1889
Dienstag, den 12. Februar.
fnlinirr
Parität im höher« Schulwesen.
(Aus der Ml.^Vztg.^)
Wenn die Klagen über eine zu geringe Beobachtung der Parität in iämmtlichen Zweigen der Verwaltung mit vollem Recht sich stets von neuem geltend machen, so haben diese jedenfalls auf dem Gebiete der Verwaltung des Kultus- und Unter» richt«.Ministeriuws an erster Stelle ihre Berech- tigung, da gerade in diesem Restart die Katholiken seit den letzten zwanzig Jahren, insbesondere seit Beginn des Kulturkampfes, keine Fortschritte, sondern nur Rückschritte zu verzeichnen haben. Wiederholt ist es von Zentrums-Abgeordneten, insbesondere von Dr. Windthorst, bei der Berath- ung des Kultur-Etats als ein großer Uebelstand und die angebliche Parität wenig beweisend gerügt worden, daß außer dem Kultus« und Unterrrichts« Minister, welcher begreiflicherweise in Preußen stets der evangelischen Konfestton angehört, nicht bloß der Unterstaatrsekretär, sondern auch die drei Direktoren im Kultusministerium Protestanten find, und daß von den 26 etatrmäßig vortragenden Räthen nur 4 bezw. 3 der katholischen Konfession angehören. Die Folge hiervon ist, daß über da» gesammte Elementarschulwesen einschließlich der Schullehrer-Seminare in den überwiegend katholischen Provinzen Posen und Schlesten protestantische Ministerialräthe da» letzte Wort sprechen, und von diesen insbesondere auch die Anstellung der Direktoren und Lehrer an den Lehrer-Seminaren, sowie der Kreir-Schulinspektoren mehr oder weniger abbängt. Er wäre irrig, an- zunehmen, daß in Personenfragen diese Herren fich stets eines katholischen Beirathe» bedienten; so war beispielsweise vor etwa Jahresfrist von dem Provinzial-Schulkollegium zu Breslau, bei welchem zwei katholische Fachräthe thätig sind, ein zwar nicht „ultramontaner", aber doch korrekter Katholik zum Direktor eines oberschlefischen Schul- lehrer-Scminar» dem Ministerium vorgeschlagen; es erregte aber in den katholischen Kreisen Schlesiens nicht wenig Aufsehen und Kopsschütteln, als nicht dieser, sondern ein aus Schlesten stammender Kreis- Schulinspektor der Provinz Posen, der fich auf eine reiche kulturkämpfertsche Vergangen- heil stützen konnte, die Leitung jene» oberschlest- schen Seminars erhielt. Auch will man e», und wohl nicht mit Unrecht, auf die geringe Bekanntschaft der protestanuschen Ministerialräthe mit
Utwiitm eines HMachielers.
Von A. Junkermann.
(Schluß.)
Da« Mädchen war eine reizende Blondine, auf welche Eigenschaft hin ihre Eltern fich oft an uns durch Verabreichung schlechter Kost versündigten, aber da» Mädchen übte einen unwiderstehlichen Reiz auf un» aus, wir blieben Stammgäste trotz der schlechten Kost. Mich schien fie ganz besonders in's Herz geschloffen zu haben, trotzdem fie für Militär kein besondere« Faible hatte. Al» fie mir nun auf der Rheinbrücke begegnete, präsentirte ich mich ihr sofort in meiner Würde, immer fleißig grüßend damit fie meine Handtreffen bewundern sollte. Ich kehrte mit ihr um, fie nach Hause zu begleiten, und al« wir so recht in tiefem Gespräch verwickelt find, klopft mir jemand mft dem Stiele der Reitpeitsche auf die Schulter und ruft schnarrend: „Sie, — warum grüßen Sie nicht?!" Der Lieutenant Cäsar stand vor mir und kanzelte mich in Gegenwart der schönen Blondine so lange herunter, daß ich Roth hatte, meine Schöne, die schließlich vorausgeeilt, einzuholen. „Sehen Eie," empfing fie mich, „man kann mft Euch Soldaten nicht über die Straße gehen," und kaum hatte
katholischen Verhältniffen und Persönlichkeiten zu- rückführen, daß in den überwiegend katholischen Landestheile« im Osten der Monarchie, namentlich in Schlesien, Posen und Westpreußen, o viele Kreis-Schulinspektoren angestellt werden, welche entweder Protestanten sind oder doch mit rer katholischen Kirche nur sehr geringe Fühlung haben.
