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einigen. Die „eine" Hand würde natürlich nicht am Arm Maybach'«, sondern an demjenigen Stephan'« zu suchen sein. Etwa« wird wohl vorgekommen sein, wenn man erwägt, daß Hr. v. Maybach nach wie vor der vollen Gunst de« Reichskanzler« sich erfreut, während bekanntlich Hr. v. Stephan seit Jahren nichts weniger als gut in der Wilhelmsstraße angeschrieben ist. Der Letztere wird also möglicherweise an einer noch höhern Person Rückhalt zu besttzen glauben. Die nächsten Tage werben über ben Zwischenfall wohl etwas mehr Klarheit bringen.

* Das Abgeordnetenhaus erlebigte Peti­tionen. Die Petitionen von Lehrern früher kom­munaler Lehranstalten, die für die Hinterbliebenen der an diesen Lehranstalten angestellten wiffen- schastlich gebildeten Lehrer dieselbe Fürsorge wün­schen, wie für diejenigen an Etaat«lehranstalten wurden von verschiedenen Seiten befürwortet und der Regierung zur Berückfichtigung überwiesen. Nächste Sitzung Montag.

* Der Reichstag setzte die zweite Berathung der Alter«- und Invalidität-Versicherung bei den Bestimmungen über die Lohnklaffen fort. Abg. Gebhard (nl.) erklärte stch gegen die vom Abg. Hahn beantragte Einheitsrente. Graf Mrbach Yons.) sprach gegen da« vorgeschlagene Lohnklaffen- system, welche« der Landwitthschast im Osten nur noch mehr Arbeitskräfte entziehen werde. Bei den großen Schwierigkeiten, welche diese Gesetzgebung biete, wäre e« da« richtigste, dieselbe in dieser Sesfion noch nicht zum Abschluß zu bringen. Für den alten und invaliden Arbeiter bestehe im Osten auch kein Rothstand. Vor Allem aber bedürfe e« einer Reform de« UnterstützungSwohnfitzgesetze». Staatssekretär v. Bötticher erwiderte, daß die Sozialreform nur einen kleinen Theil von Unter» stützungsbedürftigen übrig lassen werde. Dann werde auch eine Verständigung über die Unter» stützungswohnfitzfrage leichter sein. Rach längerer Debatte wurden die Bestimmungen über die Lohn­klaffen im Wesentlichen nach ben Kommission«, anträgen angenommen. Die Bestimmungen über die Berechnung der Renten unb über Rückgewähr von Beiträgen wurden mit den dazu vorliegenden umfangreichen Anträgen an die Kommisfion zurück­verwiesen. Wetterberathung Montag.

Ausland.

* Die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich begibt stch am Ostermontag zur Kur nach Wies­baden.

* In Wien hat am Freitag Abend die end­gültige Beisetzung der Leiche des Kronprinzen Rudolph in der Kapuzinergruft neben seinem Oheim, dem Kaiser Max, stattgefunden.

* Die luxemburgische Kammer tritt am Sonntag zusammen, um die Botschaft des Her­zog« von Nassau eMgegenzunehmen, mittelst welcher derselbe die Regentschaft de« Broßherzogthum«

„Aber werden Sie nicht nmthlo«, ich will ja selbst heute Ihre ärzliche Hilfe in Anspruch nehmen."

„Sie, — Fräulein Irmgard?"

Eie nickte. „Für mich persönlich nicht, aber für meinen Vater; er klagt seit einigen Tagen. Wollen Sie einmal nach ihm sehen?"

„Ob ich will?" fragte Otto freudig. „So­gleich, aber —" fuhr er zögernd fort, „wird er mich auch gerne kommen sehen?"

„Gegen Sie hat er doch keinen Groll," versetzte fie rasch. „Rur al« Arzt dürfen Sie nicht vor ihn treten, da« könnte ihn verstimmen. Sagen Sie lieber, daß Sie Ihrem Freunde unsere Burg zeigen wollen."

Sie waren zusammen auf dem Waldwege hin- geschritten, nun schimmerte zwischen den grauen Stämmen eine halbverfallene Mauer auf, welche den Thüren'schen Park abschloß. Sie Dame öffnete ein kl ine« Pförtchen und trat mit ihren Begleitern in ihr Bcfitzthum ein, in dem stch die prächtigste Waldvegeiatton fortfetzte. Langfam stiegen sie die Bergkuppe zu der atten Burg hinan; dieselbe um« schreitend, traten sie dann durch den Thorweg in den inneren Hof ein. Hier sproßte ein luftiger Graswuchs, und fünf bis sechs große Hunde be­grüßten Irmgard mit lautem Bellen. Keine M-nschenseele war fichtbar, Alles aber sah trost­los verkommen aus, — von den eingesunkenen Stufen der einst so stolzen Freitreppe an bi«

antritt. Am Dienstag begtebt sich der Herzog nach Luxemburg.

