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Dienstag, dm 2. April.

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1 Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Form einer Gesammt-ReMution, noch in Form einer Veriheilung an die Diözesen oder die einzel­nen berechtigten Geistlichen und Institute. Vielmehr würde der Staat da» Geld in seiner Hand be­

AM- Bestellungen ans unser Blatt werden »och fortwährend von alle» Post- a»stalte» »»d La«dbriesträger« sowie i» ««serer Expeditto« entgegen genommen.

Deutsche- Weich.

Berlin, 1. April.

• Ueber da» Sckiffsunglück bei Samoa werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der furcht­bare, über die Samoa-Gruppe in der Nacht vom 16. März hereingebrochene Sturm wüthete fast zwei Tage. Der Ausbruch war ein so plötzlicher, daß die an dem Ankerplätze bei Apia befintlichen fieben fremden Kriegsschiffe nicht flüchten konnten; nur das britische Schiff „Calliopa" erreichte die offene See. Zuerst riß der Sturm die Anker von S. M. Kanonenboot „Eber" los und schleu­derte das Schiff 6 Uhr Morgens mit der Breit­seite auf die den Hafen von Apia umgebenden Korallenriffe, nach einem Augenblick des Schwan­kens prallte der „Eber" zurück und ging fofort in tiefem Waffer unter. Die Mannschaften waren meistens unter Deck, deshalb entkamen nur wenige. S. M. Kreuzer „Adler" wurde von einer Riesen­welle in die Höhe gehoben, welche den Kreuzer mit einem Schlage auf das Riff warf. Ein schreck- licher Kampf ums Leben folgte nun, viele spran­gen in die schäumende See, um das Ufer zu er» reichen, einigen gelang es auch ; andere klammert« n sich an» Takelwerk, bi» die Masten unter Waffer standen; auch von den letzteren gelangten einige an das Gestade. Mehrere Offiziere und der Kapi­tän wurden gerettet. Die Kreuzerkorvette „Olga" hatte bis zum Morgen, obgleich viel umherge­worfen, dem Sturm widerstanden, bann gehorchte das Schiff nicht mehr dem Steuer und strandete in ziemlich günstiger Lage. Von der Besatzung ist Niemand umgekommen. Mataafe sandte eine Abtheilung seiner Leute, welche behüflich waren, die „Olga" flott zu machen. Von den im Hafen ankernden Kauffahrteischiffen find die Barke „Peter Godeffroy" und 7 Küstenschiffe gescheitert, 4 Per- sonen verloren das Leben.

• Usber den Inhalt de» Gesetzentwurf», betreff, die Verwendung cer Sperr gelber, der bekannt­lich gegenwärtig den einzelnen Ministerien vorliegt, verlautet, daß e» fich in keiner Weife um die Rück­gabe der Gelder an die Kirche handle, weder in

I« Stromhiisk.

Novelle von I. 6t.

(2. Fortsetzung.)

Der Forstmeister von Norbert war ein Mann xjon mittelgroßer Gestalt, ungefähr in der Mitte der sechziger Jahre. Haupt- und Barthaar waren bei ihm stark ergraut, und die scharfen Augen blickten unter den buschigen Brauen etwa» herrisch hervor. Ader freundlich hellte fich der strenge Ausdruck seiner Züge auf, als er den Freund seines Sohnes begrüßte. „Willkommen im Strom- hau«, Herr Dokior," sagte er mit einem Anfluge von Herzlichkeit. ,Es freut mich, daß Sie endlich einmal den Weg zu uns gefunden; lange schon haben nur auf Ihren Besuch gewartet."

