Einzelbild herunterladen
 

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Januar.

* Die Nachricht. von dem plötzlichen Ableben des Kronprinzen Rudolph von Oesterreich hat hier einen tiefen Eindruck gemachl uno lebhafte Theilnahme hervorgerufen. Die Nachricht traf erst zwischen 3 und 4 Uhr hier ein, so daß die Abend« blätter noch keinen Artikel über da» Eceigniß bringen. Im Reichstage, wo sie um dieselbe Zeit bekannt wurde, entstand eine große Be­wegung; dar Präsidium sandte nach dem Aus­wärtigen Amte, wo aber eine offizielle Mittheilung nochnicht vorlag. Das ist der Grund, weßhalb die Reichstagssttzung nicht unterbrochen wurde, und der Präsident nicht, wie er sonst gethan hätte, da« traurige Ereigniß in einer Ansprache verkündete. Die auffallende Fassung der Telegramms, welche» die Todesursache aie ungewiß erscheinen läßt, gab begreiflicher Weise zu verschiedenartigen Ver- muthungen und Kommentarm Veranlassung.

* Ein allerhöchster Erlaß findet sich an der Spitze des gestriger Abendblattes der .Köln. Zeitung' mit der Einleitung: „Es geht uns der nachstehmde allerhöchste Erlaß ar den Reichs­kanzler zur Veröffentlichung zu." Der Erlaß lautet: „Aus Anlaß Meine« Geburtstages, des ersten, den Gottes Gnade Mir nach dem so überaus wehmuthsvollen Jahre auf dem Throne Meiner Väter befchieden hat, sind Mir von nah und fern zahlreiche Glück« und Segens-Wünsche manchfachster Art dargebracht worden. Aus'« freudigste bewegt durch diese Beweise treuer Liebe und Anhänglich­keit ist es Mir lebhaftes Bedürfniß, Allen, welche Meiner mit so inniger Theilnahme gedacht habm, Meinen warm empfundmen Dank auszusprechen. Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Berlin, den 28. Jan. 1889. Wilhelm I. R. An den Reichskanzler." Unsere» Wissen», bemerkt hierzu die ,Köl. Vztg.', ist e» da» erste Mal, daß derartige amtliche Erlasse in einem andern Blatte al» dem Deutschen Reich»« und Preußischen Staats-Anzeiger veröffent­licht werden und insbesondere, daß die .Köl.Ztg.' in solcher Weise als Publikations-Organ des Reichskanzlers benutzt worden ist. Man wird nicht verfehlen, daraus Folgerungen bezüglich der Stell­ung des genannten Blatte» zum Reichskanzler-Amt zu ziehen.

* Hauptmann Wißmann war gestern Tisch­gast des Kaiser». — Hauptmann Wißmann wird angeblich am 9. Februar mit seinen Begleitern die Reise nach Ostafrika antretm.

* Der Reichstag nahm heute die ostafrika­nische Vorlage in dritter Berathung mdgiltig an. Abg. Magdzinski erklärte, daß die Polen au- humanitären Rücksichten zustimmten. Abg. Stöcker empfahl Förderung der Missionen, die es am besten verständen, da« Land zu civilisiren. Abg. Sabor(Soz.) sprach gegen die Hereintraaung reli­giöser Momente in die Frage. Abg. Dr. Windt- horst sprach sich gegen eine Regulirung de« Mis-

„Jch werde aber einst ein großer, berühmter werden," antwortete Wolfgang im Tone verletzter Ehre und Künstlersto ze«.

„Ich bin Maria Antoinette, Erzherzogin von Oesterreich."

„Nun wa« soll da« benn? Da« hat nicht« zu bezeichnen, ick heirathe Dich doch!" rief Wolfgang treu und off nherzig, zur großen Ergötzung der Kaiserin und de« Kaiser«, wie der ganzen oorn-hmen Gesellschaft, die solche Sprache nicht gewohnt waren. Entzückt und eing nommen dsirch da» außergewöhnliche Talent, machte Maria Theresia den kleinen Mozart zum Spielgenossen der Erz­herzogin Maria Antoinette für die Dauer ferne« Aufenthaltes in Wie«.

Später gingen die Wege der Beiden wett aus­einander.

IV.

Lange nach diesen Vorqängm, an demselven Tage, an welchem Mozatt durch die hohe Gunst und den Beffall, den sein wunderbare» Spiel bet den Wienern genoß, gleichsam in den ke nnten Himmel gehoben wurde, waid da« kleine Mädchen von ehemals al« Gemahlin Ludwig'« XVI. zur Königin von Frankreich geklönt.