* König Karl von Rumänien, ein Hohen- zoller von der Sigmaring'schen Linie, ist bekannt­lich kinderlos. Seine Gemahlin ist eine Prinzessin von Wied und unter dem Namen Carmen Silva als Dichterin bekannt. Um nun die Thronfolge zu regeln, haben in Rumänien Regierung und Volksvertretung den Prinzen Ferdinand von Hohenzollern, einen Bruder de« König« Karl, zum Nachfolger auf dem Throne ernannt und Prinz Ferdinand ist bereit« in dieser Eigenschaft in ben Senat eingetreten. Der junge Thron ist übrigen« nicht sicher unb bie russischen Zettungen machen kein Hehl barau«, daß sie wünschen, König Karl möge bald da« Schicksal seine« Kollegen Mlan von Serbien theilen. Im Lande selbst ist eine starke Partei, bie ba« Land gerne an Ruß­land anschließen möchte, unb wie viel Gelb biefe« zur Unterstützung solcher Pläne nu«gibt, ba« ent­zieht sich ber Schätzung, ist aber sicher nicht wenig. Währmd dessen ist der russische Rubel auch in Bulgarien fottwährend thätig. Der Hauptver­treter der russtschen Pattei in Bulgatten, Zankow, weilt gegenwärtig in Belgrad und verkündet dott jeden Tag einem anbeten Zeitungsberichterstatter, daß die bulgarischen Tage de« Prinzen Ferdinand von Kodurg gezählt seien.

• Der französische Senat tritt am Montag in seiner Eigenschaft als Gerichtshof zusammen, um Über Boul anger abzuurtheilen. Die Deputirten« kammer vettagt stch bis nach Beendigung de« Prozesses. Gegen Boulanger hat die Regierung einen Haftbefehl erlassen. Es ist Vorsorge ge­troffen, daß seine Festnahme erfolgt, so bald er französischen Boden betritt. Vorläufig denkt Bou­langer aber nicht daran, den Häschern in die Arme zu lausen. Er hat sich in Brüff l in einem hoch- aristokratischen Hotel eingemiethet und ist mit der Abfassung eines neuen Manifestes an das ftanzö- stsche Volk beschäftigt. Der Kreis der Getreuen, die stch in Brüssel um ihn sammeln, erweitert sich mehr und mehr, denn die Zahl derer, denen der Boden Frankreichs zu heiß zu werben beginnt, ist keine geringe. — In dem neuen Manifest Bou- langet’s heißt es u.A.: „Ihr habt ben Anklage- Antrag gelesen, womtt ber Versuch gemacht wirb, das nicht zu rechtsettigende Verlangen nach meiner gerichtlichen Verfolgung zu begründen. Das in Narrheit geratene Parlament stimmte demselben zu und beschloß die gerichtliche Ver­folgung vor einer Gerichtsbehörde des reinen Zu­falls, welche aus meinen politischen Feinden be­steht. Euer kerniger gesunder Sinn wird über diese abscheulichen Verleumdungen ein gerechtes Uttheil sprechen. Der Anklage-Antrag wirst mir alle Handlungen aus meiner früheren Lebenslauf» bahn und aus der Zett meines Eintritts ins Ministerium vor. Wären diese Handlungen straf­bar, so wären die polttifchen Männer Mitschuldige, die mich ins Ministerium beriefen." Boulanger er-

hinauf zu dem schiefgebogenen Wttterhahn auf dem schwerfälligen Eckthurm. Die mächtige Pottal- thür fühtte in eine Vorhalle, deren Wände mtt riesigen Hirschgeweihen und Lberköpfm geschmückt waren.

„Der Vater wird oben im Ahnensaale sein, dott ist sein Lieblingsaufenthalt, seitdem er nicht mehr hinaus tarnt," sagte die Dame, die Herren eine brette Treppe hinangelettend.

Oben traten st« durch eine hohe Flügelthür in einen wetten, Halbdunkeln Saal ein.

Der getäfelte Estrich, ber braune Holzton bet Wandbetleibung, die Bogenfenster mtt den bunten Glasscheiben, die schweren Möbelstücke von ge­schnitztem Eichenholz, — bas Alles war bazu an« gethan, bem luftigen Raume «men ungemein alter» thümlichen Charakter zu verleihen. Von ben Wänben blickten von Rauch unb Alter angebuidelte Ahnen- bilber herab, auch waren verrosttte Waffen und allerlei Weibgeräth aufgehängt.

