J\g 52. Montag, ben 4. März,
falber W Jeitililg.
1889
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durch Gottes Barmherzigkeit und des heiligen apostolischen Stuhles Gnade iw wn Di- Doctor der Theologie,
Tr. Päpstliche« Heiligkeit Hausprälat, entbietet der hochwürdigen Geistlichkeit und allen Gläubigen de» Bisthums Sruß und Srgeu im Herr«!
in ereignißvolles Jahr ist im raschen Fluge der Zeit entschwunden, seitdem ich durch die Fügungen der gbttlichen Vorsehung an daS verehrungSwürdige Grab unseres hl. GlaubenSvaters Bonifatius berufen und auf den bischöflichen Stuhl des mehr al» tausendjährigen Fulda erhoben, am 25. Januar v. IS. an Euch, vielgeliebte BisthumSangehörige, mein erstes Hirtenwort gerichtet habe. In väterlicher Lieb« habe ich Such damals als meine theueren, geistigen Kinder, im Bewußtsein meiner schweren Pflichten als die mir von Sott zu heiliger Hut anvertraute Heerde, begrüßt. Heute kann ich frohen Herzens und dankbaren Sinne- mit einigem Recht« auf Euch wie auf mich die erhebenden Worte des hl. Evangeliums anwenden: „Ich kenne die Meinen und di» Meinigen kennen mich." (Joh. 10, 14.) „Ja, gepriesen sei Gott der Vater der Erbarmungen und des Trostes" (2. Cor. 1, 3. 4), der mir die Freude geschenkt hat, in einem großen Theile meiner weit ausgedehnten Diözese Euch von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Such und Euere hochwürdigen Seelsorger an Eueren Wohnstätten und in Eueren Gotteshäusern kennen zu lernen. Mit welch' ungezwungener Herzlichkeit habt Ihr mich begrüßt, wenn ich in Euerer Mitte erschien, um der Heranwachsenden Jugend als apostolischer „Ausspender der Geheimnisse GotteS" (1. Cor. 4, 1) im hl. Sakramente der Firmung die Gnadengaben des hl. Geistes mitzutheilen, auf daß sie von seiner Kraft gestärkt ihren Glauben allezeit bewahren, freimüthig vor den Menschen bekennen und im Leben treu bethätigen möge. Ich welch' festlichem Schmucke prangten Städte und Dörfer, in die ich einzog, um als Stellvertreter Gottes in der Einweihung von Kirchen und Altären das Wort der Verheißung des Herrn an Sal»mon zur Erfüllung zu bringen: „Ich habe Mir diesen Ort erwählt zur Opferstätte .... und habe geheiliget diesen Ort, daß allda sei Mein Name auf ewig und daß bleiben Mein« Augen und sei daselbst M«in Herz alle Tage", (II Paral. 12. 16). Und wenn ich bei anderen Anlässen zu Euch kam, stets fand ich zum Tröste meines Herzens bei Such das Gefühl kindlicher Zugehörigkeit lebendig, fühlte mich heimisch unter Euch, obw»hl fast vierzig Jahre meines Priesterlebens fern von Euch verfioffen sind, — sah in Eueren Blicken und in Euerem Benehmen Vertrauen mit Vertrauen erwidert, sodaß ich mit dem hl. Paulus
iintt Witt.
Nov«lle von I. v. Dir link.
(12. Fortsetzung.)
Kreidebleich lehnte Johann»» ihr gegenüber. Diesen Ausgang dir Dinge hatte er nicht erwartet. Wie tödtlich mußte er ste verletzt Haden, wen« ihre sonst so besonnene Natur j tzt ganz ihr Gleichgewicht verloren hatte. Aber alle Reue konnte da» gesprochen« Wort nicht wieder zurückholen, e» saß fest im Herzen der ohnehin vergrämten, verbitterten Tante, die auch für keine Irt von Entschuldigung zugänglich war.
Mit schlotternden Knieen schwankte er hinan» und schlaflos brachte er den Rest der Nacht zu. Er schnürte sein Bündel und wollte fich wie ein Dieb au» dem Hause stehlen, denn unmöglich konnte er der Tante nochmal» unter die Augen treten.
Im Morgengrauen huschte er auf den Fußspitzen au« seiner Kammer in den Hausflur und blied hier plötzlich wie am Boden gewurzelt stehen. Auf einem Stuhl am Heerde faß Nöre mit ge» falteten Händen. Sie hielt da» Haupt ein wenig seitwärts geneigt, al« lütte der Schlummer ste überwältigt. Johanne« preßte die Hand auf»
sagen kann: „Groß« Zuversicht ist mir zu Such, Großes rühmen wir üb«r Euch, erfüllt bin ich mit Trost, bin überreich an Friude b«i all' unserer Bedrängniß". (H Sor. 7, 4). — Indem ich auch an dieser Stelle Priestern und Gläubigen wiederholt für alle Bezeugungen von Ehrfurcht, Lieb« und Willfährigkeit meinen herzlichen Dank ausspreche, benutz« ich die auf meinen Reisen im Bereiche de« Biöthums gesammelten' Erfahrungen gerne, um im »nschlufl« an dieselben beim Herannahen der hl. Fastenzeit Such heilsame Ermahnungen an's Herz zu legen, btt«n freudige und gewissenhafte Befolgung Euch nicht nur in der vor uns liegenden Gnadenzeit, sondern für's ganze Leben Gottes Segen bringen wird.
