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berechtigt gewesen ist, einer Frau Nase», der Tat tin de» griechischen Geschäftsträger» in Belgrad, beim Empfang de« diplomatischen Korps aus An« laß de» griechischen Osterfeste» den üblichen Kuß verweigert. Die Liste der Hof« und anderen Damen, mit denen Milan fich einließ, ist sehr lang und die meisten Zeitungen bringen diese Dinge gewifler« maßen wohlgefällig aueführlich. Milan'» Zusam« menleben mit seiner ununterbrochen gekränkten Gattin war bald nur noch äußerlich und regelte sich nach der Hoffitte. Der dümmste Streich seines Leben« war, al» er die Gattin, auf welche kein Dhetn von Unrecht fallen konnte, verstoßen wollte. Da» sittliche Gefühl de» ser­bischen Volke« ist noch unverdorben, e« nahm für die schwer gekränkte Frau Partei gegen den fürstlichen Wüstling, und wenn fich auch ein fettet Ttaattpfaffe fand, die e« in Staatskirchen gibt, und die Ehe löste — in den Augen de« fittlicheu Bewußtsein« de» Serbenvolke» ist fie heute noch nicht gelöst und unauflöslich. Da« Leben Milan'« läßt uns einen Blick werfen in einen Abgrund von Fäulniß, der nur zu sehr an die Zustände erin­nert, die in der höheren und höchsten Gesellschaft Frankreich» und Europa» kurz vor Ausbruch der französtschen Revolution herrschten

Deutsches Reich.

Berlin, 21. März.

♦ Al» eine gute Examensrage für angehende Polütter empfiehlt die .Kreuzztz^ da» schwierige Thema: „War flattert über den Zelten der national-liberalen Partei?" Mit gutem Humor fährt da» konservative Blatt dann fort: „Die Frage erscheint allerdings etwas poetisch eingekleidet, aber sie ist von einem in diesem Fache ergrauten Experten gestellt. Wir zweifeln nicht, daß fie sehr verschieden beantwortet werden kann. Ein Ur-Berliner würde vielleicht sagen: „Nischt." Weitere Antworten wären: die Manen de» Nationalvereins, die Peitsche der Offiziösen, die Sehnsucht nach Belohnung geleisteter Dienste, die Fledermaus der klerikal-konservative« Reaktion, der freisinnig-sozialdemokratische Bogel Greif, das Bild Bennigsen'« und Miquel'«, die Raben de« Jesuitismu« und der Orthodoxie. Fehl- geschossen! Die national-liberale Großtante am grünen Rhein sagt un« in sentimentaler Stimmung

habenden Bauernhaus der Effel ähnelte, hatte fie bald mit ihrem Geschick ausgesöhnt, und munter gab fie fich an'« Werk, bie alte Orbnung im Hause wieder herzustellen. Unserm freundlichen Haurwirth aber verdankten wir von da ab viele gute Dienste. Er machte un» mit allen Gebräuchen, Sitten und Menschen der neuen Heimath bekamt, lehrte un« den Boden und seine Erzeugnifle gründlich kenne«, belehrte »n« über Mer, wa» un« von Nutzen sein konnte. Und al« er nach einem Jahre seinen Kin- dem eine neue Mutter zuführte, folgte ich froh uud ficher dem Rufe einer tief im Jnnem gelegenen jungen Gemeinde, die mir ihre dort frei gewor- bene Lehrerstelle mit bedeutend befieren «erhält- niffen und Einkommen aubot. Ich Halle mir vor­her Alle« angesehen, und befriedigt kehrte ich heim, meine Familie abzuhrflen. Wie ander« war die«- mal die Reise!

Da» nothwendioste Geräthe war mit Mauleseln im Borau» abgeschickt und aller Andere, al» zu umständlich und mühsam zu tran»porttre«, zurück« geloffen.

Und nun ging ei hoch zu Pferd in ben frühen, fröhlichen Morgen hinein. Zuerst mein kleiner Bruder, der ein waghalsiger Reiter gewordm, sich lustig mit seinem kräftigen Hengst herumtummelte,

1889

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* Vom Ex-König Milan.