Wa» sodann die Provinzial-Schulkolle- gien anbelangt, so sind uns unter den etatr- mäßigen Provinzial-Schulräthen nur 7 als Katholiken bekannt; es wäre fteilich nicht ausgeschlossen, raß vielleicht der eine oder andere katholische Regierungi-Schulrath thätig wäre. Von diesen katholischen Provinzial-Schulräthen ist Geheimrath Dr. Göbel in der, abgesehen von dem Eichrfelde, ganz protestantischen Provinz Sachsen thätig, wo ihm, wie uns versichert wird, nicht einmal die katholischen bezw. Simultan-Anstalten zu Heiligenstadt und Erfurt unterstellt sind. Derselbe kann also beim besten Willen für seine Glaubensgenossen wenig oder gar nichts thun. Während bis zum Anbruche des Kulturkampfes die höhern Unterrichts-Anstalten in den Provinzen Rheinland, Westfalen, Schlesien, Pofen und Preußen je nach dem konfessionellen Charakter der Anstalten einem katholischen oder evangelischen Provinzial- Schulrath unterstellt waren, ist diese höchst zweckmäßige Einrichtung nach jener Zeit im wesentlichen nur den drei erstgedachten Provinzen verblieben. Seit der Theilung der Provinz Preußen in Ost- und Westpreußev steht an der Spitze der höher» Schulwesens in Ostpreußen ein protestantischer Rath. Zwar ist die Provinz, von dem katholischen Ermland abgesehen, durchweg protestantisch; da dieselbe aber zwei katholische Gymnasien zu Braunsberg und Rössel, ein Simulran-Gymnastum zu Allenstein und ein katholisches Schullehrer-Seminar zu Braunsberg hat, so ist nicht abzusehen, warum daselbst diese Anstalten nicht einem katholischen Prooinzial-Schulrath zugewiesen sind, welcher zugleich das Decernat über das katholische Elementarschulwesen der Provinz ausüben könnte. Als 1848 für die damalige Provinz Preußen eine katholische Provinzial-Schulrathsstelle ins Leben gerufen wurde, hatte der erste Inhaber derselben, der verstorbene Geheimrath Dillenburger, auch nur da« Decernat über drei katholische Gymnasien, zwei Progymnasien und zwei Schullehrer-Seminare und fie dies für mich so harte Wort gesprochen, als mein Hauptman Lachner uns entgegenkam. Aber- mals mußte ich fie allein weiter gehen lassen und Front machen. Mein Hauptmann hatte mir den Rücken zugekehrt und fich in ein Gespräch mft einem Herrn verwickelt, er sah mich nicht und ließ mich endlos lange in Front dastehen, während meine Schöne in der Straße verschwand.
Am anderen Mittag zum Appell la« der Feld- wedel den Parolebefehl vor: Bombardier Junkermann erhält 24 Stunden Mittelarrest, weil er dem Herrn Lieutenant Cäsar nicht die vorschriftsmäßigen Honneur» gemacht!
Ein traurige» Ende nahm der erste Bombardiertag. Ich wechselte auch mein Kosthau» und habe mich später vor der schönen Blondine nie wieder sehen lassen." ...
