1889
Montag, dm 18. März.
3tihnig
fnltar
Deutsche- Reich.
Berlin, 16. Mär».
• Die .Köln. Ztg.' und da» .Franks. Journal' bringen wieder tte ffinnige Bettachiungen über einen „Riß im Centrum" und derjenige Theil der Lokalpresse, welcher kaum erscheinen kann, fall» einmal jene beiden Rähigueüen au»bleiden, beeilt sich die Weisheit nachzudrucken. Ja der Centrum»- vartei find selbstverständlich wie in allen äußeren Parteien, verschiedene Ansichten vertteten, die fich gelegentlich äußern. Bei jeder solchen Aeußerung bringen nun jene Blätter regelmäßig Prophezeiungen und Jubelberichte über den Zerfall und die Spaltung de» Centrum» — trotzdem aber steht diese Partei immer noch fest dal! Da» liberale Publikum aber läßt fich den Spaß, der mit ihm gemacht wird, geduldig gefallen, glaubt trotz allen Enttäuschungen stet» wieder von neuem an die Mähr vom „Riß im Centrum . — Ferner tischt die .Köln. Ztg.' ihren Lesern eine Klatschgeschichte auf, die fich auf da» Verhält- niß eine» der hohen Aristokratie angehörigenCen- trumsmitglied» zu dem Abg.Dr.Wmdthorst bezieht. Der betreffende Herr soll namentlich im vorigen Jahre bei Gelegenheit eine» Besuches in seinem Wahlkreise vor aus Anhängern verschiedener Parteien bestehenden Gesellschaft die Aeußerung
s In KrasUik«.
Aus dm Vliesen eines deutschen Auswanderers von I. D.
(4. Fortsetzung.)
Manche Strecke wurde denn daher auch von un« zu Fuß zurückgelegt. Dazu barg der Wagen auch noch unsere wenigen Habseligkeiten, die, wenn auch noch so klein und unbedeutend, in unseren Augen hier ein sehr große» Gewicht erhielten. Aber trotzdem fuhren wir wohlgemuth in den fri- schen, feuchten Morgen hinaus. Die Wolken hatten fich zerstreut, und ein tief dunkle» Blau erfüllte den Horizont. Aber die Erde war von dem tage- langen Regen naß und durchweicht, und ein en^find- licher, feuchter Dunst, fich stellenweise in Dampf verwandelnd, stieg auf und bedeckte alle Gegen- stände mit blinkenden, glitzernden Tropfen. Wir saßen, fest in warme Decken gehüllt, in unfern Wagen und schauten stumm in die neue Umgebung, Jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend. Gz war so still in der Natur, kein Laut regte sich, keine Bewegung verrieth da» rege Leben der Tropenwelt, und die Tropfen, die schwer und sickernd von den dunklen Orangelauben, unter deren Dach wir eine Zeit lang hinfuhren, hernreder
»oll« man nicht bis auf die letztm Tage de» laufmdm Ronats verschiebm, sondern möglichst dald »ew nächsten Postamte zuftellen, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zusendung ermöglicht wird. ,
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II. Quartal 1889
zeichnete der König al« den schönsten Erfolg seine»
* Der Reich »tag genehmigte endgültig die Erklärung zum internationalen Rordseefischern- Vertrag. Eine längere Debatte brachte die erste Lesung de» Gesetze» betreffend die AufhebMg de» im Branntweinsteuergesetz vorgeschriebenen Reinigungszwanges. Abg. Dr. Meyer-Halle (freis.) be- ürwortete die Vorlage, da fich der Reinigung»- wang al» undurchführbar erwiesen. Da» Gesetz age nicht einmal, wovon gereinigt werden solle. Abg. Dr. Miquel hält c» nicht für au»geschloffen, daß die dem ReinigungSzwange entgegenstehenden technischen Schwierigkeiten überwunden werden kün- neu. Direktor im Reichsgesundheittamt Dr. Köhler konstatirt, daß fich der Reinigungszwang praktisch undurchführbar erwiesen habe. Abg. von Kardorff wünschte eine Formulirung der Bestimmung über den Reinigungszwang, wonach derselbe in Kraft tritt, sobald er ausführbar ist. Staatssekretär von Maltzahn wandte fich hiergegen, vtt- sprach aber, daß die Regierung die hygienische Frage der Seite nicht außer Augen lassen we^e. Kommiffionsverweisung wurde abgelehnt, das Gc- setz kommt demnächst zur zweiten Lesung im Ple- num. Die Novelle zum Vereinszollgesetz wurde in zweiter Lesung unverändert angenommen. Dienstag: Arbeiterschutz, Besähigungsnachwei», Branntweinhandel in den Kolonien.
