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1889

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Zweites Blatt.

F. K.

Wir sind geborgen!"

Das Schlimmste bei der ganzen Sache aber ist, daß während dieser Marter gewöhnlich Knaben oder Mädchen das Thier an den Hinterbeinen festhalten, es mit den Knien Niederdrücken, zerren, schlagen rc. Ein anderes Kind holt gewöhnlich die Blutpfanne, ein drittes Kind rührt das Blut und die übrige Dorfjugend steht um jene hemm und steht dem widerlichen Schauspiele begierig zu.

Welchen Einfluß dieses Unwesen auf die Volk«- fitten hat, wenn die Kinder vor oder während bee schulpflichtigen Alters, an solche Anblicke gewöhnt werden, wenn ste selbst Handreichungen bei diesen gräßlichen Schlächtereien leisten und die rohen Scherze, die meist bei solchen Gelegenheiten gemacht werden, anhören und mit belachen, ist wohl jedem Denkenden klar und bedarf kaum der wetteten Ausführung. Wenn aber in dieser Weise das Gemüthsleben und damit der Boden für alle sitt- lichen Regungen schon im Kinde erstickt und ver­wüstet wird, dann darf man sich allerdings nicht wundern über die vielen Akte von Rohheiten und die immer zahlreicher werdenden Angriffs auf das i Leben von Menschen, die besonder» in manchen ländlichen Gegenden in so erschreckender Zahl be­gangen werden. Es ist bekannt, daß Thier­quälerei immer in ursächlichem Zusam­menhangs mitMordlust undVerbrechen gegen Menschenleben steht. Dringend zu wünschen aber wäre es, wenn au» dm Gericht»- sälen heraus eine in dieser Richtung Mateistal ergebende Statistik aufgemacht würde. Ste dürste mit surchtdaren Zahlen beweisen, wa» noch zur Zeit mehr geschloffen al« gerechnet wird.

Wie aber läßt sich gegen diese Mißzustände sichere Abhilfe schaffen?

Wohl steht im deutschen Reichsstrafgesetzbuche unter den Uebertretungen gegen die öffentliche Ordnung: „Wer öffentlich oder in Aergerniß er­regender Weise boshaft Thiere quält oder roh mißhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mk.

So Bequem der Weg bis nach Freilassing unter not« malen Verhältnissen in H/e Stunden (16 Kilometer) ju« rückzulegen ist, waren wir jetzt schon über 1'/, Stunden unterwegs und hatten kaum die Hälfte! — Eingestiegen, ging es nun mit frischem Muthe wieder vorwärts.

Zurufe von Seiten des Kutschers „haltens enk links" und gleich darauf „haltens enk rechts» - je nachdem der Schlitten auf diese oder jene Seite umzukippen Mene machte — nahmen wir schließlich mit Humor auf.

Nachdem wir aber zur Abwechslung trotz der Aver- tirungs-Zurufe Einer über den Andern aus dem Schlit­ten herausflogen gelegentlich des Einbiegens in einen Hohl« weg, gingen wir ernstlich zu Rathe, ob wir nicht lieber auf dem nächsten besten Bauernhöfe einstellen sollten!

Die Aussichtslosigkeit auf ein Weiterkommen, vielleicht auf 1—2 Tage hin, ließ uns nochmal« gute Miene zum bösen Spiele machen und so kamen wir wirklich bis vor Freilassing. Angebracht war hier daS Citat unseres Münchener Kollegen aus der Biblischen Geschichte: .......Sehen sollt ihr das gelobte Land, aber herem- kommen sollt ihr nicht." Fast unglaublich, aber buchstäb­lich wahr: Der Weg, der unmittelbar vor Freilassing rechts von einer Art Weidengebüsch und links von einer hohen Hecke eingefaßt ist, war so hoch als die Hecke selbst von Schnee verweht! —

In Erwägung, daß die dampfenden Pferde nicht lange stehen durften und wir weder links noch rechts vorbei konnten, blieb nichts Anderes übrig, Gepäck herunterzu« nehmen und über die Schneewehe wegzuklettern. So gute Dienste den Herren Kollegen b-i Beginn der Fahrt ihre Gehpelze leisteten, so boten dieselben jetzt meiner Wenig­keit Stoff trotz der kritischen Situation zu Heiterkeit.

Mit jedem Tritt sanken wir nämlich bis an die Knie e ein, und da nun der Wind sein Scherflein noch beitrug,

Eine Schlittentour

von Reichenhall nach Freilassing im Februar 1889.

Es ist Sonntag. Seit Freitag Mittag schneit es un­unterbrochen. Samstag Morgen erstes Anzeichen von „Föhn", — Abends bereits dessen ganze Wucht!

