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Dienstag, bett 5. Februar.

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1889

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Die LSvv jährige Jubelfeier des Martertodes der h. Fraukenapostel

Kilia«, Kolonat nnd Totnan.

—• Im Juli d. I. wird da» Bisthum Würz­burg die in der Ueberschrift bezeichnete Feier be» gehen. Um dieselbe vorzubereiten, bezw. einzuleiten, hat der hochwürdigste Herr Bischof zu Würzburg in den jüngsten Tagen einen ziemlich umfangreichen, überaus inhaltsvollen, in äußerst blühender Sprache verfaßten Hirtenbrief erlassen. Da die Diözese Würzburg unsere Nachbardiözese ist, der hl. Kilian ferner seine apostolische Wirksamkeit im Frankenland zunächst an den Grenzen unsere» Bisthum» begonnen hat, endlich nicht wenige Pfarreien der Diözese Fulda früher eine lange Reihe von Jahren hin­durch dem Bisthum Würzburg einverleibt gewesen find, so werden vielleicht manche Leser der ,Fuld. Ztg.' von dem in möglichster Kürze wieder- gegebenen Inhalte diese» Hirtenbriefe« nicht ungerne Kenntniß nehmen.

Mit der kürzlich erfolgten Jahreswende, so be­ginnt der Hr. Bischof von Würzburg sein Hirten­schreiben, sei un» irdischen Pilgern wieder ein Jahr de» Heiles aufgegangen, wie er die sämmt- lichen Jahre unserer bisherigen Lebenszeit gewesen seien; zu den außerordentlschen Gnadenjrhren ihrer irdischen Wanderschaft dürfte aber für die Würz­burger Diözesanen ohne Frage auch das gegen­wärtige zählen; denn cs erwecke die sreudige Erinnerung au ihre theueren GlaubenSväter St. Kilian, St. Kolonat und St. Totnan, und damit das Andenken an die seit jener Zeit dem fränkischen Volke erwiesenen Großthaten Gottes.

In zweifacher Weise sei hiefür dem Allerhöchsten der schuldige Dank zu entrichten nämlich:

I. Der Dank im Geiste,

II. Der Dank in der Wahrheit, d. i. der Dank der That, der Dank des Leben«.

I.

Zum Beginne des ersten Theiles schildert der Hirten- inef die geistigen, religiösen, sittlichen Zustände des Frankenlandes, bevor demselben die Sonne de« Christen- thumes aufgegangen war. „Aehnlich den dichten und häufigen Nebeln, welche ehemals weite Landstriche Deutsch­lands mit Dunkelheit bedeckten, hielt eine drückende, innere Finfierniß die Seelen der alten Franken gefangen, und tiefe geistige Nacht war um sie her, da sie den allein wahren Sott nicht kannten und keine Ahnung hatten von der hohen ewigen Bestimmung des Menschen." Doch die, welche geistig so elend und verlassen waren, sollten nicht immer in dem

Stiem Stauet Irre.

Novellette von Jos. Gr.

(Nachdruck verboten.)

Kaum gibt e» wohl aus Erden ein herzerfreuendere« Ländchen, al« da» schöne Tprol. Nicht nur, weil i« mit seinen stolzen, himmelanstrebenden Bergen, >rit seinen lieblich grünen Thälern und seinen lustig rauschenden Gewässern so wohlthuend da» Auge anmuth-t, sondern auch, weil zwischen diesen Vergen, in diesen Thälern ein Menschenvölklein wohnt, so wacker, grundehrlich und urfrisch, wie Man e» auf der ganzen Welt nicht wiederfinden kann.

Im Pusterthale liegt auf sonniger Höh' ein schmucker, stattlicher Bauernhof, der „Ederhof" genannt, der blickt hinab auf zerfallene Burgtrüm- wer, die unter ihm an der Bergwand hängen, während über ihm ein schlank gethürmte» Kirch­lein friedlich in» Blaue ragt.

Die Sonne ist über die schneebedeckten Berges- Häupter herübergekommen und überhaucht mit ihrem goldenen Zauber da» anmuthige Thal. Au« dem wit der landesüblichen, zierlichen Galerie umgebe­nen Wohnhause tritt ein etwa zehnjähriger Knabe, der Schulbücher unter dem Arme trägt. Da» ist

