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PeKer sollte Milan sich wieder verheiraten? Eine Mesalliance au« Liebe eingehen nach dem Beispiele de« „Grafen von Hartenau? Möglich ist alles in der Jetztzeit, wo e« vielfach so hergeht, al« ob da« ganze Jahr Fastnacht wäre. Heirathen ist nicht so schwer, aber sich im EH^ stände wohl fühlen; da» ist die Kunst, und ich weiß nicht, öl der Exkönig von Serbien noch diese Kunst erlernen kann. Nein; ich tausche mrt dem Herrscher a. D. nicht, wenn auch die Rente, welche er in seiner unpolitischen Thätigkeit zu verzehren hat etwa» gröber ist, al» da» Erträgniß meiner unpolitischen Schrtslstellerei.
Drei Mann gehören zum Skat. Wo finden Milan und Älcxavder den dritten Genossen? Sollte e» Prinz Ferdinand von Coburg-Bulgarien sein? Der arme Ferdinand ist froh, wenn er sich auf feinem Thrönchen in leidlichem Gleichgewicht halten kann, und der russische Kaiser wirft ihm vor, daß er die orthodoxe Kirche und Geistlichkeit in Bulgarien verfolge." Bei aller Theilnahme für den Coburger Prinzen komme ich doch über tote vorwurfsvolle Frage nicht hinweg: Warum fetzt er fich in diese Ncffeln, die ihn gar nichts an- gingen? Kann man denn nicht glücklich sein ohne ein Krönchen? Die H-rrschbegierde rm großen Stil, wie sie z. B. Napoleon I. hatte, wirkt wenigstens noch imponirend; aber als Noth-Kronen- träger in einem Lande zu dienen, wo man keine Wurzeln der Kraft und also bloß den Schern der Herrschaft hat, das ist mehr Eitelkerl als C$3n%e Klaffe der eitlen Herrlichkeits-Jäger rechne ich auch den famosen Boul anger. Wenn
Die Zigeuner, ihr Leben rmd Treiben.
In der Anthropologischen Gesellschaft in München hielt unlängst Fctedrich v. Hellwald einen Vortrag über „Die Zigeuner, ihr Leden und Trerben , dem wir Folgende- entnehmen:
3n Deutschland erschienen die ersten Zigeuner zur Zeit de« Konstanzer Konzils. Um d.e Mitt« de» 16. 3ahrhundert» find sie bereits von Eng- land und Schweden bis nach Persien, Hmter- indien und Japan verbreitet. Anfang« standen sie unter einem gemeinsamen Oberhaupte („König ), dessen Würde in England sich lange erhalten Haden soll; in Deutschland besaßen sie später drei Häuptlinge, in Alt-, Neupreußen und in Hannover. Bald nach ihrem Erscheinen traten überall dieselben Charakterzüge an ihnen hervor, die sie heute noch ausweifen, und bald beginnt auch von Spanien au« ihre Verfolgung, welche in Deutschland die heftigste und andauerndste, aber auch die menschlichste war, denn hier wurden sie nur weiter getrieben. Ihre Heimath ist nicht Aegypten, da« lange dafür galt, sondern da» nordwestlich« Jubien, da» Pandjab. 3hre Sprache deutet aus den Ursprung von der gemeinsamen indogermanischen Wurzel, zerfällt aber in viele
betet Landsmann, Namens Baptist Förster, fei, deffen gut geschulte«, herrliches Organ zu den schönsten Hoffnungen berechtige. Der ursprünglich in Aussicht genommene Ddnorist war plötzlich erkrankt und bei seiner Absage hatte sich der Direktor eines jungen Sänger« erinnert, den er in einem Gor.cn t zu Hamm hatte singen hören und deffen Stimme durch Wohlklang und Biegsamkeit wie durch die Reinheit des Tones ihn förmlich begeistert hatte. 3etzt. da guter Rath th-uer war, wurde Baptist vor den Thron de« Meisters clttrt und siehe da, es ging über alle» Erwarten vortrefflich. Baptisten'» kaum gehegter Wunsch, im herrlichen Cäcilien - Concert al» Solist Mitwirken zu düifen, ging in Erfüllung. Die erste Staffel zum Ruhm und zur Selbstständigkeit war erstiegen.
„Wie männlich seine Erscheinung ist," sagte der , Pfarrer zu Johanne» gewandt, nachdem Baptist da» Zimmer verlaffen hatte. Johanne» strahlte förmlich bei jedem Lob auf seinen Freund. Keine Mutter konnte stolzer und glücklicher mit dem einzigen, wohlgerathenen Kinde sein, al» er mit dem Freund und Bruder. Und ebenso sehr hing Baptist an Johanne», deffen Umgang und Selbstverleugnung er seine Vervollkommnung in jeder Hinsicht, selbst sogar in seine Kunst verdankte.
Der Tag neigte sich zu Ende. Johanne» und der Pfarrer begaben sich auf den Weg nach dem Bahnhof, denn in einer Viertelstunde mußte der Zug einlaufen, mit dem Nöre eintreffen konnte.