• Da» Abgeordnetenhaus führte heute die Berachung de» Etat» d.r Eisenbahnverwaltung zu Ende. Abgg. Sorer (nat.-lib.) und Schoelln (freikons.) befürworteten Herabsetzung der Tarife für Getreide und MWenfabrikate, Abgg. Graf Strachwitz und Letocha (Centr.) Ermäßigung der Tarife für schlesische Kohlen. Abg. Graf Kan tz wandte sich gegen letztere Forderung. Bei den Ausgaben befürworteten Abgg. Lehmann, v. Hergenhahn, Bachem, Berger und Dr. Hammacher Gehaltsverbefferungen und dergl., nament uch zu Gunsten der untersten Beamten-Kategorien. Aus eine Anregung de« Abg. Berger tljeilte Ministerialdirektor Brefeld mit, daß da« Porträt de« um da« Eisenbahnwesen in Deutschland verdienten Hrn. v d Hcydt au« dem Direktionszimmer zu Elberfeld nur anläßlich einer Vereidigung von Beamten und nur vorübergehend durch die Büste Sr. Majestät ersitzt worden sei. Dann habe es sofort seinen alten Platz wieder erhalten. Auf Antrag de« Abg. Simon wurde ein das Pensionswesen und dessen nißvoll. Link« hatte fich ein Fluß Bahn gebrochen, und, von dem Regen erstarkt, rollte er eckig seine trüben Waffer dem fernen Ziele zu, unaus- haltsam alle Hinderniffe überspringend. Niedere Felsen geboten ihm jensett« Halt, und uralte Bäume sandten darüber ihre Rtesenkronen zum Himmel, während fleischige Schlingpflanzen ast die gesamm- ten Felsmassen bedeckten. Noch lief recht« eine kleine Strecke saftigen Wiesenlande» «eben un» her, dann verschwand auch die», um den Aller beherrschenden Waldriesen zu weichen, die nur Stück um Stück von der Menschenhand bewältigt, dem Daseinskampf unterliegen. Kaum merkllch war noch bi» jetzt die Dämmerung »urückgetreten, da urplötzlich, wie auf einen Zauberschlag, huschte e» sekundenlang wie ein blendender Lichtschimmer Über die Erde, ein Schein, ein Blitz - und sieg- reich sandte die Sonne jetzt ihren erste« goldenen Strahl durch die rauchenden Nebelmaffen und de- grüßte die erwachenden Baumriesen. Und al« hätten diese fich geschüttelt, da» unter ihnen schla- sende Leben zu wecken, oder al» hätte ein Bote pfeilschnell die Nachricht weiter getragen, so waren wie auf ein Zauberwort die Bande geW. und in unbeschreibtichem Chao» regte fich ! tzt allüver-
gethan haben, im Centrum suche man den Abg. ' Vindthorst kalt zu stellen, und er selbst bleibe nur in der Fraktion, um Windthorst entgegenzuarbeiten. Da der Artikel „au» dem Rheinlande" dattrt ist, und unter den rheinischen Centrumsabgeordneten fich nur ein einziges „Mttglied der hohen Aristo- trotte" befindet, so genügt ein Blick in den Par- laments-Almanach, um zu erfahren, wen da» Blatt meint. Auf Grund persönlicher Erkundigungen ist >ie .Köln. Vztg.' in der Lage, mitthellen zu können, daß der bezeichnete Herr bestimmt in Abrede stellt, diese Aeußerung gethan zu haben. Ebenso- wenig hat der von der ,Köln. Ztg.' geeinte Ab- ieordnete „liberalen Beamten seinen Einfluß bei >en Ministerialbehörden zur Verfügung gestellt . So oft ihm „dienstliche Wünsche" entgegentraten, hat derselbe die Petenten, ohne Rückficht auf deren Parteistellung, aufgefordert, diese Wünsche wArend der Sesstonrperiode schriftlich an ihn nach Berlin zu richten. t
