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Die für Deutschland bestimmten Geschenke liegen zur Absendung bereit und werden von Rom direkt nach München verschickt werden, sobald die Ge­nehmigung des Antrages auf Zollfretheit einge­troffen fein wird. Von München wird dann die Versendung an die einzelnen Bischöfe besorgt.

Die hervorragendsten Kunstwerk« der Ausstellung sollen zu einem eigenen Museum vereinigt werden; doch liegt dieser Gedanke nur erst im Allgemeinen vor, ohne daß nähere und bestimmte Beschlüffe darüber gefaßt wären. Kommt der Plan zur Ausführung, so wird Deutschland in diesem Museum besonder» durch seine Stickereien und seine Arbeiten in edlem Metall glänzen.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Februar.

♦ Gestern fand beim Fürsten Bismarck das schon angekündigte parlamentarisch e Diner statt. An demselben nahmen außer dem Fürsten uud seiner Gemahlin, die von ihrem längeren Leiden wieder ganz hergestellt schien, die beiden Söhne des Reichskanzler», sowie seine Schwieger- tochter, die Gemahlin des Grafen Wllhelm, Theil. Der Prästdent bet Abgeordnetenhauses, v. Köller, führte die Fürstin zu Tffch, diese nahm zwischen Herrn v. Köller und Freiherrn von Heeremann Platz. Der Fürst setzte fich zwischen Freiherrn v. Heeremann und v. Benda. An dem Diner nahmen von den Mitgliedern de» Abgeordneten­hauses Theil: Der Prästdent o. Köller, die beiden Vizepräsidenten Freiherr von Heeremann und von Benda, sowie von der k o n s e r v a t i v e« Fraktion die Abgeordneten v. Liebermann, v. Rrhdiger, Bohtz, v. Wedell-Malchow, Sack, v. Rauchhaupt, v. Holtz, Simon v. Zastrow, Korsch, Graf Lim- burg'Sttrum, v. Oertzen, Freiherr v. Erffa-Wem- burg; von der Centrumsfraktton die Abgg. Sperlich, Dr. Reichensperger, Borowski, Frhr. v. Schorlemer-Alst, v. Schalfcha, Frhr. v. Huene, Prinz v. Arenberg; von der n atronal- liberalen Fraktton die Abgg. Dr. Mithoff, Francke, Dr. v. Gneist, Dr. Oetker, Dr. Ham- macher, Sepffardt, v. Eynern, Dr. Enneccrru«, Dr. Sattler ; von der f r e i k o n f e r v a t i v e n Fraktion die Abgg. Bopeliu», Barth, Christophersen, Stengel, v. Dziembowski, v. Tiedemann, Graf Douglas, Dr. Gerlich, Frhr. v. Zedlitz-Reukirch und von der deutsch-freisinnigen Fraktion der Abg. Czwalina. — Außerdem wohnten dem Diner bei der StaatSminister Graf Herbert Bis­marck, Graf und Gräfin Wilhelm Bismarck, sowie der Geh. Ober-Regierungsrath Dr. v. Rottenburg uud der Legationsrath v. Schwartzkoppen. An die Famllis des Gastgebers, welche die Mitte der Tafel besetzte, reihten fich die Abgeordneten, welchen streng nach ihrem Alter der Platz angewiesen war. Der Reichskanzler war sehr gut aufgelegt. In der Unterhaltung, so berichtet die ,Germ.', wurden

muß man hallen — aber leicht wurde es mir nicht, da« Gelübde auszuführen, nachdem wir Beide ja in 15 langen Jahren kein „Grüß Gott" mehr gewechselt haben. — Run dachte ich an unsere alte Liebe", führt er bei NSren's beharr­lichem Schweigen stotternd fort, „und so frage ich Dich, willst Du —"

Plötzlich stockt er und wisA sich den Schweiß von der Stirne. Röre machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand. — „R^mmermebr!" stöhnt sie dumpf, ihre Gestalt zittert. Eme Pause folgt. Der starke, einfache Mann steht da wie ein Kind, das seine Lektion verkehrt aufgesazt hat. Rören's Abwehr beschämt ihn nicht nur, sie weckt auch seinen Mannesstolz und verletzt da» Ehrgefühl einer edlen Natur. War es nicht eine rechtschaffene Heldenthat, wenn er trotz Allem und Allem der geächteten, vergrämten und verbitterten Nöce auf's Neue feine Hand und fein Herz antrug?!