Sonntag Früh säst feierliche Ruhe! Am bedeckten Himmel jagen zwar immer noch die dunkelgrauen Schnee« wölken und die Sonne kommt trotz aller Versuche nicht zum Durchbruch, hingegen war das „Heulen" des Sturmes — in dem Reichenhaller Thalkeffel von besonderer Wirk ung — verstummt. Man war fast geneigt, diese Wetter- Pause dem „Sonntags - Kirchgang" zuzuschreiben! In Wirklichkeit schien auch das schöne Geläut der erst vor Kurzem fertiggestellten neuen kath. Kirche, seinen eindrin­genden Mahnruf: „Kommt All', kommt All'"/ nicht oer- gebens von sich gegeben zu haben, — denn die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. (Eingeschaltet sei hier, daß Schreiber dieses noch nirgends ein so bis m das Kleinste naturgetreues „Krippchen" gesehen hat wie hier. Die Reichenhaller und mehr noch die B-rcht-.sgadener Holzschnitzer, welche in dem Herstellen der betreffenden Figuren eine Ehrensache sehen — find allerdings weithin bekannt.) —

Die Mittagsstunde ist inzwischen herangekommm. Auf­getauchte Gerüchte, der „Zug sei ausgeblieben" fanden bald ihre offizielle Bestätigung. —

Was thun? So verlockend die Umgegend von Reichen­hall im Sommer ist, so wenig ist es solche im Winter und dazu bei dem inzwischen wieder lustig erneuerten Schneefall l"

Während des vegetarischen Mittagsessens, („Salzburger Nockerl" und Reisauflauf mit Hagebuttensauce, — beides vorzüglich) wurde beschloffen, die Tour nach Freilassing per Schlitten zn machen. — Freilassing nächste Station der Linie Salzburg-München.

Kur, nach i/8l Uhr waren wir bereits mobil. Musterkoffer und Reisegepäck wohl verschnürt und untergebracht — ging es in scharfem Trabe durch die im Winter wie aus- gestorbenen Straßen und Promenaden von Reichenhall.

Ein älterer Herr au« München und ein „angehender"

konnten die armen Wanderer kaum von der Stelle.

Daß wir dem lieben Gott dankten, endlich gegen 5 Uhr an unserem Ziele zu sein, bedarf eigentlich keiner Erwähnung. Den zurückgebliebenen KcKegen, denen an- derenTages wohl eine ähnliche Tour theils nach Berchtes­gaden, theils nach Salzburg bevorstand, schickten wir nach« stehende Depesche:

„Biel Glück für morgen.

lichen Knochenhaut die entsetzlichsten Schmerzen I verursachen muß. Durch die auf Augenschein be­ruhenden Darlegungen bei den Thterschutzkongreffen wurden nachgewiesen, daß in kleineren Schläch­tereien die Kälber nicht selten an den durchschnit­tenen Sehnen der Hinterbeine aufgehängt werden, wa» die Fleischer „Auflechsen" nennen. Da nun bei dieser Schlachtwetse der Kopf de» Thiere» ab­wärts hängt und also da« Blut nicht au« dem Gehirn entleert wird, so hat da« Thier bi« zum letzten Augenblick Bewußtsein und die volle Empfin­dung dieser furchtbare« Marter. Aehnltch wie bei den Kälbern ist e» beim Schlachten der Schweine. Wohl werden diese in großen Städten vor dem Stechen betäubt, weil ihr Geschrei belästigt; in kleineren Orten und auf dem Lande dagegen fällt e» noch keinem Fleischer ein, den Betäudungsakt vor dem Schlachten vorzunehmen. Ja, es find | sogar viele Fleischer der Meinung, daß „das Leben da» Blut aus dem Körper treibt", und daß deß- halb da» Thier so lange als möglich lebend er­halten bleiben müsse, um ein vollständiges Aus­bluten zu erzielen. Zu diesem Zwecke macht der Fleischer oft nur eine kleine Wunde, hält das Messer fest in derselben und schneidet, wenn da» Blut zu fließen aufhört, wieder etwa« weiter. Ganz besonders in den Dörfern herrscht da» Vor- urthetl, daß ein Schwein, welche» beim Schlach­ten nicht recht stark schreie, nicht gesund gewesen sei.

Am meisten aber wird in dieser Beziehung dann gesündigt, wenn der Bauer ^ersparnißhalber" selbst schlachtet. Ohne die Lage der Blutgefäße zu ken­nen, stechen und bohren fie, meist mit stumpfen und schartigen Messern, am Halse de» Thiere» kaum durch die Luftröhre und durch den Schlund. Oft ist der ganze Hal» zerstochen, und immer sind die Hauptadern «och nicht gc öffnet; da» Blut fließt schwach und dar Thier stößt die fürchterlichsten Schmerzensschreie aus, bis es endlich nach viertel- oder halbstündiger Qual verendet ist.

