40 Montag, den 18. Februar.
filhtr W Leitung
1889
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2Z Zur Antisklaverei-Bewegung.
ii.
Das von uns besprochene in der Paulinus- Druckerei zu Trier erschienene Schriftchen behandelt in seinem vierten und letzten Abschnitte die „Bekämpfung der Sklaverei". Der Kampf gegen die Sklaverei, sagt der Verfasser, wird ein schwerer, langer und kostspieliger sein. Gegen die Sklaven kaufenden und haltenden Staaten, wie Marokko, Ab«flynien, ebenso gegen die Staaten, welche im Verdachte versteckter Sklaverei ständen, wie Portugal, werde man nur durch internationale Abmachungen eoentl. Presfion vorgehen können; in den europäisch-afnkanischen Kolonialländern dagegen handle e» fich umUnterdrückung derS k l a v e n- Ausfuhr, des Sklavenhandels und der Sklavenjagden. Als erste« Mittel hingegen bezeichnet der Verfasier die Blokade. Dieser Weg sei bereits eingeschlagen, Deutschland, England und Portugal hätten die Blokade bereit» in Angriff genommen; doch gesteht der Verfaff-r selber zu, daß man sich von ihr weder Alles, noch überhaupt viel besprechen dürfe. Die schärfste Blokade erreiche ihren Zweck nicht, selbst in ganz bekannten Gewäffern und vor tiefen Gewässern, während die afrikanischen Meeresverhältniffe überall» schwierige seien. Weder gebe es viel tiefe Höhen, noch sei es für die arabischen Sklavenschiffe nöthig, gerade diese zum Auslaufen zu benützen. Die kleineren Häfen, Buchten und Flußmündungen, welche einer arabischen Dhau noch völlig genügen, ihre schwarze Fracht einzunehmen, seien vielfach ganz unbekannt, meist gänzlich ununtersuchte, ebenso ihre Tiefen- verhältniffe. Die Zahl der Blokadeschiffe sei bereit» eine große; aber e» kämen immer noch 500 km abzufahrende, bezw. zu überwachende Strecken auf jeden Dampfer. Wollte man auch die kreuzenden Schiffe um das Fünffache vermehren, so kämen auf jeden Dampfer noch 100 km; erreicht wäre aber doch nichts. Auf 100 km könnten sehr wohl 5 anscheinend ganz unschuldige Schiffe ihrer lebendigen Fracht warten; habe sich der Dampfer nach rechts gewendet, so verlade man auf dem linken Flügel in einer Nacht die Neger, und ehe die Sonne aufgehe, sei das Sklavenschiff auf hoher Sec. Dazu bedenke man auch die enormen Kosten; mindestens 5—6 riesige Kohlendepots müffen ein
gerichtet werden, wann nicht gar eine provisorische Werft für Reperaturen. Endlich könnte man doch auch die Blokade nicht in Permanenz erklären. Die internationale Blokade sei nöthig, um der europäischen Ehre willen, aber sie werde gegen die Sklaven-Aurfuhr wenig nützen; sie sei ein Mittel, den Sklaven« xport einzudämmen, sie werde ihn aber nicht hindern. Sicherlich werde die Blokade dem innerafrikanischen Sklavenhandel und der Sklavenjagd kein Ende bereiten. — Wenn sich Einsender dieses recht erinnert, so hat die ,Fuld. Zlg? selbst berichtet, daß die obenbc- zeichneten 3 Mächte die Blokade bereits wieder aufgegeben haben. (Die Blokade soll, wie in Nr. 34 d». Bl. mitgetheilt wurde, von Seiten Deutschlands und Englands gleichzeitig aufgehoben werden, sobald Hauptmann Wißmann's Expedition abge- gang n sein wirb. D. R.)