Dann hob Werner den Blick zu den beiden jungen Damen. Die eine mochte erst auf der Schwelle zum Jungfrauenalter stehen, denn fie schien noch ziemlich schüchtern und ungewiß, wie sie fich dem fremden Herrn gegenüber zu benehmen habe, während die andere, eine schlanke Mädchen­gestalt, mit vornehmer Zurückhaltung bei der Vor- stellung den Kopf neigte. E» war zwar, als ob dabei eine leichte Röthe die feinen GefichtszÜge

halten und darüber zum Besten von Geistlichen, Kirchen und Instituten disponiren. Ueber weitere Einzelheiten be» Entwurfs verlautet noch Nichts- Doch dürfte die mitgetheilte Tendenz der Vorlage vollauf genügen, um schon jetzt in den Kreisen der katholischen Bevölkerung den lebhaftesten Widerspruch gegen eine derartige Verwendung der Sperrgelder hervorzurufen.

• Der Kaiser hatte sich am Sonntag nach Posen begeben, um sich durch eigenen Augenschein von den Maßnahmen zu überzeugen, welche zu Gunsten der durch die Urberschwernmung schwer heimgesuchten Bevölkerung ergriffen worden sind. Der Kaiser besuchte die Baracken, welche für die Obdachlosen errichtet worden sind und besprach mit den behördlichen Organen und Sachverstän- digen die Mittel, um solchen Katastrophen künftig vorzubeugen ober boch dieselben zu mildern. Gleich­zeitig ließ der Kaiser die Truppen aHarmiren und besichtigte dieselben. x

• Der Reichskommiffar Hauptmann W i ß m a n n und Dr. Karl Peter» sind in Sansibar ein- getroffen.

* Der Reichstag setzte heute die Berathung der Alters- und Jnvaliditätsversicherungsgefttze« fort. Ein Antrag Gebhardt auf Zulassung der freiwilligen Versicherung für kleine Unternehmer und Hausindustrielle wurde mit der Modifikation angenommen, daß die Versicherung derselben nur bis zu deren 40. (Gebhardt hatte beantragt 50.) Lebensjahre zulässig ist. Eine lange Debatte ver- anlaßte die Bestimmungen über diejenigen beson­deren Kaffeneinrichtungen, welche die Versicherungs­anstalten ersetzen können. Unter diese Kaffeneinrich- tungen sollen einem Anträge der Abgg. v. Wedell und Gen. (kons.) zusolge auch die Berussgenoffen- schasten aufgenommeu werden, die auf einen Bundesstaat ober einen Theil eines solchen be­schränkt faib. Er handelt sich dabei hauptsächlich um die landwirthschastlichen Arbeiter. Seitens der Vertreter der verbündeten Regierungen wurde diesem Anträge widersprochen, ebenso einem An- trage der Freisinnigen, wonach Personen von der VerficherungSpflicht befreit sein sollen, die einer Alters- und Jnvalidenkaffe angehören, welche das­selbe leistet wie die Staatsverstcherung. Beide überhaucht habe, aber nur für einen Moment, bann war der wärmere Schein auch wieder erloschen.

Nun setzte man fich zu Tische. Der Gast er­hielt den Platz neben Marie, welcher seit dem Tode der Mutter die Hauefrauenrolle zug-sallen war; ihm gegenüber saß Fräulein Natalie und ließ die lebhaften Blicke eifrig herüberfpielen. Sie sprach lebhaft von den gi fettigen Verhältnissen der Stabt, wo Werner wohnte, und in der fie selbst einmal bet Bekannten: einen „brillanten" Winter »erlebt habe. Mit Interesse erlunbigte fie fich, ob die Offiziersbälle und die Eisvergnügungen dort noch fo reizend seien, und wie e» Lieutenant von X. gehe, und ob fich Hauptmann G. mit der reichen Bankierstachter verlobt habe, und so in einem Äthern fort. Werner aber bedauerte mit der ihm eigenen ruhigen Verbindlichkeit, darüber keinerlei Auskunft geben zu können, da er dem geselligen Verkehr ganz fern stehe. Fräulein Na- talie kräuselte die Lippen, und ein etwas gering­schätziger Blick streifte ihn au» den schönen Augen.

„Was find da» aber auch für Fragen, MSv- chenl" brummte der Forstmeister unwillig. „Glaubst Du denn, ein Gelehrter habe Zett, fich um solche nur Dir vielbedeutende Dinge zu kümmern?

