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einheitliche Wasserbehörde. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurden eine Reihe von Wahlen für gtltig, die der Freiherrn zu Eisenbach für ungiltig erklärt. Morgen: Petitionen.

* Der Reichstag setzte heute die Berathung des Alierr- und Jnvalioitättversicherungsgefitztt bei den Bestimmungen über den Reichszufchuß fort und nahm diesen selbst mit 164 gegen 92 St. an. Die Bestimmung, daß der Reichszuschuß in Ker Form erfolgen soll, daß das Reich zu bitt in jedem Jahre thatsächlich zu zahlenden Renten Zu- schüsie leistet, während seitens der Arbeitgeber und der Berstcherten laufende Beiträge geleistet werden sollen, wurden angenommen. Die B.stimmung über die Entrichtung der Beiträge fand in folgender vom Frhrn. v. Franckenstein beantragten Fassung Annahme: Die Beiträge entfallen auf den Arbeit­geber und den Berstcherten zu gleichen Thellen und find für jede Kalenderwoche zu entrichten. Eine längere Debatte veranlaßte die Festsetzung der Lohnklasien zum Zwecke der Beitragsbemessung, wozu eine Anzahl von Abänderungsanträgen vor« lagen. Die Berathung darüber gelangte nicht zum Abschluß und wird morgen fortgesetzt.

* Ja der preußischen Armee find in Folge der Vermehrung der Abtheilungsstäbe bei der Fe Id­ar til le rie 13 Major« zu Abtheilungs-Komman- beuten ernannt worden; 9 Batteriechefs wurden zu überzähligen Majors befördert. — Im Be­reiche der preußischen Justizverwaltung ge­langen nach einer Mittheilung im Justiz-Ministerial« Blatte folgende neue Stellen zur Besetzung: 2 Oberlandsgerichtrstellen (Berlin und Frankfurt a. M.), 6 Landgerichts-Direktorstellen (2 Berlin I, feinet Kottbu«, Köln, Elberfeld und Lyck). 15 Landrichterstellen (4 Berlin I, 2 Allenstein, je 1 Berlin II, Görlitz, Ratibor, Köln, Düsieldors, Frankfurt a. M., Könitz, Halle a. ©., Naum­burg a. S.) 38 Amtsrichterstellen (10 Berlin I, je 2 Düsseldorf, Frankfurt a. M., Magdeburg, je 1 Charlottenburg, Bonn, Koblenz, Krefeld, Elberfeld, Bockenheim, Gelsenkirchen, Münster, Allenstein, Wittenberg, Soldau, Lötzen, Johannis­burg, Lyck, Bialle, Heydekrug, Zoppot, Erfurt und Mansfeld). 14 Staatsanwattstellen (je 1 Kammergericht und Oberlandesgericht Köln, 2 Landgericht Berlin I, je 1 bei den Landgerichten Ratibor, Köln, Düffeldorf, Frankfurt a. M., Dort­mund, Esten, Mona, Insterburg, Königsberg und Danzig.)

* München, 5. April. Der Papst ernannte Agliardi zum Nuntius. Agliardi ist eine durch feine Misston nach Indien bekannte Persönlichkeit.

* Au« Baden, 4. April. Herr I. Scheuer­mann, geistl. Lehrer am Gymnafium zu Offenburg, gibt im ,8ahrer Anzeiger sür Stadt und Land' eine Erklärung ab, nach welcher er schon vor zwei Jahren al« Vckar de« f Dekan Förderer ohne allen Anlaß von dem Mörder Ada in uufläthiger Weise beschimpft worden ist.

ArrSlarrd.

• Da« unga ris ch e Abgeordnetenhau« hat den Gesetzentwurf über die Regulirung de« Eisernen Thore« einstimmig angenommen.