Wer hatte ihm wohl mehr Herzweh zugefügt al« sie? Warm chm nicht durch ihren unbegrün­deten Wankelmutb die Jugendjahre vergällt wor­den — ? Vergess n und verzrehen war Alle« — und was war nun fein Lohn?! Groll und Bitter­keit bemächtigten sich seiner Seele; doch ein Blick in Nören's leidvolle Züge genügt, ihn wieder mit Theilnahme gegen sie zu erfüllen; denn er ahnt er, NSre kämpft mit fich selber. Hätte er nur einen Blick auf den Grund ihrer Seele werfen könnm. (Forts, folgt.)

aktuelle Fragen, wie die Lage der Landwirthschaft, die Wasserschäden und die Abhilfe gegen dieselben gestreift. Der Kanzler beklagte fich über die Bc- schwerden, welche ihm die neuen Kolonien bereiteten, schien einen Theil der Schuld an denselben dem Auftreten der Kolonialbeamten beimessen zu wollen, weil fie nicht mit völliger Kenntniß der Verhält- nisse aufträten und die (Eingeborenen nicht zu behandeln wüßten. Deutschland dürfe sich trotz­dem nicht in kleinlichen Reibereien gefallen und müsse die Trübung des Verhältnisses zu auswärtigen Staaten vermeiden. Die geringste Trübung würde den handelspolitischen Beziehungen schaden. Der Reichskanzler kam später auf die Friedensverhandlungen mit Frankreich zu sprechen und theilte Charakterzüge au» dem Leben Kaiser- Wilhelm I. mit. Besonders lange unterhielt sich der Reichskanzler mit dem Abgeordneten Peter Reichen-perger. Um 9 Uhr trenr ten fich die Ge­ladenen in gehobener Stimmung.

• Die marokkanische Gesandtschaft hat, be­gleitet vom Major Grafen Lüttichau und Geheimen Hofrath Kanzki am 19. dr. Mir. Essen wieder verlassen und ihre Rückreise nach Tanger über Köln, Luzern und Genua fortgesetzt.

• Mit der Vermehrung der Artillerie wird unverzüglich vorgegangen, nachdem die Zustimmung de» Reichstag« dazu erfolgt sein wird. Die er­forderlichen Vorbereitungen sind bereit» getroffen.

• Da» Abgeordnetenhaus berieth heute den Etat der Bauvcrwaltung. Seitens der rheini­schen Abgeordneten wurden hierbei mannigfache Wünsche in Bezug auf die Verbindung de« Dort- mund-Em»kanal» mit dem Rhein, eine Verbesserung de» Rheinfahrwass-l», Kanalifirung der Mosel u. s. w. geltend gemacht, wobei der bekannte Gegensatz zwischen dem Saar- und dem Ruhr­gebiet wiederholt zu Tage trat. Minister v. May­bach wie» auf die für Kanalbauten und Fluß- regulirungen bereit» bewilligten großen Summen hin und hob die Nothwendigkeit hervor, mit dem Bau künstlicher Wasserstraßen langsam und vor- stchtig umzugehen, um fich nicht in bedenkliche Ausgaben hineinzuverirren. Auch könnten nicht ein­zelne Landestheile besonder» bevorzugt werden. Weiterberathung: Dienstag.

* Das preußische Kriegsministerium hat auf Veranlassung des Reichskommissars Witz- mann mit Allerhöchster Genehmigung fämmtliche Fuß-Artillerie-Regimenter der preußischen Armee aufgefordert, ältere Unteroffiziere, welche Hand­werker gewesen und gewillt find, vorläufig auf ein Jahr nach Ostafrika zu gehen und der dor­tigen Kolonial-Truppe beizutreten, in Vorschlag zu bringen. Von den von sämmtlichen Regimentern in Vorschlag gebrachten Unteroffizieren werden elf ausgewählt und diesen ein Oberfeuerwerker bezw. Feuerwerker beigegeben, welche alsdann nach Ost­afrika gesandt werden. Nach Ablauf eines Jahre« steht es denselben frei, zu ihren alten Truppen- theilen, wo ihnen ihre Stellen bis dahin offen bleiben, wieder zurückzukehren.

• Die Wiener ,N. Fr. Pr.' veröffentlicht folgen­des Telegramm au» Genua: Da» deutsche Schulgeschwader, bestehend au« Kreuzer­fregatten, erhielt gestern Nachmittag unerwartet den Befehl sofort nach Samoa abzugehen.

* Der Abenteurer Klein, der auf Samoa Feuer gegen die Deutschen kommandirte, ist, wie offiziös gemeldet wird, kein Deutscher, sondern ein geborener Engländer, der noch sehr jung nach Amerika kam, wo er seit 1882 naturalistrt ist. Nach Samoa ist er al» Berichterstatter de» .Daily Examiner' in San Franzisko gegangen. Kleins Vater soll ein Däne gewesen fein. Jedenfalls ist der aus Lahr (Baden) flammende Klein mit dem „Helden von Samoa" nicht identisch.

* Bochum, 23 gebt. Morgen findet hier die zweite Plenarsitzung sämmtlicker ComitL'« zur dies­jährigen Katholckenversammlung statt. Der ver­dienstvolle ständige Kommissar der Katholikenver- sammlungen, Fürst Carl zu Löwenstein, ist leider verhindert zu erscheinen, jedoch wird in seinem Auftrag Herr Prälat Dr. Hülskamp an der Sitz­ung theilnehmen und ihm Bericht erstatten.

Ausland.

• In Ungarn erwartet man eine allgemeine Amnestie.