Anträge wurden schließlich abgelehnt und die Be­stimmungen in der Kommissionsfaffung angenommen. Weiterberathung morgen.

* Da» Herrenhaus nahm heute den Staats­haushaltsetat unverändert nach den Beschlüffen de» Abgeordnetenhauses an. Der Berichterstatter Ober­bürgermeister Lindemann, sowohl wie der Vor­sitzende der Etatrkommisfion Gras Zieten-Schwerin wünschten dringend, daß da» Abgeordnetenhaus künftig seine Etatsberathung derart beschleunige, daß dem Herrenhause Zeit zu einer sorgfältigen Prüfung bleibe. Graf Franckenberg erörterte an- gefichts des hervorgetretenen Wagenmangel» die Nothwendigkeit einer Vermehrung der Betriebs­mittel. Minister von Maybach würde e» für einen schweren Fehler halten, mit der Vermehrung der Betriebsmittel über da» Bedürfnlß hinauszugehen. Dr. Miquel befürwortete die Reform der direkten Staatssteuern; nur im Zusammenhang mit dieser dürfe die Frage der Ueberroeifung von Grund- und Gebäudesteuer an die Kommune gelöst wer- den. Finanzminister von Scholz hoffte, daß eine Steuerreformvorlage noch in dieser Session dem Hause zugehen werde. Die Ueberweisungswünsche hätten ihre natürliche Grenze in der Ersatzfrage; doch stehe er diesen Wünschen wärmer gegenüber wie Dr. Miquel. Dr. v. Stephan anerkannte, daß e» an Betriebsmitteln zeitweilig gefehlt habe und wünschte, daß der Minister die Ueberschüffe nicht allzusehr anjchwellen laste. Dann wurde die Generaldebatte geschlosten und nach kurzen Dis­kussionen bei den Einzelnetats der Gesarnmtetat angenommen. Morgen: Nothstandsgesetz.

* Das Abgeordnetenhaus nahm da» Stempelsteuergesetz in 3. Lesung mit der Erweiter­ung an, daß amtliche Führungsatteste stempelfrei fein sollen. Dann wurde das Verwaltungsgesetz für Pofen in der 2. Lesung berathen. Eine Reihe von Abänderungsanträgen be» Centrum» der Polen und der Freistnnigen wurde abgelehnt und die Vorlage durchweg nach den Kommisstonsbeschlüsten angenommen. Da» Prediger - Reliktengese tz fand gleichfalls in 2. Lesung mit einigen Modifikationen Annahme. Mttwoch: Polizeikostengesetz, Anträge betr. das Halten von Bienen und die Schulver- säumniffe.

* Die Wildschaden-Kommission de» Abgeordnetenhauses hat die erste Lesung der Vorlage ihrer Subkommisfion am Sonnabend beendet. Sie beschloß, den zur Zahlung der

„Nun, Onkel, das ist doch nichts Schlimmes," erwiderte fie mit kokettem Schmollen. „Auch ein Gelehrter wird es begreiflich finden, daß man gern wieder einmal etwas von der Welt hören möchte, wenn man fo abgeschieden wie auf einer wüsten Insel im Meere lebt!"

Marie drohte der Sprecherin scherzend mit dem Finger, dann wandte fie fich an ihren Nachbar: „Diese verwöhnte Großstädterin will e» in unserer schönen Einsamkeit nicht aurhalten . .

„. . . die mir doch eher ein liebliche«, stille», vom grünen Wäldermeer umrauschttS Eiland scheint, al» eine wüste Insel," fick Werner begeistert ein.

„Sie werden müde fein, Herr Doktor," sagte der Forstmeister aufstehend, indem er seine lange Pfeife in die Ecke stellte.

Otto führte den Freund die Steintreppe hinauf zu seinem Lozirzimmer.

„So, nun ruhe Dich au» von den überstandenen Strapazen und laß Dir vom Strome unten ein Schlummerlied fingen," sagte er, mit herzlichem Händedruck gute Nacht bietend.

Doch Werner suchte nicht gleich die Ruhe, denn die Bilder be« geronnenen Tage» wogten lebhaf