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38 Freitag, den 15. Februar.

Fuldaer W Zrilnng

1889

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H Zur Antiftlaverei-Bewegung.

Ja der durch die Ueberschrift bezeichneten, die eivilifirte Welt gegenwärtig einiger Maßen bewegen­den Frage vermag neben der bekannten weit­verbreiteten „ Human»»" Broschüre auch da» un- längst int Verlage der Paulinus-Druckerei zu Trier erschienene Schrtftchen: „Der Feldzug gegen die Sklaverei in Afrika, dessen Nothwendigkeit, Ausführbarkeit und Organisation von G. Rösel" vollgenügend zu orientire«. Genannte» Schrtftchen enthält auf 31 Seiten 4 Abschnitte: I. Ursprung der Sklaverei, DL Christliche Sklaverei, III. Afri­kanische Sklaverei, IV. Bekämpfung der Sklaverei. Indem wir über den I. Abschnitt völlig hinweg­gehen, wollen wir bei dem II. etwa» verweilen.

Die Sklaverei hatte fich auch in den christlichen Ländern eingenistet. Selbst Europa, heißt e» aus Seite 10, lud die Schmach auf fich, auf seinem Gebiete Märkte mit schwarzem Menschenfleische zu etabliren. Der Sklavenmarkt in Liflabon blühte bereits i. I. 1537 derart, daß jährlich 10 bis 12,000 Sklaven von dort nach Amerika ausgeführt wurden. Die Nachfrage nach Negerwaare blieb durchgehends int Steigen, so lange die Negersklave­rei von den christlichen Kulturstaaten als eine rechtliche Institution angesehen wurde. Es ist nicht übertrieben wenn wir Europa eine Blutschuld von 30 bis 40 Millionen getödteter oder in das Sklavenjoch gebeugter Neger anrechnen. Lange hatte es der europäische Glaubenshochmuth und Kulturdünkel vMstandeu, den rohen Eigennutz in seinem nichtswürdigen Treiben zu decken. Die sittliche Reaktion mußte eintreten. Was die Kirche gegen die Sklaverei gesprochen hatte, wäre nicht beachtet worden; das 18 te Jahrhundert wollte aber ein aufgeklärtes und humanes fein; darum mußte man die immer wieder fich erhebenden Proteste wohl beachten. Der Stein kam in's Rollen; im Jahre 1807 nahm das englische Parlament ein Gesetz gegen den Sklavenhandel an; 1815 sprach sich der Wiener Kongreß scharf gegen diesen Handel aus. England schaffte 1839 und Frank- reich 1848 diesen Handel in seinen Kolonien ab. Das Gleiche thaten die spanischen, amerikanischen und noch rückständigen europäischen Länder. Christ­liche Sklavenstaaten blieben nur die Vereinigten

Staaten und Brasilien. Endlich 1864 und int Mai 1888 ist auch in genannten Ländern die Sklaverei definitiv gefallen.

Es ist, so beginnt der III. Abschnitt unseres Schriftchen», noch ein Erdtheil vorhanden, in dem die Sklaverei im wildesten Maße herrscht: Afrika. Die Sklaverei ist in Afrika ein tieffitzendes und weitverbreitetes Nebel. Weder der Europäer, heißt es aber auf Seite 15, noch der heutige mohame- dänische Sklaoenjäger-Händler und -Verkäufer sind die Veranlasser der Sklaverei in Afrika: der Neger selbst trägt die Schuld davon. Das Negerweib ist Arbeilsmaschine für den Mann event die Familie, die Kinder find gänzlich abhängig vom Vater; der Hausherr und Familienvater ist ein unumschränk­ter Tyrann innerhalb seines Kreises, der Häupt­ling bezw. König ist gleich unumschränkter Herr über sämmtliche Unterthanen. Die Behauptung, daß der Neger ein Faullenzer sei, ist richtig; er ist aber auch noch ein grenzenloser Egoist. War nicht sein Weib für ihn erbaut, muß ihm in den Mund wachsen, oder aber er muß fich umsehen — nach Arbeitskraft. Der kriegerische Neger greift zur Waffe und erbeutet fich Sklaven. Wenn früher Europäer kamen, und wenn jetzt mohamedanische Händler kommen mit Waaren, welche die Eitelkeit oder die Habsucht des Neger« locken, so hatte er und hat er fast gar nichts entgegenzugeben al» Elfenbein oder Sklaven. Da« war ein weiterer Grund, sich mehr Sklaven anzuschaffen, welche entweder afrikanische Produkte: Kautschuk, Orseille, Elfenbein beschaffen mußten oder event. selber als Tauschwaaren dienen konnten. Hat­ten die Stammesfehden früher kaum ein Ende ge- habt, so sollten sie jetzt überhaupt kein Ende mchr nehmen. Der fich anhäufende Ueberschuß an Kriegs­gefangenen mußte entweder bei Festen abgeschlach­tet oder verkauft werden. Die Nachfrage nach Sklaven hat int Westen seitens der Europäer auf­gehört, von Seiten der Mohamedaner und etlicher Negerfürsten ist fie noch lebendig. Der Neger wird nicht von der Sklaverei laffen, es sei denn, daß die Europäer ihn zwingen, innerhalb ihrer Machtsphären seine Gelüste aufzugeben. Ganz frei von Sklaverei find nur Egypten, Algier, die englischen Besitzungen am Kap, die Bauernstaaten und alle diejenigen Küstenpunkte oder Striche, die

