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JV 60 Mittwoch, den 13. März. 1889

Fiilinier W Zeitmg.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage auggenouuuen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Der Ueberfall der Misfionsftation zu Pugn.

* lieber den Ueberfall der zu Pugu belegenen Station der Missionäre von St. Benedikt liegen hier jetzt nähere Nachrichten vor. Die ,Nordd. Allg. Ztg.’ berichtet darüber au» Sansibar vom Anfang Februar:

Der Bezirkschef zu Dar-esSalaam hatte schon früher wiederholt die genannten Missionare gewarnt, nicht länger auf ihrer einsamen Station m den Usaramo-Bergen zu bleiben und vor allem die beiden dort befindlichen Schwestern in Sicher­heit zu bringen. Allein da« Gottvertrauen und die Zuversicht, daß ihre Station wie diejenige der congregation du Saint Esprit in Bagamoyo von den Aufständischen respektirt werden würde, hatte die Brüder immer abgehalten, den wohlgemeinten Warnungen Gehör zu geben. Nachdem nun am 31. Dezember und am 1. Januar bie ersten An­griff« auf Dar-e«-Salaam erfolgt nab siegreich abgewiesen worben waren, machten sich mehrere Herren bet Ostafrikanischen Gesellschaft am 5. Januar von Dar-es-Salaam nach Pugu auf ben Weg, um bie Brüder von dem Vorgefallenen zu unterrichten und die Missionare nochmal« zum Berlaffen ihrer Station aufzufordern. Al« jedoch am 6. v. Mts. die Angestellten der Statton in Dar-es-Salaam den Rückmarsch von Pugu an- traten, schloß stch ihnen nur der Präfekt der Vkissionäre an, den dringende Geschäfte nach San- stbar riefen, während die übrigen sech« Brüder und zwei Schwestern zurückblieben. In den nächsten Lagen gestaltete sich in Dar-e«-Salaam die Lage bedrohlicher; unglücklicher Weise wurde der Präfekt von einem so heftigen Fieberanfall ergriffen, daß er fast bewußllos nach Sansibar geschafft werden mußte und nicht mehr im Stande war, irgend welche Weisungen an die Station gelangen zu lassen. Al« dann am 10. und 11. Januar die Gefechte in Dar-es-Salaam stattfanden, hörten die Brüder in Pugu wohl den Kanonendonner, sie richteten demgemäß einen regelmäßigen Wachtdienst während der Nacht ein; aber ohne den Befehl ihre» Oberhauptes wollten sie die Station nicht aufgeben. Am 13. Januar, al« sie gerade ihr Mittagsmahl beendet hatten und sich der Sitte gemäß zu einem kurM Gebet in die Kapelle ver­fügen wollten, wurde plötzlich die Station von

s I« KkisilitN.

Aus den Briesen eines deutschen Auswanderers von I. D.

(Nachdruck verboten.)

Vier Jahre find es nun her, daß ich Lebewohl sagte meinem deutschen Heimathland, meinem schönen grünen Moselstrand, dessen Bild ich tief im Herzen trage und auch hier, mitten in bee Urwaldes reichster Fülle von NaturschönheUen treu bewahren werde.

Familienverhältnisse hatten mich veranlaßt, meine Baterstadt und das Dörfchen, das ich in der kur- im Zeit meiner dortigen Thättgkeit so lieb ge­wonnen hatte, zu verlassen und mich «ach Süd- Amerika einzuschiffen. Mein erstes Ziel war Porto- *Öegre, um von da aus zu meinem Bestimmungsort gelangen. Die nöthigev Schritte, um bie Fahrpreis - Ermäßigung für Auswanderer zu er- mngen, waren bald gethan, und im Sommer 1883 traten wir wohlgemuth unsere Reise nach bet "euen Heimath an.