• Nachdem schon mehr als ein halbes Dutzend französischer Politiker da« Portefeuille de« Aus­

wärtigen dankend abgelehnt Haden, hat fich chließlich Herr Spuller, der einstige Intimus Gambetta'«, bereit finden lassen, als Minister der auswärtigen Angelegenheiten in da» neue Kabinet Tirar d einzutreten.

• Die Zersetzung der französischer Armee macht unverkennbare Fortschritte und gibt den ernsteren Geistern daselbst zu denken. Da» angesehenste fran­zösische Militärblatt, .L'Aoenir militaire', sagt darüber anfang« diese« Monat«: Seit bald 29 Jahren untergräbt man mit Gewalt die Grund­lagen jeder Autorität, alle Achtung vor der gesellschaftlichen Gliederung. Der Rückschlag vom bürgerlichen auf da« militärische Verhältniß muß sich geltend machen. Der junge Mann, welcher in allen Tonarten hat wiederholen hören, daß Alle gleiche Rechte besitzen und daß e» weder Unter­gebene noch Vorgesetzte geben soll, wird, wenn er beim Regiment anlangt, sich von diesen gefähr­lichen Vorstellungen nicht freimachen können; für ihn ist der Vorgesetzte ein Feind, die Maune«zucht eine Tyrannei. Die Liebe zum Wehrdienst kann im Herzen dr» Soldaten nicht Platz greifen, so wenig wie sich in feinem Gernüthe die Achtung vor der Manne«zucht ent­wickelt. Im Dienste sieht er nur da» Abstoßende, in bet Manne«zucht nur bie Strenge. Seine Ge­danken richten sich lediglich auf den Zielpunkt, wo ihm seine Entlassung wird. Widerwille gegen sein Loo», Sehnsucht nach bet Heimath, später bie Auflehnung entwickeln sich stufenweise bei dem Au»gehobenen. Der Furchtsame greift zur Fahnenflucht ober zur Seldstentleibung, ber Ver­wegene sucht sich an seinen Vorgesetzten schadlo« zu halten, und e« bedarf nur eine» Anstifter» oder irgend eine« besonderen Anlasse» und bie Meu­terei ist fertig, wie in St. Mihiel und Longwy. Wenn schon in Friedenszeiten bei niederem Stande bei Truppentheile bie Vorgesetzten außer Stande find, Gehorsam und Manneszucht zu erhalten, was soll erst werden an dem Tage, wo der Strom der Beurlaubten bie Truppentheile Überfluthet. Der ,L'Aoenir militair' sucht den Hauptgrund der mißlichen inneren Verhältnisse des französischen Heere« in der abgekürzten Dienstzeit. Da» mag Mitwirken, da» Wichtigste ist aber die innere Politik Frankreich«, welche seit Mac Mahon» Rücktritt immer weiter in den wilden Radikalismus hinein- gerieth. Die Untergrabung jeder Autorität in Ge­sellschaft und Staat durch den „Kulturkampf", die Uebertreibung aller Lehren von Freiheit und Volkrwille, dazu ber Mangel eines p e r f ö nlich e n Krieg«herrn, die.Parteizerklüftung de« Landes, das muß mit der Zeit Ordnung, Manneszucht, Gehorsam, Pflichtgefühl und Vaterlandsliebe, über­haupt alle militärischen Tugenden in jeder Armee zerstören.

Aus Stadt, Vroviuz und Nachbargebiet

Fulda, 25. Februar.

* Durch die Schneefälle der letzten Tage sind in Norddeutschland wieder mannigfache Ver­kehrsstörungen eingetreten, namentlich in Ost- und Westpreußen und in Schlesien.

• Bereit» vor einigen Wochen übersandte uns ein Leser unsere» Blatte» die Mittheilung, daß dte Staare wieder bei uns eingekehrt seien. Wir machten von dieser irrthümlichen Mittheilung da­mals keinen Gebrauch, nehmen jedoch, nachdem ein hiesige» Blatt unter'« 22. d. Mts. das Ein­treffen der Staars zu melden wußte, nachträglich Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß eine größere Anzahl dieser „Frühlingsboten" uns wäh­rend des diesjährigen W-.nter» überhaupt nicht ver­lassen hat. Diese Thatsache wurde nicht allein hier und in der Umgebung unserer Stadt wahr­genommen, sondern ist auch wiederhott von ande­ren Orten gemeldet worden.

* Wie verlautet, wird demnächst eine kaiserliche Verordnung erfolgen, wonach der 9. März d. I., al« der erste GedLchtuißtag an da» Ableben Kai­ser« Wilhelm I., al« nationaler Buß- und Bettag gefeiert werden soll. Alle öffentlichen Vergnügungen, Mufik rc. hätten an jenem Tage zu unterbleiben und kirchliche Gedächtnißseiern, sowie in den Schulen entsprechende Akte stattzu- finden.

• In Betreff der „Vereinigten Schuhstoff- Fabriken Fulda" ließt man im Handelstheil