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Jahren stets entfernt wurden, so waren dies Mal die Kränze meist mit weißen Schleifen verziert. Zu einem Einschreiten wurde der Polizei keine Veranlassung gegeben.

• Die Enthüllungen des Herrnv. Puttkamer« P l a u t h über die Meinungs-Verschiedenheit zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Minister v. Putt- kamer in Bezug aus die Maffen-Ausweisungen der russtschen Polen durften, wie der Berliner ,Börs.- Cour.' meldet, telegraphisch nicht verbreitet wer» den. Das Telegraphenamt habe Telegramme darüber ausgeschlossen unter Bezugnahme auf die Bestimmung der Telegraphen-Ordnung, welche verbietet, Nachrichten zu verbreiten, die dem Wohle de« Lande« nachtheilig stnd. Er wäre von In­teresse, hierüber Nähere« zu erfahren.

* Der Entwurf über die Alter« - und In­validenversicherung ist von der Kommission in zwei Lesungen durchberathen. I« der zweiten Lesung find mehr Verschlechterungen al« Verbesse­rungen vorgenommen worden, so daß der Abg. Hitze und zwei andere Zentrumsmitglieder schließlich mit Nein gestimmt haben. E» wäre wirklich kein Unglück, wenn da» Gesetz bi« zum nächsten Reichs­tag liegen bliebe.

• Der Reichstag verwies den Antrag Hitze unb Lieber auf Einführung eines Maximalarbeit«- tag» an eine 21. Kommission. Abg. Dr. Lieber (Centr.) begründete den Antrag, der in Form eine« Gesetzentwurf« den Maximalarbeitttag auf 11 Stunden festsetzt. Der Arbeiter müsse durch Zwang vor Vergeudung seiner Arbeitkraft geschützt werden. Abg. Frohme erklärte, die Sozialdemo­kraten könnten nur für den zehnstündigen Arbeit«- tag stimmen. Hätten die Arbeiter die Koalitton«- fteiheit, so würden fie längst einen noch kürzeren Arbettstag durchgesetzt haben. Abg. von Kleist- Retzow rieth dem Anträge gegenüber zur Borstcht; ein Normak»rbett«tag müsse einen Normalarbeitt- lohn zur Grundlage haben. Abg. Dr. Baumbach (frs.) sprach gegen den Antrag unter Hinwei« auf die Mannigfaltigkeit der Arbeittverhältniffe. In gleichem Sinne sprach stch Abg. Morbach Namen« der Reichspartei und Abg. Böttcher Namen« der Nationalltberalen au«. Gegen Kommisstonr- verweisung erhob stch kein Wiederspruch. Morgen: Nachtragretat.

* Dar Abgeordnetenhaus berieth heute die Denkschrift über die Ausführung de« Ansied- lungsgesetze« für Posen und Westpreußen i. I. 1888. Die Polen Dr. v. JazdzewSki und Dr. v. Stablewtki betonten, daß da« Ergebniß der Thätigkett der Austedlung«kommisston nut auf eine Förderung der Auswanderung und eine protestantische Propaganda hinlaufe. Da« An- fiedlungrgefetz beruhe auf ungerechter und unsitt­licher Grundlage. Mnister Dr. v. Lucius suchte diese Angriffe zu pariren. Die Zunahme der Auswanderung sei eine geringe und auf allgemeine wirthschaftliche Verhältnisse zurückzuführen. Bon einer protestantischen Propaganda könne keine Rede sein, da beide Konfessionen bei den Ansied­lungen in gleicher Weise berücksichtigt würden. Abg. v. Puttkamer-Plauth (tonf.j verwahrte sich gegen die ihm von einer Anzahl von Zeitungen in den Mund gelegten Aeußerungen über angeblich zwischen seinem Bruder, dem früheren Mnister v. Puttkamer, und dem Reichskanzler wegen dm Polmausweisungen bestandenen Differenzen sowie über angebliche Erwägungm in Bezug auf die

Ohne wettere Ueberlegung ward dmn auch am Abmd unferm Wohlthäter unsere Zustimmung mitgethellt, und beschämt und erfreut dankten wir ihm aufrichtig für feine treue, erst so spät erkannte Freundschaft. — Und wie da« Glück un« Me« milder beurteilen, un« Alles in befferm Lichte erblickm läßt, so sandm wir auch plötzlich, daß da» Land eigenttich gar nicht so häßlich, al» wir e» sonst geglaubt. Wir verwunderten un» nun im Stillen, wie wir so viel Schöne» übersehen, so viel Gute» nicht beachtet hattm.

