1889
Donnerstag, den 11. April
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*^Das Abgeordnetenhaus hielt heute seine letzte Sitzung vor den Osterferien, die bis zum 30. April dauern, ab. Ueber Petitionen um Einführung von Alterszulagcn bei den gerM chen Subalternbeamten und um Ausschluß der Militär-
anwärter von L- „ .
wurde zur Tagesordnung übergegangen. Der von den Polen unterstützte Antrag der Dänen auf Aushebung der Anweisung der Ober Präsidenten von Schleswig-Holstein vom 18. Dezember 1888 betr. den Unterricht in den nordschleswig schen Volksschulen wurde abgelehnt, der von der Regierung gleichfalls bekämpfte Antrag de» Abg.
v. Liebermann u. Gen. auf Beseitigung der fiskalischen Brückenzölle dagegen an die Budgetkom- Mission zur Vorberathung verwiesen.
• Bei äußerst schwach besetztem Hause setzte heute der Reichstag die zwette Berathung des Mer- und Jnvalidttätsversicherungsgesetzes fort. Abg. Schmidt-Elberfeld (ftf.) wünschte statistische Unterlagen über die Rentenberechnung, welche regierungsseitig zugesagt wurde». Abg. Rickert (frs.) wünschte, daß die bezüglichen Bestimmungen der Vorlage erst nach Eingang diese« Materials erledigt würden, womit sich Frhr. v. Frankenstein einverstanden erkärte. Die Bestimmungen über das Schiedsgericht wurden mit einem vom Abg. Grillenberger beantragten Zusatze angenommen, wonach al» Beisitzer mindesten» zwei Unternehmer und zwei Versicherte herangezogen werden müsien. Zu den Bestimmungen über die gegen die Entscheidung der Schiedsgerichte zulässige Revision fand ein Antrag de» Abg. Porsch (Ctr.) Annahme, wonach die Revision auch gegen solche Entscheidungen zuläsfig sein soll, welche gegen den klaren Inhalt der Akten verstoßen. Die Be- stimmungen über die Auszahlung der Renten durch die Post wurden unverändert angenommen. Wetter-
noch immer schmollenden Fürsten und dem preußischen Königshause langsam eine Aussöhnung an, welche wesentlich durch die Bemühung«, der Kaiserin-Wittwe Augusta im Herbst 1888 auf Schloß Mainau eine vollständige wurde. Al« Herzog Adolph 1866 seine Krone verlor, ließ sich für ihn nicht erhoffen, daß er «och ein Mal eine Herrscher-Rolle zu übernehmen berufen sein werde. Damals hatte der König von Holland — seit dem Wiener Kongreffe gleichzeitig Großherzog von Luxemburg — zwei im rüstigsten Jünglingsalter stehende Söhne und seinen damals in Luxemburg als Statthalter refidirenden Bruder, den inzwischen verstorbenen Prinzen Heinrich. Seiner Richtung nach gilt der zukünsttge Grobherzog al» Anhänger der alten Mettemicher Schule. Dem Liberalismus war er stet» abhold. In Luxemburg wird ihm die herzlichste Zuneigung entgegengebracht. Ueberall begegnet man jetzt schon im Lande feinem Bilde. Ar seiner Person verkörpert sich ja die Hoffnung auf die Wahmng der von jedem Luxemburger hochgehaltenen politischen Selbstständigkeit. Sie findet eine weitere Hoffnung in de» künftigen Großh«zog» Erbprinzen, dem jetzt 37 Jahre alten Prinzen Wilhelm. Den bloß bi» zum Oberste« aufgerücktm Vater hat er insofern überholt, al« er österreichischer General-Major ist. Da« sonach
in Luxemburg allerdings kein Feld der Thätigkett finden. Die gesammte Luxemburgische Armee besteht unter Einschluß de« ganzen Osfizier-Korp« au»
Da» Wetter hatte fich mit einem Male geändert, die Sonne war verschwunden, und regen- schwere«, graue« Gewölk bedeckte den Himmel. Dann kamen Güsse von tagelanger Dauer, die nicht enden wollten. Gewaltige Wassewa sie n strömten herab und ließen den Strom von Stunde zu Stunde höher steigen.
