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41 Dienstag, den 19. Februar.

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1889

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Februar.

♦ Das Weißbuch über Samoa, welches gestern dem Reichstag zugegangen ist, enthält 44 Aktenstücke vom 8. Dezember 1886 bis zum 24. Februar 1888 und vom 9. September gleichen Jahres bi» zum 5. Februar 1889. Großenthetl» beziehen sich die Aktenstücke auf bekannte Vorgänge. Scharf wird in den deutschen Konsularberichten die Unterstützung betont, welche die Aufständischen unter Mataafa von amerikanischer Seite erhalten hätten. In dem Ktzten Aktenstücke, einem Schrei­ben des Reichskanzlers an den der Admira­lität vom 5. Februar heißt e« : „Die in Samoa befindliche Streitmacht des Deutschen Reicher ist hauptsächlich in den Kriegszustand versetzt, weil sie durch den Angriff der Mataafa'schen Partei, welche nicht bett Charakter einer kriegführenden Macht hat, zur Abwehr und zur Bestrafung der Angreifer gezwungen wurde. Unsere Streitkräfte find danach berechtigt, diese Abwehr und Strafe, welche zu leisten die einheimische Regierung stch nicht stark genug erweist, selbst durchzuführen. Damit tritt das Reich aber nicht in einen völker­rechtlichen Krieg gegen den Staat Samoa und dessen von uns anerkannten Herrscher. Eine Ana­logie bieten die Verhältnisse, wie fie vor einigen Jahren an der spanischen Küste lagen, als dort von karlistischer Seite der deutsche Offizier Schmidt erschossen wurde. Wir werden j tzt in Samoa die gleiche Linie einzuhalten, d. h. gegen die Anhänger Mataafa's Abwehr und Vergeltung zu üben haben, Im Uebrigcn wird an der rechtlichen Lage der fremden Staatsangehörigkeit in Samoa nicht» ge­ändert; insbesondere verbleiben dieselben unter ihrer bisherigen Gerichtsbarkeit. Auch Amerika gegenüber find wir in Samoa, wenn nicht ver­tragsmäßig gebunden, doch in amtlicher, durch internationale Verhandlungen anerkannter Kennt- Niß der Vertragsrechte, welche Amerika Samoa gegenüber befitzt, und haben bisher keinen Anlaß, in diese amerikanisch-samoanischen Verträge einzu­greifen. Wenn vom deutschen Konsulat da» Ver­langen nach Uebertragung der Verwaltung in der That ausgesprochen sein sollte, so würde ich da« bedauern, weil es mit unfern Abmachungen und Zuficherungen England und Amerika gegenüber im Widerspruch stehen würde und daher nicht auf-

tote litt.

Novelle von I. v. Dirking.

(1. Fortsetzung.)

Allein Röre kümmert da» nicht; denn fie ist in einer seltsamen Gemüthsverfaffung. Heute hat fie »ach langer Zeit ihren Alltagsschlendrian durch­brochen; siesühlt ein unabweirliche» Bangen, einen Druck um's Herz herum, al« ob etwa« Schlimme« über ihr in der Luft braue. Eine Ahnung durch- zittert fie, daß dieser ihr Ausgang ein neues Glied zu der Kette wichtiger Ereignisse bilden kann, die sie in den Bannkreis tiefen Seelenleiden» ziehen werden.

Und während fie mit stieren Blicken und steif­gehaltenem Nacken, im gleichmäßigen Trabe eine» Karrengaul» zumarfchirt, fitzt in dem Wirthshau« „Zu den drei Raben" ein Leiermann hinter feinem dampfenden Grog und reibt mit dem Aermel sei­ner verschossenen Jacke ein Guckloch an der stark- beschlagenen Scheioe de» unverhangenen Fenster», darnach der Straße hinaurgeht. Unweit von ihm, im Ofenwinkel, dreht die greise Mithin ihr schnar­rendes Spinnrad, ab und zu au» den trüben Augen nach dem Gaste schielend, dessen kurz an­gebundene» Wesen eher auf einen Großbauern,

recht erhalten werden könnte. Je schwieriger in Samoa die in Betracht kommenden völkerrechtlichen Fragen liegen, um so mehr ist für unser Ver­halten befreundeten Mächten gegenüber die genaue Innehaltung der Grenzlinien unserer Rechte ge­boten. Zweifellos berechtigt ist da» Verlangen de» Konsulats nach Auslieferung der Schuldigen oder da« Aufsuchen und Bestrafen derselben durch unsere von ihnen angegriffene bewaffnete Macht."

