JM 83 Mittwoch, den 10. April. 188»
fiiltar W Zkiliinz.
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Deutsche- «eich.
Berlin, 9. April.
• Die offizielle Bekanntgabe der Genehmigung b« Demiffionsgesuch» de« Krieg«ministerS Bron- sart v. Schellendorf und der Ernennung de« Mhertgeu Gouverneur« von Straßburg General Lerdy du Vernoi« zum preußischen Krieg«- mintster ist heute Abend im ,Reich»anzeiger' erfolgt.
* Die Reichrbeschwerdekommtfston ist hmte zufammengetreten. um über da« Verbot der ,Volk«ztg.' zu beschließen. Da« Ergebniß der Berathung war, daß da« Verbot aufzuheben sei.
• Die Samoakonferenz dürste bald nach Ostern eröffnet werden. Die amerikanischen Dele- girten werden am 24. oder 25. d«. Ml«, hier et. wartet.
* Der Besuch de« König« von Italien in Berlin ist nach der .Post' in der ersten Hälfte de« Mai sicher zu erwarten.
* Der Generalstabsarzt der Armee z. D. Dr. v. Lauer ist in der vergangenen Nacht nach längerem Leiden in seinem 81. Lebenejahre ge« storden. Er war der langjährige Leibarzt Kaiser Wilhelm I. Vor wenigen Monaten noch hatte der Verblichene sein 60jährige« Dienfljubiläum begangen.
* Da« Abgeordnetenha«» erledigte Petitionen. Eine Reche von Petitionen von Eiienl ahn- beamten um Ausdefferung ihre» Einkommen« wurden nach längerer Debatte der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Die Kommission hatte angksicht» der vom Minister ausgesprochenen Bereitwilligkeit, wirklich berechtigten Beschwerden Abhülfe zu schaffen, Uebergang zur Tage»ordnung beantragt. Morgen: Anträge und Petitionen.
* Der Reichstag setzle die zweite Berathung de« Alter« - und Jnvaiibität«versicherung»gesetze« bei den Bestimmungen über die Organisation fort. Seiten« der Rationalltberalen (Duvigneau u. G.n.) «ie festen« der Sozialdemokraten (Bebel u. Gen.) lagen Anträge auf Errichtung einer Reichsver- flcherungSanstalt vor, die mit politischen und Zweck- mäßigkeittrückstchten begründet, von bett Adgg. v. Friesen (kons.) und Dr. Windthorst aber entschieden bekämpft wurden; durch die Annahme der Reicheanstalt würde da» Gesetz selbst verestelt werden. Staat-sekret är Dr. v. Bötticher erkläite, zwar dem Bedanken einer Retchranstalt sympathisch
In SlroAheask.
Novelle von I. <Sr.
(9. Fortsetzung.)
Aber jetzt erinnerte er sich de« eigentlichen Zwecke« seine« Besuche«. Vorsichtig erfragte er den Gesundheitszustand des alten Freiherrn, um dann, scheinbar absichtslos, seine Vorschriften-zu geben.
Der Baron aber wurde doch mißtrauisch. »Willst Du den Arzt herausspielen, Otto?" fragte er. „Laff' sein, mein Junge, damit verfängst Du nicht bei mit."
»Vater, Du solltest aber doch auf chn hören, er weiß, war Dir gut ist," warf Irmgard bc- sorgt ein.
