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des Königs Otto wird aus amtlicher Quelle mit» getheilt, dasselbe sei „andauernd unverändert? Zu­stände heftiger Erregung, verhältnißmäßiger Ruhe und bewegungslosen Stupors folgen sich wie seit Jahren in oft schroffem, von den gerade vorhan­denen Sinnestäuschungen abhängigem Wechsel. Die Nahrungsaufnahme ist zwar unregelmäßig, aber im Durchschnitt gut. Er kommen nur ver­einzelt Tage vor, an denen der Kranke gar keine oder so viel wie keine Nahrung zu sich nimmt. Zwei oder drei Nächte im Monat sind schlaflos; sonst ist die Schlafenszeit eine ununterbrochene. Die Zustände der Bewegungslosigkeit währen immer mehrere Stunden und find in den letzten drei Monaten etwa in vierzehn Tagen aufgetreten? Man kann fich aus dieser Darstellung eine ziem­lich klare Vorstellung von dem furchtbaren Leiden des in sein Jagdschloß Fürstenried gebannten Un- glücklichen machen.

Ausland.

* Rach endgültiger Erledigung der Wehrvor­lage trttt da» ungarische Abgeordnetenhaus in die Berathunz der Vorlage wegen Beseitigung der unter dem Namen Effernes Thor bekannten Schiff- fahrts-Hinderniffe auf der Donau ein. — Ange­sichts diese» wichtigen Kulturwerkes wird hoffent­lich eine größere Einmüthigkeit herrsche« al» beim Wehrgesetz.

• DieniederländischenGeneralstaaten haben heute die Einsetzung der Regentschaft für den an Diabetes und Nierenentzündung erkrankten König beschloffen.

* Wo ist Boulanger? Er ist wieder ein­mal verschwunden. In der Kammer erschien er gestern nicht, in seiner Wohnung war er nicht anzutreffen — also angesichts be» ihm drohenden Prozesse« geflohen? Das dementiren aber seine Freunde entschieden. Jedenfalls hält er fich ver­borgen. Merkt er, daß ihm da« al» Feigheft aurgelegt wird, so taucht er wieder auf; andern­falls dürste er fich in respektvoller Entfernung von dem neuen Generalstaatsanwatt Herrn von Beaurepaire hatten. Dar Räthsel haben die heutigen Pariser Morgenblätter gelöst; fie ver­öffentlichen eine Proklamatton Boulanger«, dattrt Brüssel den 2. April, worin er sagt, daß er fich niemals der Jurisdcktion eine« Senat» unter­werfen werde, der au« Leute« bestehe, die durch persönliche Leidenschaften verblendet seien. Er werde in Belgien abwarten, bi« die allgemeinen Wahlen eine ehrliche, freie Republik hergestellt haben würden.

* Der Prozeß gegen die Patriotenliga ist kurz und ohne sonderliche Aufregung verlaufen. Die Angeklagten bestritten, daß die Liga eine ge­heime Gesellschaft sei und verficherten, daß fie trotz der Auflösung fortbestehen werde.

• In Serbien hat die große Reinigung be« Beamtenstandes, welche dort stet« vorgenomme« wirb, wenn eine Parteiregierung an bk Stelle einer anbeten tritt, begönnen. Durch die Entlas­sungen, Penstonirungen und Versetzungen werden zumeist Beamte betroffen, welche der jetzt ohnmäch- tig gewordenen Fortschrittspartei angehören und zur Zett, al» diese Partei die herrschende war,

Leben? Leben, bist du Traum?" Ein wunder­schöne« Mondscheinbild, da« mir gestern Abend ein Blick au« dem Fmster darbot, hatte ihn her- vorgerusen, kein Wunder, daß die ganze Scmerie mir noch einmal erschien und von der Phantasie dann auch mit einer sehr romanttschen Staffage belebt wurde."

„Und war für eine wunderbare Märchenwelt ließ die mondbeglänzte Zaubernacht, um mit Tieck zu reden, aufsteigen? Gewiß da« Schauspiel reizen­der Elfengestalten, die am Waldsaume den graziösen Reigen aufführten?" fragte Fräulein Natalie mit leichtern Spotte.

„So ausgiebig war meine Phantasie doch nicht," entgegnete Werner gelassen, „sie zauberte mir nur einen Kahn vor, der über die ftiHe Wasserfläche glitt? Er hatte den Blick fest auf Nataliens Züge geheftet, doch seltsam, nicht die leiseste Ver­wirrung störte den sicheren und bewußten Au»- druck derselben.

„Adele, schenke mir noch Kaffee ein? sagte nun der Hausherr, indem er seine Taffe der Genannten zuschob.