Im Jabre 1778 kam Wolfgang, nunmehr der berühmte M ister, nach Pari» und sah er hier, al« er am Hofe erschien, bie Prinzessin wieder,

fionswesen« von Staatswegen au«. Abg. Richter legte nochmals den ablehnenden Standpunkt bet Freisinnigen bar. — Dann Mrde bie Etatsbe- rathuiig bei bet Position Branntweinsteuer fort­gesetzt. Abg. Dr. Barth (frf.) kritisirte das Ver­fahren bei bet Ertheilung Der Berechtigungsscheine. Abg. Graf Mirbach (kons.) empfahl ein größere» Entgegenkommen der Behörden bei der Ausführung des Gesetzes. Staatssekretär v. Maltzahn erwiderte, daß der Bundesralh möglichst bemüht sei, Härten zu mildern. Beim Titel „Brausteuet" theilte Staatssekretär v. Maltzahn mit, daß ein Gesetz­entwurf, betreff, das Verbot von Surrogaten bei der Bierbereituiig, in Vorbereitung sei, aber wegen bet Schwierigkeit der Materie nicht sobald erwar­tet werden könne. Der Rest de» Etats der Ver­brauchs-Abgaben, sowie der Etat der Stempel­steuern werden genehmigt. Morgen: Anträge, betreff. Sonntagsruhe und Aufhebung der Kornzölle.

• Das Abgeordnetenhaus fetzte heute die Berathung des Etats fort Abag. v. Riffelmann (tonf.), v. Benda (nl.) und GcafMatuschka(Zentr.) befürworteten Erhöhung der Gehälter der Ober­förster im nächsten Erat. Minister Frhr. v. Lucius erklärte eine solche Gehaltsverbeflerung für unum­gänglich, sprach sich dagegen gegen jede Titelände- rung aus, da hierzu ein Bedürfniß nicht vorliege. Darauf wurde der Etat der Förster genehmigt. Beim Etat des Bureau» de« Staatsministeriums wird über die Forderung einer Gehaltserhöhung der Unterstaatssekretäre von 15,000 auf 20,000 Mark entschieden. Die Budgettommiffion bean­tragte Ablehnung der Erhöhung. Aus dem Hause wurde die Ablehnung von den Abgg. v. Schrö« bener, v. Rauchhaupt, Berger, Bödtker und Rickert empfohlen; mit der Erhöhung der Beamtenbesold« ungen solle von unten au« vorgegangen werden. Minister v. Scholz befürwortete die Erhöhung, welche durch Rücksichten auf den Ersatz erfordert werde. Die Erhöhung wurde indeß abgelehnt. Beim Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung erwiderte Minister v. Lucm« auf eine bezügliche Anfrage, daß die Einbringung eine« Wildschaden« gesetzes nicht beabsichtigt sei. Abg. Sombart wünschte eine höhere Vorbildung für die Thier- ärzte. Dem wurde sowohl seitens der Regrerung als auch au« dem Hause widersprochen. Die Elatsberathung wird morgen ftstgefttzt.

* AuS dem M-ssionshause St. Ottilien, 26. d.M. wird der ,K. V. Ztq.' Folgende« geschrieben: „Die drei geretteten Missionare tron Pugu befinden sich, wie ein gestriges Telegramm aus Sansibar uns bestätigend meldet, in letztgenannter Stadt bei den Vätern vom hl. Geist. E« ist eine überaus tröstliche Gewißheit, daß der hoch». Herr Propräfekt P. Bonifatius Fleschütz sich unter den (Bereiteten befindet. E.nen Bei cht au» feiner Feder können wir erst bi» zum 10.—14. Febr. erwarten." Heber die Lebensdaten der drei Märtyrer von Pugu gibt ein Erinnerungsblatt in folgender W ife Auskunft: „Im Miffions- kloster St. Benedikt zu Puan in der apostolischen

strahlend in Ingens und Schönheit, nicht ver- muthend, daß sie einst den goldenen Thron mit dem Schoffot vertauschen und das Beil des Hen­ker» ihren! Leben, da» zum Schluß noch viele Bitterkeiten erfahre« sollte, ein Ende machen werde.

Maria Antoinette war noch die von allen ge­feierte und verehrte Königin von Frankreich.

Mozart fühtte bereits den Keim des Siechthum» in sich, das rhn so früh aus einem unermüdlich schaffenden Wirken entriß. Er starb, inmitten sei­nes Ruhmes, den die Nachwelt ihm dankend und bewundernd in feinen Schöpfungen, die unerreicht in Darstellung der zarten, lieblichen, dem tiefsten G.fühle entfptungenen Riänqe erhält. Sein letze« W rk, jene« berühmte „R qitem", dichtete er für fi b selbst. Noch an feinem Sterbetage ließ er sich die Partitur auf fein Bett bringen, sah noch ein­mal da« Ganze mit na ff en Augen durch und rief au«: „Hrbe ich r« nicht norhergefagt, daß ich die« „Requiem" für mich selbst schriebe?" So nahm er von seiner Kunst Abschied, und um Mit­ternacht am 5. Dezember 1791 hauchte er feinen G ist au«. Er erlebte es nicht, wie da« kleine, »echsjährige Mädchen von einst, dem er damals in klndlrcher Naivität ferne Hand angeboten hatte, al« Königin von Frankreich den biltern Leiden«weg ging.