• Rach einer auch für franzöfische Verhältniffe recht stürmischen Verhandlung hat die franzöfische Deputirtetckammer mit 355 gegen 203 Stimmen die gerichtliche Verfolgung Boulanger« 6e- schloffen. Nachdem die« geschehen, haben einige Depurttrte der Linken bei der Regierung Schrttte gethan, um dieselbe zu veranlaffen, daß fie Bou­langer wegen versuchter Verleitung in den Reihen der Armee vor ein Kriegsgericht stellen laste. Boulanger hat nämlich in Brüssel erklärt, daß er mir der Jurisdiktion der Senats stch nicht unter­werfen wolle, daß er aber zurückkehren würde, wenn man ihn vor ein ordenütche« Gericht stelle. Man darf inbifc vermuthen, daß ihn die Ausficht auf eine kriegsgerichtliche Abmtheilung ebenfowemc zur Rückkehr veranlassen werde, al« die Ausficht auf eine Aburiheilung durch den Senat. Die bel­gische Regierung hat übrigen« beschlossen, Sou- langer unbehelligt zu lassen. Gestern verhinderte die Brüsseler Polizei eine Boulanger zugedachte studentische Katzeamuftk. Dem Beispiele Boulanger'« find inzwischen auch eine Anzahl seiner Freunde gefolgt. Die Deputirten Laguerre und Laisaut und der Senator Raquet, firner Mtlleroye und SDuquß de la Fanconnerie find nach Belgien ge­flüchtet nnb wohlbehalten in Brüssel angekommen.

♦ Da« englische Parlament beschloß nach Ab­lehnung fämmtlicher Oppositions-Amendement« die ofortige kontraktliche Vergebung zum Bau aller iebpg neuen Kriegsschiffe.

Avs Stadt, Provirrk ms Rachdargebiet

Fulda, 6. April.

* Die philosophisch-theologische Lehranstalt un- ere« bischöflichen Klerikal - Seminar« wird in der nächsten Zeit einen sehr bedauernswerthen Verlust erleiden, indem Herr Professor Dr. I. Pohle einem Rufe an bte katholische Universität in Washington nach Schluß be«Sommersemestet« zu folgen geben«. Wie man un« mitthetlt, war bet Kurator bet Washingtoner Universität, Mr. Keane, gestern hier anwesend, um nähere Vereinbarungen zu treffen. Herr Prof. Dr. Pohle ist geb. am 19. März 1852 zu Niederspai (Diözese Trier), zum Priester geweiht am 15. Juni 1878 und Professor der Philosophie am hiesigen Klerikal-Seminar seit dem 12. Oktober 1886. Bekanntlich ist derselbe auch in Gemeinschaft mit Herrn Prof. Dr. C. Gutberlet Herausgeber des .Philosophischen Jahrbuch»' der Görres-Gesellschast.

□ Im Monat März d. I. wurden von den Metzgern und Privaten der Stadt Fulda geschlachtet: 39 Ochsen, 1 Bullen, 40 Stiere, 45 Kühe, 59 Kalbinnen, 442 Kälber, 372 Schweine sowie 40 Hammel und Schafe in einem Gesammtgewichte von 74438 Kilogramm. Außerdem wurden dahier 3570 Kilogramm Fleisch und Fleischwaaren ein­gebracht, so daß hiernach der Gesammtverbrauch in der Stadt Fulda pro März 1889 78008 Kilogramm beträgt. — Im Etatsjahr 1888/89 wurden von den Metzgem und Privaten der Stadt Fulda 14768 Stück Vieh geschlachtet und zwar: 506 Ochsen, 63 Bullen, 621 Stiere, 573 Kühe, 791 Kalbinnen, 5839 Kälber, 5021 Schweine, 1325 Hammel und Schafe, sowie 29 Ziegen in einem Gesammtgewicht von 1,080,482 Kilogramm. Von auswärts mürben außerdem 41,318 Kilo­gramm Fleisch und Fleischwaaren eingebracht, so daß der Verbrauch an Fle schwaaren obiger Gattungen in Summa pro Etats-Jahr 1888/89 1,121,800 Kilogramm ober 22436 Gentner betrug. — Im hiesigen Pserdeschlachthauie wurden während de« abgelaufenen Etatsjahrs 115 Pferde geschlachtet.