* Da« ,Berl. Tagebl.' nimmt voa einem Ge­rücht Notiz, wonach Hofprediger Stöcker „in nicht mehr langer Zeit" seines Amte« als Hof­prediger werde enthoben werden. Da« genannte Blatt erklärt dieses Gerücht für glaubwürdig.

• Hinsichtlich der von dem Aerzte-Vereinrbund begehrten vollständigen Unterdrückung des Ge­heimmittelwesens hat der Regierungs- Kommissar in der Kommission de« Reichstage« er­klärt, daß die zuständigen Organe der Reichs-Ver­waltung über die Regelung dieser Angelegenheit verhandelten, daß aber ein Ergebniß noch nicht erzielt worden sei. Die ,Nordd. Allg. Zeitung' folgert daraus, daß jedenfalls demnächst Schritte zur einheitlichen Gestaltung des Recht« geschehen werden, und daß damit, da in Deutschland Reichs­recht vor Landrecht gehe, auch die Befug­nisse der einzelnen Polizei-Behörden, selbstständig einzugreifen, zu Gunsten der Reichs-Einheit wegfal- len werden. Das Blatt wünscht und hofft, auch heute noch, daß sein früherer Vorschlag Beachtung finden werde, die Geheimmittel durch Angabe ihrer Zusammensetzung ihres eigenthümlichen Charakters zu entkleiden und nur schädliche Stoffe durch strenge Verbote vom Publikum fern zu halten. Weiter zu gehen, erscheine keineswegs angezeigt, besonders nachdem die Aerzte durch die Kranken- kaflen-Gesetzgebung einen starken Einfluß auch auf die Arbeiterkreise gewonnen hätte. Dränge man den Verkauf fertig gestellter Heilmittel durch grund­sätzliche« Verbot vollkommen zurück, so entziehe fich derselbe der öffentlichen Aussicht und wirke im Ge­heimen noch viel schädlicher, weil dann die Ge- Heimmittel - Fabrikanten wieder zur Kurpfuscherei greifen dürsten.

• Die.Times' meldet au» Zanzibar, daß die von tun Arabern gefangenen Missionare noch nicht befreit [flnb. Die Araber verlangen, daß sämmtliche von den Deutschen aufgebrachten Sklavenfchiffe freigegeben werden. Nach einem

al» auf einen armen Schlucker, wie er doch offen­bar ist, schließen läßt. Auf dem glühend rothen, eisernen Kochofen brodelt da» Mittagreflen und mischt seine würzigen Dämpfe in die Schwaden de» singenden Theekessel», die schwüle, feuchte Luft der niederen Gaststube in eine Rebel-Atmosphäre verwandelnd.

Wie in Wolken gehüllt, erscheinen die natur­farbenen Binsenstühle und die grellbunten Heiligen» bilder an der tiefblau getünchten Wand und der breitspurige birkene Tisch mit den gedrechselten Füßen, an dem der Fremde fich hüstelnd und spuckend niedergelassen hat. Er ist eine trübselige Figur: dis hagere, gekrümmte Gestalt von einem grauen Eommeranzug umschlottert; das Geficht verzogen, mit allen Spuren eine« wüsten Leben«. Selbst der graue Kater ist au» seiner Nähe hin­weggeschlichen.

Während der Fremde am Fenster spähend be­ständig die Gaffe hütet, denkt die Wirthin an den alten schnauzbärtigen Polizeidiener Schmidt, der, alltäglich hier seinen Morgenkümmel verzehrend, mit seiner qualmenden Thonpfeife die Lust zu durchräuchern pflegt, ob der nicht sein besondere» Augenmerk auf diesen Gast richten würde? —

„Ah, schau mal Einer an," unterbricht die

Telegramm de» „Reuterschen Bure au" find Lunte nant Wolff und andere Begleiter der E xpe d ition de» Hauptmann Wißmann in Zanzibar ein» getroffen.

