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Mikl W Äitiim.

JWJ46 Montag, den 25. Februar. 1889

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Die Bertheilrrng der Jubiläums- Gaben.

Von den Geschenken, die dem heil. Vater Leo XIII. zu seinem Priester - Jubiläum dargebracht worden find, hatte weitaus der größere Theil die ausschließliche und einzige Bestimmung, die Ver­ehrung der Geschenkgeber gegen den Jubilar zum Ausdruck zu bringen. Das gilt von den Geschenken der Fürsten, von den Gaben, d«e au» den Mis- fionr ländern g> kommen sind, von ältern und neue­ren Kunstwerk» aller Art, wie Statuen, Gemälden berühmter Meister, kostbaren Stickereien, Meister­werken in Silber und Gold, antiken Holzschnitze­reien rc., bei denen nicht selten der ausdrückliche Wunsch hinzugesügt worden war, daß sie im Va­tikan verbleiben möchten. Andere Geschenke waren mit der Absicht dargebracht worden, daß der hl. Vater sie armen Kirchen zuweise, besonder» in den M i ss i o n slä ttb e r tf, Ve" die Hunderte von Reisekoffern für die Missionare und die Tausende von Kelchen, Crborien und andern heiligen Gc- räthen, wie Meßgewändern, Alben, Altartüchern u. dgl. V elcs endlich, allerding« von kostbarer und werthvoller Arbeit, war dem Papste zu seiner freien Verfügung und Verwendung dargebracht worden, und nicht» lag näher, al» solche Gegen­stände an Metropolitankirchen, berühmte Wall- fahrtsorte oder auch an hochverdiente Personen al» Andenken an das Jubiläum zu verschenken. Über die letztere Klaffe hat, wie der,Köln. VikSztg.' geschrieben wird, der Po pst die Entscheidung und Bestimmung sich selbst vorbehalten; für die Ver- theilung der Gaben an arme Kirchen hatte er einen eigenen Ausschuß au» Prälaten de« Hofe» unter dem Voisitz te» Ober - Ceremonieumetster» Msgr. della Volpe ernannt. Dieser Ausschuß,

link Hört.

Novelle von I. v. Dirking.

(6. Fortsetzung.)

„Jan hat, seitdem er au» der Stadt zurück ist, keine fünf Worte mit mir gesprochen," sagt Nöre kühl, die starkgewölbten Augen beharrlich auf da» Krux fix an der Wand richtend, wo am zinnernen Weihwasser-Ke sselchen der geweihte Palmbüschel prangt. „Jan hat eine geschwollene Backe und nicht« al« bloß: „Danke auch" zu mir gesagt, al« ich ihm da« warme Kamillenkiffen um’« @.« sicht gebunden habe. Ich dachte, e» könnte die Kopfrose geben und er ist am Müllerwagen schlecht zu entbehren. — Darum bin ich selber zu ihm aus die Bühne gestiegen," stammelte Nöre, ihre Gutthat entschuldigend.

„Hm," fällt der Förster mit umwölkter Stirne ein. „Verlangt e« Dich nicht, zu w flen, Nöre, wer von den Meinen da« Zeitliche gesegnet hat?"

Mre stutzt. „Deine Mutter," ment sie, „ist ja gewiß an die 80 Jahre; alte Leute müssen sterben — aber", fügt sie seufzend hinzu, „manche« junge Menschenkind wäre auch lieber für immer bei den stillen Leuten auf dem Todtcnhof, al» noch länger auf dieser sür digen, elenden Welt.