• Anläßlich eines am vorgestrigen Rhönklub- Abend von Herrn Ingenieur Fr. Hartung dahier gehaltenen Vortrag« „über städtische Wasserver­sorgungen" .äußerte sich Herr Oberbürgermeister F. Rang betreff« de« nunmehrigen Stande« unserer städtischen Wasserleitung dahin, daß nach erledigtet Regelung de« Gtundetwerb« mit dem Bau der Leitung voraussichtlich nächstes Frühjahr begonnen werde, so daß man hoffen dürfe, im Herbst 1890 da» Werk vollendet zu sehen.

• Der Geheime Oberreqierungsrath Dr. Esser an» Berlin stattete am 3. I. M. in Begleitung bet Herren Prooinzialschulrath Kannegießer und Regierungsschulrath Hasse aus Cassel bem hiesigen Lehrerseminar einen Besuch ab. — Dem Schulamtskandidaten Polykarp Gramm in Lütter wurde bie katholische Schulstelle zu ©tellberg provisorisch übertragen. — Mit ber einstweiligen Versetzung ber Schulstelle zu Hofaschenbach, Kr. Hünfelb, ist ber Schulamtskandibat Hambach von Flteben betraut. — Aus bem Kreise Fulba, wirb bem ,Schuld!.' geschrieben: „Er ist wohl gut, wenn an biefet Stelle wieder einmal bie Wirkungen be« Volkrschullastengefitzes vom 14. Jzmi v. I. auf bie Besoldung-Verhältnisse gewisser Lehrer zur Sprache gebracht werden. Be­vor da« genannte Gesetz, welche« nunmehr eine bedeutende Erweiterung zu Gunsten der Gemein­den erfahren hat, bestand, nahm man keinen An­stand, den Lchrern da« wirklich eingekommene Schulgeld ganz zu belassen, wobei selbst die Ge­meinden von ber jedenfalls billigen Ansicht au»« gingen, baß ber Lehrer, falls er mehr als die kompetenzmäßige Schülerzahl zu unterrichten habe, auch das überschießende Schulgeld beziehen müsse. Was aber früher für billig erachtet wurde, das soll jetzt, da den Gemeinden die Erhebung be« Schulgeldes erlassen ist, auf einmal aufhören. Da­durch wird das Einkommen de» Lehrers geschmälert, die Gemeinde selbst aber wesentlich entlastet. Der Ausfall, den die Lehrer durch den Wegfall be« Schulgelde» erleiden müssen, beträgt vielfach 100

bis 150 M. Hoffen wir, daß König!. Regierung und die Königlichen Schulvorstände Veranlassung nehmen, entweder aus den nunmehr In bie Ge- meinbenkasseu fließenden bedeutenden staatlichen Zuschüssen die Lehrergehälter aufzubessern, oder >och wenigstens den status quo ante wieberher- ustellen. Bekanntlich ist da« Lehrergehalt kärglich genug, und die erlittene Einbuße wirkt für viele Lehrer recht drückend."

* Wie bekannt, finden in bem z. Z. Hierselbst ausgestellten Affentheater noch heute unb mor­gen je 2 Vorstellungen statt. Besucher der letzten Mittwochs-Vorstellungen äußerten fich darüber recht günstig, so baß ein Besuch sich lohnen dürfte.

* Wie schon mitgetheilt, ist vom 1. April d. I. ab die Giltigkeitsdauer ber bisher zweitägigen Re­tourbillett allgemein bei Entfernungen bis 100 Kilometer auf brei Tage verlängert warben. Fahrkarten, die am Tage vor dem ersten Oster-, Pfingst- oder Weihnachtstage gelöst werben, haben wie früher viertägige Giltigkeitsbauer.