Herr Kollege aus Augsburg, figutirte als Dritter im Bunde. I

Kaum hatten wir die letzten Häuser im Rücken, als auch schon das Schneegestöber uns derart um die Ohren sauste, daß wir kaum 25 Schritt weit sehen konnten. (Für gewisse Herren mit „Cylinder" und ohne Winter- I Überzieher — recht angenehm!)

Doch das war nur der Anfang, es sollte bald noch besser kommen. Die Reisedecke & la Kapuze um den Kopf geschlagen, eng aneinander gedrückt, Boten wir so gut es ging, dem immer mehr stoßweise auftretenden Nordost Trotz. Nun stießen wir auf das erste Hinderniß! Im Be­griff, das vor uns liegende Dorf Pinding zu passiren, stehen wir vor einer 5 Bis 6 Fuß hohen Schneewehe! Der nächste Nachbar ruft uns zu: „Do kannst n?t durch, do gibt's en Malheur!" —

Um nun diesem Malheur auszuweichen, bogen wir rechts ab und nahmen den Weg querfeldein. Hierbei blieb das angenehme Gefühl vorherrschend, keine Ahnung zu haben, ob wir einen ober den anderen Graben passiren müssen, was für die Pferde unter allen Umständen hätte gefährlich sein müssen. Nach einem gewaltigen Bogen suchten wir nun wieder die Straße zu erreichen.

Doch siehe da, ein halbwegs zuzefcorener Bach zwingt uns, fast wieder bis an ersteren Ausgangspunkt zurück- zufahren!

Wollten wir unsere Tour nach dieser Rundfahrt nicht sofort aufgeben, mußte ein energischer Versuch unternom­men werden, von der Seite aus in das Dorf bezw. auf die Hauptstraße zu gelangen.

Die scheinbar günstigste Passage aussuchend, lenkten wir vorsichtig darauf zu. Schon stieg uns der Math, als er auch in der nächsten Minute auf Gefrierpunkt finken sollte! Kaum ein paar Schritte zugefahren, sanken beide Pferde bis an den Rücken im Schnee! Mit möglichster Behendigkeit h wabspringen und den Sattelgaul am Zügel hochhalten war Eins! Den Zurufen der Bauern folgend, erkannten wir für das Beste — so anstrengend es sich auch erwies — den Pferden nach der Seit- hin Luft zu machen durch Bahnbrechen, wenngleich wir selbst bis an Brusthöhe stellenweise im Schnee zu waten hatten. Dank der Ruhe und Ausdauer der Pferde kamen wir endlich wieder auf festen Boden.

? Thierquälerei beim Schlachten von Kleinvieh.*)

Schon oft ist da» Thema über die unnöthigen Quälereien der Thiere beim Schlachten von den Preß-Organen behandelt worden, und namentlich in den größeren Städten und ganz besonder» in denen, wo c» öffentliche Schlachthäuser gibt, ist eine Besserung dieser Zustände zu verzeichnen ge­wesen. In den kleineren Städten aber und auf dem Lande bestehen noch immer die alten Miß­zustände fort, dorthin hat sich weder Schlachtmaske verstiegen, noch ist man von den alten Gewohn­heiten in Bezug auf die Tödtungsweise de» Schlacht­viehes abgekommen.

Tagtäglich werden noch heute im großen deut­schen Reiche über hunderttausend Thiere, besonders Kalber, Schweine, Schafe rc., ohne vorhergehenden Kopfschlag oder sonstige Betäubung geschlachtet. Die großen Schlachtthtere, welche man nicht so leicht bewältigen kann, werden vor dem Schlach­ten durch einen Schlag auf den Kopf oder mittels Schlachtmaske betäubt und nur die kleineren, deren Gegenwehr der Mensch nicht zu befürchten hat, müssen diese Wohlthat entbehren. Von den bei­nahe 130,000 dieser Thiere, welche täglich im deutschen Reiche geschlachtet werden, betäubt man nach einer, eher zu hoch al» zu niedrig gegriffenen Schätzung nur ungefähr 15000 Stück.

Man sehe nur einmal da» Schlachten de» Klein­viehes in kleinen Städten und auf dem Lande an. Das gewöhnliche Verfahren bei Schlachtung der Kälber ist, daß dieselben an den Hinterfüßen auf­gebäumt werden und frei in der Luft hängen. Run stößt man die großen eisernen Haken zwischen die fest geknebelten Beine, was an der so empfind-

•) Nachdruck nicht gestattet.