mers und die Arbeiterversammlung finden im großen Saale des Schützenhofes, der sieben bis acht Tausend Menschen faßt, statt. Für die geschloffenen Versammlungen ist das Stadt-Theater in Aussicht genommen. Die Ausstellung für christliche Kunst soll in der Tonhalle Platz finden, die nach Bedürsniß noch vergrößert werden kann. Der Begrüßungs-Abend hat ebenfalls in den Schützenhof verlegt werdm müssen, weil die Lokale in der Stadt für diesen Zweck vorausfichllich nicht geräumig genug sein würden. Da» tu dm Hauptzügen und vorbehaltlich der Genehmigung durch den Kommissar festgestMe Programm sieht für dm Montag-Abend ein großer Gartenfest im Stadtpark vor. Der Dimstag-Abmd gehört den Studentm und evmt. dem Verbände der katho- ltschen kaufmännischen Vereine, der Mittwoch dm katholischen Arbeitern, mit welchen die hiesigen Arbeiter» und ähnliche Vereine sich zusammenfinden werdm. Besondere« Gewicht legt da» vorbereitende Comitö auf die Behandlung der sozialen und die Schul-Frage, auch soll der C e n t e n a r f e i e r der ftanzösischm Revolution gedacht werden.
* Coblenz, 10. April. Der Herzog von Nassau ist heute Vormittag von Coblenz nach Luxemburg abgereist, wo er an der Grenze von dm Ministern empfangen wird. Die Eiderleistung auf die Verfassung erfolgt morgen Nachmittag 3 Uhr.
Ausland.
* Das österreichische Abgeordnetenhaus hat das Wehrgesetz mit den Ammdemeuts des ungari- fchm Reichstag» mit einer Mehrheit von zwei Dritteln angmommen.
* Die ehemaligm bulgarischen Minister Radoslavow und Jovantehnow, welche wegm Beröffmilichung beledigender Aeußerungm über dm Fürsten Ferdinand von Koburg vor Gericht gestellt wordm warm, find zu einem Jahr Ge- fängniß verurtheilt wordm.
* Die französische Deputirtenkammer hat bett Gesetzentwurf, betreff, die Einsetzung de» Senat» al» oberstm Gerichtshof nach einer sehr stür- mischm und erregtm Debatte mit 318 gegen 205 Stimmen angenommen.
* Die Besetzung von Keren« und Armara« fettens Italiens soll beschlossene Sache sein. Die Besatzung bietet abgesehm von der Verpflegung keine Schwierigketten; mit Rücksicht auf die zunehmende Hitze müßte aber bald damtt vorgegangen werden. Die Kostm sind auf 6 Millionen Lire veranschlagt.
* Die griechische Deputirtenkammer wird am
mehr gefallm, — wo die Natur nun allm Reiz verlorm hat."
Er neigte feittett blonden Kopf herab und blickte ihr tief in die Augen. „Glauben Sie denn, nur das Natttrlebm habe mich so lange hier gefesselt?"
Erröthmd senkte sie den Blick. Ihre Finger, die auf der Ballustrade ruhten, schimm jetzt von einem leism Zittern umflogen, aber mit einem Male senkte sich seine Hand darauf und hielt diese feittett, bebenden Finger fest umschlossen.
„Fräulein Adele", flehte er läse mit dringender Stimme, al« sie noch immer schwieg, „ahnen Sie dmn wirklich nicht, wa» mit die ganze Seele eingenommen hat?"
Da erhob fie die Augen mit lieblicher Verwirrt- beit. „Sie haben e« ja selbst gesagt, daß fein Mensch Ihnen so viel fein und geben könne, wie die Natur," starnrnelle fie, und die süße Stimme bebte leise.
-Ja, ich habe da« gesagt, damals, als ich noch nichts befferes wußte", sagte er mtt raschem Äthern und vibrirendem Klange. „Nun aber, seitdem ich länger hier bin, in Ihrer Nähe bin —"
„Machm die Herrschaften Studim?" tönte plötzlich Nataliens überrnüthige Stimme im Rücken der beiden, Wemers erregte Worte jäh unter- brechend.
.is Adele fuhr rasch herum und wandte der Cou- fme"ihr erglühtes Geficht zu.
>M®i, bn« Thema war wohl recht interessant? ' »Itter Wnur nicht durch mich störm zu laffm," „M^diese spöttisch fort, von einem zum andern
-immer außer Fassung, aber Metrik W»' sAn^Mmehm ruhige Haltung wie- der gefundm, kühl erwiderte er: „Gnädiger Fräu- I
Freitag die Berathung betreff» der Anleihe von 80 Millionen zur Erbauung der Eisenbahn nach dem Piräus und der türkischm Grenze schließen. Die Annahme der Vorlage gilt als wahrscheinlich.
* Die russische Regierung plant eine Erweiterung der Hafenanlage von Sebastopol; dagegen soll Nckobajew als Krieg-Hafen ausgelassen werden.