Seit König Milan sein Scepter niedergelegt und seine Serben den Zufällen einer Regentschaft über- lassen hat, wird da«, wa« mau vorher nur leise über den Charakter de« König« fich zugeflüstert, ganz laut gesagt und in den Blättern gedruckt und e« ist keineswegs ein schmeichelhafter Leumund, den die Mitwelt dem dicken Milan ausstellt. Auch feine entschiedensten Verehrer und Freunde leugnen nicht, daß er zeitlebens so etwa« wie ein lieber- sicher Mensch, ein Mauraii »ujet, gewesen ist, sie plaidiren nur auf mildernde Umstände, und diese bestehen darin, daß Milan eine verwahrloste Jugend gehabt hat, und schon seine früheste Kindheit in entsittlichender Atmosphäre verlebte. Sein Vater starb bald nach seiner Geburt, seine Mutter war die Geliebte de« Herrscher« von Rumänien, Kuza. Seine Studien machte der Knab« in einem fran­zösischen Institut, die Ferien verbrachte er an der Seite der Mutter, die in Wiesbaden, in Hom­burg, in Karlsbad, in Biarritz, in Döbling, in Heidelberg oder Florenz weilte. Diese Atmosphäre von Parfüm und Cigarettenrauch, Toiletten, Cham- pagner-Gläser und den am Spieltisch rollenden Napoleonsd'ors und Liederlichkeit waren nicht die richtige Fürstenschule.. Al« Heranwachsender junger Mensch kam Milan nach Pari«, wo er fich mit Hilfe seiner angeborene» Fähigkeiten viele Kennt- niffe aneignete, wo aber seine moralische Erziehung noch mehr verdorben ward. Unter diesen Umstän­den kann e« nicht Wunder nehmen, daß Milan später als Souverän ein Leben geführt hat, das manches Kapitel der europäischen Chronique scan­nens» füllte. Ungeregelte Finanzwirthschaft und eine Ueberfülle von Beziehungen zu emanzipirten Weibern, da« waren die beiden Quellen, au« denen die Verlegenheiten flössen, mit welchen Milan einen Verzweiflungskampf kämpfte. Al» er Natalie Katfchko heirathete, war er schon bi« über die Ohren verschuldet und unter den Motiven dieser Heirath spielte die Hoffnung keine geringe Rolle, mit dem Vermögen der Braut Schulden bezahlen zu können. Aber diese Hoffnungen erfüllten sich nur in sehr geringem Maße, denn da« Vermögen Natalien'« war nicht flüssig zu machen und so sah

s je Kresiliee.

»us den Briefen eine« deutschen Auswanderers »on I. D.

(8. Fortsetzung.)

Da schwebte mir denn zuerst ein ganze» Pro­gramm gymnafiasttscher Kenntnisse vor Augen und mir graute manchmal vor der Aufgabe, wenn ich diese harmlosen Naturkinder ansah, die fich prächttg in alle Landarbeiten fanden, alle Gräser, Bäume und Früchte besser kannten al« ich, aber im Schweiße ihre« Angefichte« da» Abc herunter buchstabirten. Mein Vorgänger war ein krüppel- Hafter Schneider gewesen, der während seiner Unterrichtsstunden nicht selten dem einen oder andern seiner Schüler au» der Verlegenheit half, indem er ihm ein recht zerrissene» Hosenbein wie­der kunstrecht zusammevfltckte oder gar einen neuen Anzug zuschnitt und so seine Unterrichtsstunden mehr zweckmäßig einzurichten verstand. So fand ich beim bie Schule in ziemlich vrrwahrlostem Zustand, und wa« Wunder auch! Schulinspektoren oder gar Schulräthe gibt e» ja hier nicht. Im tiefere« Urwald wählen fich die Gemeinden selbst ihre Lehrer, so gut fie fie finde«, und da unter den Kolonisten ja selbst selten einer zu finden ist, der Lust und Kenntnisse zu diesem Berufe hat,