De« Gaste« Augen folgten den Bewegungen

durch Verfolgung der Gegner fich bemerkbar mach­ten. Die Mehrzahl dieser Beamten wird entlassen oder, wenn fie schon Penfioasansprüche erworben haben, penfionirt; die weniger gravirten Beamten der Fortschrittspartei werden strafweise versetzt. Die tüchtigen Beamten sollen jedoch, ohne Hinsicht auf ihren Parteistandpunkt, im Dienste verbleiben. Ein anderer Grund al» die Beseitigung schlechter Beamten ist auch in dem Bestreben zu suchen, möglichst viele Ersparungen herbeizuführen und dadurch da» Gleichgewicht im Staatshaushalte herzustellen. Die Vielschreiberei ist ein großer Uebelstand in der serbischen Verwaltung, und da­bei find die Beamten an keine stramme Kanzlei- dirziplin gewöhnt, e» wird bei manchen Behörden nur 5—6 Stunden täglich gearbeitet; zur Be- wältigung der vielen Schreibgeschäfte existtrt eine große Legion von besoldeten Praktikanten und Diurnisten, von denen manche nebenbei noch da» Gymnasium besuchen oder an der Hochschule stu- diren. Diese Praktttanten- und Diurnistenschaar wurde nunmehr zum größten Thetl entlaffen, sür die im Dienst verbleibenden Beamten wurde ein strenge» Arbeitsprogramm aufgestellt und ein ge­wisser Grad theoretischer Vorbildung wurde zur Bedingung der Ausnahme in dm Staatsdienst ge­macht. Man will nach und nach einen tüchtigen Beamtenstand heranbilden.

* Nach in vergangener Nacht au» Abessynien in Rom eingetroffenen Nachrichten ist der Negu« an den Wunden, welche er in dem letzten Gefecht gegen die Derwische bei Metemeh erhalten hat, gestorben.

* Der letzte Att de» Parnell - Time». Prozesse« hat begonnen. DieParnellkommission ist wieder zusammengetrete« und Charles Ruffel, der Vertreter Parnell», hat gestern angefangen, seine Vertheidigungsrede zu hatten. Nicht weniger als drei Sitzungen soll die Rede in Anspruch nehme«.

* In Birma find wieder Unruhen ausgebrochen; englische Truppen find nach den bedrohten Distrikten abgegangen.

* Londoner Blätter veröffentlichen de« Wortlaut der Briefe Stanley'», in welcher dieser sei­nen langen strapaziösen und gefahrvollen Marsch von Dambuya nach dem Albert-Ryanza-See schll- bett, wo Stanley am 29. April v. I. Erni« Pascha traf; bei diesem verweilte er dann bi« zum 25. Mai. Emin Pascha hatte damal« 8000 Mann unter seinem Befehl und lehnte e« ab, Wadelai zu verlassen; die Briefe enthalten keine Angaben über die künftigen Pläne Stanley'« und Emin Pascha'«.

AuS Stadt, Provinz und Rachdargebiet.

Fulda, 4. April.

* Anläßlich einer Mittheilung der.Köln. Volks- ztg.', welche in der gestrigen Nummer unsere« Blatte« zum Abdruck gelangt mat, wird uns heute von wohlunterrichteter Seite geschrieben: Herr Diözesanpriester Rudolph, welcher dem erkrank­ten Herrn Dechanten von Geisa zur Aushilfe ge­sandt war, hat fich allerdings am 1. April in

der jungen Dame, als diese die Ranne aufnahm. — Was war das? schien wirklich ihre schlanke Hand beim Eingießen zu zittern?

Nun, nun, gib Acht; Du biß ja heute recht ungeschickt," brummte der Forstmeister, als der braune Trank zu reichlich eingegoffeu, über den Rand der Taffe hinabfloß.

Adele hatte leicht die Farbe gewechselt.

„Nun, Herr Dottor, erzählen Sie Ihren Traum zu Ende," bat Natalie, al» Werner, von dem kleinen Vorfälle unterbrochen, eine Pause machte. „Mr saß denn in dem Kahne?" fragte fie mit einem schmachtenden Blicke.

„Ja so, mein Traum," sagte der junge Mann mit einem zerstreuten Aufblick. „Natürlich saß die schllfbekränzte Stromnixe darin, die nach ihrer Gewohnhett der kühlen Fluth entstiegen war, um die Herzen der Menschenkinder zu verwirren. Sie hatte e» auf mich abgesehen, und ihr Lied klang so süß verlockend, aber ich vergaß nicht, daß man gegen Nixenzauber Ohr und Äug' verschließen muß. Und so zerrann mein Traum," schloß er, etwa» gezwungen lächelnd.

