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Freitag, den 1. Februar.

1889

Die,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Wocheubeilage , Ster ne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15" Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Zweites Blatt.

AM» Für Februar und März werden Abon­nements auf die »Fuldaer Zeitung« nebst der illustriiten Gratis-Beilage .Sterne und Biumen' von allen Postanstalten, Landbriefboten, Zeitungs­trägern und von der Expedition (Buttermarkt 112) zum Preise von M. 1.— (nebst Bestellgeld) jeder­zeit entgegen genommen.

Rede des Geistlichen Raths Dr. Lender am Grabe Förderers.

„Im Namen des Vaters, dc» Sohnes und tu« hl. Geistes. Amen. „Es kommt die Stunde, wo ein Jeder, der euch tödtcn wird, glaubt, ein gott­gefälliges Werk zu thun, und da» werd.n ste thun, weil sie weder den Vater noch mich kennen." Evang. Joh. XVI. 4. Hochansehnliche Trauer­versammlung ! Wäre am Mittwoch Abend, den 23. Januar, vom Pfarrhause au» die Kunde in die Stadt gedrungen: Dekan Förderer ist gestorben, so würde diese Trauerbotschaft hingereicht haben, vorerst die katholische Pfarrgemeinde Lahr in tiefste Trauer zu versetzen; denn der Hingang Förderer» bedeutete ja den Verlust de» Seelsorgers, der ihr 33 Jahre vorgestanden. Wie viele Hunderte und Tausende stnd in dieser Zeit von ihm unterrichtet, wie Viele zur h. Kommunion geführt, wie Viele mit den hl. Sterbesakramenten versehen, von ihm getröstet worden! Wie Viele fanden bei ihm Trost und Hilfe! Dekan Förderer war ein Bote de» Friedens, ein Helfer in der Noth. Aber nicht nur in der Pfarrgemeinde würde diese Trauerbotschaft Betrübntß hervorgerufen haben, ohne Zweifel hätten die Mitbrüder de» Kapitels Lahr, das mit dem Namen Förderer verknüpft ist, nicht erst seit­dem er Vorstand desielben ist, da man, ohne un­bescheiden zu sein, wohl sagen darf, daß er vor­her schon die Seele des Landkapitel» war, die Nachricht mtt Bestürzung ausgenommen. In ihm verliert das venerable Landkapitil Lahr einen tüchtigen Vorstand, voll Ueberzeugungstreue, voll Milde, voll Liebe. Und nicht nur auf diese Kreise hätte sich die Theilnahme beschränkt, der Name Förderer ist weit über die Grenzen des Landes bekannt. Sprach ja der Verstorbene in seinem Anzeiger jede Woche dreimal zu Hunderten und Tausenden. Haben doch seine Gegner wiederholt und oft anerkannt, daß er cs verstanden habe, die Fragen der Politik und des wirthschaftlichen L>bms in verständlicher und packender Weife zu schildern. War ja die Wirksamkeit unsere« verstor­benen Milbruders 16 Jahre hindurch al» Ver­

treter des 24. Wahlbezirks int badischen Landtag eine gesegnete für das ganze Land; und ganz be­sonders in den schweren Jahren 1870—80 stand Freund Förderer stets im Vordertreffen, wenn es galt, für die Inter, ffen der hl. Kirche und des Volkes einzutreten. Sein Hingang wird ohne Zweifel von Tausenden beweint.

Nun hat aber die erschreckende Kunde am ver­gangenen Mittwoch die Straßen der Stadt durch­eilt : „Dekan Förderer ist ermordet worden!" Und darob nicht nur Trauer, sondern Entsetzen, Be- unruhigung, Aufregung: bis in die kleinste Hütte hinein ist die Kunde von dem Verbrechen gedrun­gen. Dekan Förderer, der Stadtpsarrer von Lahr, der Vorstand des Landkapitels Lahr, der frühere Abgeordnete, der Redakteur der Anzeigers, der Volksmann, gefallen durch die Hand eines Mör­ders! Es war das eine Botschaft, die Bestürzung Hervorrufen wußte. Allüberall sagte man sich: wie ist es nur möglich, daß am Hellen Tage, in seinem Zimmer ein Mann in dieser Weise meuch­lings ermordet wurde, wie es an dem hier Ruhen­den geschah? Und welches sind die begleitenden Umstände und wer ist der Mörder. Ein blutjunger Mensch von 25 Jahren, dem Förderer noch kein Leid zugesügt, dem er noch Unterstützung zu geben im Begriffe stand, wie er e» vielen Arbeitern und Handwerkern so oft gethan. Die Freiheit de» Zu­gangs zu diesem Wohlthäter mußte ihm die Mög­lichkeit gewähren, ihn zu ermorden!