• Um den üblen Geruch des zu gewerblichen Zwecken gebrauchten denaturirten Spiritus fast gänzlich zu beseitigen, empfiehlt es sich dem­selben einen geringen Zusatz von Weinsäure, ober auch von Oxalsäure zu geben.

chfi Eichenzell, 6. Aprll. Van bem gestrigen Morgenzug nach Gersfeld ist kurz vor der Station Eichenzell beim Verlassen ber letzten Kurve ein leerer Güterwagen mit den vorderen Rädern ent­gleist. Da der Zug nur langsam fuhr und da» Entgleisen sehr rasch entdeckt wurde, hatte dasselbe keine weiteren Folgen für den Zug. Nach halb­stündiger Arbeit war der nur unbedeutend ver­letzte Wagen vom Zugpersonal wieder in die Schienen gehoben und der Zug nahm denselben mit bi» zur Station Sütter, wo er ausgesetzt wurde. Man kann auch nicht sagen, daß die Mitreisenden mit dem blosen Schrecken baoonkamen, denn von einem solchen war nichts wahrzunehmen, dieselben waten nur gemüthiiche Zuschauer bei bem Ern- setzm be« Wagens.

• Cassel, 5. April. Der RegierungS-Afleffot von Sonin ist zum Regierungsrath ernannt.

* Aus Großkrotzenburg schreibt man bem ,Han. Anz.'. Den Kiefernwalbungen de» Herrn Baton v. Waitz zu Ernmerichrhofen und denen der angrenzenden Watbbefitzer droht ein arger Feind: die sog. „Nonne", jener gefürchtete Wald- verderbet, hat in den herrlichen Kiefernbeständen de» Herrn Baron» sich eingenistet. Obwohl im vergangenen Herbste Viele« geschah, um die in Millionen aufgetretenen Schmetterlinge zu vernichten, so war die Wirkung der angewandten Mittel doch ohne Belang. Und jetzt zeigen stch in den schönsten mehr al« 50jährigen Beständen die Raupen unter bem Moose in erschrecklicher Menge, oft mehrere Hundert unter einem Saum. Eine große Zahl arbeitet ist seit Wochen in den betreffenden Wald­orten damit beschäftigt, da« vorhandene Moor aufzurollen und die unter demselben oft massen­weise vorkommenden Raupen zu sammeln und dieselben bann dem Feuertode zu Überliefern. Möchte dem weiteren Umsichgreifen diese« Wald­feinde« recht bald gesteuert werden I

• Sockenheim, 4. April. Die Mefferaffaire, welche sich dahier am Abend de« 6. Januar in der Neugaffe zutrug und zwar zwischen einem Husaren und drei jungen Surschen, sand gestern ihr Nachspiel dor dem Frankfurter Landgericht. Der 18jährige Schlosser Joh. Georg Scheib, welcher bem Husar einen lebensgefährlichen Stich in bie Lunge beibruchte, würbe zu l'/r Jahren, feine Helfershelfer, ber Schlosser Georg Krug und der Schneider Ernst Dicks zu je drei Monaten Gefängniß verurtheilt.

X Au» dem Eisenacher Oberlande. Die von Ihrem geschätzten Slatte neulich unter Weimar, 25. März gebrachte Mittheilung, nach welcher dem Landtage de» Großherzogthums eine Vorlage zugegangen sei über die Erhöhung der Gehälter der katholischen Geist­lichen, entsprechend der den evange­lischen Geistlichen zu gedachten Gehalt«- a u s b e s s e r u n g, ist bei unserem Volke mit großer Sefrlebigung ausgenommen worden. Man weiß hier die landesväterliche Fürsorge Seiner König­licher Hoheit de» durchlauchtigen Großherzog« für alle seine Untertanen sehr dankvat zu schätzen, und erinnerte sich auch genau, daß be­reit» bei der letzten Bewilligung ber Aufbesserung