Er war ihre erste Reife mit der Eisenbahn, die ihre ungewöhnliche Aufregung noch gesteigert hatte. Wie ein Kmd, da» sich, in die Fremde verschlagen, nach einem bekannten Gesicht umsteht, so hilflos wurde cs der tapferen Nöre, inmitten de» Menschengewühls auf dem Bahnhöfe, zu Muthe.
Der Pfarrer und Johannes hatten sie aussteigen sehen. Sie flüsterten miteinander, worauf sich Johanne» eilfertig in der Richtung der Stadt entfernte Obgleich Nöre de» Pfarrer» mit emem Herzen voll Argwohn» gedachte, so athmete sie dennoch wie befreit auf, als sie jetzt seine dunkle Gestalt bemerkte. Sie strebte schiebend, mit in die Seite gestemmten Händen auf ihn zu, und bot ihm freundlicher al» seit langen Jahren den Tazergrvß. Diesen jähen Umschlag ihre» Ge- müthe» entschuldigte Nöre in Gedanken mrt den veränderten Umständen. Ihre praktische Natur wählte von zwei Uebeln stet» da» kleinste, und । zuerst galt e» in Sicherheit zu sein; dann konnte der Krieg ja von Neuem wieder beginnen.
„BH, so, Jungfer Leonore!" rief der Pfarrer mit ungeheucheltem Erstaunen. „Soist «recht. Eine Reise bei dem schönen Herbstwetter ist eine wohlverdiente Ausspannung für Dich." Und noch ehe sie auf diese harmlose Bemerkung ein Wort fand, spann der aufgeräumte alte Herr, der von der wahren Ursache ihrer Reise keine Ahnung hatte, den Faden der Unterhaltung endlos fort.
I Sie waren in der Nähe des Rathhaufes, wo
Mundarten und hat auf den langen Wanderzügen fremde Beimischung von allen jenen Elementen ausgenommen, mit denen sie in B.rührung kam, aus dem Persischen, Arabischen u. f. w. Welchem indischen Stamms die Zigeuner angehören, läßt sich schwer entscheiden; die Zeit und d:e Ursache ihrer Trennung ist nicht bekannt. Manche wollen die Syginnen H-rodot's ub dis Sindis Homer'« in ihnen erblicken. Eins auffällige Thatsache bleibt immerhin das häufige Auftreten der wahrsagenden Sibyllen in Osteuropa, wo die Zigeuner zahlreich sitzen. Sie selbst nennen sich Manusch und Rom, d. i. Leute, M nschen. Körperlich und geistig erscheinen sie h-ute wie in der Vergangen- beit. Ihre Stellung unter den einzelnen Völkern ist sehr verschieden; der Ormane betrachtet si« gleichgtltig, der Albanese verachtet sie; in Spanien ist ihr Paradie«, und in Rumänien und Ungarn sind sie wie zu Hause. Di« W-iber stehen an Schönheit hinter den Männern zurück. Die Haut- färbe wechselt vom Ol vengelb bis zum Dunkelbraun, die Haare sind kohlschwarz, der Wuchs zierlich, Fettleibige gibt es nicht. Daß si- un- verbefferliche Nomaden seien, wird durch da» Gelingen ihrer Ansälfigmachung in Spanien (surch Karl III.) und Rumä ien widerlegt. Auch in Süddeutfchland gibt e» neben wandernden seßhafte Zigeuner, in Ungarn und Rumänien siedeln sie in eigenen Quartieren am Ende der Dörfer, in Sarajewo, H rmannstadt in eigenen Stadtvierteln. Die romantischen Schilderungen der Romane find Dichtung. Eme LiedlingSsp ise ist Jgelbraten. Al» gute Eigenschaften zeichnen die Zigeuner Liebe zu den Kindern und Achtung vor dem Alter au«. Ehen werden bald und gern, ohne besondere Zeremonien, durch Handschlag geschloffen. Blutsverwandtschaft wird dabei gar nicht berücksichtigt und die H-ilighaltung nicht streng beachtet, auch die Lösung sehr leicht bewerkstelligt. Die Zigeuner gliedern sich in Sippen und diese wieder in Banden. Zum Familiennamen wird der Sipp-nname der Frau, die Kinder gehören der mütterlichen Sippe an, wie dem Weibe auch die Sarge für die Kinder abliegt. Hieraus folgt auch de« Weibe» Einfluß und Ansehen selbst al» Mativne. Ihre Religion scheint Naturreligion zu sein; in Europa schließen sie sich dem landesüblichen B-kenntniß au, zeigen aber stets große religiöse Gleichgiltigkeit neben vielem Aberglauben und großer Unwiffenhert. Ihre Lebensweise ist unbekümmert um die Sorgen d-r Tage»; Selbstmörder, Räuber gibt cs unter ihnen nicht. Desto ärgere Diebe find sie. Die Anlage für Instrumentalmusik ist ihnen angeboren, st- spielen nur nach dem Gehör. Der Verachtung durch die Nationen setzen sie einen großen Geburtr- bochmuth geg»nüber, namentlich in Dentschianv. Indessen geht auch ihr Volksthum dem Untergang entgegen. Im Abendlande werden sie durch die Polizei verdrängt und in den Städten aufgezehrt, bald wird die Erinnerung an sie nur rn der
