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filiift M Äiknz.

Er liegt nahe, auf die Entwickelung der stühe- I rett serbischen Zustände zurückzugreisen, um eine Erklärung für die überraschende Wendung der Dinge zu finden.

Milan kam selbst als 14Mriger Knabe auf den serbischen Thron; auch damals war Ristitsch Regent. Seine Regentschaft nutzte er au», um Serbien eine Verfaffung aufzuzwingen, welche unter Beeinttächtigung der Krone und Volksrechte der Regentschaft feste und unumschränkte Gewalt verlieh. Aber diese gesetzlichen Handhaben genügten dem liberalen Regenten nicht; der junge König sollte auch persönlich unfähig gemacht werden, ze- mal» vernünftig zu regieren. Die sauberen Re- genten führten bett Knaben „in’« Leben ein; das heißt, sie verschafften ihm sinnliche Genüsse, so viel er wollte, und erreichten es, daß der junge Milan, sonst mit guten Geistesgaben au,gestattet, in kur­zer Zeit das wurde, was man bei uns einen üben lichen Menschen nennt. Er kümmerte sich nur um sein Vergnügen, ließ bie Regenten, bie er später au« Dankbarkeit zu seinen Ministern machte, schal- ten unb walten nach Gutdünken und bereitete so allmählich selbst seinen Untergang vor. Da» erste Anzeichen davon war da» Zerwürfniß mit seiner Gemahlin Natalie, die er durch sein liderliche« Leben von stieß. Natalie war ihrerseits nicht ohne Schuld: fie wollte Serbien in die Bahnen rufst« scher Politik lenken, und trieb den leicht reizbaren König durch ihr Jntriguenspiel zu dem entschei- beuben Schritt, daß er gewaltsam die Ehe trennte.

Diese Ehescheidung scheint ihm den Hal, gebrochen zu haben;' nach bett Gesetzen der griechisch- katholischen Kirche war diese Scheidung unerlaubt; der König hatte nicht nur die Geistlichen, er hatte auch das Volk gegen fich. Dieser Gegensatz ließ sich durch kein Mittel vertuschen; welchen Emfluß außerdem die Russen durch Wühlereien und Bestechungen aurgeübt haben, wollen wir dahin­gestellt sein laffen: Milan hat geerntet, wa« seine Erzieher und er selbst gesät hatten.

Was hat denn auch Serbien von seiner Regier­ung gehabt? In seiner Kurzsichtigkeit ließ er sich von der überlegenen russischen Diplomatie im Jahre 1871 zum türkischen Kriege verleiten, um nachher auf der Berliner Konferenz im Stiche gelaßen zu werden. Oesterreich, der angebliche Feind, rettete Serbien vor dem Untergänge. Im serbisch-bulgarischen Kriege brachte er die schönsten Schläge nach Hause, und schon damals

übrig blieb. , ,

Was wird nun aus Serbien werden? Sehen wir von allen diplomatischen Umschreibungen ab, so ist Ristitsch mindesten, ein unzuverlässiger Patron. Wer e, mit 37 Jahren so getrieben hat, wie er, wird mit 57 Jahren schwerlich anders sem.

Von Milan hatte man wenigsten, die Gewiß- Helt, daß er sich au« Ueberzeugung an die öfter- retchische Politik anschloß, so daß Serbien nebst Bulgarien al» ein Bollwerk gegen Rußland gelten konnte. Wieweit die Wiener Gläubiger Milan - aus diese Ueberzeugung Emfluß hatten, sei dahm- ^Nun aber steht Ristitsch am Ruder; er wird dieselben Kämpfe mit bett Radikalen und Ruffen- fteunden haben wie Milan. Gibt er in diesem Kampfe nach, fo ist es unausbleiblich, daß die ganze auswärtig Politik Serbien» eine tiefgreifenbe 8--M« -,l<id°n mich. In ®Un M mm sich allerdings den Anschein, ah ob> man auch von Ristitsch eine Oesterreich freundliche Politik erwarten dürfe. Die Lage in Serbien ist vorläufig so verfahren, baß fich Gewiffes uicht sagen läßt.

i König Milan ist bei seinem Rücktritt erst 35 Jahre alt: auaschweisenbes Leben, sortwährenbe unb meistens selbst berettete Widerwärtigkeiten haben ihren zerstörenden Einfluß aus ihn au,gn übt; so steht er btt, in ben besten Jahren physisch unb moralisch gebrochen, unfähig sein Land aus bett Schwierigkeiten zu retten, in tte es unter seiner Mitwirkung gestürzt wurde. (Schw. Bl.)