Milan fich gar nicht lange nach seiner Vermäh­lung genöthigt, seinen alten Gläubigem neue zu- zugesellen. Er war bie« ein saure« Stück Arbeit und er mußte fich zu horrmdm Wucherzinsen ver­stehen. Am schlimmsten aber erging e» ihm, al« man ihm ohne Bürgschaft überhaupt kein Geld mehr gebe« wollte. Damals war Milan gezwun­gen, alle seine Kostbarkeiten, juwelenbesetzte Säbel mitsammt den serbischen Kron-Jnstgnien in Wim zu verpfändm. Auf diese „Unterlage" fand er wieder die BaarmÜtel, deren er bedurfte, und für eine Weile war er solcher Art „flott" geworden. Nur zu bald jedoch klopfte von Neuem schwere Sorge an seine Thür. Der Krieg mit der Türkei nahte heran, ee gatt, die drängendsten Gläubiger zu befriedigen und außerdem auch sehr große Aus­lagen für allerlei Vorbereitungen zu machen. Wohl hatte Rußland damals reiche Subfidten in Aus­ficht gestellt, aber mit der Sendung derfelbm zögerte es lange. Da wandte fich Milan in seiner Bedrängniß nach Wim, und bat dort einen sehr hohen und reichen Herm, der nicht so weit ist wie der Zar, um Hilfe (wohl dm Kaiser). Und dies­mal that Milan keine Fehlbitte, die Hilfe ward ihm gewährt, er konnte bald hernach Über einen respettabeln Betrag, wie e« hieß, über 5 Millio­nen Guldm verfüge«. Milan bezahlte davon alte Schulden, löste auch die verpfändeten Werthgegen« stände aus und behielt noch ein sehr hübsche« Sümmchen. Ob diese« Anlehen jemals zurückge- zahlt wordm, ist eine Frage, die schwer zu beant- wortm ist. Eine gute Eigenschaft des Königs Milan wird auch von feinen Feinden nicht in Ab­rede gestellt: sein persönlicher Muth, von dem er namentlich bei dm vielm Attentaten und Anfällen, mit denen ihn die Liebe seiner Serben bedacht, Zeugniß abgelegt hat. Das niederträchtigste dieser Attentate wurde s. Z. in Semendria verübt, wo man die Balken dmchsägte, auf welchen der Sitz de» Abortes ruhte. . . Der damals noch junge Fürst fiel hinab und da« vollständige Gelingen des zwar ruchlosen, aber nicht geruchlosen An­schlags wurde nur -dadurch verhindert, daß Milan wie immer den Revolver schußbereit am Gürtel hatte und durch Nothschüsse Hilfe herbeirufen konnte.

War Milan schon vor seiner Heirath ein lieder­licher Patron, so reihte fich dann Ehebruch an Ehebruch. Die Königin Natalie hat einmal beim Neuj ihrs-Empfang in einer Eifersucht, die sicher

Lehrer aber noch seltmer dorthin kommen, so findet man beim alle mögliche Handwerker, Kauf­leute, Beamten, ja selbst Aerzte tat Lehrfach ver­treten. Wa« für Schulm man «un da oft findet, ist leicht zu denken, deshalb find auch tüchtige, energische Lehrer geehrt unb geachtet unb haben in guten Kolonien stet» ein gute«, hinreichende« Auskommen.

Mich hatte die Erfahrung bald gelehrt, daß ich mit meinem gelehrtm Kram hier im Urwald wmig ausrichtm konnte. So redlich ich mir auch im Anfang alle Mühe gab, ihnen wenigsten» etwa» beizubringm, die jungm Urwäldler stierten mich meistm« an mit einer Verständnißlofigkeit, welche mich oft zur Verzweiflung bringen konnte. Aber da» dauert« nicht lange. Ich lernte bald etafeh«, daß die Urwald»kinder nicht» weiter bedürfm, al» guter, solider Kmntnisse im Schreib«, Lesen unb Rechne« unb da» Nöthigste, um fich ta Geschichte unb Geographie orieutirm zu köunm, unb so hatte ich schon balb bie Gmugthuung, zu sehen, baß beibe Thette bie beste« Fortschritte machten, bet Lehret sowohl al» bie Schüler.

Auch meine Frau hatte fich rasch ta bie neuen Verhältnisse gefügt. Da« große, fünfräumige Far- merhan«, taffen innere Einrichtung einem wohl­