Einzelbild herunterladen
 

Dienstag, den 26. März.

g Zcitmg.

fidbatr

1889

Erstes Blatt.

Die .Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und Feiertag- ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne »nnS-rlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenberlage »Sterne und Blumen -rn.Fulda und auswärts 1 Mark 50 Psenmg.

Inserat«: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., ber Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Bei dem bevorstehenden Quartalswechsel (1. April 1889) werden die verehrlichen Abonnenten gebeten, ihr Abonnement bei den kgl. Post- anstalten rechtzeitig zu erneuern, damit in der Zusendung des Blattes keine Unter­brechung eintritt. Auf die nach dem 1. April erfolgenden Zeitungs - Bestellungen berechnen die Postanstalten eine um 10 Pfg. höhere Gebühr.

Deutsche- Reich.

Berlin, 25. März.

• lieber das Centrum schreibt ber ,Mon. de Rome^: „Seit einiger Zeit nimmt die offiziöse und liberale Presse in Deutschland den alten Feldzug gegen das Centrum auf, indem fie den Glauben zu erwecken sucht, daß die katholische Partei im Begriffe steht, fich zu spalte«. Diese Taktik wiederholt sich periodisch und hat keine weitere Be­deutung, da indeffen die Brüder von jenseits der Berge bei den rffiziösen römischen Blättern ein Echo finden, so ist es nützlich, zum hundertsten Male zu wiederholen, daß das Cevtrum so kom­pakt ist, wie jemals. Gethellt in Gruppen in Fällen, die zweifelhaft find, und deshalb frei von den ersten Tagen an, find die deutschen Katholiken eng verbunden auf dem Gebiete der nothwendtgen Re Vindikationen. Diese edle und kluge Haltung ist die Ehre de» Centrum» und ein Grund zur Bewunderung für Europa gewesen. Sie wird e» bleiben. Die Einigkeit ist ein« der großen Be- dürfniffe unserer Tage. Leo III. hat nie aufge­hört, sie zu empfehlen. In Deutschland, in Preußen, welche» Länder mit gemischter Bevölker­ung find, ist diese Emtracht unentbehrlicher, wie anderwärts." Man steht au, dieser Aeußeruug des ,Montt. de Rome', wie man in Rom über das Centrum denkt.

* lieber da» dem Bunde»rath jetzt zugegangene Gesetz zum Ersatz de« Sozialistengesetze» verlautet bi» jetzt nur, daß e» sich aus dem Boden de» gemeinen Recht» bewege. Nähere» über seinen Inhalt ist noch nicht bekannt. Al» der Aba. Sador in seiner jüngsten Rede über die Handhabung de» Sozialistengesetze« darauf auspielte, daß Aender- ungen de« Gesetze» beabfichtigt seien, unb ben in­zwischen zum gepflügelten Wort gewordenen Au«- spruch that: „Etwa» geht vor, man weiß nur noch nicht wa»," soll ber dicht neben ihm stehenbe Minister v. Bötticher, wie man jetzt nachträglich erfährt, zu ihm gesagt haben: .Ich weiß von nicht».

• Der Antrag be» Abg. Hüne, betreffend Ueberweisung ber halben Grund- und Gebäude- steuer an die Kommunen, wird am nächsten Mitt­woch zur Berathung im Abgeordnetenhause gelangen.

• Nachdem der Bericht der Reich«tag»kommifflon zur Borberathung de» Gesetzentwurs» betteffend die Alter»- und Jnvaliditätrversicher - «n g der Arbeiter zur Brrthellung gelaugt ist, soll die zweite Berathung der Vorlage noch im Laufe dieser Woche ihren Anfang nehme».

