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Dienstag, dm 5. März.

1889

durch Gottes Barmherzigkeit und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade

lauft litt.

Rovelle von I. v. Dirkink.

(13. Fortsetzung.)

Allein der Pfarrer kannte sein Beichtkind Nöre besser. Stand er doch selber bei ihr im schwar­zen Buche, seitdem ihr Lieblingswunsch, in Baptist einen gottgeweihten Priester zu sehen, in die Brüche aeeanaen war.

Ja, hätte der Pfarrer die Idee nicht angeregt gehabt, ßäb’ es jetzt keinen Spott und Hohn im Dorfe. Das war'« hauptsächlich, was Nöre ihm «achtrug. Die Dewuth, die echt weibliche Hin­gebung, welche ohne die selbstischen Nebengedan­ken au« Pflichtgefühl sich opfert, die fehlte der muthigcn, energischen, redlich strebenden Nöre. „Und darum," so beschloß der würdige Herr seine Epistel an Johanne«, „mflfrn wir die Zeit walten lcfsen und die göttliche Vorsehung. De« Herrn Wege find wunderbar. Ja, wo wir kurzfichtigen Erdenbürger Berge von Schwierigkeiten sehen, ver­schwinden fie vor feinem allmächtigen Willen wie Etaubatowe vor einem Hauch."

»bet eine« Tage» wagte der Pfarrer dennoch einen letzten Versuch, im Jntereffe de» Neffen bei

Hände reibend. ,. .

„Baht wer'» glaubt", fuhr Nöre gereizt m die Löhe. „D-e Welt ist einmal grundverdorben. Wo gibt e» noch Pietät und Dankbarkeit und Respekt unter dem Jungvolk gegen ihre Alten und Oam« und Muhmen? Seitdem ich .weiß, daß alle Bücher der Welt die Menschen nicht besser und ehrenwerther wachen, ged' ich den Pfifferling

da» ganze Dorf. , . m

Und Jedermann nahm von vorne herein Par­tei für den Neffen, al« ob e« sich von selbst ver­stehe, daß Jungfer Nöre in jeder Weise stet« nur der schuldige Thetl sein könne, wenn ste fich in Zwistigkeiten verwickelt fühlte. Hätte man dem kriegerischen Element in ihrer Natur vielleicht Zu- geständmffe gemacht, so fielen dieselben Angesicht» ihrer Unversöhnlichkeit ganz weg. Denn gerade die Gehäsfigkeit ihre» Charakter« wurde von den unverbildeten Dörflern al« Mangel an Herz und Gemüth angesehen. Kein Advokat hätte e» ihnen beibringen können, daß man bei einer Fehde stet» beide Theile hören muß. Nöre sollte stet« und überall, wo fie nur mit Jemand zusammenstreß, Unrecht haben, denn stand fie nicht in Acht und Bann? Hatte fie nicht selbst ihre nächsten Slut«- verwandten au« dem Hause getrieben? Nur der i uno Pfarrer ließ fich vom allgemeinen Vorurtherl nicht I darum, ob die Leute ftH uug u m

hörigen Gläubigen, in den Ansprüchen an bte TMigkeit ihrer Priester nicht unbescheiden, und, wenn berechtige An­sprüche einmal aus triftigen Grinden mcht sogleich und vollkommen beftiedigt »erden können, nicht unwill g und unzufrieden ,u sein. Möge, wenn auch nur die »«rsuchung zum Mißvergnügen naht, bte offenkunbtge Thats.che alle Empfindlichkeit beschwichtigen, baß manche Pnefier m Stabt unb Lanb über ihre ^-ifte sich anstrengen und anbete, welchen bet verbiente Ruhestand längst beschieden sein sollte, noch im hohen Gretsenalter Mit entern aller Anerkennung würdigen Eifer im Dienste der Kirche und der Seelen thätig sind. Ach rote gerne wöchte.chfür die reiche Ernte eine viel größere Zahl der Arbe er m meine geliebte Diözese senden, wenn nicht der drückende Priestermangel daS ganz und gar unmöglich machte I

