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Zeit erst recht kommen. Möglich; dis Dinge können sich aber auch ganz anders entwickeln. Und gerade darum, weil so wichtige Fragen nicht abhängig sein dürfen von den wechselnden Verwal­tungen, will das Centrum feste gesetzliche Be­stimmungen, bei welchen Jeder weiß, woran er ist. Den Ausführungen Stöckers trat der Abge­ordnete Dr. Br üel vom evangelischen Standpunkt entgegen. Der Abg. Dr. Mosler übte insbe­sondere an dem Falk'schen Erlaß von 1876 eine gründliche und treffende Kritik, während der Abge­ordnete P. Reichensperger die Verfassung«- frage, in welcher er ja an erster Stells mitzureden berufen ist, in lebendigen und packenden Ausführ­ungen erörterte und der Abgeordnete Dr. v. Stab­lewski die „vollkommene Befriedigung" aus den polnischen Verhältniffe« heraus beleuchtete. Für die Freisinnigen gab der Abg. Dr. Virchow eine kurze Erklärung ab, welcher von dem unkirchlichen Standpunkt der Linken aus eine gewisse Folgerich­tigkeit nicht abzusprechen ist. Weitaus am schwäch­sten war die nationalliberale Partei vertreten. Die Herren Seysfardt (früher Crefeld) und v. Epnern kamen über Gemeinplätze nicht hinaus. Der Letztere fand bei den eigenen Parteigenossen zeitweise so wenig Aufmerksamkeit, daß er einmal sich zurück- wendendthnen zurtef: „Wollen Sie nicht ruhig sein?" Hr. von Epnern ist es gar nicht wohl zu Muths bet der gegenwärtigen Beherrschung unseres Schul­wesens durch die Verwaltung; er sähe auch gern eine gesetzliche Regelung, aber selbstverständ­lich keine im Sinne der Windthorst'schen Antrages. Der Gang der Debatte war ein derartiger, daß der Abg. Windthorst in seinem mit bewunder­ungswürdiger Frische gehandhabten Schlußworte mit dem Ergebniß des Tages sich wohl befriedigt erklären konnte. Die maßgebenden Grundsätze sind ein Mal wieder mit voller Bestimmchett und Entschiedenheit und vor dem Lande zur Aussprache gekommen; di« werbende Wirkung wird sich schon einstellen. Meinte doch selbst der Abg. v. Epnern, „ein gewisser Sieg" de« Abg. Windthorst und seiner Richtung könne nicht aurbletben. Davon find wir fest überzeugt. Der Schulkampf wird schwierig uno langweilig sein, aber die gesunden Grundsätze des heute noch von allen Parteien, wenn schon au« d.n ungleichartig­sten Gründen, abgelehnten Anträge» werden sich früh oder spät Geltung verschaffen.

* Der von der polnischen Fraktion im Ab­geordnetenhause eingebrachte An trag lautet: Die königliche Staatsregierung aufzufordern, Anstalten zu treffen, daß die Regierung«- beziehentlich Ober- prästdialerlafle vom 20. September 1872, 24. Juli und 27. Oktober 1873 sowie die Ministerial- reskripte vom 7. September, 6. und 16. Oktober 1887 aufgehoben werden und in deren bisherigem Geltungsbereiche die Muttersprache der Kin­der als Unterrichtsmittel und Unterrichtsgegen- stand wieder die gebührende Berücksichtigung und Pflege finden und der Religionsunterricht denselben ausschließlich in der Muttersprache erthellt werde.

tiefer auf die Brust herab. Unverstanden von der Welt draußen, welch' kleines Leid gegenüber dem Bewußtsein, ihren Nächsten innerlich entfremdet zu sein. Gram und Kummer erfüllten ihre Seele. Ihre Schweigsamkeit al» Stammeserbtheil kam noch dazu, die häusliche Sphäre für die jungen Studenten äußerst ungemüthlich zu machen. Unter fich nannten sie die Mühle nie anders als das Trappistenkloster. Aber sie bedachten in ihrem jugendlichen Uebermuth nicht, daß ein loses Wort oft unter Umständen wie ein Feuerfur.ke wirken kann, der in ein Pulverfaß hineinsällt. Der Eine und Andere im Dorfe, der diese Bemerkung auf­gefangen, hatte sie im üblen Sinne gedeutet, daß sich ihre Spitze feindselig gegen Rören's Brust kehrte. Obschon sich Röre wenig um das kümmerte, was die Leute sagten, so sollte sie es doch bald zu ihrem Leidwesen erfahren, wie gerade das Urtheil der Welt oft die Handlungen unserer Umgebung zu beeinflussen vermag. Mehr und mehr wurde ihr klar, daß auch ihre Lebensweisheit keinen Widerhall in der Seele ihrer N.ffsn fand; nach und nach wurde ihr da» Zusammenleben mit den Beiden unerträglich. Man verstand sich durchaus nicht mehr, und da sie nicht gewohnt war zu klagen oder sich bet Anderen Rath» zu erholen, auch nicht« angefangene« unvollendet ließ, fo wurde die Trennung von den jungen Leuten beschlossen.