• Au» Parlament»kreisen werden Gerüchte über angebliche Erschütterungen der Stellungen dcs Kul- tusminister» v. Goßler und desFinanzmmisters v. Scholz gemeldet. Was die Eventualität be« Rücktritts de« Kultusminister» anlangt, so lägen derselben Schwierigkeiten hinsichtlich der Regelung der Frage der Versorgung der Hinterbliebenen der protestanttschen Geistlichen zu Grunde. Herr von Scholz wäre wegen seiner Festhaltung an der Goldwährung auf Hinderniffe gestoßen. E» handelt fich, wie gesagt, um Gerüchte.
* Der Kaiser hat einen fieben Seiten starken eigenhändigen Brief an König Milan von Serbien gerichtet, um denselben zu veranlaffen, auf seinem Posten auszuharren. In dem Schreiben war das vertrauliche „Du" gebraucht. Es war darin aus- geführt, daß die Pflicht in erhöhtem Maße für jene gelte, welche an der Spitze des Staatswesens stehen. Kaiser Wllhelm erinnerte daran, daß fein Vater anrharrte, trotz seiner schweren Leiden und wiewohl der Tod vor seinen Augen stand. Dann verwies er auf die Erfolge, die König Milan bisher erreicht, und auf die Befferung feiner Situation feit der Verfaffungsrevifion. König Milan hat diesen Brief, sowie den im gleichen Sinne gehaltenen Brief be« Kaiser» von Oesterreich seinen Ministern persönlich mitgethellt und hinzugefügt, daß e» ihm dieselben erschwerten, seinen Entschluß aufrechtzuerhalten. Die anerkennen- den Worte im Briefe de» Kaiser» Wilhelm be- fielen, machten eine Ausnahme in dem todtähnlichen Schlaf des Urwalde».
Jetzt hatten wir die Bäume hinter un», vor un« lag eine weite Strecke urbaren Lander, da«, hier und da von einer Baumgruppe unterbrochen, einen weiten Ueberblick gestattete. Eine genaue Unterscheidung der Gegenstände ließ die Dämmer- ung nicht zu, nur der Urwald mit seinen mäch- tigen Riesenstämrnen hob fich scharf am Horizonte ad und ließ da» dunkle Gezweige fast schwarz er- scheinen. Wie ein Zauber lag e« auf der ganzen Natur. Flüsternd, al» fürchte fie ein laute» Wort, zeigte meine Frau auf einen dunklen Punkt, den ich jetzt al» ein langgestreckte» Blockhaus nut vielen Stallungen erkannte. Gin Hund schlug an, laut und kurz, e» war ein seltsame» Bellen, oder mir schien e» nur so. Ein zwetter fiel ein, dann ein dritter. Unbekümmert gingen unsere Pferde weiter und nun beruhigten fich auch die Threre und wieder war Alle» grabesstill. So ging e» eine ganze Weile, wie lange, weiß ich nicht, mich Überkam e» wie ein Traum, e» war ein seltsamer Zustand, und ich rührte mich ni$f. So hatten wir bald die Plantage hinter un», und nun lag der Urwald vor un«, groß, allgewalttg, geheim-