Fräulein Natalie machte eine ziemlich enttäuschte

Cassel zum Militärdienst stellen müssen, ist aber, Gott sei Dank, frei geworden und alsbald auf seine Stelle zurückgekehrt. Von den Alumnen be« hiesigen Priesterseminars haben sich zu gleicher Zeit vier nach Ablegung ihre» ersten größeren Examens bei verschiedenen Regimentern gemeldet. Zwei von denselben sind leider genommen und dienen in Hildesheim und München, die beiden anderen wurden für untauglich erklärt. Wenn demnach auch der denkbar ungünstigste Fall nicht eingetreten, daß alle genommen wurden, so hat doch die Hoffnung auf einen reicheren Nachwuchs für unseren stark gelichteten Klerus einen harten Schlag erhalten. Im Laufe dieses Sommers werden nur 2 Herren zu Priestern geweiht, welche ihr Ziel schon erreicht hätten, wenn sie nicht durch Ableistung ihrer Militärpflicht im Jahre 1886 fast um ein ganzes Jahr zurückgeworfen worden wären. Im nächsten Jahre folgen höchsten» 3 neugeweihte Priester. Wie sehr ist da die Aufforderung und öftere Wiederholung und Einschärfung am Platze, daß alle Gläubigen eifrig und beharrlich um Prie­ster beten.

* Wie wir au» der .Kölnischen Volkszeitung, ersehen, haben der irn Dezember vorigen Jahre» von Seiten ihre» Madrider V-Mttarbetters ge­gebenen Anregung betreff» eine» Huldigungs- Geschenke» der deutschen kathol. Presse an die erste spanische Kotholiken-Versammlung 176 Verleger von Zeitungen und Zeitschriften (darunter auch die Fuldaer Akttendruckerei) entsprochen. Meisten» wurde die Nummer vom 1. Jan. d. I. eingesandt bezw. die diesem Zeitpuntt zunächst er- schienene Ausgabe. Die politischen Blätter (mit ihren unterhaltenden bezw. religiöserbaultchen Bei­lagen) werden in acht nach den Landeslheilen ge­trennten fein ausgestatteten Mappen gebunden, geordnet in katholische Zeitschriften für Laien und solche für Geistliche, besonders beigegeben, und da» Ganze in einem paffenden großen Klappkasten ver­einigt. Die Sammlung eröffnen zwei Widmun­gen auf Kartonblättern in reichem Farbendruck. Dieselben lauten: „Der ersten spanischen Katho- liken-Versammlung in Madrid im April 1889 widmet diesen Band von katholischen deut­schen Zeitungen und Zeitschriften unter dem Ausdruck herzlicher Theilnahme für die Be­mühungen zu Hebung de« katholischen Leben« in Spanien die katholische Presse Deutsch­land«. Im Auftrage: Redaktion und VeÄag der Kölnischen Volkszeitung. Köln, im März 1889." Die ganze Sammlung ist am 29. v. M. nach Madrid abgesandt worden.

* Settenr der Müllerei-Berussgenoffsnschaft sind vor Kurzem eine größere Anzahl Mühlenbefitzer im Kreise Fulda wegen Nichtanmeldung ihrer Arbeiter in Strafe genommen worden. Seiber bedenken die Betr. Besitzer nicht immer, daß die Berufsgenoffenschaft befugt ist, bi« zu 300 Mk. Strafen zu verhängen und ihre im Betriebe be­schäftigten Kinder ebenso verstcherungspflichttg find, wie die anderen arbeitet.

• Im Monat April dürfen nur Auer-,Birk« und Fafanenhähne, sowie Trappen, Schnepfen, wilde Schwäne rc. (vgk." S 1 Nr. 10 de« Ges.) geschossen werden; alle« übrige Wlld hat Schonzeit.

Miene. „Von einem Dichter hätte ich eigentlich eine etwa« interessantere Pointe be« Traume» er­wartet."

Werner sah fie groß an. „Von einem Dichter, gnfibige» Fräulein?"

„Otto hat e» boch gesagt, Sie seien ein Poet."

Otto lachte. „Abele war so entzückt von der poetischen Sprache Deine» epochemachenden Werke», und da habe ich nur gesagt, daß Du die Natur mtt Dichteraugen anfichst, well an Dir ein Dichter verloren gegangen sei."

SBerner blickte überrascht nach der Genannten. Sie, eine Dame, hatte also sein Buch über die Aesthettk der Natur gelesen, — da» Buch, da» er mtt so viel Wärme und Begeisterung geschrieben, und da» allerfett» eine so günstige Aufnahme ge­funden hatte.

Ein leichte» Roth flog über Abelen» Antlitz. „Ja, ich habe fetten etwa» mit größerem Genüsse gelesen, al» Ihr Buch. Und nicht allein die be­geisterte Darstellung, «ohtthuender noch berührte mich der ttefchristliche Grundgedanke, daß alle Schönheit der Natur doch nur ein Spiegel der höchsten unerschaffenen Schönhett fei." (F. f.)