„Vater, hier bring' ich Dir Besuch, Otto von Rordett mtt seinem Freunde," rief Irmgard laut, auf einen hochlehnigen Sessel zuschrettend, in dem in zusammengesunkener Haltung ein alter Herr in äner fadenscheinigen Jagdjoppe saß. Durch die unteren Fensterscheiben fiel ein farbiger Lichtschein auf sein kühnes, scharfgeschnittenes Gesicht, das von unzähligen Furchen durchzogen unb von einem eisgrauen Batt umwallt war. (Forts, folgt.)

innert bann baran, baß er als Soldat fein Leben bem Dienste des Landes geweiht, und baß er jetzt ben berechtigten Ehrgeiz habe, bie Republik aus den verächtlichen Händen zu reißen, in denen sie sich befinde. Er wolle mit Hülfe des allgemeinen Stimmrechts eine anständige, ehrbare Republik herstellen. Alle Gewaltthaten unb Vsrleumbungen würben ihn von biefem Ziele nicht ablenken. In wenigen Monaten würben bie Wahlen bie Million der früher für ihn abgegebenen Stimmen bestätigen unb die Erlösung des Landes sichern.

* London, 7. April. Es werden weitere Briefe Stanley's veröffentlicht. Der erste ist am 18. September 1887 in Ugarrowwa's Laaer, der zweite am 14. Februar 1888 in Fort Vodo und Jbwiri geschrieben. Dieselben gaben Major Vatttelot, bem Befehlshaber ber Nachhut, genaue Auskunft über die Marschroute, fielen aber in die Hände der Araber. Stanley fand auf seinem Rückmärsche die Briefe wieder. Der britte ist vom 1. September 1888 batirt unb an bie Geographische Gesellschaft gerichtet. Derselbe ent­hält wetthvolle geographische Mittheilungen, so z. B. über die Entdeckung des Schneeberges Ruwenzoni südöstlich vom Mbert Nyanza.

AuS Stadt, Provinz und Nachdargebiet.

Fulda, 8. April.

* Nachdem der Termin de« diesjährigen Muste­rungsgeschäfts in hiesiger Stadt auf die Zett vom 24. bis 30. April festgesetzt ist, erinnern wir alle Diejenigen, welche zu rekln mir en gedenken, nochmals an baldige Einreichung der bezüglichen Eingaben. Reklamationen, welche nach dem Musterungstermine angebracht werden, können nur dann berücksichtigt werden, wenn ber Nachweis er­bracht wirb, baß bie Veranlassung zur Rekla­mation erst nach dem Musterungsgefchäst entstan­den ist.

• Für viele unserer Leser bürste es von Inte­resse fein, zu erfahren, baß dem Herrn Architekten Karl Erb in Mühlhausen (Elsaß), Bruder des Herrn Kaspar Erb (z. goldenen Rad) hierselbst von der „Industriellen Gesellschaft" zu Mühlhausen sür einen von ihm eingereichten Plan einer künst­lichen Bewässerung der Hardtfelber und Harbt- roiefen mittels Rheinwassers eine Bconze-Mebaille unb die Summe von 1000 Mark übermittelt wurde. Die preisgekrönte Arbeit fühtte die Be­zeichnung „Rheingold." Ein weiteres Projett des Herrn Architekten Karl Erb behandelt die künstliche Bewässerung der Hardtfelber burch den Schiffiahttskanal Straßburg-Mühlhausen, doch steht die Entscheidung hierüber noch aus. Der Genannte wohnt beretts seit 10 Jahren int Elsaß unb betreibt sein Geschäft fett 1883 auf eigene Rechnung. Hoffentlich wird unserem rührige« LandSmanne bezüglich seiner zwetten Konkurrenz- arbett ber Erfolg ebenso günstig sein wie bei ber ersten.

• Für die Theilstrecke Fulda«Bieberstein ber Rhönbahn Fulda-Tann ist bie Eröffnung, falls nicht unvorhergesehene Hindernisse eintreten, am 1. Mai in Ausstcht genommen. Der Geschäfts­betrieb des Eisenbahn-Betriebsamts Frankfutt a. M. hat von ba ab eine anberroette Abgrenzung zu erhalten.

* Der kgl. Kreisschulinspestor Herr Dr. Kley gibt bekannt, daß die diesjährige Hauptkon­ferenz für bie bem Kreisinspektionsbezirk Fulda angehörige Lehrerschaft der Stadt unb des Kreises Fulda am 14. Mai d. I. in dem großen Saale der „Harmonie" hierselbst stattfindet. Die Ver« Handlungen beginnen, nachdem vorher (9 Uhr) in der Stadtpfarrkirche ein feierliches Hochamt cele« britt worden, um 11 Uhr; Referent für das ge­stellte Hauptthema („Die Vorbereitung des Lehrers auf den Unterricht") ist Herr Lehrer Schrimpf- Oderbirnbach, Korreferent Herr Lehrer Stimbert« Schweben. An die Verhandlungen schließt sich, wie alljährlich, ein gemeinsames Mahl an. Die Herren Lokalschulinspettorm, welche setther ihr Interesse für die Schule durch allseitige Betheilig- ung an ben Jahreskonferenzen in erfreulicher Weise betunbet haben, hofft Herr Dr. Kley auch dies­mal wieder vollzählig begrüben zu können, ebenso bie Herren Lehrer, von denen ev. Anzeige der Verhinderung unter Angabe des Grunde« recht­zeitig vorher erwartet werden würde.