• Das englische Unterhaus lehnte einem Antrag Clark betreffend Errichtung eine» schottischen Parlament« zur Verwaltung und Kontrole der schottischen Angelegenhetten mtt 200 gegen 79 Stimmen ab.
Au- Stadt, Brovirrz und Nachbargebiet.
Fulda, 11. April.
* Der „Jahresbericht über da« kgl. Gymnasium zu Fulda", mit welchem zu den heute, morgen und Sonnabmd stattfindenden öffentlichen Prüfungen und Schulfeierlichkeiten eingeladen wird, ist soebm zur Verthellung gelangt. Wir werden auf dm Bericht, der uns kurz vor Schluß des heutigen Blatte» zuging, in der morgigen Nummer zurück- kommm.
• Wir haben bekanntlich vor einigen Tagen gemeldet, daß unserem Landsmanns, Herrn Archi- tekten Karl Erb in Mühlhausen (Elsaß) für bett bei der dortigen „Industriellen Gesellschaft" eingereichten Plan einer künstlichen Hardt-Bewäfferung die Summe von 1000 Mark nebst einer Bronce- medaille zuerkannt worden fei. Jetzt bringt auch die .Franks. Ztg.' einen Artikel ähnlichen Inhalt», der in Folge unserer neulichen Mittheilung für unfere Leser von erhöhtem Interesse ist, und den wir deßhalb hier wörttich wiedergeben:
„Mülhausen, 9. April. Nachdem die Regierung die Ausführung des Projetts der Hardt-Bewäfferung in die Hand genommen hat, hat jetzt die „Industrielle Gesellschaft" den Preis zurückgezogen, welchen sie seit einer langen Reihe von Jahren für die beste, diese Frage betreffende Arbeit ausgesetzt hatte. Dieser Preis bestand au« einer silbernen Medaille und 4800 Mark, welche der Großindustrielle Herr Georg Steinbach der Gesellschaft zur Verfügung gestellt hatte. Die beiden Bewerber, die feit 20 Jahren sich für den Preis gemeldet hatten, Herr Ingenieur Kretz und Herr Architett Erb von hier, haben Beide für ihre der Gesellschaft überreichte Arbett je 1000 SRI., Letzterer auch eine Bronze-Medaille erhalten. Beide Ar- B eiten erfüllten trotz ihrer Bortrefflichkett nicht alle die Bedingungen, die wünschenswerth und nothwendig waren. Die Hardtgegend umfaßt etwa 25,000 Hektar unfruchtbaren KieSgeröllbodens, auf dem der großen Dürre wegen nur spärliche Vegetation gedeiht, selbst der Hardtwald weist nur wenige Bäume unterbeut meilenweit sich erstreckenden Buschwerk auf. In dem Siesgeröll verläuft sich das Wasser, und baut man Kanäle, so muß man zunächst auf
lein, biese» Thema war zu emst, um vor Ihren Ohren weiter fortgesetzt zu werbm."
Al» bie Bewohner be» Stromhauses am andem Tage erwachtm, sahen fie mit Entsetzen, daß der Fluß seine niedrigm Ufer total überschritten hatte, und das ganze Thal eüt weiter, weiter Wasserspiegel geworden war; trostlos ragten die Hütten und Bäume daraus hervor.
„Um Gottes willm, die! armen Dorfbewohner!" riefen die Damen erbleichmd aus. „Wir in unseren, festen, starken Mauem find ja sicher vor der Wuth de« Elemente«, aber ihre armseligen Hütten können nicht lange Widerstand leisten; fie müssen dem Einstürze verfallm."
„Wir müssen so rasch wie möglich Hllfe schaffen; ach, und e« sind viele Kratcke im Dorf," sagte Otto und er beellte sich, ein Boot lorzu» machen, währmd der Jägerbursche da« andere besetzte.
„Schafft die krankm Leute hierher!" rief der Forstmeister mit lauter Stimme den elligst Dahinrudernden nach. Otto wandte fich um und nickte dankmd dem Vater zu.
Werner hätte gern den Frmnd begleitet, aber da er de« Rüdem« unkundig war, so wäre er bei dem Werke der Rettung wohl nur ein Hinderniß gewesen.
Otto kehrte spät zurück. „Ach, ist da« ein Elend l" sagte er, den Schweiß von der heißgeröthetm Stim wischend. „Aber, Gott sei Dank, e« ist kein Mn- schenlebm zu Gmnde gegangen."
„Wo find die Kratckm?" fragte der Forstmeister mtt gemnzelter Stim.
„Sie find alle auf Schloß Thürm untergebracht. Irmgard und Wittekind waren schon frHer al« ich zur Stelle. „Dort in der letzten HMe liegt
l Mittel sinnen, um dem Einsickern desselben in den Boden vorzubeugen. Wie eS heißt, ist aber nun doch die AuS- führung des von der Regierung befürworteten Projekt« als nahe bevorstehend anzunehmen: Regierungsbeamte bereisten in diesen Tagen die Gegend, und der Plan, dessen Ausführung so lange auf sich warten ließ, wird jetzt so eifrig betrieben, daß man glaubt, im kommenden Jahre zur Ausführung schreiten zu können."