In diesem Sinne will ich zwei Fragen beantworten: Welche Gnade spendet die Kirche al» gute Mutter ihren Kindern?
Wie sollen dieselben ihren Dank dafür bethätigen?
I.
Es gibt nicht viele Gaue im deutschen Vaterlande, in welchen die Segnungen der Kirche Christi so klar und offenkundig seit Jahrhunderten zu Tage treten, wie in d«m Fuldaer Lande.
In grauer Vorzeit, im Jahre 744 war'S, als der durch Eifer, Tugenden und wunderbare Erfolge in ganz einziger Größe strahlende Apost»l Deutschlands, der hl. Bonifatius, zur Befestigung des Christenthums in Hessen und Thüringen das Kloster Fulda stiftete und in demselben die unversieglich« Quelle stets lebendigen Glaubens und den Ausgangspunkt christlicher Gesittung für ganz Mitteldeutschland auf Jahrhunderte schuf. Wie dankbar sind wir gegen Gott, wie stolz und glücklich, daß wir in unserim Dome die durch ein glorreiches Martyrium g«. heiligten Gebeine des Stifters von Fulda, das Grab des hl. Bonifatius b«sitzen! Fürwahr, «8 sollte mich wundern, wenn eS ti*,„ - mubigen Katholiken unter meinen geliebten Diözesan:". gäbe, dessen Herz sich nicht in kindlicher Liebe erwärmte, dessen Adern nicht ein geheimer Schauer der Ehrfurcht durchrieselte, wenn ihm nur der Name Bonifatius züm Ohr« dringt. Dunkel waren Buchoniens Wälder, deren Oede und Wildniß Ansiedelung und Bewohner fern hielt, bis Bonifatius sie betrat, dunkeler noch die Macht deS Heidenthums, welch« unsere Vorfahren in Finsterniß und TodeSschatten festhielt (Luk. 1, 79), bis Englands großer Sohn Bonifatius das Licht deS Evangeliums aufleuchten ließ und mit der „Wissenschaft des HeilS" und der „Vergebung der Sünden" die Schritte unserer Voreltern auf den Weg des Friedens lenkte. (Luk. 1. c.) Ihn sahen mit der hingebenden Liebe und der Wunderkrast eines Apostels schon zwanzig Jahre vor Fulda — Amöneburg, wo er auf mächtig hervorragendem Basaltregel eine Klosterzelle errichtete und Geismar, wo er die vom bethörten heidnischen Volke wie ein National- heiligthum verehrte und dem Donnergotts geweihte Eiche mit wuchtigen Axthieben fällt« und aus deren Holze eine Kapelle zu Ehren des Apostels Petrus erbaute. ES war das ein Denkmal, welches die neubekehrten Heiden stets auf den dreieinigen Gott, „in welchem wir leben, uns bewegen und sind" (Apg. 17, 28) auf seinen menschgewordenen Sohn JesuS Christus und aus das Felsenfundament der von ihm gegründeten Kirche hinwies. Wohlthuend ging
Herz, denn er hätte laut aufschreien mögen, so hatte der Gram ihr Antlitz verändert.
Er kämpfte einen harten Kampf mit sich. Sollte er zu ihren Füßen hinstürzen und ihre Verzeihung erflehen ? Schon wollt- er dem rechten Zug, fein,« Herzen» folgen, al« Nöre empor fuhr. Ihre Augen begegneten »en feuchtschimmernden Blicken de» Neffen; allein fein Anblick genügte, die Erinnerung an die fchmachvolle Scene in ihr neu anzu- facht«. „Ach fo, Du willst reifen I* rief sie scharfen Tone« und erhob sich mühsam. Sie nahm ein Packet au» ihrer Tasche. „Da!" kam e» hohl au» ihrer Brust. „Da find meine Er- sprrniffe, über mehr kann ich vorerst nicht verfügen. Ich leihe e» Dir, e« ist »ein Nothpfemng, und ich fordere ihn mit Zinsen zurück, wenn Du hier einpehen willst al» der Herr. Denn von nun an weiß ich, daß ich daun meinen Stab und Stecken weiter fetzen muß."
„O, nicht so, Tantel" stammelte Johanne» mit mühsam behaupteter Haltung. Aber fie unterbrach ihn rauh, al» beachte fie seine reuevolle Ge- derbe nicht einmal.
„Nur Ein» bitte ich mir au»", fuhr fie fort. Weder Du, noch der Komödiant oder Musikant, wa« mir gleich ist, darf mir, so fange ich hier
der Fuß des hl. Glrubentboten auch vorüber an Wanfried und Fritzlar, ja das ganze Heflenland war Schauplatz seiner segenbringendrn apostolischen Thätigkeit.
