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j\l 37 Donnerstag, den 14. Februar^

füliier N Wurz.

1889

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* Die Umbildung des Centrnms zu einer Regierungspartei,

ein alter Plan, der bisher am Widerstande de» katholischen Volke» und seiner Vertrauensmänner gescheit rt ist, scheint neuerdings wieder einmal stark betrieben zu werden. Wie wir bereit« gestern nach der .Köln. Vztg.' mitgetheilt haben, geben sich hochgestellte Kreise den Anschein, zu glauben, eine Umbildung d S Centrum« zu einer gouver- nemcntal - katholischen Partei, einer vierten Art Kartellpartei, werde sich nunmehr bald vollziehen. Der betreffende Artikel de« genannten bedeutendsten westdeutschen Centrumsblattes, den wir de» Zu­sammenhanges und auch seine» sonstigen Jntereffe» wegen vollständig hier folgen laffen, lautet wörtlich:

„Die immer vorhanden gewesenen Bestre­bungen: das Centrum zu einer gouvernemen- tal - katholischen Partei, zu einer Art vierter Kartellpartei umzugestalten, scheinen neuer- ding» eifeiger betrieben zu werden. In hochge­stellten Kreisen gibt man stch den Anschein, zu glauben, daß diese Umbildung nunmehr in Bälde stch vollziehen, daß wenigstens ein namhafter Theil der so unbequemen Fraktion nach Recht« ab- schwenken werde. Man führt den Ausspruch eine« freikonservativen schlesischen Magnaten an, noch in dieser S-ssion werde eine Katastrophe innerhalb des Centrums eintret'n. Welche thatsächltche Unter­lage diese Voiaussa^e haben könnte ist un» gänz­lich unbekannt. Das kann allerdings dem aufmerk- samen Beobachter nicht wohl verborgen bleiben, daß Versuchungen in der angedeuteten Rich­tung an einzelne Mitglieder der Centrumr-Fraktion neuerdings häufiger und ausdringlicher heran- treten. E« braucht kaum hinzugefügt zu wer­den, daß irgendwelche mittelparteiliche Anwand­lungen innerhalb de« Centrum« keinen Spielraum finden könnten. Die Cent, umspartei kann nur eine unabhängige Volkspartei fein; sie würde jede Be- deutung verlieren, wollte sie nach Art der Kartell- Parteien in den Dienst des jeweiligen Regiment» sich einspannen laffen. Anscheinend wird auch die nächste Zukunft den kirchen-politischen Optimisten unter den Katholiken neue Enttäuschungen bringen. Mit Bestimmtheit verlautet, daß man bi« jetzt an der entscheidenden Stelle in der Reichsregierung dem Centrums-Antrage wegen Ausdehnung der Kongoakte auf die westafrikanischen Besitzungen

Herr« Maltnlin Knishidn'» Kraitfahrt.

Don Wilhelm Porte.

(Fortsetzung.)

Dieser überantwortete sich, al« e« Samstag Abend geworden, den geschickten Händen eine» Friseurs und trat sodann al« wirklich nicht un» vortheilhafte Erscheinung in den Liederkranzsaal, wo er alsbald vom Kollegen bemerkt und seiner Familie zugesührt wurde. Reben der ältesten Tochter, Fräulein Euphrosyne, stand noch ein leerer Stuhl, und e« dünkte dem guten Valentin kein übl<« Geschick, daß man ihm diesen anrote«, denn Euphrosyne war ein hübsche«, reizende« Mädchen und wa« den ältlichen Freier fast noch mehr für sie einnahm: ihr Aussehen zeugte in seiner Ein­fachheit von gutem Geschmack, al« wolle sie am Exempel die alte Wahrheit darthun, daß natür­liche Anmuth am überzeugendsten redet, wenn ste äußern Aufputz und Künste verschmäht. Sie schien ein aufgtw'ckte« Köpfchen brachte ab und zu eine etwa« üoerzwerge Bemerkung vor, die sie mit An­stand und Geschick zu vertheidigen wußte und beim Gebimmel ihre« netten Stimmchen» fühlte stch Valentin bald, wie da» Fffchlein im Wasser. Da