Fröhlich vetgingm die paar Tage, und dann kam der Abschied von dm Nachbam, der eigent­lich herzlicher war, al» man er nach dem Empfang hätte glaubm können. Wir waren ja allgemein bedauert und bemttleidet worden, und manche kräftige Unterstützung würde un« zu Theil gewor­den fein, wenn wir nicht so rücksichtslos Alle« zu­rückgewiesen hätten. Man gönnte un« da« neue Glück unb wünschte un« guten Erfolg, unb manch

Heranziehung chinesischer Arbeiter. Ec hatte vor einigen Tagen dem Abg. v. Jazdzewrki gegenüber zugegeben, daß der Bericht de« .Geselligen' über seine Aeußerungen im landwirthschaftlichen Central- verein im Wesentlichen richtig seien. Heute behauptete er das Gegenthsil und suchte den Widerspruch dadurch zu erklären, daß Herr von JazdzewSki ihn vielleicht in Folge seiner mangel­haften Kenntniß der deutschen Sprache mißver­standen Habel Herr v. Puttkamer-Plauth und die Abgg. v. Meyer-Arnswalde, Sombart und Scer machten al»dann eine Reihe von Vorschlägm zur Förderung der Anfiedlungen, Verbesserung des Boden« rc. Schließlich wurde die Denkschrift durch Kenntnißnahme für erledigt erklätt. Der Antrag de« Abg. v. Czarlinski (Pole) betr. den Religionsunterricht in bet Muttersprache wurde abgelehnt. Morgm 3. Berathung de« Etat«.

• Bochum, 18. März. In Betreff der Thei- lung der Pfarrei Eickel bei Bochum sind die Verhandlungen zwifchm dem Bischof von Pader- dorn unb bet königlichen Regierung zu Arnsberg in bet Schwebe. Der Bischof hatte die Errichtung einer selbstständigen Pfarrei Bickern beschlossen unb bie finanzielle Au»einandersetzu»g dahin ge­regelt, daß die Pfarreingeseffenm der alten Pfar­rei in ihrer Kttchmstmer herabgesetzt wurdm, währmd die Angehörigen der neuen Pfarrei dm jetzigen Stmersatz beibehaltm sollten. Die königl. Regierung billigte bie Vorschläge bet Bi­schof«, verlangte aber, baß bie katholischen Be­wohner von Bickern befragt würben, ob sie in bie Abpfarrung willigen unb bie angesetzte Kirchensteuer auch für bie neue Psarrgemeinde zahlen wollten. Dabei stützte stch bie Regierung auf 8 239, Theil 1, Xitel 11, A. L.-R. Der Bischof von Pader- born hat diese Forderung al« unzulässig zurückge- wiesm; eine endgiltige Entscheidung ist noch nicht getroffen. Soweit bie Korrespondenz, welcher bie .Köln. BolkSztg.' folgmbe vorläufige Bemerkungm beifügt: Der angezogene $ 239 verlangt, baß bei Beränberungm in schon errichteten Parochien bet Staat alle diejenigen, welche ein Interesse dabei haben, rechtlich hörm und die ihnen etwa zukom- menden Entschädigungm festsetzen muß. E« han­delt sich dabei also nut um die Feststellung bet Entschädigungs-Ansprüche wegen Beseitigung wohl- erworbener Rechte. Diese Ansprüche werden aber nach dem Gesetze vom 20. Juni 1875 von dem Kirchenrorstand unb bet kirchlichen Gemeinde-Ver­tretung festgesetzt, »eil bie nach bem gebuchten Ge­setze gewählten kirchlichen Gemeinbe - Organe bie Kitchmgemeinbe in allen auf bie Verirögen«-Ver- waltung bezüglichen Angelegenheiten rechtlich ver­treten. Wenn bie Arnsberger Regierung mit ihrer gesetzlich unzulässigen Meinung burchbränge, bann bliebe doch nur übrig, daß nach dem Wortlaute des S 239 a. a. O. „der Staat" die Leute fragen müßte, ob fie in die Abpfarrung willigen. Wir habm es hier unter allen Umständen mit einer bedenklichen Erschwerung bet für viele Pfar­reien absolut nochwendigm kirchlichen Neuregelung zu thun. Alle preußischen Diözesen sind bei bieser Frage gleichmäßig stnteressirt unb biefelbe ist wichtig genug, um nach allen Sei­ten — eventuell auch im Landtage — erörtert zu werben.

AuSlaud.

• Wien, 19. März. Der junge König Alexan- ber richtete, wie au« Belgrad gemeldet wird, ein

schwer gefüllter Korb wanderte, stillschweigend von einer alten ober jungen Hausmutter gebracht, in unfern Wagen, bet schwerer beloben, al« er ge- kamrüm, nach wettet gen Westen zag.

Unb nun begann ein neue« Leben für un». Roch ist eine gute Lehrmeisterin, unb wenn guter Wille ihr treu zur Sette steht, leistet fie ost Un­glaubliche». Da» lernten wir in ben neuen Ver­hältnissen gar bald kermm. Ich wat von jeher wett entfernt gewesen, in der Heimath einen viel geplagten Lehrer in feinem Amt zu beneiden ober auch nur je irgenb welche» Gefühl empfunden zu habm, da» der Liebe zu diesem Berufe ähnlich gesehm unb jetzt batf ich mir boch selbst ba» Lob geben, baß ich hier ein guter Lehret geworben bin, mit Liebe unb Last zu meinem Amte unb meinen Schülern. Jrn Anfänge ftettich stockte e» manchmal, wußte ich boch feldst oft nicht, in wel­cher Weife ich meinen ganzen Kram von Gelehr- samkett in bie jungm Köpfe bringm sollte. (F.s.)

