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Im Stromhanse.
Novelle von I. Gr.
(4. Fortsetzung.)
Nun regte fich's unten. Er trat an da» andere Fenster, da» von reichen Weinranken umgrünt war und blickte hinab in dar Gärtchen, wo der Nachtthau noch mit schimmerndem Perlenglanz« an farbenprächtigen Georginen hing.
Hebet dem Strome ragte eine muffige Steinbalustrade aus; an dieser lehnte Otto, eine Cigarre rauchend, und blickte herauf.
„Outen Morgen, Werner. Bist Du schon munter ; ei, so komm' herab," rief er erfreut herauf.
„Wie köstlich ist e« in dieser süßen, unberühr- ten Morgenfrühe," sagte Werner, al» er bald darauf neben dem Freunde stand. „Man erquickt fich die Seele an solchem poefiegetränkten Naturbilde."
„Ja, e» ist schön hier," nickte Otto, und seine bunllen Augen schweiften nachdenklich über die Gegend. „Und dennoch," fuhr er wie zögernd fort, „werde ich wohl daran denken müssen, mir einen andern Wirkungskrei» zu suchen."
Werner blickte ihn erstaunt an. „Wie, Du wolltest fort von hier? Bist Du nicht zufrieden mit der Pioxi«?"
Deutsche- Reich.
Berlin, 3. April.
• Der Orkan, der bei Samoa schwere« Unheil herbeiführte, hat auch auf anderen Insel- gruppen, namentlich auf ben Herray» und Gesell» schasttnseln großen Schaden angerichtet. Eine Anzahl Schiffe find gescheitert, zum Thell mit Verlust an Menschenleben. Namentlich in Tahiti hat der Orkan bedeutende Verwüstungen angerichtet. Viele Personen find getödtet, die Hauptstadt steht vollständig unter Waffer. Auf der Insel Tonga kamen 30 Personen bei dem Unwetter um» Leben.
• Kaiserin Friedrich trifft mit den Prinzes- finen-Töchtern heute Abend nach 9 Uhr von Kiel hier ein. E» gilt jetzt al» wahrscheinlich, daß die hohe Frau bi» Mitte diese» Monat» in der Haupt- stadt verbleiben wird.
* Der Kaiser wird im Lause de» Mai den Darmstädter Hof besuchen und mit dem Großherzog von Heffen der Einweihung der neuen Kirche in Oppenheim beiwohnen.
* Da» Abgeordnetenhaus nahm da» Polizeikostengesetz in dritter Lesung an, überwies die Anträge Letocha-Porsch, bett, da« Halten von Bienen, und Drawe, betr. die Bestrafung der Schulv-rsäumniffe in öffentlichen Volksschulen, zur Vorberathung an Kommiffionen und erledigte Petitionen. Eine Petition der Stadt Breslau um Abänderung der Vorschriften über die Erhebung der Hundesteuer wurde der Regierung zur Berück« fichttgung überwiesen. Morgen: dritte Lesungen des Verwaltungsgesetzes für Pofen und anderer Entwürfe.
* Im Reichstag e machte heute der neue Staatssekretär des Reichs-Marineamt» Hausner Mittheilung Über da« Unglück, welche« die deutsche Flotte in den samoanischen Gewäffern betroffen hat und gab unter der Zustimmung de« Hause« der Theilnahme für die pflichttreuen Opfer der Katastrophe und deren Hinterbliebenen Aurdruck. Pflrcht der Marineverwaltung werde e« sein, da« Leid der Letzteren, soweit die« überhaupt möglich, zu mindern. Für einen Ersatz der verlorenen Schiffe „Adler" und „Eber" feien die Vorbereitungen getroffen. Die „Olga" werde vielleicht gerettet, aber dann doch schwer beschädigt sein. Obgleich für die in Apia weilenden Europäer keine
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Besorgnisse zu hegen seien, habe doch auch in dieser Hinficht die Marineverwaltung Maßregeln ergriffen. Nachdem die amerikanische Regierung drei weitere Kriegsschiffe nach Samoa entsandte, würde e« Mißdeutungen wachrufen, wenn das deutsche Reich schwächer erscheinen würde, um seine Interessen wahrzunehmen. Auch nach dieser Richtung sei das Erforderliche so schleunig als möglich veranlaßt worden. Weitere Nachrichten aus Samoa seien nicht vor dem 15., briefliche Nachrichten aber erst Ende diese» Monat» zu erwarten. Nach diesen Mit- theilungen trat da» Hau» in die Tagesordnung ein. Die Etatsüberschreitungen de» Etatsjahres 1887/88 wurden genehmigt und bann die 2. Be- rathnng de» Gesetzentwurf« bett, die Alter»- und Jnvaliditätsverficherung fortgesetzt. Die Gewährung von Invalidenrente an nicht dauernd erwerbsunfähige Verficherte, welche während eines Jahre« ununterbrochen erwerbsunfähig waren, für die weitere Dauer der Erwerbsunfähigkeit wurde unter Ablehnung weiter gehender Anträge nach den Kommiffionsanttägen genehmigt. Die Bestimmung, wonach für einzelne Bezirke die Rentenzahlung in Naturalleistungen zugelassen werden kann, wurde auf Antrag Schrader dahin ergänzt, daß in allen Fällen die Naturalleistung von der Zustimmung de» Empfänger» abhängig gemacht werden soll. Die Wartezeit wurde nach den Kommission«- anträgen für die Altersrente auf 30, für die Invalidenrente auf 5 Beitragsjahre festgesetzt. Wetter- berathung morgen. Morgen findet außer den gewöhnlichen auch noch eine Abendsitzung zur Vor- nähme der 3. Lesung de« Genoffenschast«gesetze« statt.
* Die Osterferien sind inf Reichstage und im Landtage für die Zeit vorn 12. bis 30. April in Aussicht genommen. Im Reichstage soll vor der Vertagung das Alterverficherungsgesetz in zweiter und da» Genoffenschaftsgesetz in dritter Lesung erledigt werden. Daß die angekündigte Novelle zum Strafgesetz noch vor Ostern zur ersten Berathung bmmt, gilt in parlamentarischen Kreisen für unwahrscheinlich.
• Ueber den Neubau desAbgeordneten- haus es schreibt das Wochenblatt für Baukunde: „Nachdem man lange geschwankt, ob dem Abgeordnetenhause- ein besondere» Gebäude ein geräumt werden solle ober aber eine Vereinigung beider Häuser de« Landtage« in einem gemeinschaftlichen
„Die Leute haben einfach kein Vertrauen zu mir," versetzte Otta mit einem Anfluge von Bitterkeit. „Sie behelf-n fich lieber ganz ohne Arzt, ja sie lassen eher ihre Kranken sterben, al» daß sie bei mir Hllfe suchen."
„Aber wie ist da» nur möglich?" fragte Werner kopfschüttelnd. „Zu Dir, dem gew ssenhaften und theilnahmSvollsten Arzte, kein Verttauen?"
„Es ist aber doch so, und die Sache hat ihren besonderen Grund; ein feindseliger Zug gegen unser ganze» Hau» beherrfcht nämlich die Bewohner dieser Gegend, die alle mit Leib und Seele dem Wildern ergeben find. Sie find nicht abzubring-n von dieser Leidenschaft, well sie da» Verbrecherische betreiben auch nicht einmal einsehen. In ihnen wurzelt zu fest bie uralte germanische Anschauung von der Freiheit de» Walde», daß Holz und Wild so gut rote das Waffer für einen Jeden da fei; mein Vater aber verfährt mit unerbittlicher Härte und Strenge gegen fie."
„Ec ist dazu berufen, die Rechte des Staates zu schützen und gegen alle frevelhaften Eingriffe zu wahren," warf Werner ein.