Der Antrag wird selbstoerständlich die volle Unter­stützung de» Centrum« finde«.

• Wie dem,B. T.' au« Zanzibar gemeldet wird, find die gefangenen drei katholischen Mis­sionäre, sowie Schwester Benedikta nunmehr freigelassen.

* Der Nachtrag«etat fordert 22 Millionen inkl. 2 Millionen für Ostafrika.

* Dr. Karl Peter« ist nach Zanzibar abgereist, um die Emin-Pascha-Expedittvn in'» Werk zu setzen.

• Au der Wißmann-Exp e dl Hon nehmen von Kiel au» nach einer Meldung der Post vier BotmaM»maate und fünf Obermatrosen Theil. Sie beziehen Monatsgehälter von 300 und 250 Mark und treten im Laufe des März ihre Reife an. Sie finden Verwendung al« Führer von Dampfbooten und Pinaffen. Die Ausrüstungsgegen­stände der Expedition find so umfangreich, daß ste einen ganzenElseubahnzug füllen werden. Die Zelte find so groß, daß fie mehrere Offiziere aufnehmen kön­nen. Der Anzug der Mannschaften ist gegen Waffer u. Fäulniß gefestigt. Für jedeuOsfizier sind beiTruppm- bewegnngen drei Träger nothwendig, außerdem ein Diener, welcher die Waffen trägt, für die euro­päischen Unteroffiziere dienen zwei Träger. Da­nach würden sämmtliche Europäer einen Bedarf von mehreren Hundert Trägern haben. Jeder Offizier erhält anch eine S tzbadewanne au« Gummi; für die übrigen Mannschaften dienen die Hänge­matten au» wasserdichtem Segelleinen zugleich al« Badewanne.

* Da« Abgeordnetenhaus verwies die Verwaltungsvorlage für Posen an eine 21er Kom­mission. Währens die polnischen Mitglieder de« Herrenhauses der Vorlage nach Einfügung de« Hatzfeldischen Amendement« zugestimmt hatten, wurde dieselbe hierseit« von Abg. v. Sezanieki al« eine Ausnahmemaßregel zur Unterdrückung de« Polenthums bekämpft. Abg. Bachem (Centrum) sprach sich in gleichem Sinne aus. Der Minister de» Innern Hrrrfurth bestritt, daß dar Gesetz ein Kampf- oder Ausnahmegesetz sei. Ein D.fiaitivum solle dasselbe auch nicht enthalten, e« solle nur eine Etappe aus dem Wege zur vollen Ausführung der Berwaltungsorganisation sein. Der Gesetzent­wurf bett, die Theilung der Regierungsbezirk« Schleswig gab zu einer längeren Debatte Anlaß. Schließlich wurde einem Anträge von Rauchhaupt entsprechend beschlossen, die Vorlage dem Pro­vinztallandtage von Schleswig-Holstein zur gut­achtlichen Aeußerung vorzulegen. Gegen die Thei­lung sprachen Abgg. Freiherr von Zedlitz, von Maper-Arnswalde, Kräh und Rckert, dafür außer dem Minister de« Innern Hrrrfurth, die Abgg. Seelig und der Däne Johannsen. — Morgen: Volksschullastengesetz.

• Kiel, 28. Febr. Die Kaiserin Friedrich ist mit den Prinzessinnen Töchtern heute Vormittag hier eingetroffen und von dem Prinzen Heinrich nach dem Königl. Schlosse geleitet worden.

• Posen, 28. Febr. Die Stadtverordneten haben mit Rücksicht auf den hohen Stand der

Röre entschied dahin, sie in ein städtisches Kost­haus zu geben, damit ste zugleich sich fortbilben und ein Gymnasium besuchen könnten. Eine kurze Spanne Zett hatte Röre die Genugthuung, über ihre dörflichen Feinds zu triumphiren. Denn wie ein Lauffeuer hatte sich da» Gerücht: Baptist studire zum Pfarrer, im Dorfe verbreitet — ein Gerücht, ganz geeignet, nicht nur die Mühle, son­dern auch da« Dorf mit neuem.Glanze zu ver­klären. Angesicht« diese« zukünftigen Strahlen­glanzes neigte fich die feindliche Stimmung gegen Röre bereits dem Umschlag zu — da folgte wie ein Donnerschlag eine plötzliche Enttäuschung.

Die Studenten hatten ihr Abiturienten-Examen bestanoen; e« galt, eine Berufswahl zu treffen. Es war an einem Abend, kurz nach ihrer Heim­kehr, al» Röre die Neffen in'« Verhör nahm. Sie hatte gerade den Tisch gedeckt und hielt die Eß­löffel spielend in der Hand. Baptist stand an dem Eckspind gelehnt, wo fich der gefälschte Wechsel, die verbriefte Schmach seines Vaters, verbarg, al« Johannes etwa« zaghaft feinen Wunsch, Medizin zu studiren, kundgab.

