* Bei einer am vergangenen Donnerstag statl- gefundenen Revision auf der Bahnstrecke Fulda- Gerrfeld fand der betnffenbe Kontroleur auf Station Hettenhausen ein Defizit in der Station»- kaffe, welche« der betreffende B.amte dadurch zu verdecken gesucht hatte, daß er noch nicht entrichtete Nachnahmesendungen in dem Buche quittirte. Wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung wird fich nun der betreffende kommissarische Stationsvorsteher zu verantworten haben. Der ganze fehlende Betrag beträgt kaum etwas über 60 Mk., und um diese Bagatelle machte der bitc. Beamte U., welcher, wie man der ,C. A. Z.' von hier mittheilt, sofort seines Dienstes enthoben wurde, fich und seine Familie unglücklich.
• Eine einheitliche R gelung de« T a r i f w e s e n s auf den deutschen Bahnen ist im Zuge. Auf Ber- anlaffung des Bundesraths werden von den deut- fchen Staalseifenbahn-Verwaltungen Erhebungen veranstaltet, welche jene R 'gelung bezwecken.
• Der in Berlin erscheinende .Fuhrhalter' schreibt in Nr. 7 vom 14. Februar au» Dresden: Viel besprochen wird hier ein Urthetl des Ober- landesgerichts Dresden, wonach da« eigen- mächtige Oeffnen eine« plombirten Eisenbahnwagens nach $ 136 des Reichs- strafgefitzbuches bestraft wird. Em Kaufmann hatte einen für ihn eingegangenen, mit Plombe ge- fchloffenen gedeckten Güterwagen vor Einlösung de« Frachtbriefe« durch Zerfchneiden der Plombenschnur geöffnet. Da« Oberlandesgericht in Dresden erblickte hierin, in Uebereinstimmung mit den beiden Vorinstanzen da» unbefugte Aufheben eines amtlichen Stegelverfchluffes und lestätigte das auf 5 Tage Gefängniß lautende landgerichtliche Urthetl.
4- Soden, 18. Febr. Daß die tägliche Bitte: »Zukomme un« Dein Reich" auch in nuferer jungen Pfarrei kein blofes Lippengebet ist, sondern vielmehr thatsächlichen Nachdruck erfahren sollte, hat fich glänzend erwiesen. Am 10. Februar forderte Herr Pfarrer Schulz seine Gemeinde auf, durch Gründung dc» Afrika-Vereins und des Vereins der hl. Kindheit mitzuwirken, daß das Reich Gottes auf dem schwarzen Ecdtheile aurge- breitet und durch Ankauf von armen Heidenkindern, die sonst leiblich und geistig verkommen, neue Bürger für den Himmel gewonnen werden. Hatte sich schon sofort am ersten Tage eine stattliche Anzahl in den Afrika-Verein und eine große Anzahl Kinder in den Kindheit Jesu - Verein eintragen laffen, so steigerte sich nach Verscheuchung von verschiedenen Vorurtheilen, die sich erfahrungsgemäß so leicht bei Einführung von Neuerungen bllden, die Zahl der Mitglieder des Aftikaveretns bi« heute auf 120 Mitglieder, die in Summa 128 Mark 80 Pf. zahlten, während da« Vsr- zeichniß der Kinder, die in den Kindheit-Jesuverein eintraten und die ebenfalls alsbald ihre Monatsbeiträge entrichteten, auf 125 Mitglieder angewachsen ist. Da zu erwarten ist, daß weitere Mitglieder noch beitreten werden, wird die Ab- sendung der Beträge an die betreffende Adreffe noch um einige Tage verzögert werden. — In Marborn, woselbst Pfarrer Schulz an Sonn- und Feiertagen den Gottesdienst abhält und überhaupt dortfelbst die Seelsorge übt, wiewohl Marborn nicht zur Pfarrei Soden gehört, wird an einem der nächsten Sonntage ein kleiner Feldzug für Aftika unternommen werden. Hoffentlich wird man dortfelbst auch zur Zufriedenheit zeigen, daß man da» richtige Verständniß der oben angeführten Bitte hat.