Und nun wende ich mich namentlich an diejenigen mei­ner Diözesanen, welchen es vergönnt ist, nahe bet ihrer Kirche zu sein, täglich die hl. Reffe zu hören, mühelos die heil. Sakramente zu empfangen, m,t emem WoRe, mitten im kirchlichen.Leben ,u stehen. Wie glücklich sind sie, viel glücklicher, als sie es vielfach wissen und schätzen! Wenn der gottbegeisterte König David in seinem 83. Psalm ferne von Jerusalem mit einem Herzen voll Sehnsucht ausruft: „Selig, bte ttt bernem Hause

wohnen, o Herr I" (B. 5) so darf ich diese Seligsprechung auf Euch anwenben, bte Ihr m.Pfarrorten wohnt. Eueren Priestern unb Lehrern nahe f«b. Bon Euch darf billig gefordert werben, baß Ihr Euere Pflichten gegen Gott unb seine heil. Kirche, sowie gegen Euere Nebenmen^en gewissenhaft erfüllt, wie es bet hl. Geist ttn in ben Worten verlangt:' „O Herr, wer darf m Deinem stelle Wohnung nehmen?..... meiner wandelt

ohne Fehl und Gerechtigkeit übt, der Wahrheit spricht mit seinem-Herzen und nicht Trug begeht mit seiner Zunge, der seinem Nebenmeuschen nichts ö" Leide thut (B. )

Nachdem so David aus Eingebung des hl. Geistes Wahr- Hastigkeit, Güte, .Gerechtigkeit und Barmherzigkeit m Ge- smnungen wie in Wort und Wandel als Bedingungen für das Wohnen in der Nähe Gottes bezeichnet, schließt er

I mit der Versicherung „Wer dieses Aut, der wanket nicht I in Ewigkeit." (Ps. 14, 5.) Liebe Diözesanen, nnn«^ also nicht die Bevorzugung, welche Euch durch dre gött­liche Vorsehung, die Alles mit Weisheit ordnet und mit Güte leitet, zu Theil geworden ist. Sprecht oft mit dem heil. Paulus: „Gott sei Dank für Sem unaussprechlich großes Gnadengeschenk (II. Cor. 9,15). Habet eine dank­bare Verehrung für Euere Gotteshäuser und sorget, daß dieselben als Wohnungen Gottes, als Aufenthaltsorte des Königs der Herrlichkeit (Ps. 23, 7) des Herrn der Heer- schaaren (Ps. 23, 10) in würdigem Stand gehalten wer­den I Unterstützt Euere Priester in Reinhaltung und Aus­schmückung derselben I Bringt gern ein Opfer-für eine würdige priesterliche Kleidung I Es verrath große Undank- barkeit gegen Gott, wenn manche Gememdegtieder ihre

I eiaenen Häuser, ihre eigenen Kleider mit einer gewissen I Aenqlichkeit rein halten, es aber ganz ruhig mit ansehen, wenn das arme Gotteshaus baufällig wird und sie keinen Pfennig dafür opfern mögen, daß die hl. Geheimnisse auch in würdigen Gewändern gefeiert werden. ,

In der Nähe Euerer Kirchen liegen die Friedhöfe, auf welchen die Leiber der im Stande der Gnade Abgeschie- denen einer glorreichen Auferstehung entgegenschlummern. beeirfluffen unb sprach ab zu in der Mühle vor, obgleich ihm gar kein freundlicher Empfang zu

1 TH*Johanne« wird nun bald wiederkehrtn, Jungfer Leonore«, fagte der Pfarrer eine« Tage«, feine

w«m a nun g°r nicht b"-" I-ck Erbtheil autreten und fich hier nirderlaffmzu wollen. Seine leibliche Tante zu vertreiben, kömmt ihm ficher nicht m Sinn; er ist ein Prachtmensch, mein Johanne«! versicherte der alte Herr wohlgefällig schmunzelnd und fich die