• Der Reich»tag nahm den Nachtragsetat (Artillerie, Theilung der Marine) debattelo« in dritter Lesung nach den Beschlüßen der zweiten Lesung an und trat dann in die zweite Berath- «ng be« neuen Senoffenschafttgesetze» ein. Der Referent Abg. von Rheinbaben konstatttte, baß bie Kommisfion bie Vorlage in ber vorliegenden Fassung trotz mancher Bedenken im Einzeln ein­

stimmig angenommen habe. In der Kommisfion ist zu den Genoffenschasten mit beschränkter und unbeschränkter Haftpflicht eine neue Kategorie, Ge­noffenschasten mit unbeschränkter Nachschußpflicht, gefügt worden. Abg. Schenck (fr.), der Anwalt ber deutschen Genoffenschasten, sowie Abg. Dr. Baumbach (frf.) bekämpften diese Neuerung und traten für die Beibehaltung de« Einzelangriff« der Gläubiger gegen bie Genoffen ein. Abgg. v. Buol, v. Huene (Centr.), Dr. Enneceru« unb v. Cuny (nl.), Hegel, Graf Mirbach (kons.) und Gamp (freikons.) verwandten fich dagegen für die Kom- misstonsbeschlüfle al« Mittelweg zwischen den widerstreitenden Anschauungen. Staatssekretär von Oehlschläger erklärte, daß die verbündeten Re- gierungen zwar zu ben .^ommission«anträgen noch keine Stellung genommen haben, daß er aber für seine Person keinen Einspruch dagegen erheben wolle. Darauf wurden die Kommissionsanträge mit großer Mehrheit angenommen. Eine längere Debatte veranlaßte ferner die von der Kommisfion empfohlen« Bestimmung, wonach Darlehnsgenoffenschaften ihren Gefchäftsbetrieb, soweit er in Darlehnsgewährung besteht, nicht aus andere Personen außer den Mit- gliedern au«dehnen dürfen. Abg. Kulemann (nl.) beantragte, diese Beschränkung auch auf Konsum­vereine auszudehnen, -während Abg. Schenck dis Streichung der Beschränkung überhaupt verlangte. Schließlich wurden auch hier bie Kommisfions« anträge unverändert angenommen, lieber eine gleichzeitig diskutirte Resolution auf Beschleunigung der beabsichtigten gesetzgeberWeu Maßregeln zur wirksamen Bekämpfung der Trunksucht, sowie der Revifion der gewerbepolizeilichen Vorschriften über den Vertrieb von Spirituosen erfolgt die Abstim­mung erst in dritter Lesung. Weiterberathung Dienstag.

♦ Das Abgeordnetenhaus nahm die Eisen­bahnvorlage unverändert an. Eine längere De­batte veranlaßte die Frage der Einsetzung einer besonderen Kommission für Eisenbahnftazen. Fer­ner wurden Abschreibungen auf die Betriebsmittel und eine weitere Vermehrung ber letztem gewünscht. Bezügliche Anträge wurden aber nicht gestellt. Dienstag: 3. Berathung der Sekundärbahnvor­lage, Fürsorge für bie Hinterbliebenen der evan­gelischen Geistlichen.

* Die Reise de» Staatssekretärs Grafen Bi», marck nach London, welcher die ,Time»' jeden politischen Charakter absprach, wird in neueren Londoner Meldungen mit dem bevorstehenden Be­suche de» Kaiser» Wflhelrn am englischen Hofe sowie mit koloniatpolitischen Fragen in Zusammen- hang gebracht.

♦ Der Schah von Persien, der Teheran bereit» verlassen haben dürste, wird etwa vierzehn Tage in Petersburg bleiben und dann nach Ber­lin komme«.

• Daß «min Pascha noch am Leben und in Freiheit ist, kann nunmehr schwerlich noch be- zweifelt werden. Mohammed Berawi, der im vorigen Sommer mit 6000 Mahdisten au« zog, die den deutschen Doktor fangen sollten, ist jetzt in Kairo angekommen, wo er berichtet, daß die Mahdisten gründlich geschlagen wurden. Er selbst sei mit etwa .hundert Leuten nach Omdurmann entkommen.