»Marburg, 15. Febr. Der vor Kurzem aus dem Militärgefängniffs ausgebrochene Gefreite Schwörer vom hiesigen Jägerbataillon ist dieser Tage wieder aufgegriffen und heute nach hier ein- geliefert worden. — Ueber die in Düren erfolgte Festnahme de» Deserteurs wird nach der ,O. Z.' weiter bekannt, daß Schwörer die Strecke von Marburg über Köln nach Düren in siebentägigem Marsche zu Fuß zurücklegte. Hier angekommen, wollte er die belgische Grenze mit einem nach Lüttich abgelaffenen Bahnzuge überschreiten und schwang sich zu diesem Zwecke auf den bereit» im Fahren begriffenen Zug, jedenfalls in der Annahme, man werde ihn für einen Bahnbediensteten halten und ruhig mitfahren laffen, da er mit einer Bahnwärtermütze bedeckt war und außerdem eine gestrickte Jagdweste nebst Mllttärhose tmg. Man bemerkte den Flüchtling jedoch rechtzeitig, riß ihn zurück und führte ihn zur Feststellung feiner Personalien nach
dem Stationsgebäude, worauf bann seine Auslieferung an das Vezirkskommando Jülich erfolgte.
• Gießen, 17. Febr. In der vergangenen Nacht entsprangen aus dem hiesigen GefSngniffs 3 Verbrecher. Dieselben sollten am Donnerstag bereit« nach Wehlheiden und Ziegenhain abgeführt werden, mußten jedoch infolge der durch den Schnee verursachten Verkehrsstörungen noch einige Tage zurückbehalten werden und diesem Umstande verdanken die Ausreißer ihre wiedererlangte Freiheit. Die Namen derselben find Georg Gerhardt aus Sprendlingen, Friedrich Dietrich aus Kleinkarben und Adam Nauheim au» Wiesbaden. — Nach neuesten Meldurgen der ,Oberh. Ztg/ find die drei Entflohenen gestern von der Schutzmannschast in der Nähe von Friedberg wieder ergriffen und nach Gießen zurückgebracht worden, von wo sie bereit» heute Mittag die Reise nach ihrem zukünftigen Bestimmungsort Ziegenhain bezw. Wehlheiden angetreten haben.
* Vom Lande schreibt man dem .Naffauer Boten': Es wird in der ganzen Welt über das viele Schnapstrinken geklagt. Die halbwllden Afrikaner verwildern durch den Schnaps immer mehr und man verlangt mit Recht, daß dem Schnaps- handel, wie man ihn dort betreibt, der Garaus gemacht wird. E» könnte aber auch nichts schaden, wenn überall in Stadt und Land Maßregeln ergriffen würden, um dem Leib und Seele ruiniren- den Schnapstrinken nach Möglichkeit ein Ende zu machen. In so manchen Schulen fiibet man stumpfsinnige Kinder, forscht man nach, so entdeckt man, der Vater ist ein Schnaptlump oder auch, aber selten, die Mutter säuft Schnaps wie Waffer. Ja, in wie vielen Familien hat der Schnaps den häuslichen Frieden vernichtet, wie viele Kinder find verlumpt, weil die Eltern dem Fusel zuge- than waren, und so von Kindererziehung gar keine Rede sein konnte. Mancher Mann hat seine Familie an den Bettelstab gebracht, weil da» Wirthshan» sein Liebstes auf Erden war. So viel Elend und Roth hat der Fusel in» Land gebracht, daß dicke Bücher über den Unfug mit der Schnaprflasche geschrieben werden könnten. Wer zählt die Bankerotte, welche auf Rechnung de» Fusel» kommen. Wer die Schlägereien und Tödtungen, welche der Schnap» verursacht hat? Wer mag den Haß und die Feindschaften ermeffen, welche die Flasche zu Wege gebracht hat? Darum Krieg bi» aufs Meff-r dem Fusel. In anderen Gegenden, so ist in den Zeitungen öfter» zu lesen, sind Tafeln mit den Namen der Säufer aufgehängt, denen kein Wirth etwa» verabreichen darf. Un» sind viele Orte bekannt, welche viele und starke Schnapi- trinker beherbergen; diese liegen den gangen Tag in den Kneipen — und die Wirthe nehmen ge- müthlich da» Geld ein, welche» die hungernden Familien sehr gut brauchen könnten. Warum werden nicht hier zu Lande in allen Orten solche Tafeln aufgehängt? Den Wirthen, welche solchen Trunkenbolden da» Geld au» der Tasche holen, müßte unnachsichtlich die Konzession entzogen werden. Sieht man die Verwüstungen, welche der Schnap» anrichtet, dann muß man Alban Stolz Recht geben, welcher den Nagel auf den Kopf traf, al« er bemerkte, der Schnap» ist Teufelsmilch. Wer Stadt und Land von der Pest und Cholera de» vielen unmäßigen Schnapstrinkens säuberte, der hätte ein sehr große» Stück der sozialen Frage gelöst.______________________________________________________
Vermischtes.
