dadurch unmöglich gemacht worden.
Fulda, 4. Februar.
• Den französischen Gewalthabern ist durch die WahlBoulangerrder Schrecken in die Glieder gefahren. Eie sehen ihr letztes Stündlein kommen, und anstatt da, Leben der jetzigen Republik durch ernste Reformen zu retten, versuchen fie auf dem gewohnten Umwege, fich so lange als möglich an der Gewalt zu erhalten. Da« Herrschen ist ja so süß — und so einträglich! Rach dem ,Temp»' gedenkt die französtsche Regiemng die Klinke der Gesetzgebung in die Hand zu nehmen und mit Hülfe der republikanischen Mehrheit da« Wahlgesetz zu ändern. Die Listenwahlen sollen abgeschasft und sofort durch die Arrondissementsabstimmung ersetzt werden. Nachdem die« geschehen, sollen dann baldigst Neuwahlen ausgeschrieben werden. — Ob diese aber im Sinne der blauen Republikaner ausfallen werden, möchten wir bezweifeln. Denn da« Programm, womit General Boulanger in Paris Regte, wird auch in der Provinz seine Wirkung nicht verfehlen. E« heißt: „Die Apublik
* Wie da« hiesige .Schulbl.' mittheilt, werden Gesuchs an das Abgeordnetenhaus, von hiesigen Lehrern unterzeichnet, betreffend: 1) die Festsetzung der Pension für eine WUtwe auf 400 M. und für eine Halbwaise auf 80 M., 2) die Ge- Währung von staatlichen Dienstalterszulagen an die Lehrer der Stadt Fulda, in den nächsten Tagen nach Berlin abgehen.
Der Gesangverein Winfridia, welcher uns erst kürzlich durch wiederholte Aufführung der „Rosa von Tannenburg" einige unterhaltungsreiche Abendstunden bereitete, wird nächsten Sonntag, den 10. Februar, im großen Saale der „Harmonie" ein Concert veranstalten. Da« reichhaltige Programm, welche« un« vorliegt, verspricht wieder einige recht angenehme Stunde«. Außer 7 Vorträgen von ausgewählten, sehr paffenden, theil« religiösen, thell» weltlichen Liedern, kommen auch noch 7 Pie-rn thell« für Stieicheoncert, thell« für Violoncello und Klavier zum Vortrag. Der Verein, der dahier im besten Rufe steht und unter
* Wie an so vielen anderen Orten hat sich auch in hiesiger Stadtpfarrei ein Zweigverein de« „Verein« deutscher Katholiken zur Ausrottung der Sklaverei in Afrika" gebildet unter dem Vorsitze des Herrn Stadtpfarrers Rhiel dahier. Von heute an zirkuliren Listen, um Allen Gelegenheit zu bieten, durch Einzeichnen ihrer Namen in den- selben den Beitritt zum Vereine erklären zu können. Möge die Zahl der Mitglieder der hohen Begei- sterung, welche fich auch in unserer Stadt für diese« edle Werk kundgibt entsprechend eine recht große werden.
komits unter dem Vorsitze de« Lordmayors gebildet. Derselbe hat am 31. Januar, dem Neujahrstage der Chinesen, Lstr. 3000 telegraphisch an da» Hilfrkomitä, welche« sich in Shanghai geblldet hat, gesandt. Auch die in Tsing Chu Fung, in der Provinz Shaotung, statlonirte Baptisten-Misfion hat sich an den Lordmayor mit der Bitte gewandt, telegraphisch Beiträge zu senden, da die Menschen in Maffe in jener Gegend Hunger« stürben. Der Vicekönig von Nanking, der Oheim de« Marquis Tseng, des früheren chinesischen Gesandten am Hofe von St. James, hat alle Mitglieder der chinesischen Gesandtschaften int Auslande zu Beiträgen aufgefordert. Die ungeheuere Noth entstand aus verschiedenen Ursachen. Während die Ueberschw-mmung des Gelben Fluffe» ganze Län- dcrstrecken verwüstete, ist die Ernte in anderen Gegenden in Folge anhaltender Dürre vollständig
• Durch Mmtsterial-Erlaß vom 15. März 1888 ist bestimmt worden, daß bei Vollstreckung der von den Polizei- und Verwaltungsbehörden festgesetzten Geldstrafen eine Mahnung des Schuldners nicht zu erfolgen hat. Demgemäß muß fortan nach Ablauf der in den betreffenden Strafverfügungen angegebenen Zahlungsfrist sofort mit der Pfändung vorgegangen werden.