Unsere Batterie wurde bald darauf nach Münster
Much dort wurde Theater gespielt! Wir zogen au» bürgerlichen Kreisen Talente an uns und wagten uns an größere Aufgaben in der dramatischen Kunst. Meine Kameraden hatten die Theater- direktion in Münster auf mich aufmerksam gemacht, und ich trat denn auch bald öffentlich im Stadt- theater zu Münster auf. Der dort engagirte Basfist
wurde deßhalb auch mit der Beaufstchttgung de« Elementarschulwesens im Regierungsbezirk Königsberg betraut. Eine ähnliche Einrichtung ließe fich jetzt gar wohl auch für die heutige Provinz Ostpreußen durchführen. Ebenso liegt in der Provinz Westpreußen da» höhere Unterrichtswesen wesentlich in der Hand eine» protestantischen Provinzial-Schulraths. Diesen find, obwohl die Provinz zur größer« Hälfte katholisch ist, die sämmtlichen Gymnafien und Realgymnafien derselben unterstellt, während ein katholischer Prooinzial- Schulrath da» Dekernat über die Schullehrer- Seminare der Provinz ausübt. Das berechtigte Interesse der Katholiken würde es gerade in dieser Provinz erfordern, daß die vier stistungsmäßig katholischen Gymnafien derselben sowie die zwei in einer ganz überwiegend von Katholiken bewohnten Gegend gelegenen Simultangymnasten und drei vor wenigen Jahren in's Leben gerufenen Pro- gymnafim, bei denen dasselbe der Fall ist, einen Katholiken zum Dezernenten hätten. Aus den gegenwärtigen für die Katholften jedenfalls ungünstigen Verhältnissen in der Lettung der höheren Schulen dieser Provinz erklärt es fich, daß nicht nur bei den Simultan-Anstalten die Protestanten als die Begünstigten erscheinen, sondern daß auch selbst an den stiftungsmäßig katholischen Gymnasien Westpreußen» beretts so viele protestantische Lehrer, welche zum Theil au» fernen Provinzen unter Gewährung einer persönlichen Zulage herbeigerufen sind, beschäftigt werden, daß dadurch der katholische Charakter dieser Anstalten al» sehr beeinträchtigt angesehen werden muß.
Roch ungünstiger al» in Westpreußen liegt die Sache hinsichtlich der Leitung de» höheren Schul- wesens für die Katholiken der Provinz Posen, obschon dieselben in dieser Provinz zwei Drittel der Bevölkerung bilden. Die höheren Schulen im eigentlichen Sinne de» Worte», also die Gymnasien und Realgymnafien, haben zum Decernenten einen protestantischen Prooinzial-Schulrath, während da» Decernat über die Schullehrer-Seminare in den Händen eine» A l t k a t h o l i k e n liegt. Die katholischen Gymnafien haben, etwa abgesehen von dem Marien-Gymngfium zu Posen und dem Gymnasium zu Ostrowo, ihren katholischen Cha- ratter mehr oder weniger verloren. Die sogen. Simultan-Gymnasien zu Gnesen, Schrimm, Jno- wrazlaw, Fraustadt, Schneidemühl, Rakel haben
Graf forderte mich auf, bei feinem Benefiz mitzu- wirken. E» geschah. Ich spielte den „Kurmärker'. Die kräftigen Hände meiner Artillerie-Kameradm belohnten mich mit ftenetischem Applaus und ließen eine andere Ansicht seitens der übrigen Theaterbe- sucher gar nicht aufkommen, wiewohl ich am anderen Tage hörte, daß im münsterschen Publikum sich verschiedene Ansichten über meine Leistungen geltend gemacht hatten. Den schlagendsten Beweis des Nichtgefallens erhielt ich aber erst am anderen Tage auf der Parole durch meinen Hauptmann.
Der Herr Hauptmann Credner besuchte öfters das Theater, er mußte demnach ein Verehrer der Kunst sein; er war auch am gestrigen Abend im Theater gewesen, und ich ging nach dem enormen Beifall, der mir durch seine ganze Batterie am Abend vorher zu Theil geworden, mit dem Bewußtsein zum Appell, da» jeder Schauspieler kennt, wenn er am Tage nach einer gelungenen Rolle fich öffentlich zeigt. Leider theilt das Publikum ost nicht die Empfindungen, die wir haben — so auch war'» bei meinem Hauptmann.
Der Hauptmann pflegte beim Appell die Avan- cirten für gewöhnlich nicht der Musterung zu unterziehen, ob fie die Knöpfe gut geputzt, ob fie rein gewaschen und die Kleider ohne Flecken
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