„Gott bewahr' un» vor Hochfluth , sagte der
Werner streifte den Freund mit einem Seitenblicke. „Aber sie blickt einen mit ihren großen, blauen Augen so ehrlich an, daß e« einem unter dem Blick ganz wohl zu Muthe wird."
„Ja", rief Otto mit Wärme au«, „Irmgard ist gut und wahr, ihr hoher Herzensadel versöhnt mit allen Auswüchsen ihre» Wesen»."
„Und wie ist der junge Baron Thüren?" hob Werner nach einer kleinen Pause wieder fragend an.
„Wittekind? O der ist nicht au» der Art geschlagen, er ist wie alle Thüren: furchtlos und treu! Schade, daß er nicht zu Hause war."
Otto war schweigsam geworden, er sagte kein Wort weiter; und doch hätte Werner gern mehr gehört von dem jungen Baron, der manchmal ein Gefühl wie von eifersüchtiger Furcht in seiner Seele aufblitzen ließ, aber eine dirkrete Scheu hielt ihn von weiteren Fragen zurück.
Deutsche- Reich.
Berlin, 10. April.
* I. M. die Kaiserin Friedrich empfing heute da» Präsidium de» Reich»tag» In Audienz.
♦ Allerlei rührsame Anekdoten werten aeaenwärtig über den Kaiser erfunden. Nachgerade wird sogar der ,Nordd. Allg. Ztg.' b^se patriotische Erfindungskraft bedenklich. Ausdrücklich de- menttrt fie eine Geschichte über einen Ctther spielenden Lieutenant, „die ungewöhnlich thöricht in größere Blätter übergegangen sei." Der Zufall ftigt er aber, daß gleichzeitig mit diesem Dementi die .Kreuzztg.' dieselbe rührselige Geschichte ihren Lesern unter der Spitzmarke „Aus dem Familienleben unseres Kaiserpaare»" auftischt.
♦ Der Besuch de» österreichischen Kais«» in Berlin erfolgt zwischen dem 10. und 16. August.
• Großfürst Paul vonRußland wurde gestern vom Kaiserpaar sowie von den Kaiserinnen Augusta und Friedrich empfangen und hatte Nachmittag» seine Reise über München nach Griechenland fortgesetzt.
♦ Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht folgende
Bekanntmachung: z
Das von dem König!. Polizei-Präsidenten zu Berlin unter dem 17. bezw. 19. März 1889 erlassene Berkot der Nummer 65 des laufenden Jahrganges und des ferneren Erscheinens der periodischen Druckschrift: .Bolks-Zer- thung' ist durch Entscheidung der Reichs-Kommisfion vom eutigen Tage aufgehoben worden. Berlin, den 9. April 1889. Die Reichs-Kommission: Herrfurth.
L Die ,Volks-Zeitung' ist heute AbeD wieder erschienen und wird in den Strayen Berlin«
6I°« Bochum?^ April. Gestern Abend fand hier wieder eine gemeinsame Sitzung des Lokal-Comitä » für dieVorbereitung bet 36.Hauptversammlung der Katholiken Deutschland« statt. Nach den B«ichten der einzelnen Ausschüsse find die Arbeiten derselben theilweise schon recht weit gediehen. Die Versammlung selbst findet in der letzten Augustwoche (25. August und folgende Tage) statt. Zwar steht die Genehmigung de« Fürsten Löwenstein für diese Zeit «och au«; da aber die örtlichen Verhältnisse eine Änderung nicht angebracht erscheinen laffen, wird dieselbe wohl zweifella« erfolgen. Die Lokalsrage ist Inder denkbar besten Weise erledigt. Die sämmtlichen öffentlichen Versammlungen, der Studenten-Kom-
Forstmeister, indem er mit bedenklichen Blicken die wachsende Fluth betrachtete.» „Eine Ueber- schwemmung ist für unser enge« Thal immer sehr
Der"'Wechsel der Witterung mahnte Werner, daß auch ihm ein baldiger Wechsel bevorstehe: der Abschied von dem seitherigen, ihm so lieb gewordenen Aufenthalte. Er konnte die freundlich gewährte Gastfteundfchast doch nicht noch länger in Anspruch nehmen, er muAe an seine Abreise denken, wenn ihm auch da» Scheiden so schwer,
M»"der"Regen einmal für eine ®tunb® hört hatte, war Adele hinan» in da» Gärtchen getreten. Sie lehnte an der feuchten Steinbrüst- una und blickte finvend über die schmutziggelben Fluthen, die brandend und tosend gegen die Mauern anstürmtcn und beinahe schon die Höhe de» Garten« erreicht hatten, da trat Werner zu ihr.