Die Abdankung des Königs Milan von Serbien.

Wie ein am Rande des Bankerott« stehendes unsolides Geschäftshaus durch die gewagtesten Spe­kulationen sich über Woffer zu halten und die Welt über den wahren Stand feiner Finanzen zu täuschen sucht, so hat König Milan von Serbien in den letzten Monaten fortwährend um bett ganzen kinsatz, unb das war seine Krone, gespielt. Mtt dem Verfaffungsexperiment glaubte er die unzu- friedknen Elemente zu versöhnen, und e« schien fast, als ob t« ihm gelungen sei; aber dem Jubel de« Begeisterungsrausches ist bald der unausbleib­liche Rückschlag in Gestalt eine» unangenehmen Katzenjammer« gefolgt. Die letzten Wahlen haben für Serbien eine radikale Majorität gebracht; die Folge war, daß da« Kabinet zurücktreten mußte, um bett Rabikalen bett ihnen gebührenden Einfluß einzuräumen. E« lag aber keineswegs in der Ab­sicht des Königs, ben Rabikalen vollständig freie Hand in Serbien zu laffen; eine ruffenfreundliche Strömung der serbischen Politik wäre die unab­weisbare Folge gewesen, während König Milan der österreichischen Politik zuneigte. Andererseits aber drängten die Radikalen, durch die fiele Ver­fassung kühn gemacht, ungestüm auf die Bildung einer radikalen Regierung. So saß Milan zwischen zwei Stühlen; monatelang zogen fich die Ver­handlungen hin, aber bei den entgegengesetzten Be- strebungen des Königs und der Nadikalen konnte es zu keinem guten Ende kommen. Fast war die Bildung eine» Kabinet» au« Rabikalen und Libe- taten gelungen, als der König einer Verschwörung bet rabikalen Führer auf bie Spur kam. Sofort brach er bie Verhanblungen ab; schon damals scheint er bett Entschluß bet Abdankung gefaßt zu haben; wenigstens wird berichtet, baß er neben vielen anderen Widerwärtigkeiten auch von der Furcht vor Angriffen auf fein Leben geplagt wor­den sei. Kurz, mit der Unmöglichkeit vor Augen, einen erträglichen Zustand für Serbien herbeizu­führen, hat König Milan dem Thron entsagt und seinen Erzieher und Vormund Ristitsch zum Regenten sür seinen Sohn Alexander ein- gesetzt, welch’ letzterer bereits am Mittwoch zum König von Serbien ausgerufen worden ist. Bis zu seiner Volljährigkeit, welche am 14. August 1894 eintritt, wird Ristitsch mit dem General Belimarkowitsch und dem General Protitsch die

Regierung leiten.

kam ihm der Gedanke der Abdankung; nur der Trotz hielt ihn von der Ausführung dersewen zurück; er wollte seiner Gemahlin nicht nachgeben. Mittlerweile ist die Lage für ihn noch viel schlimmer geworden; er hat fast da» ganze Volk gegen sich. Seine Abdankung war da» Einzige, was chm

Traube und gebe Dir 14 Tage Bedenkzeit, keine Stunde länger", schloß Franz; »Liebe „Tante Nöre, Dein dankbarer Neffe Johanne» der Andere. Und dieser Ton der Heuchelei empörte Nöre viel mehr, al« die grobe Sprache de« Bruders. Hatte fie den Bruder nicht ganz in ihrer Hand ? Er gedachte gewiß des Zeugen seiner Frevelthat nicht mehr, der noch existirte. Ja, das vergilbte Stückchen Papier, enthielt c» nicht eine glänzende Rechtfertigung für sie? O, fie - sie stutzt, hohe Gluth bedeckt ihr Antlitz vor Scham. Mein Gott, wie konnte fie fich nur zu diesem Gedanken verirren. Nein, nein, nie und «immer sollte der Zeuge erstehen, nie und nimmer ! Hatte sie ihr Lebensglück dem geopfert, so sollte der Rest ihre» Leben» eher an Armnth und persönlichen Schimpf zu Grunde gehen, ar« daß der ehrliche Familienname in den Staub getreten würde. So- fort sollte bet gefährliche Zeuge sterben, vernichtet “'Sier wußte! Nöre hatte von allen Märtyrern unb Heiligen gelesen, daß fie S°r ^andhast in Noth unb Tob, im Kampfe mit witden Thieren, Heiben unb Tyrannen gewesen. Wer wollte sich wohl mit biesen Helben vergleichen? Unb doch