• Der Kaiser und die Kaiserin beglückwünschten heute persönlich den Erbprinzen und die Ecbprin- zeffin von Sachsen-Meiningen zur Wieder­kehr deren Bermählung»tag«».

* Köln, 18. Febr. Gestern Morgen ist Herr Justiz-Rath Kornelius Balduin Trim vorn, Mitglied der Centrums-Fraktion de« Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses, im Alter von 65 Jahren in seiner Vaterstadt Köln gestorben. Geboren war er am 8. Januar 1824, seit 1851 Advokat bzw. Rechtsanwalt in Köln. Sein Name ist eng mit einer Reihe der hartnäckigsten Wahl­kämpfe verknüpft, die zwischen dem Centrum und der national-liberalen Partei um den Besttz des Crefelder Mandates gesührt wurden. 1879 war dort noch ein Mal Hr. Seyffardt, ein rücksichts­loser Vertreter des kirchenfeindlichen Liberalismus, gewählt worden. Aber die Wahl wurde für ungültig erklärt,-und in der Nachwahl siegte Herr Trimborn, um 1882 zu unterliegen. Während der folgenden Legislaturperiode hat er nur kurze Zeit, al« Vertreter der Stadt Köln an Stelle de« verstorbenen Hrn. v. Kesseler, dem Haufe angehört. 1885 siegte er wieder in Crefeld und behauptete das Mandat drei Jahre später mit wachsender Mehrheit. Noch vor wenigen Tagen ist der Ein­spruch gegen seine Wahl, welcher fich auf den be­kannten Erlaß de» Herrn Erzbischof« von Köln gründete, in der Wahlprüsuuzr-Kommiffion mit allen gegen eine Stimme abgewiesen worden. Auch im Reichstage vertrat er Crefeld seit 1884, al» Nachfolger August Reichensperger'». Oft hat er es ausgesprochen, daß dieses Muster eines pflichttreuen Volksvertreters fein Vorbild fein solle, und rasch ist e» ihm gelungen, durch gewissen­hafte Ausübung seines Mandats, fleißige Betheilig, ung an dm Kommissions-Arbeiten, wiederholtes Auftreten im Plenum, wo er namentlich die materiellen Interessen feines Wahlkreises geschickt und sachkundig vertrat, die feste Anhänglichkeit seiner Wähler und die Anerkennung politischer Gegner sich zu erwerben. Auch eine schwere Krankheit vor einigen Jrhrm vermochte ihn nur vorübergehend dem parlamentarischen Leben zu entfremden. Ein neuer Anfall derselben hatte bis näselnde Stimme des Fremdm ihre erbaulichen Gedanken, „dort geht ein junges Frauenzimmer mit einem alten Kopf, wer da» wohl fein mag?" „Nun, wer wird'» fein," knurrt die Wirthin, sich erhebend. „Wahrhaftig", stutzt sie, über die Schulter des Mannes hinauslugend, „das ist Jungfer Nöre aus der Waldmühle, aber betagt ist die, nicht mehr so ganz jung. Was das wohl zu bedeuten hat," murmelt sie, fich kopffchüttelnd hinter ihr Spinnrad zurückziehend.

„Hm!" grunzt der Fremde, „was ist'« mit der —? Etwa nicht richtig bei ihr im Oberstübchen?" wirst er, mit dem Finger an die Stirn tippend, hin.

„Halb und halb habt Ihr'» getroffen", nickt die Wirthin, heftig an ihrer mit einem bunten Wachstuchbord umgürteten Flachshaube zupfend. „Einige sagen: fie ist nicht bei Trost, Juffer Störe, — ba» ist nämlich ihr Spottname von ihrem störrischen Sinn — aber Anbere geben ihre Keckheit für pure Dickfelligkeit aus, von wegen ihrem Dünkel, mit bem fie auf alles Volk herab­sieht, just so wie ihr Steinkoloß auf bem Ktrch- hof, den fie ihre Familiengruft benamset, als wären die Abkömmlinge eines Müllerknechte» ge­borene Grafenleute. Aber man kann Geschichten von ihnen erzählen, Geschichten, sage ich Euch