* lieber den Stand der Saaten im Regierungsbezirk Cassel veröffentlicht der,Reich«-Anz.' Folgmde»: Die durch das wärmere Wetter gut entroidetten, schon wiederstandsfähiger in den Winter gekommmm Saaten hat eine dicke Schneedecke gegen den schädlichen Einfluß der Kälte geschützt. Der Stand der Saaten kann zur Zeit im Allge- meinen al» ein günstiger bezeichnet werden, wenn auch die in Folge der niedrigen Temperatur zurückgehaltene Entwickelung der Wintersaaten noch kein sichere» Urtheil gestattet. Nur an einigen Stellen hat die Saat, besonder» der junge Klee, unter der zu dicken Schneedecke etwa» gelitten und ist gelb geworden, doch wird fich auch dieser bä günstigem Frühlingrwetter erholen. Ausgegangm find die Saaten nur zu einem geringen Theil.
* Unserer gesammten Schülerwelt möge folgender Vorfall zur Warnung dienen. Der elfjährige Sohn de« in der Metzerstraße wohnenden Hauswirth« B. in Berlin hatte einen scharfgeschnitzten Bleistift in die Tasche gesteckt und sich damit auf den Spielplatz begeben. Hier stürzte er bei einem Wettlauf zu Boden, und fließ sich dabei ben spitzen Stift mit solcher Gewalt in ben Unterleib, ^daß der Knabe wie leblos aus dem Platze liegen blieb. Der Knabe wurde nach der Charitee gebracht und dort mußten ihn, um einer Blutvergiftung vorzubeugen, bie tief eingedrungenen Blettheile durch eine schwere Operation au« dem Körper entfernt werben; der unglückliche Patient liegt schwer krank damieder. Da es besonders bei dem jüngeren Theil unserer Schülerwelt etwa« ganz Gewöhnliche« ist, Bleistifte, Schieferstifte, ja selbst Federhalter lose in der Tasche mit sich hemmzuführen, so mögen Haus und Schule nicht verab- säumen, anläßlich diese» Falle» auf da» Gesähr- liche solchen Thun» hinzuweisen.
* Die Zahl der jungen Leute, welche sich dem Volk»schullehrer--Amt widmen, ist im Sinken begriffen. Auf den preußischm Lehrerfemi- naren warm 1888 in Summ« fast 500 Zöglinge weniger vorhanden, al» die etatsmäßige Zahl be- trägt. Auch der Besuch der Präparandenanstalten ist zurückgegangen. Im Großherzogthum Sachsen- Weimar ist die Zahl der Seminaristen auf 94 herabgesunken.
* Der Vorstand des „Verbandes der deutfchm Perrückmrnacher und Frismre" hat beschloffen, noch der lahme Peter," rief fie, als sie mich er- blickte. Ich schiffte sogleich hin und nahm ihn in mein Boot auf, aber in'« Stromhaus wollte er durchaus nicht gebracht fein. „Schafft mich auf dis Burg," sagte er, und ich mußte dem eigensinnigen Alten ben Willen lassen; Schloß Thürm schien Allen eine bessere Zuflucht zu fein al» unser Haus."
„Art läßt nicht von Art!" rief der Forstmeister aus, und der strmge Zug um seinen Mund schien fich zu verschärfm. „Raubzeug - diese wie jene — da» hält zu einander."
„Vater, Du kannst e« doch nicht tadeln, daß sie den armen und Unglücklichen eine schützende Zuflucht bieten," sagte Otto mit sanftem Ernste. »Hier bewahrt fich da» echte Rttterthum und da» schön patriarchalische Verhältniß, wie e» seit ben ältesten Zetten zwischen dem Schlosse und dm Orts- angehörigen besteht."
„Zu solchem Ritterthume find wir frellich nicht verpflichtet," lachte der Forstmeister mtt grimmigem Spott. „Wir sind ja auch kein ritterbürtiges Geschlecht, mein Großvater noch war ein braver, ehrlicher Bürger."
„Aber die Pflicht der Menschlichkeit ist für uns dieselbe," entgegnete der Sohn fest. „Du wolltest ja auch selber die Unglücklichm aufnehmen, Vater, wenn sie nur mit mir gekommen mären," fuhr er mit weicherer Stimme fort, „aber alle, alle folg, ten Irmgard, die wie ein Rettungsengel zwischen ihnen mattete. Mit männiglichem Muthe hat fie ihr Leben auf'» Spiel gesetzt. - Ihr hättet fie nur sehen sollm," roanbte er fich mtt auflmchtm- tenben Augen an feine Schwestern.
(Fortsetzung folgt)