Wir waren unserer Drei: meine Frau, mein Bruder und ich; aber schon an der Grenze Frank- ttichs, wo uns der Agent erwartete, erhielten wir Reisegesellschaft, und fort ging e« über Pari» nach Havre.

allen Seiten mit einem Kugelregen überschüttet. Gleich bei ben ersten Schüssen brach ein Bruder vor der Kapellenthür tödtlich getroffen zusammen, und auch die Schwester Martha scheint gleich im Anfang eine tödtliche Wunde erhalten zu haben. Die übrigen Brüder suchten im Innern der Ge- bäude Schutz, und während dir Angreifer von außen in die Häuser schossen, wurde ein zweiter Bruder in der Kapelle getödtet. Zweien gelang e», durch die Schützenlinie hindurch in den Wald zu flüchten, zwei Brüder nebst bet Schwester Oberin würben von ben Aufstänbischen zu Ge­fangenen gemacht.

Wie ber eine gerettete Brubet später erzählte, ist er mit seinem Genossen nicht wettet verfolgt worben; beibe haben nicht gewagt, bei Tage beit Marsch an bie Küste fortzusetzen, sondern haben sich tagsüber verborgen gehalten, wobei bie Ein­geborenen sie mit Lebensmttteln freunblichst unter­stützt habm; nur Nacht« find sie auf großen Um­wegen in bet Richtung auf Dar-es-Salaam mar- schirt. In ber Nacht vom 16. zum 17. Januar trafen sie am Station-gebäube ber Gesellschaft in Dat-e«-Salaam ein und würben wenige Tage später an Bord bet „Leipzig" nach Sansibar ge­bracht. Nach ihrer Au«sage ist ber Ueberfall von etwa 100 Arabern und 200 Schwarzen «tilge» führt worben.

Kaum wat bie traurige Nachricht hierher ge» brungen, al« unverzüglich Versuche;ur Befreiung ber Gefangenen unternommen mürben. Die Deutsch- Afrikanische Gesellschaft setzte ein Lösegeld von 500 Rupien für ben Kopf au«, welches später auf ba« Doppelte erhöht wurde, und wie» den Bezirk»chef in Dar-et-Salaam an, mit dem Führer bet Aufstänbischen in Unterhanblung zu treten. E» würbe konstatirt, daß dieselben Leute in Kon- dutschi, welche auch bie protestantische Mission zerstört hatten, ben Ueberfall in Pugu ausgeführt; ihnen waren nämlich von S. M. S. „Leipzig" zwei mit Sklaven belabeue Dhaus abgefangen unb bie Sklaven waren sodann auf den verschiedenen Stationen angefiedelt worden. Der Zweck der An- Äin beiden Fällen war also offenbar, stch

genthum mit Gewalt wieder herauszuholen, was auch thatsächlich gelang, soweit die Sklaven nicht bei den Kämpfen zersptengt worden sind. Anführer der Kondutschtteute wat ein gewisser Eoliman ben Sef au« Sansibar, ber, früher al«

Dort sah ich ba« Meer zum ersten Male. E« wat ein trüber, stürmischer Tag, unb bie See ging hoch. Ich stand allein in einer geschützten Ecke am Hafen unb schaute in ba« wilde Element hinau», auf dessen Anblick ich mich so lange ge­freut halte. Aber da gährte es wie in einem Höllenschlnnd; es war ein Zischen unb Brausen, ein Heulen und Grollen, dabei raste der Sturm mit unbändiger Macht gegen die ankämpfenden Wellen, so daß der Gischt haushoch empor schnellte unb zeitweise ben Strand in Wolken weißen Schau» mes hüllte. Unb dazwischen tanzten unb schaukel­ten die Schiff« im gesicherten Hafen, daß die Ankerketten zitterten, und kämpfte ein ankommen­der Schiff mit dem entfesselten Elemente einen Kampf um Leben unb Tod. Und wie ich so in athemloser Spannung diesem Ringen zuschaute und unverwandt jede Bewegung der Schiffer verfolgte, wie es bald in täuschender Höhe schwebte, bald blitzschnell in einen grauenhaften Abgrund raste, sich bäumend und ächzend wieder empor schnellte und oft rettungslos verloren schien, da packte es mich plötzlich wie wilde Verzweiflung; ich schloß krampfhaft die Augen und da stieg es auf in mir wie eine Fata Morgan«: Ich sah meine geliebte, junge Frau in bem Fensterrahmen eines kleinen,

