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JM 54 Mittwoch, den 6. März. 188 V

F«Ii>»er W Leitung.

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Deutsches Reich.

Berlin, 5. März.

* In der Kartellpreise ist dieser Tage die braunschweigische Frage wieder aufgewärmt worden. Er soll nicht» Geringeres im Werke sein, al» ein endgiltiger Wechsel der Dynastie im Herzogthum Braunschweig; einige Blätter behaup­ten, die deutschen Bundesfürsten und Regierungen seien „zur Herstellung eine» staatsrechtlichen Defi- nitivums in Braunschweig" entschlossen. Die An­wesenheit des württembergischen Ministerpräsiden­ten v. Mittnacht in Berlin sollte als Beweis gel­ten, daß die Regierungen über einen zu fassenden Bundesraths-Befchluß in Verhandlungen ständen, kraft dessen der jetzige Regent, Prinz Albrecht von Preußen, als Herzog von Braun­schweig eingesetzt werden soll. Es liegt auf der Hand, daß hiermit gegen die Erbfolge de» Her­zogs von Cumberland ein vernichtender Schlag geführt wäre. Preußen hat nun zwar das Erb­recht des Herzogs von Cumberland formell mit keinem Worte anerkannt, ja, der preußische Gene­ral Hilger bezeichnete in einem Erlaß das Hin­scheiden des Herzogs Wilhelm als ein „unbeerb­tes" und der preußische Antrag an den Bundes- rath empfahl die Ausschließung der Erbfolge Cum­berland'», da dieselbe den Reichs-Interessen schäd­lich sei. Aber der vom Bundesrath gefaßte Be­schluß richtet sich in seiner Form nach nur gegen die Erbfolge des Herzog« von Cumberland selbst, nicht etwa gegen fein Recht auf diese Erbfolge, auch nicht gegen die Erbfolge seines Sohne». Aus­drücklich motivirt der Beschluß die Ausschließung damit, daß derselbe „in einem, dem reichrverfas- sungsmäßig gewährleisteten Frieden unter Bunder- gliedern wider streitenden Verhältnisse zum Bundes­staat Preußen" stehe. Einen Zweifel an dem Erbrechte als solchem sprach der Bundesrath nicht aus, schon darum, weil die allgemeine Auf­fassung dahin ging, die Ausschließung sei damit zu begründen, daß der Herzog von Cumberland auf Hannover nicht verzichten wolle. Man steht also, daß offenbar durch denBunderraths-Beschluß nicht« Endgiltiges beschlossen war. Sollte da« von den Kartellblättern angekündigte Projekt verwirk­licht werden, so müßte thatsächlich der Herzog von Cumberland und seine ganze Linie definitiv von dem Erbfolgerecht in Braunschweig ausgeschlossen werden.

killte Köre.

Novelle von I. v. Dirkink.

(14. Fortsetzung.)

Um die Bittgangsstunde hatte sich Röre in ihren Eonntagsstaat geworfen, fich mit der Krepphaube ge­putzt und war hinausgegangen. Antrin, die au« der Dachluke ihrer Herrin nachspionirt, hatte ihren Augen nicht getraut, al» sie Röre den Weg in'« Dorf Anschlägen sah. Alle« Jungvolk in der Mühle steckte darauf die Köpfe zusammen, denn wa» mochte geschehen fein, wenn Tante Röre fich wieder einmal auf Gotte« Tempel besann- Und am Abend kam der Förster; gleich darauf schneite ein Brief von Johannes in'« Hau«; wie Bienen­schwärme zogen ja plötzlich die Ereignisse in die Mühle ein. Jan kratzte sich hinter den Ohren, sah eine Weile stier vor fich hin und ließ dann m Pausen vernehmen: ,,E« ist so, wie da» ist, aber Glück oder Unglück kommt selten allein, e» ‘Ommt entweder zwei- oder vierspännig daherge- kahren. Wir wollen hoffen, daß e» für un» von der besten Sorte ist, denn mit Wissen und Willen habe ich ber Juffn noch nicht« von dem neuen Todesfall beim Förster offenbart." Ja es lag

* Der deutsche Konsul auf Samoa hat mit dem „Gegenkönig" Mataasa einen Waffenstill­stand abgeschloffen. Danach verpflichtet sich Ma- taafa, seinen Einfluß bi« nach Abschluß der be­vorstehenden Berliner Konferenz dahin geltend zu machen, daß die deutschen Plantagen vor Ver­heerungen seiner Parteigänger geschützt werden.