* Der Photograph und Maler Sprengel in Kosel hat für die Kaiserin Friedrich au» dem Kern einer in England gewachsenen Kirsche ein Körbchen geschnitzt, da» in der künstlerischen Ausführung feines Gleichen sucht. Die Schwierig- leit der Arbeit begreift man erst, wenn man dir Sprödigkeit des Materials in Betracht zieht. Dabei ist die Arbeit rntttels eines einfachen Tafchen- rneffer» ausgeführt. Der Henkel, der obere und untere Rand de» Körbchens ist perlartig aurgc- arbeitet, der Boden trägt eine Rosette au« acht Blättern, die Setten find filigranartig durchbrochen. Da« Körbchen wird von einer aus weißer Steinnuß geschnitzten, mit Schuppenarmband und Ring gezierten Hand gehalten. Dieselbe ist auf einem theil« au« Ebenholz, thell» au« Elfenbein geschnitzten säulenartigen Postament befestigt. Da« Ganze steht unter einer Glasglocke. Der Verfertiger de« kleinen Kunstwerke» ist 74 Jahre alt.
[©er Ruhestörers Während einer langweiligen Vorstillung ist im Prrk-tt ein Herr eingeschlafen, der fürchterlich schnarcht. Endlich wird er von einem Nachbar aufgerüttelt, der ihm zuruft: „Schnarchen Sie doch nicht so, Sie wecken ja das Publikum auf!"
[Bescheidener Wunsch.) Photograph (zu einer Bäuerin): „Wünschen Sie nun ein Brustbild, ein Kniestück, oder ..." — „Na, et wär mir schon ganz recht, wenn man ooch'n Basken »on's Gesicht sehen könnt'.
Literarisches.
Eine fremde Blume. Novelle von Elise Polka. Gefehlt. Novelle von M. Lenzen di Sebregondi. Auf Ehre. Eine wahre Geschichte von Herrn. Grab ert.
(Bachem'« Novellen-Sammlung II. Reihe. Band 37.
Gebunden Mk. 1.—)
„Eine fremde Blume" — die ein zur Erforschung der südamerikanischen Pflanzenwelt ausgesandter deutscher Gelehrter in der ebenso schönen als verwöhntenTochter eines reichen Pflanzers in Brasilien gefunden, verbindet sich ans ihrem Krankenlager, auf das sie die Kunde von der bevorstehenden Abreise des Geliebten geworfen mit demselben, um seiner Rückkehr gewiß zu sein. In der Heimath angelangt, schwankt des Professors Herz zwischen der seiner Gattin gelobten Pflicht und der erwachenden Liebe zu einer Jugendfreundin. Diese, das von ihm streng gehütete Geheimniß seiner Ehe durch Zufall entdeckend, trennt sich schweren Herzens von ihm, während feine ihn zugleich in Deutschland aufsuchende, inzwischen genesene Gattin den Zweifelnden zu seiner Pflicht zurückruft und mit ihm nach Italien zieht, während seine Jugendgeliebte, das bescheidene deutsche Veilchen, gebrochenen Herzens stirbt. Der den Polko'schen Dichtungen eigene Zauber ist in ganz besonderem Maße über diese Erzählung ausgestreut. — „Gefehlt" ist eine packende Schilderung aus dem Leben eines jungen Ehepaares, der die häusliche Fehde in einem holländischen Bauerndo cfe als belebender Hintergrund dient. — „Auf Ehre" schildert ein Ereigniß auS der Schreckenszeit der großen französischen Revolution und bildet in seiner knappen, lebendigen Darstellung ein gutes Schlußstück des Bandes. dt.