de« Reiche« ablehnend gegenüber stehe. Sollte diese Andeutung al« zutreffend sich erweisen und eine solche Stellungnahme bei der demnächstigen Verhandlung be« Reichrtage« in die Erscheinung treten, so würde das im ganzen katholischen Deutschland eine tiefe Verstimmung Hervorrufen, welche auch da« firnere Zusammenwirken in der ostafrikanischen Frage sehr zu erschweren ge­eignet wäre. Will die Reichsregierung in West- asrika nicht gleiches Licht und gleiche Luft für die katholischen Missionen gewähren, so kann man auf katholischer Seite auch die Entwicklung in den ostafrikanischen Gebieten nur mit m i ß t r a u i s ch e r Besorgniß erfolgen. So lange diese Gebiete der ostafrikanischen Gesellschaft bezw. der Oberhoheit be« Sultan« von Zanzibar unterstehen, wird dort allerdings die katholische Mlsfionsthätigkest in Gemäßheit der Kongo-Akte eine unbehinderte sein; aber die Gleichberechtigung unsere« Misfionswesen« erschiene wenigsten« in der t h a t s ä ch l i ch e n Ent­wickelung leicht in Frage gestellt in dem Augen- blick, wo etwa die Souverainetät be« deutschen Reiche« dort an die Stelle treten würde. Dahin- gehende Befürchtungen wurden brereit« bei den Vorbesprechungen für die Kölner Gürzenich-Ver- sammlung von einem der Centrums-Fraktion an­gehörigen Mitglieds de« Aurfchuffe« verlautbart, aber von protestantischer Seite, insbesondere von Mrssionr-Jnspektor Dr. Fabri, als gänzlich unbe- gründet bezeichnet. Die Stellungnahme bei Reichs- regierung zu dem auf Westafrika bezüglichen An­träge Windthorst wird in dieser Beziehung volle Klarheit schaffen müffen, und danach werden die Katholiken innerhalb wie außerhalb de» Parla­mente» ihre Entschließungen zu soffen haben. Er­kennt die deutsche Reichsregieruna -’e volle Gleichberechtigung des katholischen Mission« - wesen« in Ostafrika vorbehaltlos und unum­wunden an, so ist gar kein Grund vorhanden, weshalb ste für Westafrika nicht ein Gleiches thun sollte. Das Deutschs Reich kann bei der Lösung der großen Aufgaben, welche e» sich in Afrika gestellt, der Mitwirkung der katholischen Küche, namentlich in den weitern schwierigen Stadien, ganz und gar nicht entbehren; sollte sich jetzt Herausstellen, daß die katholische Kirche in den Kolonieen nicht dauernd auf Anerkennung und Sicherung ihrer Gleichberechtigung zu rechnen hätte, so bekäme damit das koloniv l-politische wollte e» ihr Unglück, daß sie den Satz hmwarf, die einzige wahre Freude de» Menschen sei die Schadenfreude. Da« mißfiel ihm und er forderte Begründung. Run ließen sie die Hilfstruppen de» Gedächtnifles im Stich, ste wurde verlegen und gestand schließlich in ziemlicher Beschämtheit, sie habe diesen Ausspruch irgend einmal wo ge­lesen. Im Ru schwand der günstige Eindruck, welcher von ihr in seiner Seele stand, in Nichts zurück, und an seiner Stelle erhob sich ein Zerr­bild, das sich bemühte, eine liebenrwürdige getst- reiche Miene zu machen, ohne daß diese die gei­stige Arwuth dahinter zu verhüllen vermochte.

So kam allo sein erster Versuch zum Scheitern. Allem die Lust noch ferner zu wagen, ging dabei nicht mit auf den Grund. Hatte ihm auch der erborgte falsche Witzstaat zugleich den wirklichen Reiz getrübt und verfremdet, so blieb deffen Wir­kung doch noch stark genug, um die Mühe einer anderwärt» erneuten Aufführung derselben lohnend erscheinen zu laffen.