Für Euch ist es von der größten Bedeutung, fest im I Glauben und treu in der Liebe zur Kirche zu bleiben, I deren Gebote Ihr mit der opferwilligsten Gewiflenhaftig- keit beobachten müßt, damit nicht Gleichgiltigkeit und Kälte, sowie später gänzliche Entfremdung von der Mutter, m deren Schooße allein Freude, Heil und Seligkeit zu finden I ist, eintrete. Wohl müssen die Priester und Lehrer m bet Diaspora besonders berufstreue Männer, seeleneifrige Führet, wahrhaft apostolische Hirten sein, bte ohne Rück- I sicht auf Menschenuttheil unb anbete irdische Interessen den Seelen nachgehen, sie auf der Bahn des kirchlichen I Lebens erhalten oder auf dieselbe zurückführen, d,e Lauen I anregen, die Kalten erwärmen und keinen anderen Lohn als die Vergeltung Desjenigen erwarten, der Selbst ihr überaus großer Lohn sein will. — Aber auch die Gläubigen müssen einander aufmuntern und durch das Band der I Zugehörigkeit zur Kirche vereint, zusammenstehen rote I Glieder einer Famlie. Je geringer sie selber an Zahl I sind und je weiter sie von ihrer Kirche und ihren Priestern I entfernt sind, desto inniger müssen sie sich untereinander anschlietzen und wie die ersten Christen ein Herz und eme I Seele sein. Und während Ihr, geliebte Diözesanen, fest­steht in dem Bekenntnisse Eures Glaubens und in Uebung des Gehorsams gegen Euere Kirche, seid friedlich und verträglich, liebreich und voll Achtung tm Verkehr mit I den Andersgläubigen. Sorget durch Euere Tugenden, durch musterhafte Kinderzucht, durch Eueren Fleiß und Euere Genügsamkeit, daß Ihr, wie es in der Apostelge- schichte heißt, „in Gunst stehet bei dem ganzen Volke. ^Gewiffe^Schwierigkeiten bestehen auch für manche weit ausgedehnte Pfarreien unter vorherrschend katho­lischer Bevölkerung. Diese Schwirigkesten hegen einerseits in dem Mangel ausreichender Seelsorgskräfte und anderseits in einer größeren Zahl entlegener Filiale. Weite Wege müssen da oft unter Beschwerden zurückgelegt werden, um wenigstens an Sonn- und Feiertagen der hl. Messe beiwohnen. Und doch gift in der Sonntagsfeier sich vornehmlich der Eifer der Religion kund! Mit welch heldenmüthigen Opferen 1 oben die ersten Christen mitten unter den Stürmen Mutiger Verfolgung zur Feier der Sonn- und Festtage sich versammelt und vor ben he«d- nischen Richtern inmitten schrecklicher Martern ausgesprochen, daß ein Christ unb SonntagSseier unzertrennlich von einander seien. Werden wir doch in unserem Eifer und in unserem Gehorsam gegen Gott unb bie hl. Kirche solch herrlichen Vorbilbern einigermaßen ähnlich! — Em wichtiger Ansporn zur Uebernahme von Opfern muß für billig bentenbe Katholiken auch in ber Erwägung hegen, daß die Priester dieselben beschwerlichen Wege machen müssen bei Tag und bei Nacht, bei Sturm und Regen, I um die Kranken zu besuchen und mit den hl. Sakramenten zu versehen. In meiner Erinnerung stehen heute noch nach fast vierzig Jahren die Wege und gleichsam als deren I Denkzeichen die Mühen, welche ich als junger Priester in Dörfern des Westerwaldes unb bes Taunus zu ertragen hatte, um ben Pflichten ber Seelsorge bei benen ju genügen, welche nicht zur Pfarrkirche kommen konnten. Je mehr ich bemnach aus eigener Erfahrung bie Beschwerden, bte Über baS gewöhnliche Maß menschlicher Kräfte gehenden I Anstrengungen bet Priester in ausgedehnten Pfarreien I kenne, um so inniger bitte ich bie solchen Pfarreien ange«