thatsächlich unter europäischer Herrschaft fich be finden, wenn schon bei letzteren die heimliche Skla- ven-Ausfuhr noch nicht ausgeschloffen ist. Sklaven­halter sind die Staaten Tripoli«, Marokko und Abeffynien. Auch in den portugiesischen Befitzun- gen existirt noch Sklaverei, obgleich nicht unter diesem Namen. Da» ganze übrige Afrika hält, handelt und jagt Sklaven.

E» lassen sich mehrere große Jagd- und Handelsgebiete unterscheiden. Erstlich die Guinea-Länder mit dem großen Sklaven-Export- Markt Timbuktu. Eine zweite Region umfaßt die Staaten um den Thadsee. Hier sind Sklavenjäger die meisten mohamedanische» Fürsten. Hauptmarkt ist Kuka. Die dritte Region um» faßt die Gebiete des oberen Nil und des Gazellenflusses mit dem Stapelplatz Char- tum. Das vierte Gebiet umfaßt die Ostküste bis zu den Seen. Eine fünfte Region mit dem Hauptorte Niangwe möchten wir, sagt dar Schriftchen, denoberenKongo nennen. Diese Gegenden find das neueste, frischeste Jagdgebiet. Hier schaltet und waltet Tippu Tipp und seine Gleichgesinnten. Wie weit nach dem Innern sich das Jagdgebiet dieser Leute ausdehnt, ist nicht festgestellt, ebenso wenig, ob der Export sich allein nach dem Osten richtet. Alle Afrikaforscher, alle Missionäre, welche in das Innere eingedrungen find, haben die graustgen Spuren des Sklaven- Handels überall angetroffen: hier von den Händ­lern allein betrieben, da von ihnen im Bunde mit den Fürsten und Häuptlingen, dort von den Letz­teren allein ausgeführt.

Die Sklavenjagden werden mit der denkbar gräßlichsten Erbarmungslosigkeit ausgeführt. Ein Dorf wird Nachts umzingelt, die Dornhecken und Hütten in Brand gesteckt. Unter die bestürzten Einwohner wird gefeuert, bis die waffenfähigen Männer am Boden liegen oder sich geflüchtet haben. Der Rest, soweit er marschfähig ist, also Knaben, Mädchen und Weiber werden gefesselt fortgefchleppt, in monatelangem Marsch nach dem Markt. Wer stürzt, stürzt. Die Ueberlebenden werden verkauft. Um einen marktfähigen Sklaven zu erhalten, wer­den 5, ja 10 andere gemordet. Nur dieses völlig schonungslose Umspringen mit Menschenleben er- klärt die grenzenlose Verwüstung, welche der Skla-

Herrn Valentin Kreichnder's Krnntflihri.

Von Wilh elm Porte. (Schluß.)