Darum machte er gleich den folgenden Sonn- tag bei einer bekannten, bisher von ihm vernach- lüfftgten Familie Besuch und erhielt nach Kurzem eine Einladung. Die eine der beiden Haurtöchter war mit einem jungen Kaufmanne verlobt, und

Vorgehen ein wesentlich veränderte« Gesicht. Des­halb handelt ee sich in der Thal bei der Stellung­nahme der Reichsregierung zu dem Windhorst'schen Anträge um eine Entscheidung von sehr erster Bedeutung."

Der Berliner Korrespondent der .Köln. Vztg.' hat mit obigen Aeußerungen vollständig Recht. Das katholische Volk würde eine solche Wandlung der Partei nicht verstehen und nicht wollen, denn sie wäre der Tod der Centrums, die Versum­pfung all der guten Grundsätze, welche da« Pro­gramm der Centrumrpartei bilden, und somit wäre die Verwirklichung jenes Planes, der ja nur von „Kulturkämpfern" oder lauen und kurzsichtigen „Anchkatholcken" betrieben wird, ein Unglück für unser Vaterland!

Deutsches Reich.

Berlin. 13. Februar.

* Da« Centrum hat heute beschloffen, den vorigjährigen Schulantrag sofort wieder im Abgeordnetenhause einzubringen.

• Rach der Hamburger Reform wohnt G e f f ck e n bei Konstanz nicht auf badischem, sondern auf Schweizer Gebiet, weil er auf deutschem Boden von Berliner Geheimpolizisten belästigt worden sein soll.

• Jusiizminister v. Schelling hat zur Recht­fertigung der Verhalten» de» Reichskanzler« in bet G'ff^en-Angel genheit int Reichstage auf §. 17 be« Preßgesetzes sich berufen, wonach die Anklage­schrift oder andere amtliche Schriftstücke eine« Prozesses veröffentlicht werden dürfen, nachdem dieselben in öffentlicher Verhandlung kund gegeben worden find oder da« Verfahren ein Ende erreicht hat. In der Begründung zu der betr. Bestimmung des Preßgesetzes heißt e« jedoch: „Selbstverständ­lich bezieht stch die Bestimmung nur auf außer­amtliche Veröffentlichungen, und die landesrecht- lichen Vorschriften über die Bewahrung des Arnts- gcheimmsses und über Srtheilung der Erlaubniß von Seiten öffentlicher Behörden zur Veröffentlich­ung amtlicher Schriftstücke der hier fraglichen Art bleiben unberührt."

• Bekanntlich hat die Zahl der deutschen Jesuiten, festste von dem deutschen Reiche und dessen herrschenden Mächten verfolgt werden, ganz beoeutenb zugenommen. Das ist immer eine Wir-

Vaientin, der in seine Vorzüge ein wenig miß- trauisch war, wollte angesichts der jugendlichen Behendigkeit diese» Bräutigams die eigne Freier­schaft beinahe für ein etwa« waghalsiges Unter­fangen anschauen; doch erregte gleichzeitig das be­glückte Zusammensein, der heiter innige Verkehr der beiden Bekannten solche Empfindungen in ihm, daß da» fteundliche Entgegenkommen der jüngeren Tochter ihm recht rote ein kostbare», wonnever­heißendes Geschenk vorkam. Allein das liebe, zu­trauliche Kind schien beinahe für nichts Andere» sich zu intereffiren, al» für die Ausstattung der älteren Schwestern, e» schwärmte so hingehend für die Renaissance-Einrichtung, welche die Wohnung de» jungen Paare» (nach den Anschauungen der Zeit) schmücken sollte; e« besprach so eingehend die Jrrthümer, die bei Auswahl und Bestellung dieser Gegenstände mit untergelaufen seien, und setzte mit so tiefdringendem Verständniß auseinan­der, wie es vorkommenden Falles dergleichen Feh­ler und Sünden des Zopfe» vermeiden werbe, daß e» dem guten Valenten allmählich bange dabei ward. Sie schien wirklich die Ehe fast nur unter dem Gesichtspunkte zu betrachten, daß sie bte Mög­lichkeit einer „stilvollen" Einrichtung gewährt. Run war die« ja gewiß noch nicht die schlimmste Ar