Schreiben an seine Mutter, die Königin Natalie, btttend, fie möge bie Absicht, nach Serbien zu kommen, aufgeben. Et wäre nicht in der Lage, fie empfangen zu können; ihr Besuch würde seine Stellung erschweren und, so schmerzlich ihm da« auch wäre, e« ihm für die Zukunft unmöglich machen, seine Mutter zu besuchen.

* Im ungarischen Abgeotonetenhause spiel­ten stch gestern böse Sc-nen ab. Der Deputirte Eötvör von der äußersten Linken interpellirte den Minist-rpräfidenten Trsza wegen angeblicher Vor­theile, die stch derselbe bei dem Bau der Eisen­bahnen im Biharet Comitate, wo der Minister­präsident begütert ist, gemacht haben soll. Die persönliche Ehrenhafttgkeit TlSzaS zu verdächtigen wat ein kecke« Unterfangen. Eötvör wurde denn auch vollständig abgeführt unb Tisza erhielt vom Hause eine glänzende Genugthuung. Daß es da­bei geräuschvoll zuging, ist natürlich; aber da« Aergste ereignete sich bei Schluß der Sitzung. Al« dieselbe geschlossen wurde, krakehlten unb lärmten einige junge Lqute in der Vorhalle bet Häuft« unb riefen ben Äbgeorbneten der Regier­ungspartei allerhand Insulten zu. Einer der Stu­denten griff ben 70jährigen Abgeordneten Jvanka an. Darauf eilte der Abgeordnete Rohonczy auf ihn zu unb rief ihm zu: „Schämt Ihr Euch nicht, einen Greis anzugreifen?" Der Stubent errat» bette schreiend: „Dann suche ich mit eben einen jüngeren au«I" unb versetzte dem Abgeordneten Rohonczy eine Ohrfeige. Darauf zog Rohonczy einen Revolver au« der Tasche und schoß' den Studenten in ben Schenkel. Noch mit bem Re­volver in bet Hand, sagte Rohonczy ruhig: „Ich wollte ben vnrrüötten Menschen nicht tödten, nur ihn auf bet Stelle züchtigen." Nun kam auf Veranlassung be« Quästor« bie Polizei hinzu, bie ben jungen Menschen in bie Qiästur brachte, wo er stch al« Realschüler unb E njährig-Freiwilliger aueroie«.

• Die französischen Deputirten Laguerre, Tut- qwt, Laisant unb bet Senator Naquet, welche gestern vor bem Untersuchung«tichter wegen bet Anschuldigung der Teilnahme an einer geheimen Gesellschaft oerrammen wurden, verweigerten jede Antwort und erklärten, daß sie, da ste da« Ziel polttifcher Verfolgungen feien, welche nicht« mit bet Gerechtigkeit unb bem Rechte gemein hätten, nur vor bem Zuchtpolizeigericht unb vor ben Augen be« Lande« unb bet öffentlichen Meinung Er­klärungen abgeben mürben. Man nimmt an, baß bie Angelegenheit in bet nächsten Woche vor jenem Gerichtshöfe verhandelt werde. Gegen Laguerre schwebt übrigen« eine Anklage wegen Unterschlagung von 2500 Franc« in einem von ihm geführten Propste.

Aus Stadt, Proviuz und Nachbargebiet»

Fulda, 21. März.

* Zum heutigen Viehmarkt waren 1007 Stück Rindvieh und 5 Pferde angetrieben. Fette Ochsen mürben mit 8 —900 Mark, mittlere Qua­lität mit 6—700 Mark, junge Stiere mit 3—500 Mark bezahlt. Der Schafmarkt war äußerst gering befahren. Der nächste Viehmarkt wirb am 25. k Mt«. abgebalten.

• Wie schon gestern erwähnt, zirkulirt gegen­wärtig in unserer Stabt behufs Sammlung von Unterschriften eine an bie kgl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. gerichtete Petition, worin um Vermehrung bet Züge auf bet Strecke Fulda» Gersfeld sowie um Gewährung von Sonntag«- billet« gebeten wirb. Nach ben Vorschlägen bet Petition würbe der Fahrplan stch folgendermaßen gestalten:

Abfahrt von Fulda Ankunft in Fulda

5 Uhr 15 M. 7 Uhr 45 M.

9 n 15 „ 1 tf 20 „

2„5„ 5„30„

» 30 „ 10 „ „

D Der Taglöhner Joseph G r ös ch von Hohlen- btun, welcher wegen schwerer Körperverletzung fett bem 14. b. M. im hiesigen Gefängniß internet war, ist gestern in ba« Landgerichugefängniß zu Hanau Überführt worben.

• Zu bem bereit» kurz gentelbeten frühen Hin­scheiden be» hoch«. Herrn Curatu« Dr. P. S ch m i b t (Lettgenbrunn) wird un« nachträglich von berufener unb wohlunterrichteter Sette geschrieben: