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59 Dienstag, den 12. März.

ftliiart W Jeiiing

1889

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Etaats-Arrsgaben für Landesver- theidigung und Schulden.

* In einem lehrreichen Aufsatz über „die öffent­lichen Ausgaben der größer» europäischen Länder nach ihrer Zweckbestimmung", den Profeflor Richard von Kaufmann in dem Februarheft der Sonrad'schen Jahrbücher für Nationalökonomie ver­öffentlicht, berechnet v. Kaufmann, daß von ihren Gesammtausgaben für Landesverthei- digung verwenden: Preußen (Deutschland) 16«, pCt., Ocsterreich 17 36 pCt., Italien 21 24 pCk., Frankreich 25 07 pCr., Rußland 29,1S pCr., Eng­land 34 42 pEr. Aus dieser Aufstellung erhellt, daß die Landesvertheidigung Preußen bezw. Deutsch­land am billigsten zu stehen kommt, wobei auch zu berückstchtigen ist, daß in Prcuß n nur Vs der Staalseinnahmkn au» Steuern ei fließen, so daß auch nur Vs der Staatsausgaben von den Bür­gern als Last empfunden wird, während z. B. in Frankreich 80 pCt. der Staatraurgaben durch Steuern aufgebracht werden müffen. Wenn man in Betracht zieht, daß das thatsächlich mächtigste der oben angeführten Reiche den kleinsten Verhält« mßtheil seiner Ausgaben aus die Landerverthei« digung verwendet, so könnte es an und für stch als selbstverständlich erscheinen, daß der Mächtigste zu seiner Vertheidigung die geringsten Anstren­gungen zu machen hat. Thatsächlich stellen stch jedoch die Verhältniffe so dar, daß der Mächtigste nur darum mächtig ist, weil er große Anstren­gungen folgerichtig und seit langer Zeit gemacht hat. Den größten Prozentsatz gibt für die Lande«- vertheidigung gerade dasjenige Land au», da», meerumwogt, durch die eisernen Wände seiner Sch'ffe geschützt scheint — Großbritannien, ein Land, das trotz der gewaltigen Ausgaben zu Lande unstreitig sehr schwach ist. Die großen Ausgaben Englands erklären stch übrigen« zum Theil daraus, daß Großbritannien sein gewaltige« Kolonialgeber: 424,000 Quadratmeilen mit 310 Millionen Menschen, mit seiner Flotte zu schützen hat. Weiter ist zu beachten, daß England nur geworbene Soldaten hat und somit die ganzen Kosten für die Armee zur Zahl kommen, während die Last, welche die allgemeine Wehrpflicht für die anderen Nationen bedeutet, nicht zahlenmäßig in den Staats ausgaben erscheint. Daß Rußland 2913 pCt. seiner Ausgaben auf die Landesverthei­digung verwendet, ist ein Zeichen der Schwäche,

Sank flöte.

Novelle von I. v. Dirkink.

(Schluß.)

Unter diesem inneren Gedankensturm hatte sie an der Seite de» Pfarrers da« Hau« erreicht, wo ihre N ffen sich ihr Junggesellenheim eingerichtet hatten. „Wie wird man mich empfangen?" dachte Nöre und trat zagend, wahrhaft verschämt hinter dem Pfarrer über die Schwelle. Ein schlanker junger Manu trat ihr entgegen, ein Jubelruf an« seinem Munde bei ihrem Anblick ließ Nöre erzit­tern. Und der uriverfieglich<r Thränerqmll floß aus'« Neue. Stumm reicht Nöre dem N ffen die Hand und Johannes hält sie fest, umschließt sie fest und fester. „Danke, Tante Nörken, danke, o, Du gute Tante Nörel Aber jetzt macht e« Euch bequem!" ruft er, die eigene Rührung erstickend, heiteren Toner, Nöre sanft auf einen Stuhl nie­derdrückend.

Nöre hat da« Gesicht mit ihren Händen bedeckt und ein innere« Schluchzen erschüttert ihre wuch­tige Gestalt. Nach und nach kommt sie zur Ruhe und später, al» Baptist hereinstürmt, tritt sie ihm gefaßt, unter Thlänen lächelnd entgegen. Und

rin Beweis, daß ihm nur ein kleiner Spielraum für außerordentliche Anstrengungen bleibt, indem schon die regelmäßigen Anstrengungen alle«, was ihm an Kräften bleibt, verschlingen. Ganz ähn­liche« läßt sich von Frankreich mit seinen 25 07 pCt. behaupten. Es ist, wie getagt, hoch erfreu­lich, an der Hand der Berechnungen v. Kaufmann festzustellen, wie zwischen den beiden drohenden Nachbarn Preußen in aller Ruhe mit seinen 16 82 pCt. seine Kräfte zwar anspannt, aber keine«wegs überspannt. Rechnet man die Staatsschulden und Vertheidigungrkosten inProcenten der Gesammtausgaben zusammen, fo zeigen sich nach v. Kaufmann folgende Ergebnisse: Preußen 24 70 pCt., Oesterreich 36 12 pC'., Italien 47 87 pCe., Frankreich 50 58 pCt., England 517» pCt., Ruß­land 58 <7 pCr.

«Deutsches Reich.

Berlin, 11. März.

• Graf Moltke erläßt folgende öffentliche Danksagung; „Gelegentlich de« Tage» meiner vollendeten 70jährigen Dienstzeit sind mir so über« au« zahlreiche Glückwünsche zugegangen, daß cs mir unmöglich ist, dieselben einzeln zu beantworten. Ich bitte deßhalb alle die j. rügen, die freundlich meiner gedacht haben, besonder« auch die verschie­denen studentischen Vereinigungen, auf diesem Wege meinen aufrichtigen Dank entgegen nehmen zu wollen."

* Die C e n t r u m «f r a k t i o n de« Abgeordneten­hauses yat einen Gesetzentwurf betreffend da» Recht zum Halten der Bienen eingebracht, deffen erste 3 Paragraphen bestimmen: Bienen auf seinem Eigenthum zu halten, ist einem Jeden erlaubt. — Ntkßbrauchsberechtigte, Pächter und Miether sind zum Bienenhalten ebenfalls berechtigt; die Miether indeffen nur mit Einwilligung de« Vermiethers. — Me Btfugniß, Bienenvölker aufzustellen, kann durch eine polizeiliche Vorschrift dahin beschränkt werden, daß die Bienenstände, fall» fv nicht von Gebäuden, Zäunen, Heck n oder Einfriedigungen von mindesten« zweieinhalb Meter Höhe einge­schloffen sind, von Straßen und, wenn der betref­fende Nachbar nicht seine ausdrückliche Einwillig­ung erklärt hat, von fremden, benachbarten Grund­stücken in der Zeit vom 1. April bi« 1. Oktober zehn Meter, in der Zeit vom 1. Oktober bis 1. April drei Meter entfernt fein müffen.

Baptist ist außer stch vor Freude bei Nören's un- verhrfftem Anblick. Sie aber kann sich nicht falt sehen an diesem schlanken, schönen Jüngling mit der Engelrstimme, die ihr da« Herz schier au« dem Leibe gesungen hat; keine Predigt vom alten, braven Pfarrer hätte jemals die Umwandlung bei Nöre zu Stande gebracht, wie es Baptist heute Abend im Umsehen erreichen sollte. „Und da» Talent hast Du von mir," behauptet Nöre im Laufe des Abends stolz und zuversichtlich gemacht. Denn je länger sie sich mit ihren N.ffen unter­hält, je größer wird ihr Erstaunen, ihre Bewun­derung: welch' tüchtige, kernhafte Naturen offen­baren sich in den beiden jungen Männern! Nöre fühlt sich ordentlich gehoben durch ihre Unterord­nung ; sie ist aufgelöst in Reue und Dernuth und wie eine Binde finkt es von ihren Augen; ja, in der Selbstverleugnung, nur in der Selbstverleug­nung, in der christlichen Charitas findet das Herz wahrhaft Befriedigung und seine Seelenruhe wie­der. Endlich aber entsinnt fie sich ihres Bruder« Franz, difl.n Brief ja die eigentlicheVeranloffung zu ihrer Reise gewesen war. Diese« heikle Thema bespricht Nöre au« natürlichen Gründen zuerst mit dem Pfarrer. Aber jetzt ist c« fast Mitternacht

* Die königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin hat bk Huf» einer wissenschaftlichen Expe­dition, deren Aufgabe e« sein wird, von Grön­land herab bi» nach Brasilien den atlantischen Ocean, namentlich aber die Küstengebiete, hinsicht­lich de» Vorkommen« organischen Leben« zu durch­suchen, ein Schiff au«rüsten laffen, da« demnächst von Hamburg au« in See stechen soll. Zum Leiter der Expedition ist Professor Hänfen in Kiel be­stimmt. Der Kaiser hat für die Expedition au« feiner Schatulle 80,000 Mark bewilligt.

• Da« Abgeordnetenhaus ehrte das An­denken de» verstorbenen Abg. Wolff durch Erheben von den Plätzen und fetzte bann die Berathung de» Kultu«etats beim Elementarfchulwefen fort. Die Debatte erstreckte sich vornehmlich auf die Frage, ob die Regelung der Alterszulagen der Lehrer durch ein besonderes Gesetz erfolgen soll. E« war dies seitens des Abg. Rickert beantragt. Dagegen wurde namentlich auch geltend gemacht, daß eine solche gesetzliche Regelung ohne die Grund­lage eines Schuldotattonsgesitzes nicht wohl mög­lich sei. Schließlich wurde eine Resolution auf künftige Theilung der Position „Besoldungen und Zuschüsse für Lehrer, Lehrerinnen und Schulen, insbesondere auch zur Gewährung zeitweiliger Ge­haltszulagen für ältere Lehrer, sowie zu Unter- flützungcn" angenommen. Au» der Theilung soll möglichst speziell ersichtlich werden, welche Sum­men für Unterstützung der Schulunter holtung»« pflichtigen und welche zur Verbesserung der Lage der Elementarlehrer beziehungsweise für persönliche Unterstützungen derselben zur Verwendung kommen. Auch fallen die Grundsätze für die Verwendung, insbesondere auch in Betreff der Dienstalterszu­lagen durch Vermerk im Etat thunlichst ft figelegt werden. Zn einer großen Anzahl vorliegender Petitionen von Lehrern wurde beschlossen, dieselben der Regierung zur Erwägung und mit dem Er­suchen zu überweisen, a) den Erlaß eine« dieGe« halttverhältnisse der Lehrer an öffentlichen Schulen und die Schuldotation durchgreifend regelnden Ge­setzes thunlichst zu beschleunigen und bi» dahin b) im nächsten Etat einen erhöhten Betrag für Dienstalterszulagen an Volksschullehrer behufs Be­rücksichtigung auch der Lehrer in Städten mit ein­gerichteter Gehaltsskala einzustellen. Bei der Po« tion zur besonderen Förderung de» deutschen Vo.ks- schulwesen» in Wcstpreußen, Posen und Regie­rungsbezirk Oppeln beklagten sich die Polen, un- und nicht die geeignete Stunde, Franz in der Traube aufzusuchen.

Am folgenden Morgen begleitete Johannes die Tante auf diesem schweren Gang. Ach, der Ge­danke, wie werde ich ihn wieder finden und hat fich Baptist nicht vielleicht seine» Vater» zu schämen, beschäftigt fie fortwährend. Aber wer wußte, ob Franz fich nicht dennoch zu seinem Vortheil ver­ändert ? Sprach nicht die Liebe zu seinem Sohne dafür? Zwischen Furcht und Hoffen erreichte Nöre die Traube; Bopltst hatte man diesen Gang noch verheimlicht.»

Die Traube war ein anständiges Gasthaus. Jo­hanne» athmete erleichtert auf und erkundigte fich nach einem Herrn Franz Förster. Der Wirth sel­ber führte die neuen Gäste in sein Privatzimmer. Er bat fie, Platz zu n hmen. Sein Gebühren ver- rieth Unruhe und Verlegenheit. Nören's Herz schlug vor Angst und Sorgen. Nach einer Ein­leitung kam der Wirth mit der Sprache heraus. „D.r alte Mann kam hier schon ziemlich elend, an Geist uns Körper zerrüttet, an," meldete er vor fich hinstarrend. „Seine Aufregung stieg gestern ganz merkwürdig, als er von einem jungen Teno­risten vernahm, der im CäciliemCorcert auftreten