Der Alte machte eine abwehrende Handbewegung. »Verschont mich mit alle« Quacksalbereien, ich bin von ftster, stahlharter Art, und der Wein «Hut mir besser, als alle Medizin. Sei nicht böse, Dito, daß ich nichts von Deinem Handwerk halte", fuhr er gutmülhig fort, „Dich schätze ich loch, denn Du bist ein wack rrr Jun re, nur stwa» zu wetch, hast gar nicht» van Deine« Allen Dickköpfigkeit und seinem despotischen Willen; bist
gegenüberzustehen, al« praktischer Politiker sich aber sagen zu müssen, daß bei dem Widerstande, den ein großer Theil der Bevölkerung der Reichsanstalt leiste, ein Zwang nur dann gerechtfertigt wäre, wenn die praktische Durchführung de« Gesetze« ohne Reichsanstalt nicht möglich wäre. Der Bundesrath habe über die Reichsanstalt noch nich abge stimmt, aber da« könne er sagen, daß be einzelnen Regierungen dieselbe Abneigung gegen die Reichsanstalt bestehe, wie bei einem Theile der Bevölkerung. Der badische und der mecklenburgische Bundesbivollmächtigte Freiherr v. Marschall und Graf Zeppelin traten gleichfall« für die Vorlage ein, für welche ste Zweckmäßigkeitsgründe anführten. Graf Behr erklärte sich Namen« der Mehrheit der Reichspartei für die Kommisstonsvorlage. Abg. Gebhardt gab schließlich die Erklärung ab, daß die Nationalliberalen sich auf ihren Antrag nicht ftstnageln wollten. Die Reichsanstalt wurde schließlich mit kleiner Mehrheit abgelehnt. Dafür stimmten die Nationalliberalen in großer Mehrheit, die Freisinnigen, die Sozialdemokraten und einige Mitglieder der RrichSpartei. Die Organisation»- bestimmungen wurden nach den Kommission«» beschlüffen angenommen, nur wurde die Bestimmung gestrichen, wonach die Vorstandsbeamten der Ver- stcherungtanstalten von der Regierung bestätigt werden müssen. Hierauf wird die Berathung abgebrochen. Heute Abend werden in einer besonderen Sitzung Wahlprüfungen erledigt.
• Der Reichstag tagt bi« zum Freitag und vertagt sich dann bi« Ende d». Mt«.
• Der Anmarsch Stanley» und Emin Pascha» auf Sansibar wird in einem Telegramm au« Sansibar demevtirt.
• München, 9. April. Die Nachrichten über da« Befinden der Königin-Mutter von Bayern geben zu ernsten Besorgnissen Anlaß.
— Da» Münchener Fremdenblati' veröffentlicht die Antwort der königl bayerischenStaattregte- rung auf das Memorandum der Bischöfe und bemerkt dazu: Die Antwort enthält auch nicht eine einzige wesentliche und bedeutende Konzession an die Forderungen der Bi'chöfe. Die „wohlwollende", verbindliche äußere Form vermag nicht da» „Rein" zu verdecken, welche» fich wie ein rother Faden durch die ganze Antwort rieht. Die Regierungs-Antwort ist deshalb geeignet, mit dem Märchen von der „vollkommenen Befriedigung" gründlich aufzuräumen.
allzu weich, sonst hättest Du Dir auch nicht solchen weiberhaften Beruf gewählt."
De« Arzte» schmale» Gesicht röthete fich tief. „Denken Sie so gering davon, der leidenden Menschheit beizustehen, Herr Baron?" fragte er gekränkt.
Herr von Thüren schüttelte den Kopf. „Die Schwachen und Hilflosen zu schützen, da» ist Pflicht de« Eoelmann«; aber Pflaster aufkleben und alten Weibern den Pul« fühlen —", et uckte mit den Schultetn, — „mein lieber Otto, >o« ist doch mehr eine Sache der Frauen, — gelt, Irmgard?"
„Ja, die Thüren denken wenigsten« so," entgegnete da« schöne Eoelftäulein ruhig. „Unsere rioße Urahne, die Abtissin de« Kloster« Frauen- lagen, hatte wegen ihrer Heükuade einen Ruf bei hrcn Zeitgenossen, wie vielleicht j tzt kaum ein >erühmler Professor der Medizin. Von ihr mag ich dieser Zug traditionell bei den Frauen unsere« zause« erhalten haben, denn sie alle übten die Krankenpflege in der Sonett. Die Männer aber wußten nur vom DreürsPagen, ihr Element war ter Kampf, da« sieht man ja allen diesen muthigen, kampserlustigen Gesichtern an." Und sie zeigte
Ausland.