Todesschatten geistiger Verwesung sitzen; auch ihrer habe geharrt dir Stunde der Erlösung aus der Grabesnacht des Unglaubens und der Sünde; und dieser entscheidende Augenblick, der zugleich den entscheidensten Wendepunkt in der Geschichte des fränkischen Volkes bilde, sei eingetreten, als der gnädige und barmherzige Gott zu anderen Stäm­men Deutschlands andere Glaubensboten, zu den heid­nischen Franken aber dm heil. Kilian mit seinen zwei Genossen entsmdet habe. Mit unermüdlichem Fleiße und unvergleichlicher Selbstlosigkeit hättm diese drei hetligm Männer an der Bekehrung der heidnischen Franken gear­beitet; der Erfolg ihres apostolischen Wirtes sei ein ge­ratet}« staunmswerther; denn in der kurzen Zett ihrer Missionsthätigkeü hätten sie Jesu Christo, dem wahren Äöntg btt Seelen fast das ganze Volk Ostfrankens ge- roonnen, welches nunmehr dem heidnischen Unglauben ent­sagt und angefangen habe, heidnisches Wesen und heid­nische Gräuel auch im Werke von sich abzuthun. Freilich konnte es mit dem gewaltsam erfolgten Tode der drei heiligen Glaubmsboten dm Anschein gewinnen, als ob nun auch die von ihnen unter Thränm und Mühen aus­gestreute Saat vemichtet wäre; doch die mit St. Kilians- Herzblut getränkte christliche Pflanzung im Main-, Rhön- und Speffart-Gebiete sei trotz seines jähen Todes und ungeachtet vieler Hemmnisse weiter gediehen. »Nach dem kurzen Zettraum von nur 52 Jahren steht vor den Augen unserer fränkischen Altvorderer bereits ein durch den großen hl. Bonifatius aufgerichtetes Kirchenwesen: Das Bisthum Würzburg hatte seine Geburt gefeiert, und an die Spitze desselbm wird als erster Bischof der hl. Sur- kardus gesetzt." Immer tiefer habe nach der Gründung des Bisthums der christliche Sinn die Hetzen des Fran- kenvolkes eingenommen und christliche Sitte in immer weiteren Kreisen sich eingebürgert; derbem Frankenvolke eingehauchte christliche Sinn mit seiner wunderbaren Trieb­kraft habe sich tausendfältig bezeugt in den vielen from­men, wohlthätigen und wissenschaftlichen Stiftungen, als da seien Gotteshäuser, Spitäler, Armen- und Waism- häuser. Schulen, unte zwar von bet Dorsschule angefangen bis hinauf zur Würzburger Hochschule u. dgl. m. Aller­dings feien über das altehrwürdige Bisthum Würzburg öfters auch recht trübe, harte Zeiten hingegangen und der heilige Glaube sei dabei schwer gefährdet, das kirch­liche Leben tief erschüttert worden; doch Gottes gnädige Vorsehung habe es bisher stets so gelenkt, daß dieses attehr« würdige BiSthum aus dm brandenden Fluthen der Zeit wieder gereitet und das Böse durch die siegende Macht der christlichen Wahrheit überwunden wurde. „Angesichts dieser unermeßlichen Wohlthaten, dieser unschätzbaren Seg­nungen", so schließt der I. Theil des Hirtenbriefes, „welche sich fort und fort über uns ergießen, muß unsere Seele von heiliger Rührung ergriffen.werden, und ihre innigsten Dankgefühle müffm überfließen auf unsere Zungen und unsere Lippen, um auszuklingen in das begersterte L.b des Psalmistm: Preise, meine Seele, den Herrn und Aller, was in mir ist, seinen heiligen Namen. Preise, meine Seele, den Herrn und vergiß nicht alle feine G ab en."

Doch dieser Dank im Geiste könne dem Allerhöchsten noch nicht genügen; ihm müsse sich zugesellen der Dank in der Wahrheit.

der Fravzl, de» Ederbauer» einziger Sohn, ein frischer, kräftiger Bub'. Nach einigen Schritten in den leuchtenden Sommermorgen hinein bleibt er plötzlich zaudernd stehen. Da» Geirblatt duftet so wonnig, und au» den reichbelaubten Eschen tönen jubelnde Vogelstimmen. Und er soll in die Schule, in die dumpfe Schulstube, wo der Lehrer ihn nur quält mit dem dummen Lesen und Rechnen.

Nstn! Der Franzi schüttelt trotzig den l rau­nen Lockenkopf, und mit einem kräftigen Schwung fliegen die Bücher über den Lattenzaun in eine verborgene Gartenecke.

Dann ändert er plötzlich seinen Weg und steigt nun die steile Halde hinan, mit den Lerchen um die Wette jubelnd. Vor überschäumendem Lust­gefühl wirft er manchmal seinen spitzen Filzhut froh in die Luft: wie wunderschön ist e« doch in der freien Gottttwelt! Da» Klingen der Heerde» glockcn tönt hell und immer heller herab, der Franzl stößt einen leichten Juchzer au«, der von oben ebenso schallend zurückgegeben wird.

Oben auf der Wildalm hütet der S.pp. Der ist den ganzen Tag allein mit seiner Heerde und freut sich, wenn einmal ein Jäger oder ein an­dere» Menschenkind in seine Emsamkeit herauftommt. Der Sepp ist bekannt im ganzen Pusterthal, denn

II.

Der Dank in der Wahrheit sei teer Gott besonder« wohlgefällige Dank, die angenehmste Opfergabe, welche wir ihm hinieden weihen könnten. Unte fürwahr! Die diesjährige Jubelfeier sei so recht darnach angethan, die Diözesanen zu diesem vollen und ganzen Daicke zu bewe­gen, und in ihnen die Freudigkeit, Entschiedenheit und Beharrlichkeit n teer Entrichtung eben dieses Dankes zu wecken.