laus der Schachspiels berechnet hatte, weiß man , nicht- aber er scheint das Gleichgewicht semes Geistes bald wiedergefunden zu haben. Jedenfalls ärgert er sich jetzt nicht mehr über den Verlust
Der ^Sieger und der Besiegte von Slivnitza leben jetzt Beide als Fürsten a. D. in Muße und Freiheit. Der Eine al« junger Ehemann in den Honigmonaten, der Andere als griesgrämiger Ge- schisdener. Der Eme hat wirklich alle politischen Sorgen über Bord geworfen und ist em Privat- mann im vollsten Sinne d-» Worte» geworden; der Andere aber wird von der häßlichen „Frau Sorge" begleitet, die ihm auch in den schönsten Sommersrifchen und Winterkurorten die^Fragen vorhalten wird: Wie geht'» deinem gekrönten Sohn? War macht die Regentschaft? Wie entwickeln sich die Parteikämpse? Und vor Allem: Wa» yttdt deine Geschiedene an? Armer Milan! Die Krone kann man mit einem kräftigen Ruck abschutteln, aber die nervenreizenden Sorgen fitzen fester, al» alle Kletten. Gegenüber feinem vermeintlichen Konkurrenten Alexander hat Milan gewrß schon die wechselnden Gesühle de» Haffe», de» Neide» und der Schadenfreude empfunden, fortan wird wohl da» Gefühl de» Neide» dauernd sich ein-
man von politischem Karneval spricht, darf man doch diese» Geckenhäuptling« nicht vergessen. Trotz aller trüben Erfahrungen, welche die Jnsaffm der weniger soliden Herrscher- und Präsidentenstuhle machen, find.« sich immer wieder Motten, welche um da» berückende Licht fliegen! Wenn Boulanger klug wäre, so müßte er den Entschluß fassen, rn demselben Momente, wo er den Gipfel der Gewalt erreicht haben wird, sich ins Privatleben zurück- rnziehen. Denn das eesolgreichs Streben nach der Macht, wie er es betreibt, ist ja ein amüsanter Sport; aber sobald er zum Besitze der Macht gelangt, wird ein bitterböser Ernst daran«. Welch' einen effektvollen „Abgang" würde er da- gegen haben, wenn er rm Augenblick des vet-
erließe: „Ich, Ernst Bonlanger, der Erwählte de» Bo'.kes, thne den Franzosen kund und zu wissen: Ihr ward thöricht genug, mich ö» euerem Herrn zu machen, aber ich bin nicht so thöricht, daß ich mich von euch verschleißm lasse. Ich banle für Alles unb ihr könnt euch einen neuen Diktator aussuchen. Stimmt ein tn den Rus: Er lebe Frankreich, e« lebe Boulang r in der Sommer- frische i* Der „brave Gmeral" wirb e» einst noch bereuen, wenn er meinem Rathe nicht folgt.
Man muß im Carneval, auch im politischen, immer dm Aschermittwoch im Auge behalten. Wer am Morgen des Aschermittwoch» lacht, der lacht am Besten. „In bet Beschränkung zeigt sich erst ber Meister." Die Kunst be« Auf hören» ist bet Weisheit Krone — nicht blo« für Vergnügung«* unb Herrschasts-Jäger, fonbetn auch für Redner und — Artikelsckreiber._________________________
Völkerkunde fortleben. j
der Menschentrubel bedenklich anschwoll. „L-st . Du unterweg» auch E.wa» genoffen? fragte der Pfarrer mit einer Fürsorge, die Nöre beschämte.
Sie nickte. „In Appelhülsen.mußte ich au ; den Zug warten", rief sie auf ihre stramme Reist tafche deutend, die gewiß reichlich mit Proviant versehen war. „Ich wollte in bet Traube über nachten", stammelte Nöre, mit einem forschenden Blick aus den alten Herrn. Ob rhm jetzt nw ba« Gewissen schlug? — |
„3n bet Traube, wie kommst Du auf bett fall?" verwunderte et sich. — Ach, so, Johann hatte gewiß feine Abreffe nicht beiglügt. Av biefen Gebanksn heraus, faßte er: „Du kommst bort noch früh genug, zuvörderst komm mit w* | ich will Dir Etwa« zeigen". J
Nöte wechselte die Farbe, ein Gefühl, aus Fur« unb Zweifel gemischt, benahm ihr fast den»lhe«^ allein wa« sollte sie machen inmitten biefe» Menschen ströme», ber auf einen unb benfelben Enza°s^ eine» mächtigen Baues zufluthete, bem «uflij zugeschoben würben. Hätte sie nur ein ordenMY Gespräch mit bem Pfarrer führen können, alle^ baran war kein Gebanke. Nöre kam siw verrathen uttb verkauft vor. Wohin führte ^ sie, nachbem man si- au» ihrem Heim gelockt * hier am Bahnhof gleichsam in Beschlag ge -; hatte?
| * (Fortsetzung folgt.) »