Marktbericht.
* Frankfurt, 13. Febr. Der heutige Viehmarkt war mit 341 Ochsen, 16 Bullen, 572 Kühen, Rindern und Stieren, 363 Kälbern, 108 Hammeln, 262 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen I. Qual. «k. 61-63, II. Qual. Mk. 54—58, Bullen 1. Qual. Mk. 40-42, II. Qual. Mk. 37—39, Kühe, Rinder und Stiere I. Qual. Mk. 50-52, II. SRI. 42—48, Alles per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Kälber I. Qual. 57—60 Pfg., II. Qual. 45-50 Pfg., Hämmel I. Qual. 58—60 Pfg., II. Qual. 50—52 Pfg., inländische Schweine I. Qual. 55-56 Pfg., II. Qual. 53-54. Alles per Pfd. Schlacht- gewicht.
Meteorologische Beobachtungen
der hiesigen Wetterwarte.
11
6» s
Satorn.
Millim.
Lhervi.
C-lstu«.
Temperatur» ertreme.
Mar. I «in.
Windrichtung u. Slicte.
Belta
bedeckt
2,0
5,2
Seit gestern keine wesentliche Veränderung über
751,1
751,0
746,5
S1 SSW1
SW4
5,2
3,0
3,0
18 2
9
19 7
unserem Beodachtungsgebiet.
Während das Minimum, welches gestern vor dem Skagerak lag, sich ausgeglichen hat, ist eine Depression tn der mittleres norwegischen Küste erschienen. Ueber Centraleuropa ist das Wetter ruhig und stark nebelig. Ganz Deutschland, der Nordosten, wo strenge Kälte herrscht, ausgenommen, hat Thauwetter. Haparanda hatte Nordlicht I [Seewarte.j
Letzte Beobachtung lO’/a Uhr Morgen».
Luftdruck — 747,4 nun, — Lufttemperatur
— 3,4o 6 .— Luftfeuchtigkeit — 97»/». — Wolkenzug aus NW. — Windrichtung — SW4. — Himmelsanficht bedeckt.
Cheviot-Boxkin füt «ederzieher und ganze «lei- düng (ba< Neueste und Preiswürdtgste der Saison) garantirt reine Wolle, nadelferiig, ca. 140 cm breit 4 2.95 per Meter, versenden direkt an Private in einzelnen Metern, sowie ganzen Stücken portofrei in's Haus BuSkin-FvbrikoDepot Oettinger & Co., Frankfurt a. M. Muster unserer reichhaltigen Kollektionen bereüwilligst franko. [236
Um der katarrhalischen Affektiv« vor» Kehlkopf und Lunge vorzubeugen, genügt bei der Bewegung tn kalter Luft, der Gebrauch von Sodensrühmlichstbekannte» Mineral- Pastille«; tritt der Krtarrh doch em, so Hilst erhö-ter Gebrauch ihn beseitigen. Statt jeder wetteren Anpreisung laffen wir die Wahrnehmung be« Herrn SanilättSrath» 2)r; Köhler in Bad Soden folgen. Derselbe sagt, daß sich die Sodener Quellen vorzüglich eignen, den chronischen Kehl- topf, und Bronchiolkatarrh und den Reizungen, welche durch voiaurgegangene ober noch best-henb« Lungen- und Rippenfellentzündungen, Diphthertti», Keuchhusten und Grippe verursacht werden, entgegen- zuarbetten. Zur B qremlichk.it der Erkrankten find jetzt die Pastillen in allen Apotheken, Droquerien und Mtner.-Wofferhandl. die Schachtel ä 85 Pfg. zu haben. (Beim Einkäufe d. Hange man nachdrücklichst Aechte Sodener Minerafpastillen und achte, ob deren Schachteln mit ovaler blauer Schlußmarke mit dem Facstmlle PH. Herrn. Fay versehen find.) [16