• Der Kaiser von Oesterreich hat verfügt, daß Schloß Mayerling, in welchem Kronprinz Rudolf sein Leben beendete, in ein Kloster der Karmeliterinnen verwandelt werde. Da« Sterbe« zimmer wird zu einer Kapelle umgebaut.
• Salzburg, 8. April. Sämmtliche Theil- nehmer an der Benediktiner-Konferenz stimmten gleich zu Beginn der Berathungen der päpstlichen Anregung hinsichtlich der Einführung bet strengeren Observanz und dl« Kongregationssystem« prinzipiell zu. Doch wurde der Vorschlag gemacht, es möge dem Papste zur Erwägung anheimgestellt werden, daß die strenge Observanz in ihrem vollen Mabe lediglich für die neu hinzukommenden Ordensmit- glieder einzuführen, den alten Ordensmitgliedern jedoch wenigsten« ein Theil ihrer bisherigen Freiheiten zu belassen wäre.
* Die luxemburgische Kammer hat gestern die Annahme der Regentschaft be« Herzog« von Nassau angenommen und beschlossen, den verfassungsmäßigen Eid des Herzog» entgegenzunehmen. Die Eide»leistung erfolgt Donnerstag.
* Die Einsetzung de« französischen Senat» al» Gerichtshof in dem Prozesse gegen Boulanger und Gen. ist nunmehr perfekt geworden. Die erste Sitzung be» Senat« al« Gerichtshof findet anr Freitag statt. Die Rechte verlangte angeblich, daß erst da» Verfahren des Senat» al» Gerichtshof gesetzlich festgestellt werde; sie wird sich, bevor die« nicht geschehen, an den richterlichen Funktionen nicht betheiligen.
* Bukarest, 7. April. Der 24jährige Prinz Ferdinand von Hohenzollern, der Neffe und Nachfolger de» König« Carl, wird schon im nächsten Monat feinen bleibenden Aufenthalt in Rumänien nehmen. Seine ständige Residenz wird der Prinz in der durch materielle Vernachlässigung antidynastisch gesinnten Hauptstadt der Moldau, dem zum Centrum aller Jntriguen gegen da« Hohen- zollernsche Königthum gewordenen Jassy nehmen^ Die künftige kronprinzliche Hofhaltung dortselbsi soll zur Hebung der etwa« gesunkenen Verhältnisse der Moldau und ihrer Hauptstadt beitragen.
Befreiung der kathol. Missionare von Png«.
Zanzibar, 11. März 1889.
Sobald am 13. Januar die Zerstörung der Mission von Pugu bekannt war, that die Deutsch«
mit der nervigen Hand stolz auf die lange Reihe der Ahnenbilder, die so kühn und trotzig von der Wand blickten.
„Ja, dar waren frische, wackere Haudegen, die ihre Klinge zu führen wußten," nickte der Baron mit leuchtenden Augen. „Von denen hat wohl ein jeder manche tödtliche Wunde geschlagen."
Otto blickte düster vor sich nieder, um seine feine Lippen zuckte e«; plötzlich aber beugte er den Kops zu Irmgard vor, und innig klang seine Frage: „Irmgard, Sie glauben aber doch, daß Wunden heilen besser ist al« Wunde» schlagen?"
Irmgard stutzte, al» die dunkeln Augen wie in ängstlicher Frage an ihrem Gesicht hingen, dann wieder hob sie den Blick bewundernd zu den stolzen LhnenbUdern; auf ihren bewegten Zügen spiegelte ich ein Kampf von widerstreitenden Empfindungen: ie wollte Otto nicht verl.tzeN, aber sie wollte auch wahr sein. Endlich kam bestimmt von ihren Lippen: „Ich glaube, daß e« für bett Mann am ruhmvollsten ist, wenn er im Kampfe seine Kraft bethätigt.
„Brav, mein Kind! Schade, daß Du kein Mann »ist!" rief der alte Baron freudig au«.
„Frauen zeigen manchmal höhere Kraft al»