Was sind die Beweggründe diese» Morde»? Der Mörder selbst hat es kundgethan: Haß gegen die katholische Geistlichkeit! Hat er doch noch nach begangener That auf offener Straße das Ober­haupt der katholischen Küche in einer nicht wieder­zugebenden Weise geschmäht! Hat er doch selbst bekannt, daß er dem hochw. Herrn Erzbischof in Freiburg einen Drohbrief zugesandt! Es ist ein grausenerregendes Bild: ein Priester wird ermordet aus religiös-politischen Beweggründen! Doch al» Hintergrund diese» düsteren B.lde» erscheint die Dämmerung de» Lichte» und de» Trostes. Der­jenige, der an dieser Stätte ruht, ist unschuldig gestorben, al» auserlesene» Opfer seine» Stande» und seiner politischen Ueberzeugung, ein Märtyrer, weil er voll Muth für seine Ueberzeugung einlrat.

Doch wenden wir uns von dem erschreckenden Bilde ab. Förderer lebt nicht mehr, aber sein An­denken soll für ihn leben! Sein Andenken wird fortleben in der katholischen Pfarrgemeinde, in der vrrehrlichen Bürgerschaft der Stadt Lahr. Diese zahlreiche Leichenbegleitung, die außerordentlich große Theiluahme ist cin lauter Protest dagegen, daß der Mörder keine Genoffen hat, sie ist eine feierliche Erklärung, daß seine That in allen Kreisen verabscheut wird. Sie ist eine Hoffnung, daß anerkanit werden wird aus'» Neue, daß da,

wo keine Religion ist, auch da» Strafgesetz keine Schranken mehr bietet, und daß die Achtung vor dem geistlichen Stande ohne Unterschied der Kon­fession, wenn dem Volke die Religion erhalten werden soll, nicht untergraben werden darf. Der Mord vom 23. Januar ist au» dem Samen her­vorgegangen, der vielfach gegen die Geistlichkeit ausgesät worden ist. Dekan Förderer wird im Andenken fortleben, von Zahllosen, von Tausenden, welche mit ihm gleicher Gesinnung und bereit find, für ihren Glauben einzustehen und, wenn e» sein sollte, da» L.ben herzugeben.

Doch al« Christen, al« katholische Christen, dürfen wir uns nicht damit begnügen, daß wir sein Andenken ehren, ihn in Schutz nehmen und vertheidigen; wir muffen al« Christen sein Andenken im Gebete bewähren. Da möchte ich denn in erster Linie seine ehemaligen Schüler, diejenigen, welche er zum Tische be» Herrn geführt, denen er Trost gespendet am Krankenbett oder im Beicht­stuhl, ich möchte sie alle bitten, daß sie seiner im Gebete gedenken. „Es ist ein hetliger und heil­samer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden," steht in der hl. Schrift. Schon der Psalmist hat ge­sagt: „Wenn Du Ungerechtigkeit schauen oder richten wirst, o Herr, wer wird vor Dir bestehen? Auch der Gerechteste fehlt de« Tage« steben Mal." Beten wir also, daß da« Blut, welches er ver­gaffen, durch die Verdienste be« kostbaren Blute« unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi ihm zur Quelle ewigen Lebens werde. Amen."

Literarisches.

Die katholischen Missionen. Jllustrirte Mo­natsschrift. Jahrgang 1889. 12 Nummern. Mk. 3. — Freiburg im Breisgau. Herder'sche Verlagshandlung. Durch die Post und den Buch­handel.

Inhalt von Nro. 2: Zur La e der katholischen Kirche in Indien. — Die Vorgänge in Ostafrika. (Fort­setzung,) — Das Blutbad von Damaskus. (Fortsetzung.) — Nachrichten aus den Missionen: Kleinasim (Schluß des Besuche« auf Cypern, R,odus und Sizilien); China (Ueberschwemmung in der Mandscharei); Hinterindien (Züge aus der Verfolgungszeit); Vorderindien (Klerikal- seminar zu Verapoly); Sudan (Schicksale der Mission); Ozeanien (Mission auf den Gilberts-Inseln; bevorstehende Seligsprechung des ehrw. Chanel). — Für Misstonszwecke.

Illustrationen: Sonnmaufgang im Nguru-Ge- birge in Deutsch-Ostafrika. (Nach einer Zeichnung P. Le Roy's.) — Waldbach und Waff rfall in Deutsch-Ostafrika. (Nach einer Zeichnung P. Le Roy's.) — Die Bai Dar- es-Salaam. (Nach einer Zeichnung P. Le Roy's.) — Ruinen von Dar-es Salaam. (Nach einer Zeichnung P. Le Roy's.) — Säulengang neben der großm Moschee von Damaskus. — Inneres der großen Moschee in Damaskus. — Hafen von Rhodus. — Tarsus in Sizilien, Vaterstadt des heil. Paulus. — P. Bonifatius Kurz, 0. Carm., int Kreise der Lehrer und Seminaristen des Se­minars zu Verapoly. — Die im Bau begriffen« Kirche zu Magnamey. (Nach einer Photographie.)

Als Gratis-Beilage enthält diese Nummer eine in Far­bendruck ausgeführte Karte von Deutsch-Ostafrika.

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Die nächste österr. Karawane nach dem bl. Lande wird circa am 28. März 1889 von Triest abgehen und wollen sich Theilnehmer an den Unterzeichneten wenden, welcher sofort das ausführliche Programm einsenden wird.

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— Schluß der Anmeldung 20, März 1889. —

Auch Interessenten aus Deutschland und den übrigen Ländern können sich an dieser Karawane betheiligen. [181

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