• In Ostafrika werden in Kürze die Dinge der Entscheidung nahe gebracht werden. Gewisser­maßen al» Einleitung dazu kommt die Nachricht von einem am Sonntag in Bagamogo stattge- fundenen Kampfe, wobei die Deutschen mehrere Geschütze der Aufständischen eroberten. Auch soll der Hauptführer des Aufstande» Buschiri ver­wundet sein, was indeß noch der Bestätigung bedarf. Die Befreiung der Missonäre von Pugu, welche kürzlich aus Sansibar gemeldet wurde, ist leider thatsächlich noch nicht erfolgt. Bei dem erwähnten Gefecht wurde Bagamogo von den Deutschen, welche keine Verluste erlitten haben, besetzt.

* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung des Kultusetats bei den Universitäten fort. Bei der Universität Halle beantragte die Budgetkommission Streichung der Forderungen für Errichtung eines Lehrstuhls für Hygiene und für ein hygienische» Institut. Die Abgg. Graf Dou­glas, Dr. Graf-Elberfeld, Dr. Drechsler, Dr. Windthorst und Dr. Seelig sowie Kultusminister Dr. v. Goßler traten für die Bewilligung ein, in­dem sie die Bedeutung der Hygiene darlegten und darauf hinwiefen, daß sich im Fall der Ablehnung ein Theil der Studirenden nach Leipzig und Jena wenden würden. Gegen die Forderungen sprachen Graf Limburg, der den Werth der Hygiene nicht verkannte, es aber nicht für nöthig hielt, daß jede Universität eine Forscherstätte für diese Wissenschaft besitze, sowie Dr. Virchow, welcher meinte, daß der Werth der Hygiene, die keine Wissenschaft für fich sei, überschätzt werde. Die Forderungen wur­den schließlich bewilligt. Ferner wurde die Um­wandlung der Professur für Staatsarzneikunde in Marburg in eine Professur für Hygiene geneh­migt. Gleichfalls entgegen dem Anträge der Budgetkommisswn wurden die Zuschüsse für die an den Universitäten bestehenden Wlttwen- und Waisenversorgungianstalten im Betrage von 160,000 Mark bewilligt. Weiterberathung morgen.

* Prinz Alexander von Battenberg, jetzt Graf Hartenau, gedenkt mit seiner Gemahlin in

etwa» in der Lust, Glück oder Unglück; dumpf empfand es Jeder, der am folgenden Morgen zu­gegen war, als die Ankunft des Postboten noch­mals den einförmigen Tagerlauf in der Mühle unterbrach. Und Antrin, die au« purem Pflicht­gefühl förmlich auf der Lauer lag, ob die von Jan geweissagten Dinge wirklich doppelt oder vier­fach eintreffen würden, entging e« nicht, daß Röre einen Einschreibebrief empfing. Da« war ja etwas Niedagewesene» in den Augen der Magd, und ste lugte scharf zur Herrin hinüber, die kreidebleich war, ganz eigen auf das Schriftstück in ihrer Hand blickte und dann, um ihre Verlegenheit zu verbergen, mit dem Briefträger zu plaudern be­gann. Doch kaum ist er fort, als Nöre mit schlotternden Knieen die Küche verläßt und ihr Sendschreiben in die Kammer trägt. Mit beben­der Hand schiebt sie den Riegel vor und finkt wie gebrochen auf den Stuhl vor ihrem Bette hin. Ihre Brust wogt auf und nieder; ein erstickender Aufschrei ringt sich über ihre bleichen Lippen, al« sie die Schriftzüge näher betrachtet. Ja, da» ist seine Hand, er lebt also, der verschollene Bruder Franz, er lebt und dieser Brief kommt von ihm, was mag er enthalten?