Will man dem Sklavenexport definttiv ein Ende machen, fährt der Verfafler fort, so muß man die Küsten kräftig besetzen. Dieser Plan habe aber seine Schwierigkeit, da Deutschland 1886 dem Londoner Abkommen beigetreten sei, und somit dem Sultan seine Unabhängigkeit garanttrt habe. Dem Sultan aufzutragen, energisch die Küste zu besetzen, um die Sklaverei zu sperren, wäre mehr als Komödie; weder habe dieser Mann die Macht dazu, noch würde ein Sklaven« xporteur daran denken, des Sultans Befehle zu beachten, noch auch würde der Sultan die ganze Angelegenheit ehrlich und ernst auffaffen. Ebenso würden des Sultans Beamte wie Soldaten durchaus abgeneigt sein, das au» den Händen der Sklavenhändler reichlich fließende Trinkgeld auszugeben; dem Grundsätze nämlich, daß eine Hand die andere wäscht, werde nirgend» so schamlo» und eifrig gehuldigt, als im Orient. Dennoch müfle die Küste kräftig besetzt werden, um dem Sklaven- export alle Thücen zu schließen, den Staatsregierungen müfle es einstweilen überlassen werden, es zu erschweren, daß durch Au»fuhr aus der afrikanischen Sklaverei Gewinn erzielt werde.
Doch der ernste Freund der Antifklaverei, heißt es auf Seite 24 des Schriftchen», wird de» Gtftbaums Stamm und Wurzel, den Sklavenhandel und die Sklavenjagd zu vernichten suchen. Um den innerafrikanischen Sklavenhandel zu unterdrücken, müfle man ihn aufsuchen auf seinen Straßen. Vier
I große Straßen durchzögen die deutschen Gebiete, vom Nyafla, Tanganyika und Ukerewa her. Diese Straßen seien zu sperren durch klein« Fort« mit ausreichender Besatzung (etwa 100 Mann.) Die Straßen seien^etwa 1400—1900 Km. lang; daher seien 4 bis 5 Fort« an jeder Straße nöthig. Wie aber schon bemerkt, seien die Sklavenhändler nicht unbedingt an die hergebrachten Routen gebunden ; die Wege, welche fi? der Bequemlichkeit und Gewohnheit willen in günstigen Zeiten einschlügen, würden sie verlaflen, wenn auch nicht ohne vorherigen Kampf." Bei schwierigen Zeiten komme e» ihnen noch viel weniger auf die Schonung des Menschenmaterials an, da, je gehinderter der Tran«port sei, um so seltener und theuerer die Waare werde; also könne man auch gefährlichere Wege einschlagen. Die Beweglichkeit der Sklavenkarawanen gebe den Wink, die befestigten Sperren einestheils an schwer zu umgehenden Orten, an Fluß- und Gebirgsübergängen aufzustellen, anderntheil» die Besatzungen sehr beweglich zu Seitenunternehmungen zu machen oder gar fliegende Trupp'« zu organifiren. Diese letzteren mußten unbedingt geschaffen werden in der Seen-Gegend — eine Linie von einem Punkte des Nyafla, nach dem Tanganyika, an diesem entlang zum Ukerewa; dabei müßten bewaffnete Schiffe auf de» drei Seen den Ueber- gang der Sklavenkarawanen erschweren können. Der ernste Freund der Antisklaverei habe sich also mit einem vollen, großen, ungeheuer, kostspieligen Plan vertraut zu machen; in Betracht seien auch zu ziehen die Hindernisse, welche Afrika an sich schon dem Plane der Bekämpfung der Sklaverei entgegenstelle, nämlich die riesigen Entfernungen Mißtrauen der Eingeborenen und rücksichtslose Feindschaft de« an der Sklaverei Jntereflirten, Fieber, Dyflenterie, tropische Hitze, ungewohnte Nahrungsmittel, Mangel an europäische Bequemlichkeiten, Mosquito», Ameisen u. s. w. Die Schwierigkeiten schienen sogar unüberwindlich zu fein, wenn man die Fragen erwäge: Wer die Besatzung vornehmen solle und mit welchen Truppen? An deutsche Truppen sei gar nicht zu denken; e« sei auf europäische Truppen überhaupt, besonder« aus Rücksichten auf das Klima, nicht sehr viel Hoffnung zu setze«, wenn schon die Führer Europäer sein mußten. Die Truppen müßten aus Nichteuropäern genommen werden; das Richtigste
taute litt*)
Novelle von I. v. Dirking.