I der Jungfer Nöre anzuklopfen. Johannes war nämlich mit dem Pfarrer in einen lebhaften Brief- I wechsel getreten. E« war ein bischen Geheimniß dabei, da» ließ de» Pfarrer» Nichte ab und zu merken. Aber daß der Pfarrer sich besonder» für seinen ehemaligen Schüler interesfirte, wußte bald

Doctor der Theologie,

er. Päpstlichen Heiligkeit Hausprälat,

entbietet der hochwürdtgen Geistlichkeit

und allen Gläubigen de» Bisthum«

«r«ß und Srge« im Herr«!

(Schluß.)

II.

Einen Gegenfianb meiner bauernben Sorge bilben meine I Diözesanen, welche in ber DiaSpora (fi Petr. 1. 1) > h unter Andersgläubigen in Minderzahl zerstreut leben. Aus dem Kgl. Preußischen Bisthumsantheil sind es nament­lich bie Katholiken in bem fernen Rinteln mit Obernkirchen, «llenborf, Eschwege mit Witzenhausen, Hofgeismar, Hom­berg, Bebra,—unb nach entgegengesetzter Richtung die Katho- likm in Birstein, sowie in ben bei ber blühenden Industrie­stadt Frankfurt a. M. gelegenen unb gleich ihr rasch an» wachsenben Orten Eckenheim unb Fechenheim. Auf bem ins Großherzogthurn Sachsen-Weimar sich erstreckenden Gebiete bes Bisthums gebenle ich besonders ber Katholiken in ben Städten Weimar, Jena, Apolda, Eisenach und in deren »eiten Umkreisen. Je schwerer es ist, diesen, in ihrer Anhänglichkeit an die Kirche so vielfach gefährdeten und selbst in Bewahrung des Glaubens durch äußere Beispiele und innere Lauheit oft arg bedrohten Diözesanen aus­reichende Seelsorge zu verschaffen, um so sehr müssen diese selbst in beharrlichem Eiset auf die Rettung ihrer SeUen bedacht fein unb die für ihre Sage besonders paffende Mahnung des hl. Apostels Paulus befolgen: „Seid wach­sam. stehet fest im Glauben, handelt männlich unb fetb stark." (I. Cor. 16. 13.) Ersetzet Ihr, geliebte Eltern in ber Diaspora in ber Unterweisung unb Erziehung euerer Kinder, im Religionsunterrichttchte nach bem Diözesankatechismus unb ber biblischen Geschichte, 'N ihrer Gewöhnung an bte kirchlichen Hebungen unb Gebräuche, an bie Beobachtung bes Fasten- unb Abstinenzgebots, was bie mangelnben Priester nicht thun können. Ihr seid als Gottes Stellvertreter dazu auch tn erster Lime streng verpflichtet. Euch ruft ver hl Geist zu: „Ihr Väter Fehet Euer? Kinder in der Lehre unb in bet Zucht des Derrn" (Eph. 6. 4) Wenn ferner das gemeinsame Gebet überall als Zeichen und Bewährung eures echt christlichen Familienlebens angesehen und vom Heilande mit der besonderen Verheißung empfohlen ist, daß^ er mitten unter den in Liebe gemeinschaftlich Betenden sein werde, (Matth. 18, 20) so ist es noch vielmehr m der Ferne vom Gotteshause etn besonders mächtiges Gnaden- mittel, um Eltern, Kindern und Dienstboten auf dem Wege der Tugend und in lebendiger Anhänglichkeit an die Kirche zu erhalten.