• Da« neue Weißbuch Über Samoa ent­hält zunächst einen Bericht de« deutschen Konsul­in Apia vom 31. Januar 1889 über die Lage in Apia feit Anfang 1889. Der Bericht beschäftigt sich mit der Einschließung ber Deutschen durch die Aufständischen, mit der Plünderung der deutschen Pflanzungen, dem Brand de» deutschen Konsulat«, schildert die Verhinderung einer Verständigung ml den Aufständischen durch fremde Agitation und

verbreitet sich schließlich über bie Maßregeln de« beutschen Konsul» nach Erklärnng de» Kriegszu- iande» durch denselben Über bie Anordnungen bes kommanbanten ber deutschen Schiffe und da» Ver­alten der englischen und amerikanischen Vertreter und SchMommandanten. Die nächste Nummer enthält den Bericht be» Kommandanten Er. M. S. „Abler", gleichfalls vom 31. Januar 1889, ber sich auch mit ber Lage in Apia fett Anfang 1889 beschäftigt. Die brttte und letzte Nummer endlich enthält einen Erlaß de» Reichskanzler» an den General-Konsul Dr. StÜbel in Apia, durch welchen da» Verhalten de» Konsul» Dr. Knappe ohne Vorbehalt al» unzulässtg erklärt wird. Kon- ul Knappe war danach nicht ermächtigt, ben Krieg»- >ustand zu erklären. rj£

—• «n herrliche» Lob der Anerkennung, schreibt da» Organ für katholische Studentenverbindung „Akademia", wird der Wirksamkeit be» Kartell- verbanbe» ber katholischen farbentragenden Studen­tenverbindungen von hoher Stelle ertheilt. I« seinem jüngsten Hirtenbriefe, der über bie Pflicht der Eltern, den Glauben der Kinder zu hüten, handelt, schreibt der hochw. Bischof Paulu« Leopold von Mainz (Protektor der Verbindtmg Haffe» Rhenania in Gießen) unter Schilderung ber Ge­fahren , bie ber studirenden Jugend drohen, folgendermaßen: „Am schlimmst,« steht e» mit de« Hochschule». Abgesehen von de« Theologen ist der kath. Glaube in denselben wenig vertreten, wohl aber in reichem Maße der Materialismu» und Atheismus. Wer seine Söhne auf Hochschulen sendet, muß sehr für Erhaltung ihres Glauben» und ihrer Sittlichkeit besorgt sein. Besonder» wichttg ist e», ihnen gute Gesellschaft zu verschaffen, welche sie in den Gesinnungen bestärkt, die sie au» dem Hause mitnehmen. Seit mehreren Dezennien bestehen an allen Hochschulen Deutschland» kath. Studentenverbindungen, welche in manchen Bezieh- ungen gute Früchte bringen. Ich empfehle die­selben angelegentlichst unb freue mich, daß auch an unserer Lande«universttätGießen eine solche gegründet wurde." In der That verdient dieser Verband da« wärmste Lob, denn au» ihm gehen nicht zum geringsten Theile unsere gut kathol. Beamten in höheren Stellungen hervor, sonder« auch mehr denn 1000 Priester gehören ihm an.

• Die Handel«- und Gewerbekammer zu Ulm, hat den Plan angeregt, einen großen Schifs- fahrt«ka»al durchWürttembergzu bauen um dichDonau mit dem Rheine zu verbinden. Der Kanal solle vonlUm ausgehen und in de« Neckar münden. Da« Projekt wird jebeifoB« »och lange tobt bleiben. Zur Erzielung einer größeren Was­serstraße hat weder die Donau bei Ulm «och bet Neckar be» gehörigen Tiefgang und wenn der Kanal nicht für die große Schifffahrt gebaut wird, so ist da« Geld von vornherein hinaurgeworse«, wie ee Baiern mit dem Donau-Main-Kanal gemacht hat. Ohne bedeutenden Zuschuß vom Reiche würde aber Württemberg die rauhe Alb nicht mit einer solchen Wasserstraße übersteigen können.

Ausland.

* Unter Vorsitz be« Erzbischof» Großen» findet zu Mecheln am 29. und 30. April ein großer belgischer Katholikenkongreß statt.

• Da» belgische König»paar begibt fich dem­nächst nach Miramara zum Besuch der Kronprin- zesstn-Witwe Stephanie von Oesterreich.

* Die holländische Regentschast»frage ist nun endgültig erledigt. Die Königin Emma hat die Uebernahme der Regentschaft entschieden ab- gelehnt. Infolge deffen wurde Hemrkeerk zum Regenten ernannt.