welcher feit August in Thätigkeit war (täglich von 8—2 Uhr), hat am vorletzten Samstag seine Arbett beendigt, und so wird in den nächsten Tagen mit dem Abbruch auch de« letzten Thelle» de» Ausstellungsgebäude» begonnen werden. In Be­treff der Geschenke für arme Kirchen traf der hl. Vater die Anordnung, daß unter thunlichster Be­rücksichtigung der eingelaufenen Bittgesuche für jede Diözese, au» welcher Gesuche eingereicht wor­den waren, eine Anzahl von Kirchensachen den bc- treffenden Bischöfen übersandt würden, die dann ihrerseit« nach dem größern oder minder großen Bedürfniß der einzelnen Bittsteller die Vertheilung vornehmen. Bei der großen Anzahl der Bischöfe auf der ganzen Welt mußte davon Abstand ge­nommen werden, einem jeden derselben für seine Kathedrale ein Andenken zu schenken; nur für Italien, Deutschland und Irland ist davon eine Ausnahme gemacht worden. Im Uebrigrn haben nur die Metropolitankirchen Andenken erhalten. Die Versendung der sämmtlichrn für ein Land be­stimmten Geschenke wurde den Rektoren der na­tionalen Anstalten in Rom überwiesen, für Deutsch­land dem Rektor an Campo Santo, sür Oester­reich dem Rektor der Anima.

Er braucht nicht au«drücklich gesagt zu «erden, daß nicht alle Bittgesuche berücksichtigt werden konnten and noch viel weniger alle Bitten, die in denselben ausgesprochen worden waren. Die Bittsteller selber habe» da» wohl nicht erwartet, wie z. B. ein Pfarrer au» einer mUtelrheinischen Diözese der um zwei Altäre, einen Beichtstuhl, eine Kanzel, ein Taufbecken, eine Orgel, einen Kelch, Monstranz, C'borium und so und so viele Meß­gewänder, Alben, Altartücher u. s. w. bat. Er ist dem heil. Vater unermeßlich viel gegeben worden; allein au» der ganzen katholischen Welt waren auch Bittgesuche eingelaufen, und an erster Stelle waren doch diejenigen Länder und Diözesen zu berücksichtigen, wo weder die Gläubigen au» ihren persönlichen Mitteln, noch die verschiedenen frommen Vereine dem Mangel abzuhelfen im Stande sind. Zudem ließen sich Gegenstände von großem Um­fange oder Gewichte nicht wohl in sehr weit ent­legene Gegenden verschicken, da ja die Tran»port- kosten leicht den Werth de» Geschenke« überstiegen hätten. Da» dürste selbst schon bei einzelnen für Deutschland bestimmten Gaben sich Herausstellen.

Wie die Regierungen von Frankreich, Spanien,

Ein bittere« Lächeln umzuckt die Lippen de» Mannes. „O, o — ich verstehe, so haben die Leute doch Recht," erwidert er bekümmert, „Tante Röre ist nicht mehr da» alte, muntere, tapfere Nörken von ehemals. Eine wahre Trauerweide — aber wie ist’» nur möglich, daß ein Menschenherz sich so wandeln kann?" Und al« Nöre schweigt, fährt er gereizten Tone» fort, sich offenherzig weiter aurzulaffen, wie Jemand, der eine geheime Last, die er schon zu lange getragen von sich abzu­wälzen strebt.

„Al« vor 15 Jahren unser Verlöbniß zurück­ging, hatte ich keinen Theil an dieser Veränderung und dachte, e» wäre nur so ein bitterer Einfall von Dir und Du würdest Dich mst der Zeit ander« besinnen. Da» zu erfahren, ließ ich mir manche» gute Stück Laken und Bvxkin von Eurem Schneider verpsuschen, denn er versteht sich nur mangelhaft auf den ordentlichen Schnitt, aber desto besser auf die Musterung in den Häusern, wo er mit seiner Rtesenscheere da» Kommando führt. Ja, ich konnte in all' den langen Jahren nicht» ander« denken al» Dich, Nöre, und weß- halb Du mir wohl de» Laufpaß gegeben hättest. Im Tage vorher warst Du noch guten Muthe­bei nn« auf einer Koffeevifite gewesen. Wohl

Oesterreich u. a. Zollfreihett für die dorthin be­stimmten päpstlichen Geschenke bewilligt haben, so ist auch um da« Gleiche in Berlin nachgesucht worden, und die Bewilligung steht um so eher zu erwarten, da die nach Deutschland bestimmten Gegenstände meisten» auch au» Deutschland gekom­men find. Da jede» Volk seinen eigenen Stil und Geschmack und seine eigene Kunst-Entwickelung hat so ist überhaupt bei der Vertheilung nach dem Grundsätze verfahren worden, die Gaben an die betreffenden Länder zurückkehren zu lassen, woher fie stammten.*)