„So, so," sagte Nö:e zustimmend, „ein appro- bitter Msnschendoktor ist ein gutes Handwerk — und wa« willst Du werden, Baptist? — —u Erne feierliche Pause entstand. Die Löffelchen in Nöten'« Hand klirrten leise; da« Hetz klopfte ihr

Warthe und bei den wegen einer etwa eintretrn- den Ueberschwemmung gehegten B.fütchtungen 1000 Mark zur Vornahme von Eissprengungen und weitere 12,000 Mark für Vorbereitungen zur Verhütung von Hochwasserschäden bewilligt.

• München, 28. Febr. Hr. Dr. Jörg hat sich seit 1881 au» dem parlamentarischen Leben zurückgezogen und mit unverdrossenem Fleiße in seinem Archiv gearbeitet, dasselbe neu geordnet und mit einem minutiösen Repertorium versehen, so daß da« Niederbaierische Archiv heute zu einer Musteranstalt geworden ist. Die ,D. ReichSztg.' sagt: „Jüngere Beamte, al« Jörg, sind jüngst in höhere Stellungen vorgerückt, andere jüngere Archivare sind mit dem Titel eine« Regierung«rathe« ausgezeichnet worden, nut Jörg wurde bei allen Beförderungen, Auszeich­nungen und Ordensverleihungen v rgcssen."

* Heidelberg, 27.Febr. Wie da« .Tagebl.' berichtet, ist heute Vormittag der Buchbinder Ada, der Mörder des Dekan Fürder in Lahr, hier eingettoff en, um in der hiesigen Jcreuklinik behufs Prüfung feine« Geisteszustandes untergebracht zu werden.

AttSlasrd

• Paris, 28. Febr. Der heutige Minister- rath derieth über ernstliche Polizeimaßnahmen hin­sichtlich bet inneren Politik, die aber geheim ge­halten werden. Nach d.r Sitzung fand eine aber­malige Konferenz im Ministerium de« Innern statt, welcher die Minister Tirato, Konstans, Thevenet, der Genetalp okurator Bouchez, der Prokurator bet Republik Banaston und bet Polizeipräfekt Loz« beiwohnten.

* Rom, 28. Febr. Ccifpi zeigte in derDepu- tirtenkammer an, bas Ministerium habe bemiss w- nirt. Der König habe dasselbe ersucht, zur Er­ledigung der laufenden Geschäfte vorläufig auf dem Posten zu bleiben. Die Kammer vertagte fich hierauf auf unbestimmte Zeit._________________

□ März. *)

Zu allererst gedenken wir de« JahreSgedächt- nisse« vom März. Ein Jahr ist dann verflossen seit dem Hinscheibm Kaiser Wilhelm» I. An den folgenden Tagen gedenken wir der Rückkehr be» todlkranken Kaiser« Friedrich au» Italien, seiner Ankunft im Schneegestöber auf dem Charlotten­burger Bahnhof, der Erlass'S seiner Proklamation. Und von da ab bi» zum 15. Juni können wir Tag für Tag noch einmal in ehrenden Gedanken die Leidenszeit des kaiserlichen Dulber» mit durch­leben.

Der März ist besonders reich an geschichtlichen Gedenktagen. Bald nach dem Todestage Kaiser Wilhelm'« I. folgt da« Datum sein S Geburtstage», am 22. März. Papst Leo tritt am 2. März in fein achtzigstes Lebensjrhr. Am 10. März ist der Geburtstag der Königin Luise, her Mutter Wil­helm'« I., (geb. 1776.) Am 13. März 1881

*) Nachdruck nicht gestattet.

in geheimer Aufregung. Baptist stand da, zitternd wie Espenlaub. Das Klirren der Löffel erschien ihm wie da« Todtengeläuts seiner Hoffnungen.

Er öffnete mehrmals dir Lippen, ohne einen Laut hervorzubringen. Da trat Johanne« an feine Seite, legte die Hand auf feine Schulter und rief: „Wie kann ein Sohn und Jünger der heiligen Musika fich feige feiner Muse schämen? Heran« mit der Sprache! Die heilige Cäcilia hat e« Dir angethan! Musiker willst Du werden, nein, Du bist e« schon mit Leib und Seele. Muth, den Kopf oben! Tante wird ihn Dir nicht abreißen."

Ein Blick in Nören'« erdfahle Züge ließ ihn verstummen. Wie ein Steinbild lehnte sie da. Nur die Augen lebten in dem kalkweißen Gesichte und schossen flammende Blitze auf den kühnen Sprecher, glitten mit unsäglicher Verachtung von Johanne« zu Baptist hinüber, der wie vernichtet erschien.

Die dumpfe, schwüle Pause de« Schweigen« dehnte sich zur Ewigkeit au». Immer noch maßen sich Nöre und Johanne« mit den Augen. Johan­nes Blick war ein vernichtender beredter Vorwurf für sie: „Ich versichere Sir," blickte er, „Du wirst allein stehen in diesem Kampfe für Deine veralteten Anschauungen und Vorurtheile."

(Fortsetzung folgt.)