oum Abschiednehmen just da« rechte Wetter, rccitirte er mit einem trüben Lächeln.
Adele blickte ihn erschrocken an. „Denken ®<e i schon an'» Gehen?" fragte fie leise.
। „Ich muß daran denken, einmal muß e» sein , versetzte er ungewöhnlich ernst.
Ihre Ferien find koch nochlange nicht zu Ende", sagte fie rasch, „aber freilich , fuhr ne I dann zögernd fort, „jetzt wird e» Ihnen hier nicht
z« Str»»he»sk.
Novelle von I. Gr.
(10. Fortsetzung.)
Der Baron machte ein Gesicht, al« ob man in einer fremden, unverständlichen Sprache zu ihm gesprochen habe, Irmgard aber bleckte den lungen Gelehrten mit ihren offenen, ehrlichen Augen eine Weile fest an, dann ging ein Heller Schein aber it.
„Sie sprechen ja gerade wie Adelevon Norbert, — die hat mir einmal ganz dvffelbe gesagt , nickte fie freundlich und überrascht nahm sie wahr, wie Werner« blaffe» Gesicht mit einem Male di» an die Haarwurzeln roth wurde.
„Da» ist doch eine eigen romantisch-feudale Welt dort oben", sagte Werner, als er mit dem Freunde wieder auf dem Heimwege sich befand. „Der Burgherr erscheint fast wie ein letzter M- ter der sich mit den modernen Kultmzustänven nicht zurechtzufinden weiß, und sein goldhaarige«, stolze« Töchtnlein, dem die „frische Farbe der Entschloffenheit" so lebhaft ausgeprägt ist, ist auch ganz ander« al» die heutig'» jungen Damen.
Otto seufzte: „Ja, Irmgard 'st ander», und fie mußte so werden in der verwilderten Umgebung, wo fie ohne die Erziehung einer Mutter aufgewachsen ist."
berathung morgen. m ,
♦ Die Telephon-Verbindung Petersburg mit Berlin, Moskau und Warschau ist, wie von i Talent' wird
Petersburg gemeldet wird, Wttv zu Stande bei ihm zu ch d ^in Feld der Thättgkett gekommen. Unternehmer ist ein Konsortium fran- zöfischer und ruffischer Kapitalisten.
* Ueber den künftigen Großherzog von Luxemburg schreibt man der,Köl.Vztg.': Tie Uebernahme der luxemburgischen Regentschaft durch Herzog Adolph oott Nassau steh: schon für die nächsten Tage bevor. Das lenkt auch für den Nicht-Luxemburger die Aufrnnksamkeit auf Luxemburgs demnächstigen Großherzog. Gekoren am 24. Juli 1817, zählt der als geistig'und körper- ltMt unD um sm«,™ lich rüstig geschilderte Fürst jetzt nahezu 72 Jahre,
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nach Wien über. Dort war et eine eben so bekannte, wie beliebte Persönlichkeit; er wurde fast nie and«« als in der österreichischen Obristen. Uniform gesehen. Die Vermählung seiner Tochter Hilda mit d°m badischen Erbprinzen, einem Enkel des Kaiser» von Deutschland, bahnte zwischen dem