E» lag in der Natur der Sache, daß für Deutschland zumal die vielen armen Missionen im Norden besonder» berücksichtigt worden sind. Von dort waren auch die meisten Bittgesuche eingelaufen, so au» der Kölner Erzdiözese 150, au« Pader­born 70, au» Trier 60, au» Osnabrück haupt­sächlich für da« Vckartat der nordischen Missionen 50, au« Breslau und Münster nahezu ebenso viele. Au» mehrern Diözesen waren gar keine Bittgesuche eingereicht worden, wie au« Bamberg, Regensburg, Passau u. a., doch wurde auch dorthin, neben den Geschenken für die Kathedralen, Einiges den Bischöf.n für befände» bedürftige Kirchen geschickt. Dee mit Geschenken bedachten Wallfahrtsorte in Deutschland sind Aachen, Altötting, Annaberg, Fulda, wohin der hl. Vater an da« Grab de» hl. Bonifaziu« eine genaue Nachbildung der be­kannten Petru»statue in Erz au« der Pctersk.rche bestimmte, Hriligenlinde in Ostpreußen, Kevelaer und Verne. Obschon die Vertheilung der Ge­schenke grundsätzlich den Bischöfen zugetheilt wurde, wie denn auch speziell au« den Missions-Gebieten die Bittgesuche durch die betreffenden Oberhirten empfohlen worden waren, so hat man doch für den Bonifaziur-Veretn eine Ausnahme gemacht und auch ihm noch eine Kiste voll Paramente zur Vertheilung überwiesen.

Auf ausdrücklichen Befehl de« hl. Vater» erhielt k. Amrhein für feine ostafrikanische Mission heilige Gefäße, Meßgewänder und Kirchenwäsche.

*) Für die sämmtlühen Mission Ständer sind die Geschenke der Propaganda übergeben worden, und zwar in solcher Fülle, daß der Transport auf schwer beladenen Wagen mehrere Tage in Anspruch nahm. Zudem erhielt jeder Ord en für die von ihm versehenen Missionsstationen eine entsprechende Anzahl von heiligen Gefäßen und Ge­wändern; nachträglich wurde auch noch eine große Zahl von Apostolischen Präfekturen besonders bedacht.

hunderttausend Mal hat Mutter mir erzählt, daß die alte Plaudertasche au« der Stadt, welche zu­fällig zu uns gekommen war, Dir durch ihre spitze Zunge da« Wasser in die Augen getrieben habe. Zu der Zeit war nämlich Dein Bruder Franz in \ sein Unglück gerathen." —

„Oho", fällt Nöre, da« Haupt erhebend, mit grollender Stimme ein. „Al» ob man mir durch Seiten hiebe den Kopf verdrehen könnte I Nein, dazu bin ich nicht zahm genug. Leute von Charakter und Welterfahrung führen keine Sp'tzreden, auch nicht mal in Beispielen. Da» Kapitel vom ver- orenen Sohn aber ist uralt, e« sieht sogar im Evangelium. Und e» kann mich nicht herabdrücken, wenn'» auch der Pastor von der Kanzel verliest."

„Ja, ich meine nur", forscht der Förster er- röthend, meine Schwester Fine • führte mein Un­glück immer auf die damalige Kaffeefitzung mit der redelustigen Lehrer-frau zurück. Nun ist sie auch tobt", lenkt er ab, „und Mutter starb vor 6 Wochen und ich bin nun ganz mutterseelen­allein. Fine aber ließ mich noch eine Stunde vor hrem Tode an'« Bett kommen; fie röchelte schon, >a nahm fie mir da« Versprechen ab, daß ich zu Dir gehen und Dich um Aufklärung über Deine Sinnesänderung bitten wollte. Was man gelobt,