Wolle man aber den Dank durch die That zeigen, so müsse vor Allem das Christenthums Herzenssache werden, wahrhaft christliche Gesinnung müsse das Herz erfüllen; diese christgläubige Gesinnung müsse sich dann in die That umsetzen und im gottgefälligen Werke verkörpern. Nicht bloß die Erkennißkraft, nicht bloß das Herz, sondern ganz vornehmlich der Wille müsse in den Dienst Gottes gestellt werden; dies geschehe aber, wenn man mit aller Kraft bestrebt sei, die Gebote Gottes zu erfüHen. „Wer den Willen meines Vaters thut, der in den Himmeln ist, teer wirte eingehen in das Himmelreich." „Wer aber te.n Willen meines Vaters thut, bleibet in Ewigkeit." Den werkthättgen, lebendigen Glauben müsse man auch gegen die Kirche Gottes zeigen, an teeren unentbehrliche geistliche Führung, Unterweisung unte Gnaden- Vermittlung uns Alle der Herr selbst hingewiesen habe; sie sei die zu unserem wahren Heile verordnete heilige Gemeinschaft. Insbesondere müsse man bestrebt sein, die ehrwürdigen Ordnungen, welche in ihr zu unserer geistlichen Wohlfahrt aufgerichtet seien, immer heilig zu halten, unte sie nach Möglichkeit mit allem Eifer und christlicher Klugh-it an uns und unseren Mitchvisten zu verwirklichen. Die Einheit der katholischen Kirche werde aber in ihrem o bersten Hirten zu Rom so recht zum sichtbaren Ausdrucke gebracht, wie sie auch dauernd durch ihn gehütet weide. Deßhalb sollten die Diözesanen immer treu zu dem allgemeinen christlichen Bater der Christenheit stehen, gerne unte in Demuth seine S.imrne hören und ihre aufrichtige Anhänglichke t an ihn durch fortgesetztes herzliches Gebet für ihn und durch andere Liebeswerke bewähren; die Diözesanen wüßten ja, daß gerade in der Gegenwart die Kümmernisse und Bedrückungen, unter denen der heilige Vater seufze, gar viele und harte feien. In dem freudigen unte beharrlichen Gehorsam gegen die kirchlichen Ordnungen und Vorschrif­ten würden aber die Diözesanen die wahren Heilsgüter, die göttliche Wahrheit und Gnade mit allen daran sich knüpfenden herrlichen Segnungen immer mehr zu ihrem Eigenthume machen und sie auch dem nachkommendei^Ge- schlechte möglichst sichern, das christliche Leben in ihren Familien und in immer weiteren Kreisen wecken und so das Reich Gottes auf Erden immer mehr fördern. „So feien denn," heißt es zum Schluffe des Hirtenschreibens, „die Gebote Gottes und der Kirche Euch heilig! Keines derselben dünke Euch geringfügig, da sie alle entweder unmittelbar oder mittelbar auf das Wirken Eueres Heiles Bezug haben. In teer gewissenhaften, freudigen und opfer­willigen Befolgung her einen wie der andern besteht der Gott wahrhaft angenehme Dienst, welchen wir Menschen, wir Christen ihm zu erweisen schuldig sind. In der treuen Ausübung dieses Dienstes statten wir dem allgütigen und barmherzigen Gott den Dank teer That, den Dank des

er gilt für eine Art von Wunder-Doktor. Wenn da« Vieh krank ist, so weiß er nicht nur gleich, wo er fehlt, sondern er kennt auch alle Mittel, welche anzuwenden sind. Ja, selbst die Menschen, die ein Gebrest drückt, suchen lieber Hilfe bei ihm, al» bei einem Stadtarzte.

„Grüß Dich Gott, Ederfranzll" ruft er erfreut au«. Er hat den lieben, kleinen Burschen beson­der» gern und bewirthet ihn auch gleich mit köst­lich frischer Milch und Schwarzbrot).

Der Franzi läßt es sich trefflich schmecken; al» er aber gesättigt ist, befeuchtet er die Brodkrumen und knetet sie zu Teig, au» dem er verschiedene Figürchen formt.

„I-, was machst denn Du für schöne Man- nerl?" fragt der Sepp verwundert. „Bübel, Bübel," fährt er mit erhobenem Finger fort, „weißt nit, daß Brod eine GotteSgab' ist, und daß es eine Sünd', damit zu spielen?"

Der Franzi erschrickt. „Eme Sünd'ist'«?" fragt er betroffen. „Dann will ich's halt nit wieder thun," tlirgt e« sehr gepreßt. Da» „Mannerl- machen" hat ihm gar so viele Freude gemacht. „Ader qelt, S-pp, wenn ich sie au« Rüden ober Kartoffeln schnitz', da« ist doch lein’ Sünd'?"

„Da» darfst," nickt der Sepp. „Schau, schau,