Akida im Dienste des Sejid Bargasch angestellt, vor etwa 3 Jahren entlassen worden war und sich seitdem Schulden machend herumgetrieben hatte. Er galt hier für verrückt und seine Gläubiger hatten ihn gerade vor den Kadi citiren lassen, als er am Tage vor dem Termin heimlich entwich und auf einer aus Maskat eingetroffenen Dhau nach Kondutfchi fuhr. Mit diesem Soliman ben Sef trat Herr Leue in Korrespondenz und bot ein Lösegeld für bie Gefangenen an. Die erste Ant- roort wies alle Geldanerbietungen zurück, verlangte die Räumung von Dar-es-Salaam, Zahlung aller Kriegskosten und die Befreiung der bei bem letzten Sklavenfang erwischten arbeitet. Eben so wenig Erfolg hatte ein vom Sultan unternommener Ver­such, auf Soliman ben Sef einzuwirken, bie Boten brachten bie Meldung, Soliman verweigere bem Sejib jeglichen Gehorsam. Nach bem verlustreichen Gefecht vom 25. Januar scheinen bie Aufständischen indessen ihre Ansprüche herabgestimmt zu habm; benn sie boten an, gegen Zahlung von 50,000 Rupien bie Gefangenen in Freiheit zu setzen. Unter» dessen hatte bet Vorsteher bet französischen Mission in Bagamoyo Buschtrt zu veranlassen gesucht, bie Gefangenen unter seine Obhut zu nehmen unb Über beten Freigabe zu verhandeln. (Rach dm neueften telegraphischen Meldungen au» Sansibar hat bie Freigabe ber bei Pugu in Gefangenschaft gerathenm Missionare gegen Zahlung von 6000 Rupien vorgestern, am 11. b. M., in Bagamoyo stattgefundev. D. Reb.)

Deutsches Reich.

Berlin, 12. März.

* Der Durchführung be« vom Handettminister angeregten Plane« der Herausgabe eine« Abteß- buche« beutfcher Jnbustrieller unb Hanbelsfitrnen haben mehrere inbusttielle Institute ihre Unterstützung zugesagt. Hierbei wirb es sich nicht um ein Adreßbuch im gewöhnlichen Sinne, sondern um ein technisch-kaufmännisches Handbuch handeln, au« dem neben möglicher Voll­ständigkeit ber Adressen durch Einfügung reich- halttgstm technischm und stattstischen Materials die volle Bedeutung der einzelnen Industriezweige zu ersehen sein wird.

• Die Kabinetsordre, welche bet Kaiser an ben .Ba-KB-B-B-SS-S^-BES-S-SB freundlichen Häuschen», umgeben von blühenden Reben und im Hintergründe ben schlanken Kirch­thurm in'» blaue Aethermeer hinein regenb unb wett, wett in bet Ferne sich verlierend, einen blen­denden Silberstreifen, mit hundert neckisch sich schlängelnden Bogen und Krümmungen — meinen fchönen Moselstrand, mein verlorenes Heimathland.

--Wie die Zett vergeht I — Ost erscheinen mir all' die bösen Stunden wie ein Traum und bann stehen sie wieder vor mir mit einer Deut­lichkeit, als sei es erst gestem gewesm.

Gewaltsam raffte ich mich an jenem Tage auf, durfte ich doch ben Meinen nicht zeigen, wie viel ärmer ich an Hoffnungen geworden, und wie leise und unvermerkt mir ein Etwas in’« Herz ge­schlichen war; jenes Etwa«, da» keinem Auswan­derer erspart bleibt, das sich einnistet und uns nicht mehr verläßt, wenigstens für lange, lange Zeit nicht — bie Sehnsucht nach ber Heimath.

Und dann kam die Einschiffung; das Toben des Meeres hatte sich gelegt, da« Wetter aufgeklärt, aber obwohl uns die Matrosen versicherten, das Meer sei ruhig wie noch nie, hatte sich bei dem ewigen Schaukeln bald ein böser Gast eingestellt, die Seekrankheit. Und mehr ober weniger be­lästigte sie uns auf ber ganzen Reise, obschon man