Otto streifte die Asche von seiner Cigarre. „Ach ja," seufzte er, „aber wenn er nicht so furcht- ar schroff und unbeugsam wäre, wie Manche«, Manche» könnte doch ander» sein!" trüber Aus-
Bau vorzuziehen fei, gewinnt die Neigung Oberhand, jedem Hause ein eigene« Geschäftsgebäude zu belassen. Hiernach würde wohl zunächst der Bauplatz an der verlängerten Zimmerstraße in Frage kommen, für welchen, wie wir erfahren, von dem Architekten be» Abgeorbnetenhauser, Bau- Jnfpcktor Fr. Schulze, von dem Regierungs-Bau- rath Hinckeldkyn und dem Geheimrath v. Tiedemann in Potsdam Pläne aufgestellt worden find."
• Heber die Zerstörung der Misfionsstation Pugu meldet das ,Berl. Tagebl.' angeblich nach den Erzählungen der beiden Missionäre, welche fich nach Sanstdar retteten, noch Folgendes: Die Schwester Martha wurde gleich beim ersten Anprall in der Kapelle durch einen Schuß von rückwärts getödtet; fie ist sofort tobt zusammengesun- len. Die an ihrer Leiche später konstatirten Verstümmelungen müssen erst nach ihrem Tode vor- genommen worden sein. Die Angreifer find auch keine Leute Buschiri'« gewesen, der die Missionen noch heute respektirt, sondern sie find au» dem Innern herbeigezogen, um fich au« Beutegier am Kampfe zu beteiligen. Da die Boote häufig au« Elephantenbüchsen beschossen werden, so vermuthe ich, daß die Bande zu den Elephantenjägern gehört, welche feit Jahren ihr Jagdrevier zwifchen dem Nyaffa und dem Nilwa-See hat und in bestimmten Zwischenräumen Raubzüge durch'« ganze Land unternimmt. Hinterher hat sich die Bande mit Buschiri in Verbindung gesetzt und demselben die Gefangenen Überlassen.
• Königsberg, 2. April. Wie von der Kanzel verkündet wurde, wird unsere Gemeinde am Sonntag, den 7. Apoll d. I., ihren dürftigen Betsaal verlassen und etwa um 9‘/s Uhr Morgens in feierlicher Prozession mit dem allerheiligsten Altars-Sakrament in die alte Pfarrkirche wieder einziehen. Um 7'/, Uhr Abend» hält dann der römisch-katholische Volkverein, wie gewöhnlich am ersten Monatssonntag, seine Versammlung im großen Saale des Artushofes (gr. Domplatz) ab. Da» Ermland, das an unserer Roth so innigen Antheil nahm, wird hoffentlich bei unserer Freude nicht fehlen." Die hiesigen „Altkatholcken" haben schon seit dem 28. d. M. die Pfarrkirche geräumt und find nach der Löbenicht'schen Hospitalkirche übergestedelt.
"München, 1. April. Ueber das Befinden
druck hatte da» schmale Geficht der jungen Arzte« Überzogen und ernst blickten feine Augen vor sich Hiebet»
Werner wollte etwa« erwidern, aber j.tzt erklang Über ihnen ein Fenster. Marien'« warme Stimme rief einen „Guten Morgen" herab und fragte, ob die Herren nicht zum gemeinschaftlichen Frühstück erscheinen wollten. Sie gingen hinauf und sanden die Familie bereit« um den Kaffeetisch versammelt.
Werner» ruhige Beobachteraugen blickten prüfend auf die lieblichen Mädchengesichter, al« ob ec hier die Lösung seine« Räthsel«, da« ihn so sehr beschäftigt, suchen könne. Doch vergeben«, keine Spur kam ihm zu Hllfe, und die romantischen Träumereien, die seine Phantasie in der Nacht gewoben, begannen in der klaren, nüchternen Tagesbeleuchtung mehr und mehr zu zerfließen.
„Haben Sie gut geschlafen bit erste Nacht im Stromhause?" fragte Marie.
„Unb haben Sie auch etwa» geträumt?" fügte Natalie schelmisch bei. „Der erste Traum unter fremden Dache ist nämlich von besonderer Bedeutung, der wird immer wahr."
Werner wandte sein Gesicht voll der schönen Nachbarin zu. „Ja, gnädige« Fräulein, ich hatte einen seltsamen Traum, und er war so lebhaft, daß ich hätte fragen mögen: „Traum, bist du