* Der Verein gegen Wucher im Regierung«, bezirk Cassel hat jetzt nahezu seine Organisation vollendet, und wird dieselbe ihren definitiven Ab- schluß auf einer demnächst zu Bebra stattfindenden Vorstandsfitzung erhalten, zu der sämmtliche Herren Beisitzer eingeladen sind. Ueber die Aufgabe de« Vereins sind vielfach noch falsche Ansichten im Publikum verbreitet. Derselbe will statutenmäßig nicht nur alle ihm bekannt werdenden Wucher« und Betrugsfälle zur Anzeige und Bestrafung bringen, sondern vor allen Dingen auch die tnnern Ursachen beseitigen, die dem Wucher zu Grunde liegen. Hierzu ist nötig einmal eine Einwirkung auf die Gesetzgebung durch Petitionen behufs Beseitigung bezüglich Beschränkung der Güter- schlächterei, des Haustrhandels, des Weinkaufs rc., zum andern Begründung von Anstalten zur Be- friedigung des Kceditbedürfniffes namentlich des kleinern Mannes. In letzterer Beziehung haben nun seit Jahren die Raiffeisenschen Darlehenskaffenvereine eine segensreiche Wirk- ! samkeit entfaltet, und die Verbreitung dieser Vereine im ganzen Regierungsbezirk dürfte eine Hauptaufgabe des Vereins gegen Wucher fein. Bei Neugründung von Darlehns - Vereinen ist e« nur unbedingt nöthig, die Mitglieder statutenmäßig bei einer Konventionalstrafe zu verpflichten, von gewerbsmäßigen Güterschlächtern Land und Häuser weder zu kaufen noch zu pachten. Die Fassung dieses Paragraphen muß eine bindende fein, die keine Hinterthüren offen läßt, welche von schlechten Elementen benutzt roerben können. Geschieht dies nicht, so find die Darlehnrkaflen, wie die Ersah- rung gelehrt hat, vielfach bloß.da« Mittel, den Güterschlächtern zu ihren zweifelhaften Forderungen aus Kosten der Bürgen zu verhelfen. Da in letzter Zeit eine Anzahl Darlehnskassm im Regierungsbezirk neu begründet worden sind, sei benfelben zugleich empfohlen, sich dem Verbände hessischer Darlehnskaffen (Berbandsdirektor Herr Noll in Bmgarte« bei Hersfeld) anznfchließen, sowie auch die Mitgliedschaft im Verein gegen Wucher zu erwerben. Letztere nimmt hauptsächlich in Rücksicht auf die Darlehns - Kaffen auch ganze Korporationen al» Mitglteder auf. Die Zahl der BereinSmitglieder ist in ständiger Zunahme begriffen. So find in den letzten Tagen wiederum 18 Mitglieder au« Hanau angemeldet worden, au« Berlin ging die Anmeldung fämmt- licher hessischer Abgeordneten ein; auch der Prinz Wilhelm von Hessen hat die Mitgliedschaft erworben. Freilich wird der Verein nur bei möglichst großer Mitgliederzahl über genügende Mittel zur Erreichung seine« Zwecke« verfügen. E« sollte daher ein Jeder für Ausbreitung de« Verein« wirken. Wie erfolgreich eine solche Wirksamkeit fem kann, beweist der Kreis Rotenburg, der unter allm «reisen bi« jetzt die höchste Mitgliederzahl mit 40 erreicht hat.
ArrS Stadt, Provinz mrd Nachbargebiet.
soll ehrlich sein wie da» französsische Volk selbst, | sie soll über den Parteien stehen, nicht dazu dienen, daß einige Individuen sich mästen, fie soll die Regierung Aller werden, die Stütze der Schwachen, der Arbeiter, der Unglücklichen, die Schutzwehr der Freiheit, die Gmndlage der Gleichheit und die Herrschaft der Brüderlichkeit." Daß die jetzigen Gewalthaber in Frankreich nach diesem Programm regiert haben, wird der intimste Freund der Herren Grevy, Ferry, Carnot und Genossen nicht zu behaupten wagen. Die heutige Lage der III. Republik gleicht der der II. Republik im Dezember 1848 wie ein Ei dem andern. Im Dezember 1848 schrieb z. B. die .Leipziger Jllustr. Ztg.' folgende auch für die heutige Lage passenden Worte: „Der Werth be» zum Nothanker Erkorenen (Napoleon) wird nicht erwogen. Der Bauer spricht e« kurz imb bündig au»: „il faut rendre un maitre ä la France.“^ Ob dieser „Herr" früher ein Narr und Geck gewesen, kommt nicht in Betracht, vorausgesetzt, daß er sich jetzt Gehorsam zu verschaffen und den allgemeinen Ruin drohender Revoluttonserschütterungen ein Ende zu machen wissen wird. Ob dieser Schatten des großen Kaisers jenen Hoffnungen entsprechen wird, wenn es ihm beschicken sein sollte, den Prästdentenstuhl der Republik zur ersten Stufe eines neuen Kaiserthrones zu machen, kann allein die Zukunft lehren."
* Rom, 31. Jan. Der Papst richtete an den Kaiser Franz Joseph eine längere Beileids-Depesche.
* Um der furchtbaren Hungersnoth in
gesicht» des Vorsprunges der anderen Nationen sei es geboten, nicht zurückzubleiben. Schließlich wurden sämmtliche Positionen bewilligt. Die zum Bau einer Kaserne in Cuxhaven geforderten 220,000 Mark wurden gestrichen. Schließlich wurde der ganze Rest des Etats, sowie das Etatrgefetz ohne weitere Debatte erledigt. Montag: Anträge auf Aufhebung der Kornzölle und Freiheit der Kulte in den Schutzgebieten.
* Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberathung des Stempelsteuergesetzes hat den Stempel für Führungszeugnisse ganz gestrichen, im Uebrigen die Vorlage angenommen.
• Der Abg. Magdzinski (Pole), Mitglied des deutschen Reichstags und des preußischen Abgeordnetenhauses ist auf dem Wege von Berlin nach Posen gestern im Waggon plötzlich gestorben.
* Aus verschiedenen Theilen des deutschen Reiches liegen UeberschwemmungSnach- richten vor. Namentlich sind die schlesischen Gebirgsflüsse bedenklich im Steigen begriffen.
Ausland.
der bewährten Leitung seines Dirigenten Fr. M. Bursche! recht schöne Fortschritte gemacht hat gibt sich alle Mühe, Gutes und Schönes zu leisten' Das Programm enthält eine treffliche Auswahl von Liedern und heben wir ganz besonders hervor „Landwehrmann's Kriegs-Erinnerungen". Möge eine recht rege Betheiligung die vielen Mühen des Vereins lohnen. Da« Programm wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werben.
• Die kaiserlichen O verpostbirektionen sind unterm 15. d. M. vom Reichs-Postamt wie folgt befchieben worben: Es finbet kein Bedenken, baß von ber Post bezogene Postkarten, welche auf der Vorderseite mit einer gedruckten Aufschrift nnb auf bet Rückseite mit gedruckten Angaben versehen worden find, ober welche nur einen solchen Vor« druck tragen, ben Drucksachensenbungen unter Band rc., deren Beförderung gegen ermäßigtes Porto erfolgen soll, beigefügt werden. Ebenso können Postanweisungs-Formulare, welche durch Druck ausgriüllt bezw. mit einer gedruckten Aufschrift versehen sind, mit anderen Drucksachen zusammen unter Band oder in einem offenen Umschläge gegen die Drucksachentaxe versandt werden.
* Wien, 3. Febr. Die meisten Morgenblätter drücken ihre Bewundernng aus über die er» gebungsvolle Fassung, mit welcher der Kaiser Franz Josef den Schick,alsschlag trägt, ohne durch den Schmerz von der gewohnten gewissenhaften Erfül« lnng seiner Regentenpflicht abgelenkt zu werden. — Die Meldungen, daß erst das Eingreifen des ungarischen Ministerpräsidenten Tisza eine voll« ... ^Ul,at
ständige Darlegung des wahren Sachverhalts China zu steuern, hat sich in London ein Hülfr-
betreff« der Todesursache herbeigeführt hätte, wer- komitv unter dem Vorsitze des Lordmayors aebil-
den als unrichtig bezeichnet. Die kaiserliche Er- mächtigung zur rücksichtslosen Publikation be« wahren Sachverhalts sei schon vor ber Ankunft Tisza'» in Wien erkheilt worben. — Das belgische Königspaar unb Prinz Balbuin verrichteten heute Morgen eine stille Andacht an der Bahre des Kronprinzen und legten Kränze daselbst nieder. Vormittags empfingen dieselben die Be- suche des Kaisers, der Kaiserin und der Mitglieder des kaiserlichen Hause«.
* Die amtliche .Wiener Zeitung' veröffentlicht heute da« folgende Gutachten, welche« auf Grund de« protokollarisch aufgenommenen S e k t i o n « b e- funde« der Leiche be« Kronprinzen abgegeben ist: „1. Der Kronprinz Rudolf ist an Z-rtrümmer- ung de« Schädel« und ber vorderen Hirnpartieen geworben. 2 Diese Zertrümmerung veranlaßte , ............ _yuitclluct ^ullc vuu,lulluli.
rin au« unmittelbarer Nähe gegen die rechte vordere mißrathen. Gegenseitige Hllfe der Provinzen ist Schläfengegend abgefeuerter Schuß. 3. Der Schuß 1 ' ----------- - • * * ’ 1
au» einem Revolver von mittlerem Kaliber war geeignet, die beschriebene Verletzung zu erzeugen. 4. Da« Projeklll ist nicht aufgefunden worden, da dasselbe durch die über dem linken Ohr konstatirte Ausschußöffnung ausgetreten war. 5. Es ist zweifellos, daß der Kronprinz fich selbst den Schutz beigebracht hat und der Tod augenblicklich ringe» treten ist. 6. Die vorzeitige Verwachsung der Pfeil- und Kranznath, die auffällige Tiefe der Echädelgrube und der sogenannten-fingerförmigen Eindrücke" an der inneren Schädelknochenfläche, deutliche Abflachung der Hirnwindungen, Erwetter- ung der Hirnkammer find pathologische Befunde, welche erfahrungsgemäß mit abnormen Geisteszuständen rinhergchen, daher zu der Annahme berechtigen, daß die That in einem Zustand der Geistesver- Wirrung geschehen ist." Das Gutachten ist go jefönet von den Professoren Hoffmann, Kundrat, Widerhofer.