Samstag, den 23. März.
1889
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ist also nicht der einer einfachen Handhabung, sondern ein ganz anderer. Während nämlich da» Zurückschießen de» Verschlüsse» bei den gewöhnlichen Kolben« oder Cylinder-Verschlüflen einseitig durch den Fuß de« Griff» bezw. die Kammerleitschiene verhindert wird, geschieht die« beim Grad« zug-Cylinder-Berschluß durch symmetrisch angeordnete Warzen. Dadurch wird der Rückstoß, der bei den gewöhnlichen Kolbenverschlüsien excentrisch wirkt, ein concentrischer. Die Brettenstreuungen der Geschosse werden verringert und so die Trefffähigkeit de« Gewehre» erhöht. Daß die Ablenk» ung der Geschoffe durch den excentrischen Rückstoß beim gewöhnlichen Kolbenverschluß sehr erheblich ist, beweist schon der Umstand, daß sie bei unser« Infanterie-Gewehr, Modell 71/84, eine Verschiebung der Visirkimme nöthig gemacht hat.
Da» Mannlicher-Gewehr ist ein Repetir- Gewehr. Da» Magazin befindet sich weder im Vorderschast, wie bei un«, noch im Kolben, sondern im Mittelschaft unter dem Verschluß. Die Mehrlade-Vorrichtung enthebt den Schützen der Manipulation mit einzelnen Patronen vollständig. Fünf Patronen werden immer packweise von oben eingelegt. Die» Hineinlegen einer solchen einheitlichen Magazinladung nimmt nicht mehr Zeit in Anspruch al« da« einer einzelnen Patrone.
Da« Mannlicher-Gewehr läßt Einzelladung zu, loll indeß stet» al« Repetir-Gewehr gebraucht werden. Dieser österreichische Grundsatz steht im Gegensatz zu den bisherigen deuschen Anschauungen. Unsere neue Schießvorschrift schreibt z. B. vor: „Dar Magazinfeuer soll in entscheidenden Augenblicken bei Wegfall der Thätigkeit de» Laden« die Leistungen der Truppe steigern."
Ta« Kaliber de« Mannlicher-Gewehre» beträgt acht Millimeter. Da» Geschloß hat eine Länge von etwa vier Kalibern und ist ein sogen. Verbund- (Compound-) Geschoß, d. h. es besteht aus einem Kern von Hartblei, um den ein ganz dünner, kaum papierstarker Mantel eines Härtern Metalle» (Stahl, Kupfer, Nickel, Neustlber) gelöthet ist. Diese Metallhaut genügt, um das Geschoß vor Formveränderung beim Austriffen zu bewachren und verhindert doch nicht eine sichere Führung in den Zügen des Laufes.
Was nun die Annahme des Mannlicher-Gewehres für die deutsche Armee anbetrifft, so liegen darüber folgende thatsächliche Mittherlungen vor.
Im Spätsommer 1888 war man in Spandau (bekanntlich der Sitz der Gewehrprüfung«-Kom- Mission) zu einer Entscheidung nicht gekommen. Die verschiedenartigsten Modelle kleinkaliberiger Gewehre waren geprüft worden; so unter andern die Konstruktionen von Hebler (Schweizer), Krag (Norweger), Lebcl (französ. Infanterie-Gewehr), Mauser und endlich Mannlicher. Von diesen Systemen hat sich da» Mannlicher-Gewehr sowohl al» R.petirgewehr, wie auch vor allem in ballistischer Hinsicht allen andern überlegen gezeigt. Seiner Annahme stand nur der Umstand im Wege, daß da» int Mittelschiff angebrachte Magazin stark nach unten vorsprang und zwar gerade an der Stelle, die bei der in unserer Armee üblichen Tragweite de» Gewehre» (beim Exerziren, im Tritt-Maschiren u. s. w.) auf der Schulter aufliegt. In Oesterreich wird dagegen da» Gewehr gewöhnlich am Riemen getragen, so daß der eben erwähnte Umstand dort ein Hinderniß nicht bilden konnte. Die in Spandau und von Mannlicher selbst gemachten Abänderungsversuche scheinen jetzt zum Ziele geführt zu haben. Die deutfiben, und vor allem die königlichen Gewehrfabriken sind aber durch umfaffende Umbauten und Neuanschaffung von Maschinen, die während de» vergangenen Jahre» vorgenommen wurden, durchaus befähigt die Maffenfabrikaiiou des neuen Gewehr» nunmehr in schnellster Weise zu bewirken. Bewahrheitet sich, wie wahrscheinlich, die Nachricht, daß auch die österreichischen Waffenfabriken an der Neulieferung betheiligt sind, so wird auch wohl schon da» Früjahr 1890 die deutsche Armee mit dem neuen Gewehre bewaffnet sehen.