Mailand, wo das Paar schon seit vierzehn Tagen weilt, ständigen Aufenthalt zu nehmen. Der Prinz läßt erklären, daß seine Verlobung mit Fräulein Loifinger erst Ende Dezember, also sechs Monate nach der definitiven Absage Kaiser» Wilhelm, stattgefund.'N habe. WA

* Kiel, 5. März. In hiesigen Marinekreisen wird ein Probemobilisirungrversuch der Marine eventuell in Gegenwart de» Kaisers erwartet.

L. Magdeburg, 3. März. Die hiesigen „Grauen Schwestern," allbekannt und hochgeschätzt wegen ihrer selbstlosen, opfermuthigen Hingabe mit welcher ste zu allen Zeiten und in allen Fällen ohne Unterschied der Konfession den Kranken und Nothleidenden in uneigennützigster Weise Gute« thun, haben in der vierten Etage eine« Privat« Hause« eine Wohnung inne, die in jeder Beziehung zu klein und recht unbequem ist. Da außerdem auch die guten Ordensschwestern — acht an der Zahl — noch mit mancherlei eigener Roth und Sorgenlast zu kämpfen haben, so hat sich hier- selbst ein Frauen-Comits gebildet, da« nach Kräften dringend nothwendige Abhilfe schaffen will. In diesem Sinne veranstalten die hochachtbaren Damen zum Besten der genannten Niederlassung im Monat März einen Bazar mit Verkauf und Verloosung, für welchen Zweck die Kaiserin-Wittwe Augusta in Anerkennung und voller Würdigung der Roth- läge unserer „Grauen Schwestern" bereits aller- gnädigst in bekannter hochherziger Weise reiche und werthvolle Geschenke zu machen geruht haben. Auch hiesige Einwohner aller Konfessionen haben schon in hocherfreulicher Weise namhafte Geld- und andere Gaben gesteuert. Um aber den guten „Grauen Schwestern" wohlverdient rationell zu helfen und ihnen möglichst ein eigenes Heim zu schaffen, appellirengdie Damen auf diesem Wege an die Mildthätigkeit aller edlen Menschenfreunde und bitten recht schön um Hilfe. In der That auch wird dieser Appell an die große Oeffentlich- keit nicht ungehört verhallen, wenn man erwägt, wie solche brave Ordensschwestern, die ihr Leben der Pflege kranker und nothleidender Mitmenschen widmen, wahrhaftige Friedensengel in Menschen­gestalt sind, denen zu Hfen gleichbedeutend mit der Abtragung einer Ehrenschuld sein dürfte. Das Comilö besteht aus den Damen: Frau von Claer, Gouvernementsstraße, Frau Mathilde Igel, Intendantur, Frau von Trapp, Tauenzienstraße 12, Frau von Strombeck, Moltkestraße 2, Frau W.

Hastig reißt Nöre das Kouvert auf, sie hält einen engbefchriebenen Bogen in der zitternden Hand; ihre Augen fliegen darüber hin. Sie liest und liest und plötzlich schießt ihr eine Zornes» flamme über dar Gesicht. Sie stößt eine grelle Lache au« und zerknüllt da» Papier zu einem Knäuel, den sie heftig von fich schleudert.

Ist es möglich, er, der Elende wagt es, ihr zu drohen, mit einer gerichtlichen Klage zu drohen, wefl sie seinen Sohn in sein Unglück getrieben habe? In sein Unglück, — al« ob sie nicht Die­jenige gewesen, die ihn gewarnt, ihm widerstanden hatte, al« er mit offenen Augen dem Abgrund zugetaumelt war. Hatte Baptist nicht ihre spätere Fürsorge schnöde verwirkr? Und jetzt kam sein Vater und setzte ihr geradezu da« Messer auf die Brust mit der Frage: Wo ist mein Sohn? Gieb Rechenschaft von dem Verbleib meine« Kinde» ? Wußte sie, wa« au« Baptist geworden war, nach­dem er seinen eigenen Weg gewandelt? — Sie schüttelt den Kopf, aber dann beugt sie fich auf den Boden und hebt den Papierknäuel empor, streicht ihn mit der Hand glatt und beginnt ihn auf'« Nue zu lesen. Wie die Wellen eine« Wasserfalle«, so fluthen die Anklagen, fich über-