gante gatt.

Novelle von I. v. Dirkinl.

(16. Fortsetzung.)

„Aber", entschuldigte sich Antrin zögernd und mit weinerlicher Stimme, „ich habe ja gar nicht gebeichtet — denn — der Pfarrer wäre gar nicht daheim, sagte der Küster, er wäre nach Münster und bliebe über den Sonntag au»." Hätte Antrin die Absicht gehabt, sich für die genvffene Buß- predigt von Nöre an ihr zu rächen, so hätte fie kein beffete» Mittel aurfindig machen können, al« diese Botschaft von der Abreise de» Pfarrer«. Nöre wechselte die Farbe und verließ ohne ein wettete« Wort den Herd. Wieder tobte der Aus­ruhr stürmischer Gedanken durch ihre Seele. War e» nicht, wie fie von Anfang an vermuthet hatte? Ja, aber — ihre Lippen kräuselten fich spöttisch, welch’ ein unehrliche«, schandbare» Verhalten war e» von diesem sauberen Kleeblatt, vom Pfarrer, Johanne« unb Baptist, ben verschollenen Bruder herbeizuziehen — so handelten Meuchelmörder. Ihr Haß, ihre Erbitterung stieg auf da» Höchste. Wieder und wieder la« sie die Briefe, bi» fie den Inhalt auswendig wußte. „Ich wohne in der

DerrtscheS Reich.

Berlin, 7. März.

• Das Abgeordnetenhaus dürste fein Arbeitspensum vor Ostern schwerltth erledigen. Der Kultusetat dürfte noch die nächste Woche be- anspiuchen. Dann kommt der Eisenbahnetat an die Rühe, wobei die Tariffragen viel Zeit erfor­dern werden. So dürfte die dritte Lesung de« Etat« erst kurz vor'Beginn des neuen Etat-rahres fertig gestellt werden. Sollte bas Einkommensteuer- Reformgesetz noch in dieser Session dem Abge- orbnetenhause zugehen, so würbe daffelbe, bei ben schien ihr ba, eigene Leib, ba fie einem hochnoth- peinlichen Verhör entgegenging, nicht weniger schmerzlich unb qualvoll. Aber ihre Energie, ihr Stolz erwachte. „Ich will nichts von dem Mufi- kanten wiffen, nicht», nichts!" Schnell entschloffen tritt Nöre an bas Ecksplnb. Sie langt mit »ittern der Hand ben Wechsel hervor. Aber ohne noch einen wetteren Blick auf Ihn zu wersen z neißt fie ihn in Stücke unb wirst ihn in ben Ofen, tn bem ein lustiges Feuer prasselt.

So I" ruft sie mit aufleuchtenben Augen, „nun mag kommen was will. Vater« ehrlüh« Name ist unbefleckt bi« jetzt. Wa« weiter folgt, steht in Gotte« Hanb. Aber mich fügen? Nee unb nimmer! "'Zu^berselben Zeit, al« Nöre ihre Reisevor- b-reitungen trifft, zieht der Pfarrer « W« ein wo er am Bahnhöfe von einem bunkelhaangen, schlanken Jüngling in Empfang genommen wirb.

„So, mein Sohn, da wären wir , ruft der alte Herr heiter und vertauscht sein Sammettäpp- chen mit dem runben Hut. Dann schütteln sie sich bie Hänbe nnb wenben fich aus ben Weg in die St*$abett Sie Tante gesprochen?" fragte Johanne«

Die Fuldaer Zeitung- erscheint täglich, Sonn- und Ferntage «"genommene di^Mcher ^bonneENtSpre^^ohneoBnnger^h