Aber das Mädchen entgegnete; „Wohl hätte ich Talent genug, um mindesten» dasselbe zu leisten, wie Jens; aber meine Devise ist: Alle« oder Nicht«. Erkenne ich dar Höchste als unerreich« bar für meine Kraft, so mache ich mich gar nicht auf den Weg. Zudem, was will die Kunst? was ist ihre Absicht? Man sagt: Verschönerung de« Leben». Kann fie aber von außen herangebracht werden? Nein, fie muß au» der eigenen Brust de» Menschen erblühen. Darum kommt e» nicht aus Verschönerung de» Leben» an, sondern auf Vertiefung desselben. Die Realität zu erfassen; bi» i« die Tiefen de» Unbewußten zu dringen; im tollen Wechsel der Geschichte die Fäden zu er- kennen, durch welche fie dennoch den transscenden- talen Ideen und Gesetzen verknüpft ist; die Welt erschaffen, indem man sie als Postulat der Ver­nunft und al» Produkt der Vorstellung und de» Willens aufzeigt: das scheint mir einzig wahr« Hafter Beruf de« Menschen, will er mehr sein, als, nach dem Ausdruck jene» alten cynischen Denker»: ein gerupfter zweibeiniger Hahn. Diesem Berufe da» Leben zu widmen, ist unsere Pflicht,

und, nachdem ich sie dafür erkannt, mein ernst­licher Wille."

„Wozu Ihnen nur Glück zu wünschen ist, gnädiges Fräulein. Uebrigens, wenn ich mich nicht täusche, ist e» Platon, von welchem jener Aus­spruch stammen soll, und ich halte dasür, daß alle Hähne zweibeinig sind." Sie wollte etwas er- widern; allein er hatte genug und empfahl sich.

Nunmehr aber entsagte er seinen Hoffnungen, seinen Plänen. Er bildete fich ein, das schöne Ge­schlecht gründlich kennen gelernt zu haben: e» konnte ihm nicht bieten, was zu fordern er fich berechtigt glaubte. Inzwischen hatte der Schmerz jeder Äittäuschung der Qualenlast des öden Jung­gesellenleben» ueue Bürden hinzugefügt. Sie war ganz unerträglich geworden. Ihm blieb wahrlich nur das Eme: dem Rrthe der Schwester folgend, fich penfioniren zu lassen und zu ihr zu ziehen. Zwar war er fast noch zu jung, um schon mit Anstand den amtlosen Müßiggänger spielen zu wollen. Verharrter alleinin seiner trostlosen Einsam­keit, so war sein Leben nicht mehr sicher vor ihm selber. Er nahm auf einige Tage Urlaub, um zu Z-phirine zu fahren, mit dieser die Sache zu be­sprechen.

Ec hatte sich im Wartesaal eine echte Jmpor- tirte angesteckt, die er sich nur an Festtagen und bei ganz außerordentlichen Gelegenheiten gönnte.

Die Wichtigkeit dieser Reise rechtfertigte eine so solenne Feier ihres Antritts. Wie er nun an den geöffneten Wagenthüren entlang ging, sah er bei einem zufälligen Seitenblick in'» Ntchttaucher-Coupö dorten eilt junges Mädchen fitzen, das ihm merk­würdig reizend bedünken wollte. Und doch konnte er wegen des Schleiers von dem Grfichte fast nichts erkennen. Er ging weiter, aber schon nach wenigen Schritten zog es ihn seltsam wieder zurück. Doch nein! „Es wäre die reinste Thorhett, einem Nichts, einer leeren Phantasterei dies wunder­bare Kraut zu opfern!" dachte Valentin, und stieg ins Rauchcoups nebenan. Da kam ein junger stutzerhafter Herr daher, warf, nachdem er der Mävchens anfichtig geworden, ohne Besinnen feine Cigarre weg und verschwand in der Thürüffnung. „Sie werden zu einander gehören," dachte Valentin und verspürte etwas wie Aerger. „Einsteigen! höchste Zeit! riefen die Schaffner. — „Und wenn'» hundertmal eine Eselei ist?" fuhr Valentin auf, schleuderte die Havannah von sich, sprang hinaus und war im Nebencoupö.

Sehr von oben herab erwiderte der junge Herr seinen Gruß; ärgerlich, fast feindselig schaute ihn da» Mädchen an. Wahrscheinlich hatte er ein ver- abredetes, ersehntes Allein-Zusammensein gestört. Zu dem unwillkürlich fich regenden Neide gesellte sich Trauer über sein eigene« Geschick. Ach, wenn