(Nachdruck verboten.)
Das schmale, lebhafte Gewässer, welche» sich mitten durch das Dorf wie ein Silberfaden durch ein unscheinbares Gewebe zieht, heißt der Mühlenbach und treibt in geringer Entfernung vom Orte ein stattliche» Mahlwerk, die Waldmühle gnannt.
Das einstöckige, langgestreckte Wohnhaus, da», schiefergedeckt, auch seine Wände in einen Schuppenpanzer Schiefer gesteckt hat, liegt malerisch im waldumrauschten Thale und bildet einen seltsamen Gegensatz zu den baufälligen, strohgedeckten Dorfhütten, die fich um ein armselige» Kirchlein schaaren. Bis zum Kirchhof hinauf, der noch al« Gottesacker dient, dringt da« Rauschen der Mühlräder und das Zischen und Gurgeln des zur Arbett gezwungenen Wassers, in da« fich der Gesang einer Reihe Schulkinder mischt, die paarweise nach dem Friedhöfe ziehen, denn heute ist Mer» seelentag.
Sin Schleier von Reifkrystallen bedeckt die Erde; gerippenhaft umstarren die entlaubten Bäume den Kirchhof; der Wind streicht eifig von Norden her,
*) Nöre ist eine Ableitung een Leonore.
thürmt die welken Blätter auf der silberweißen Rasenfläche zu Hügeln auf, während unter Führung des Seelsorger» die Prozesfion in den Kirchhof einzieht.
Klein und Groß drängt zur Ruhestätte feiner Lieben und wo fich über einem eingesunkenen Grabe ein verwittertes ober frischer Holzkreuz erhebt, winkt ein grüner mit Strohblumen besternter Laubkranz herüber, dessen Papieischleife lustig im Winde flattert.
Sträuße und Guirlanden von Epheu bedecken die frischen und die schon belasten Hügel; alle werden jedoch von einem mächtigen Steindenkmal überragt mit vergoldeter Inschrift und einem betenden Engel zu Häupten, und an diesem Grabe kniet ein Weib.
Die Blicke von Jung und Alt dringen au« der betenden Schaar auf sie ein. Sie fühlt c« nicht. Al» jedoch die scharf in» Ohr stechenden Töne de» Dies irae ertönen, bedeckt fich ihr bleiche», scharf- geschnittene» Anttitz mit einem dunklen Roth. Niemand gewahrt e« indeß, wie fie erschauert und die schmalen Lippen preßt, als mühe fie fich, hervor quellende Thränen hinabzuwürgen.
Jetzt verlieren fich die markerschütternden Töne; fie schallen nur noch verschleiert und wie au» einer
Brandung hervor, denn der Menschenstrom wälzt fich die steinernen Stufen zur Schwelle des Gotteshauses hinan.
Und die Frau erhebt fich. Seufzend schaut fie umher; Gottlob fie ist allein, mutterseelenallein hier. Sekundenlang haftet ihr Auge an der eisen- beschlagenen Kirchthüre, die sich vor ihr geschlossen hat. Soll auch sie hineingehen? „Nein, nein! ich kann - ich will nicht," grollt fie mit zuckenden Brauen, während ein Gemisch von Zorn, Haß und Verachtung in ihrem Auge empo«.flammt. Aber ach, eine heiße Sehnsucht mit Wehmuth gepaart, beschleicht ihre Seele; ein Heer von Erinnerungen strömt auf sie ein. Allein sie will fich nicht über» wäligen lassen und strebt nun mit großen, weit ausholenden Schritten dem Ausgange des Friedhofes zu.
Es ist eine mittelgroße, kräftig gebaute Frauengestalt, die in halb bäuerischer Tracht einsam über die holperige Dorfgafle dahinwandelt. Immer an dem weißschäumenden, plätschernden Wasser entlang, da«, je näher der Mühle, um so wilder und zoniger emporbraust.
„Dort geht Jungfer Nöre aus der Waldmühle," sagen die hinter den Fenstern auf die Gasse spähenden Leute und zucken die Achseln. Oder der Eine