Nachdem rhr edler Gemahl Ludwig XVI. fein Leben in die Hand de« Henker« gelegt hatte, er-

Präfektur Süd-Sansibar (Deuisch-Ostafrika) a« Oktavtage von Epiphanie, den 13. Januar 1889, empfingen mit Gotte« Gnade die Siegespalme de« Martertodes für Ehristi Reich und Gerechtig- feit der ehrwürdige Bruder Benedikt Kantwerk O. 8. B., geb. zu Seiferdan in Schlesien den 5. Oktober 1866, cer ehrw. Bruder Petrus Michl O. 8. B., geboren zu Aschaffenburg den 4. Ap.il 1863; im Missto-iskloster St. Scholastika zu Pugu die ehrwürdige Schwester M. Martha Wansing O. 8. B., geboren zu Hengelen in Westfalen den 12. Dezember 1864. Im zweiten Jahre ihrer heiligen Profeß, nach einem Leben der treuesten Pflichterfüllung, fielen sie unter den Dolchen der Feinde Christi." Schlesien, Bayern und Westfalen sind also in gleichem Maße betheiligt.

* Bonn, 28. Jan. Der verstorbene alt- katholische Generalvikar Professor Knoodt wurde geboren zu Boppard am 6. November 1811. 1837 wurde er am Trierer Gymnasium Religions­lehrer. 1841 legte er fein Amt nieder und begab sich nach Wien, um dort drei Jahre den speziellen Umgang de« Philosophen Anton Günther zu ge­nießen, 1844 nach Breslau und wurde daselbst am 14. Mai 1845 zum Doktor der Philosophie promooirt. Im Herbst desselben Jahre« erhielt er eine außerordentliche Professur für diese Wissen­schaft an der hiesigen Universität, an welcher er 1847 Professor wurde, und der er bi« zu feinem Tose über 43 Jahre angehörte. 1848 war er Mitglied der Frankfurter National-Verfammlung. Seit Januar 1878 war er Genral-Vikar des alt- katholischen „Bischofs" Dr. Reinkens.

Ausland.

* Au« Wien kommt die erschütternde Kunde, daß Kronprinz Rudolph von Oesterreich, der sich vorgestern Abend zu einem Jagdausflug nach Mür- ling bei Baden begeben hatte, dort eines plötzliche« Todes, wahrscheinlich infolge eines Schlaganfall«, gestorben ist. Kronprinz Rudolph ist am 21. Au­gust 1858 geboren. Er war mit der Tochter de» König« der Belgier Stephanie verheirathet, au« welcher Ehe eine fünfjährige Prinzessin entstammt.

* In Pest ist nach den vorliegenden Berichten die Sage ziemlich ernst. Die Annahme de« neuen Wehrgesetzes hat vielfache Tumulte hervorgerufen. Der CH f der Geheimpolizei soll dem Minister­präsidenten Tisza angerathen haben, abzureisen, um gegen ihn gerichteten Anschlägen zu entgehen. Tisza hat die» abgelehnt. Für den Emst der Situation spricht auch der Umstand, daß her frühere Minister Graf Andrafly e» übernommen hat, „zwischen der Krone und der Nation" zu ver­mitteln.

* Rom, 30. Jan. Nach dem .Montteur de Rome' findet da» nächste Konsistorium für die Präkonisation von Bischöfen und die Ernennung italienischer Kardinäle am 11. F bruar statt. Auf

klärte der von den an der Sp tze der Revolution Stehenden, eingerichtete Konvent, daß auch der „Wittwe C-pet" — einem Weibe, da» die Schande bet Menschheit und ihres Geschlechte» — der Pro­zeß zu machen fei. Von ihren Kindern getrennt, wurde die unglückliche Königin in da» Gefängniß geworfen, wo man sie fast wie eine gemeine Ver­brecherin behandelte. Sie war, obgleich erst 38 Jahre alt, vollständig ergraut, uno ihre eingefal­lenen Wangen und gramdurchfurchten Züge ver­kündeten den herben Schmerz, der an ihrer reinen Seele i aqte.

Am 16. Oktober 1793 führte eine irregeleitete, wahnbelhöcte Menge, da« eigene Volk, die Köni­gin zum Schaffst. Leichten und stcherm Schritte« bestieg sie Die Stufen. Sie legte ftlbst ihr Haupt auf den Block und zwei Minuten später hatte die et le Dulverin ausgelitten. A r der Henker unter dem Rufe: „Er lebe die R publik I" ihr blut« triefendes Haupt emporhob, brach die rohe Menge in roitben Jubel au«. Der L ichnam bet Königin wurde, wie bet ihre« Gemahl«, in eine Kalkgrube geworfen. So ba« Ende Ma ia Antoinette'»! — und da» de» jungen Künstler« ? Er betrauert und gefeiert al» ein großer Mann, Beiden aber be­wahrt die Nachwelt ein Anbenken von Bewunde­rung und Mttleidm.