Erlebnisse des Herr« Rentier Käsemodel ans Kleingrimmelshanfe«.
Härn Se, mir Sachsen sein Helle — da» i» Sie mchrschtendeel» änne alte Weste, aber de säch'schen Bauern die fin Sie, weeß Knebbchen, noch Heller wie Helle. Die Ludersch sin Sie, wenn'» sein muß, schlauer, wie mir Stadtleute. —
Da war Sie e mal e Bauer von en Dorf in der Nachbarschaft, der Sie von der Stadt Kleen- grimmelshausen gern ärgend was gehabt Ham dhäte; ich gloobe, e Wiese wollte er pachten oder so was ähnliche«, wollte aber ooch nich viel bezahlen. Heber die Geschichte hatten die Herren Stadtverordneten, wozu ich zuzugehören natürlich
Zweites Blatt.
SX* Keßellingm
auf die
„Fuldaer Zeitung"
für das am 1. April beginnende
II. Quartal 188»
wolle man nicht bis auf die letzten Tag« de« laufenden Monats verschieben, sondern möglichst bald dem nöch- sten Postamte zuftelleil, damit uns dieselben rechtzeitig vermittelt werden können und prompte Zusendung ermöglicht wird.
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* Das Mannlicher-Gewehr.
Augenblicklich gehen durch die Presse die mannig. faltigsten Nachrichten über das in der österreichischen Armee eingesührte und wahrscheinlich in etwas veränderter Form auch für dar deutsche Heer ar.» genomnune sogenannte Mannlicher Gewehr. Die ,Köln. Voiks^tg? gibt hierüber folgende zuverlässige Mitheilungen:
Da« vollkommenste und wichtigste der von Mannlicher konstruirten Mehrlader-Modelle ist da« in der österreichischen Armee zur Einführung gebrachte. D-r Verschluß dieses Gewehre» ist der sog. Grad zu g-Cy linder-Verschluß. DasW-sen diese» Verschluss-» besteht nicht, wie einfach eingenommen wird, in der Vermeidung jeder Drehung; die Hand macht im Gegenthell dieselben Bewegungen, wie bei unserm Verschluß, nämlich beim Oeffnen: Linksaufwärtsdrehen und RückwärlS- fchieb-n; beim Schließen: Vorwärt»schieben und RechtSadwärtSdrehen. Ein Beispiel dürfte da» schon seit 1869 in der Schweiz und später auch in Italien eingeführte Vetterli-Gewehr feht, welche» ebenfalls einen Gradzug-Cylinder-Verschlaß besitzt. Die Eigenart und der Vorzug dieser Verschlußart
s In gSrofilien.
Aus den Briefen eines deutschen Auswanderers von I. D.
(9. Fortsetzung.)
