis- stonrpredigten und andere Predigten von Ausländern bedürfen der Genehmigung des Kultusministeriums, das z. B. einmal dem „Ausländer" Bischof von Mainz, Frhrn. v. Retteier nicht erlaubte, in der Pfalz zu predigen, während hingegen der altkatholische „Bischof Reinkevs" in Bayern herumpredigte und auch „firmle", al» ob da» Konkordat nicht ausdrücklich sagte, daß e» nur 8 bayerische Diözesanbischöfe gebe, denen allein die Ausübung bischöflicher Rechte und Gewalten zusteht.
Eine besonder« stattliche und schwerwiegende Reihe von Klagen haben die hochwürdigsten Herren bezüglich de» Unterrichts und der Erziehung zu stellen. Auf den Universitäten herrscht der krasse Materialismus und streut den Sauun für die sozialistischen, revoluttonären und anarchistischen Bestrebungen au«. E« liegt im Interesse des Staates selbst, daß er die so sehnlich gewünschte Restauration der christlichen Wissenschaft unterstütze. Die Bischöfe verlangen, daß die Theologen auch im deutschen Kollegium in Rom studiren dürfen. Bei Anstellung der Professoren an den theologischen Fakultäten der Unversiiäten und an den Lycee» soll der Diözesanbischof gehört werden, ebenso bei Anstellung der Religionslehrer an den Mittelschulen. Die Staatsbehörde möge niemals einem Manne ein öffentliches Lehramt anvertrauen, welcher dem Freimaurerorden angehört. Der Unterricht in der Profan-, Literatur- und Kirchen« gefchichte soll stets in die Hände- religiös denkender Männer gelegt, und auch in den Mittelschulen der religiöse Charakter thunlichst gewahrt werden. Es soll der Schulgottesdienst an Sonn- und
und mehr da« allgemeine Zutrauen zu erwerben. Er hatte einen warmen Aufruf in einer vielge- lescnen Zeitung erlassen und reichliche Spenden strömten nun herbei, die er freudig unter die Nothleidenden vertheilte.
Der Forstmeister hatte Werner herzlich gebeten, seine Abreise noch hinauszuschieben, und dieser hatte stch gern, sehr gern länger halten lassen. Er wollte auch nicht gehen, ohne vorher eine FragfanAdelenzu richten, an die ihm das Wohl oder Wehe seines Herzen» geknüpft schien. Doch hatte er sie nicht mehr allein gesprochen fett jenem störenden Dazwischentreten Natalien» im Gärtchen, wo die Entscheidung so nahe gelegen. Der sonst so ruhige Meeresspiegel seine» Seelenleben« war mit einem Male in stürmischen Wellenschlag gebracht, und ein Schwanken zwischen Hoffnung und Furcht bewegte ihn mächtig und tief. —
Wieder leuchtete jetzt die Sonne mit enteilter Gluth von dem klaren Himmel hernieder, und sie hatte Adele« mtt ihrer Studienmappe hinausgelockt. Sinnend blickte Werner der leicht dahinschwebenden Gestatt nach; bald darauf nahm er mit einem plötzlichen Entschlüsse seinen Hut und folgte der Richtung, die sie genommen hatte. Sein Herz klopfte mit raschen Schlägen, al« er auf dem ein«
Wochentagen stattfiaden und viermal im Jahre sollen die heil. Sakramente empfangen werden. In den konfessionell gemischten Lehrer- und Lehrerinnenbildungs-Anstalten ist eine echt katholische Erziehung aus vielen Gründen unmöglich. Die Staatsregierung möge auf die konfessionelle Theilung bedacht sein. Lehrerinnen au» dem Ocdensstande sollen in Bezug auf ihre Qualifikationsprüfung keine Schwierigkeiten berettel werden. Die hoch». Herren Bischöfe sprechen stch auf das Entschiedenste gegen die Simultanschule aus, wünschen die Beseitigung der Ausnahmegesetze gegen katholische Ordensleute, bitten um Erleichterung des Militärgesetze» in Bezug auf ihre Priesteramtskandidaten und wiederholen schließlich die unterthänigste Bitte, der Landesherr wöge die Widersprüche in den Grundgesetzen de» Lande« entfernen und der Kirche in Bayern ihre Freiheit und ihr Recht geben.
Tiefbegründete, alte Klagen find e», welche der hochwürdigste Episkopat zusammengestellt und bi« in die neueste Zeit fortgeführt hat. Allem persönlichen Entgegenkommen in konkreten Fragen durch den Herrn Minister Dr. Frhr. v. Lutz steht die Thatsache gegenüber, daß Herr v. Lutz ein liberaler Minister ist, deff n Name sogar einen berühmten Kulturkaw pfparagraphen — lex lutziana (Kanzelparagraph) — schmückt. Zu einer end- giltigen Regelung in dem Sinne, daß die Tegern- see'r Erklärung wieder zur Geltung komme, versteht er sich nicht, wie er 1875 in der bayerischen Abgeordnetenkammer dirett und jetzt indirekt in seiner Beantwortung der bischöflischen Vorstellung erklärt hat. Die Antwort drückt im Eingänge da« aufrichtige Wohlwollen de« Regenten für die katholische-Kirche au« und erinnert daran, daß bereit« int Jahre 1882 vom Minister bei der Budgetberathung eine Reihe von Zugeständnissen erfolgt sei, die nunmehr von Sr. t. Hoheit dem Prinz-Regenten ausdrücklich bestättgt werden. Bei Besetzung der Lehrstellen an den Lyceen, der Professuren der katholischen Theologie an den Universitäten, lei Aufstellung der Religionslehrer an den Mittelschulen, bei Bestillung der Distriktsschultn- spektoren, der Jnspettor- und Präfektenstellen an den Seminarien werden die Herren Bischöfe gutachtlich einvernommen. Von der Abordnung landesherrlicher Kommissäre bei den Kapttelkonferenzen
fernen Holzwege dahinschritt, der Ufe immer tiefer in die grüne Walddämmerung hinein — feinem Schicksal entgegen! — führte.
Durch die grauen Baumstämme schimmerte eine kleine Lichtung; dort war ein lieblich stille« Plätzchen, da« von den mächtigen Bäumen hütend umschlossen wurde. Werner kannte er; einige roh gezimmerte Holzbänke waren in dem heimlichen Winkel angebracht, die Strahlen der Sonne leuchteten warm darauf, und eine Ahnung sagte ihm, daß er sie dort finden müsse! —
Zögernd kam er näher, und seine Blicke spähten scharf durch die Baumstämme. Ja, er hatte sich nicht getäuscht, dort war ste — aber welch' ein Bild erfaßten feine weit geöffneten Augen 1
Adele saß auf einer Ruhebank und schien einen der hohen Waldbäume zu skizziren, vor ihr auf dem grünen Moorboden aber ruhte ein schlanker, junger Mann, der geduldig Nacken und Schulter darbot al« Stützpunkt für ihre Mappe. Er hatte fein Gesicht halb mit der Hand bedeckt. Werner sah nur den blonden Lockenkopf und die grüne Kleidung, aber diese« genügte, um ihn sogleich den jungen Jäger erkennen zu lassen, der eine so auffallende Aehnlichkeit mit Irmgard von Thüren zeigte und kein Anderer al» ihr Bruder sein konnte.