Mehr als elfhundert Jahre sind seitdem »ergangen; — Geschlechter um Geschlechter haben in den Strahlen der Gnadensonne, die über unserem Heimathland« aufgegangen war, Licht und Wärme gefunden, Jrrthum und Sittenverderbniß bekämpft und uns als kostbares Erbe da» himmlisch« Kleinod des katholischen Glaubens hinterlassen.
Und welche besonder« Gnaden habt Ihr nun Eurer Kirche, in welcher dieses Kleinod wie in einem wohlverwahrten und treu bewachten Schreine niedergelegt ist, zu verdanken? O, erwäget es doch ebenso freudig wie ernst, welch« unschätzbare Gaben Ihr aus ihrer freigebig«» Mutterhand empfangen habt und tagtäglich genießet! Hat sie Euch nicht, als Ihr kaum ins Leben eingetreten wäret, in der hl. Tauf« zu Kindern GotteS und zu Erben deS Reichthums übernatürlicher Glückseligkeit gemacht? Gerade j«tzt werden Aller Blicke und th«ilnehm«nde Herzen hingelenkt auf unsere unglücklichen Mitmenschen in Aftika, die auch eine mit dem Blute Christi erlöste, zur Anschauung und zum ewigen Besitze Gottes bestimmte Seele haben, gleichwie wir. Aber ihnen fehlen so manche Güter, die Ihr im Ueberfluss« besitzt, ihnen fehlt vor allem die Freiheit der Kinder Gottes, ihnen mangelt die Wahrheit, welche nach der Versicherung des Heilandes ftei macht (Joh. 8.32); geknechtet im Heidenthum und MohammedaniSmuS schmachten sie noch unter dem Joche der abscheulichsten, sittlichen Verirrungen.
Wie dankbar müßt Ihr Gott s«in für die gnadenreiche Bußanstalt in der Kirche Christi! Könnt Ihr nicht, wmn Ihr deS Trostes gedenkt, den eine würdige Beichte dem Herzen bringt, der Befreiung von schwerer Schuld und der damit verbundenen ewigen Strafe, der Aussöhnung, mit dem barmherzigen Gotte, der nicht den Tod des Sünders will, sondern daß er sich bekehre und lebe (Ezech. 33, 11) mit dem hl. Paulus ausrufen: „Gelobt sei Gott . . ., in welchem wir die Vergebung der Sünden haben nach dem Reichthum seiner Gnade? (Eph. 1, 3.7). Selbst außerhalb der Kirche stehende erkennen den unberechenbaren Nutzen der hl. Beichte an. Ich will nur erwähnen, was der protestantische Philosoph Leibnitz darüber zugesteht mit den Worten: „Es kann nicht geleugnet werden, daß die ganze Einrichtung der Beichte der göttlichen Weisheit würdig ist, . . . ich glaube, daß ein erleuchteter und frommer Beichtvater ein großes Werkzeug Gottes sei zum Heile der Seelen." (Syst. theol.)
Und vermöchte ein Engel des Himmels selbst es würdig auszusprechen, welches unermeßliche Glück die Bekenner der katholischen Kirche in dem allerheiligsten Altarssakramente haben, in dem Abendmahle, in welchem der wahre Leib und das wahr« Blut unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi unter d«n Gestalten von Brod und Wein wirklich und wesentlich zur Nahrung der Seelen gegenwärtig ist? O, welch' eine Nahrung — Jesus, unser Herr und Gott, der uns in der Brodgestalt, „Sein Fleisch für das Leben der W«lt" (Joh. 6, 52) zur Speise, Sein Herzblut, das Er bis zum letzten Tropfen für uns vergossen und als unschätzbaren Preis unserer Loskaufung (1. Cor. 6, 20) von der Sünde, der Knecht- töalte unb regiere, wieder in'» Hau» treten." Al» fie, Athem schöpfend stockte, wollte er ihr seine Hand hinreichm, allein ein barsch« „Geh!" hinderte ihn daran. Er füllte e», fie wollte fich nicht weich stimmen laffen. Ihre spröde Natur wußte nicht» von Vergeben uub Vergessen! Ein- für allemal war da» Tischtuch zwischen ihnen zerschnitten. Schweren Herzen», fast verzweifelt, schickte Johann« fich an, da» Hau» zu verlaffrn. Da» Geld brannte wie glühende Kohlen in seiner Hand. Glühende Kohlen hatte Xante Nöre viel- leicht auf fein schuldiges Haupt zu sammeln vereint — wie wäre t», wenn er ihr da» Geld vor die Füße schleuderte? So zuckte « durch feimn Geist, während er der Thüre zutaumelte.
Plötzlich fand er fich draußen,. Mit lautem Krach fiel die Hauschür hinter ihm in'» Schloß- E» war vorbei! Und darf ein Bettler Stolz zeigen? Und Baptist, durfte der unter feinen Ehrbegriffen leiden? Nein, Hilfe that hier Noth, aber der Sparpfennig der Tante sollte ihr doppelt und dreifach, ja zehnfach mit Z n» heimge- zahlt werden; da» schwur er hoch und heilig.
An diesen Gedanken klammerte er sich fest, al» ob Geld und Gut die Tante für ben Kummer entschädigen könne, der ihr durch sein knabenhas-