Unsere Ansiedlung liegt in einem wundervollen Thale, da« von dem Forqurtta durchfloffen wird. Auf beiden Seiten erheben sich Rhein- und Moselbergen ähnliche Gebirge, welche die Ausläufer dir Anden bilden und von dichtem Urwald bewachsen sind. Viel edle« Wild hat hier seine Heimath, aber auch Schlangen und Jaguare sind keine Seltenheit, und Affen sind besonder« zur Erntezeit eine große Plage. Ja Staaren brechen sie manchmal, einen unbewachten Augenblick benützend, in die Gärten und plündern jählinz« einen vollen Obstbaum oder ein junge« Erbsenfeld. Für Jagd» fteunbe ist darum hier ein unbegrenzte« Feld, auch ohne daß man sich tiefer in den mit dichtem Unterholz bewachsenen Wald zu wagen braucht.
Die Erzeugnisse unserer Kolonien find Gerste, Korn, Weizen, Mair, Erbsen, Bohnen, Lmsen, Wein und Früchte aller Art. Rur von unserm heirnathlichen Steinobst bekommen w c selten etwa« zu sehen, obschon e« kräftig gedeiht. Die unzählige Schaar von Vögeln scheint gerade dieses Oöst al« ihr lesonde.e» Eigenthum zu betrachten und räumt
schon vor der Reife gründlich damit auf. Aepfel und Birnen gedeihen selten, desto besser aber der Wein, doch bedarf er hier eine ganz eigene Pflege. Hier pflanzt man die Stöcke in einer Reihe, ungefähr 12 Fuß von einander entfernt. Im zweiten Jahre setzt man eine gleiche Anzahl dicker, hoher Pfosten von gutem Holz daneben, legt von dem einen zum anderen Querbalken und auf diese wieder, der Länge rach, starke Balken, so daß da« Ganze einem HauSgerÜfle ohne Dach nicht unähnlich sieht. Dann zieht man die Rede hinauf, legt sie auf die Balken, putzt sie schön au«, und nun wachsen sie mit Riesenschnelle, wenn sie gut gepflegt und die Autschläge zur Zeit entfernt werden: So habe ich schon in einem Jahre eine 30 Fuß lange Rebe gezogen. Bon Jahr zu Jahr werden nun die Balken auf dem Gerüste verdoppelt, bi« zuletzt solch' ein Weinberg ein Labyrinth von hohen, schnurgeraden Laubgängen bildet, an deren Dach eine Fülle der schönsten Trauben hängt, und ht deren kühlendem Schatten eine Unmasse Kolibri« und Papageien umherschwnren. Fast bei jedem Schritte steht man die winzigen Nestchen mit ihren zwei erbsengroßen Eierchen an einem Blatte hängen, worin sich da« Kolibri-Weibchen hin und her wiegt. Im dritten Jahre tragen die Reben
die ersten Trauben, e« sind meist nordamerikanische Reben, rother Wein, da weißer Wein nicht recht auftommt. Im Juni und Juli wird aufgebunden, im September kommen die Knospen, im Oktober die Blüthen, zu Neujahr fängt die Traube an zu reifen, und im Februar und März ist die Lese, welche mit Hilfe hoher Lettern bewerkstelligt wird.
Auch die Ernte der anderen Obstarten hat ihren eigenen Reiz. Jung und Alt sitzt dann zu Pferde, meist barfuß, um zur Noth auf dem Rücken be« Pferde» stehen zu können, dann reitet man so lange mit Stangen bewaffnet, um den Baurn herum und bearbeitet diesen mit den Stäben, bi» alle» Oöst heruntergefallen ist. E» ist dieß stet» ein Fest und die Lieblingsbeschäftigung der Kinder.
Auch die Viehzucht gedeiht prächtig und bedarf Mit weniger Pflege al« daheim. Der gewöhnliche Preis eint« Pferde» ist 60—rlOO Mk., und der kleinste Bauer hat deren mindesten« 4-6, die größeren Farmer 10-15, auch 20 Stück. Ihre Ruhezeit bringen die Pferde ebenso wie die Kühe und Ochsen auf der Weide zu. Schweine machen noch weniger Arbeit da sie größtentheil» in eingc- zäunten Pferchen im Freien karnpiren, und find wohl in jeder Farm 20—30, oft 50—60 Stück zu finden, ja mancher Farmer weiß selbst nie