Einrichtung einer Reichslotterie aus. Die Etats- berathung wird morgen fortgesetzt.
• Der Reichstag trat heute in die 2. Berathung der ostafrikanischen Vorlage ein. Abg. Richter bekämpfte dieselbe. Wenn man dafür stimme, müsse man auch die Konsequenzen tragen: Afrika werde noch bedeutende Summen verfchlin- gen. Die ostafrikanische Gesellschaft hätte die letzte Mark aufwenden müssen, um für die Ehre der von ihr aufgehißten deutschen Flagge einzutreten. Die Seeblokade habe nur den Handel vernichtet und den Aufstand geschürt. Gegen da» von Wißmann vorgeschlagene energische Vorgehen sprächen sich andere Sachkundige entschieden au». Baumwolle, Kakao, Kaffee würde in Ostafrika nur in den MissionSgärten gezogen, der dortige Tabak sei Rattengift. Ein kolonialer Enthufia-mu» bestehe nicht. Angesichts der ernsten Ereignisse in Paris übernehme er keine Verantwortung für die Afrika- Politik. Abg. Oechelhäufer vertheidigte die Begründer der ostafrikantfchen Gesellschaft gegen die wider sie erhobenen Angriffe. Der Boden in Ostafrika sei für den Plantagenbau der beste und die Gesellschaft habe bereits gute Erfolge zu verzeichnen. Man sollte große nationale Unternehmungen nicht so dirkreditiren, wie e» seitens Richter'» und Bamberger'» geschehe. Abg. Graf Mirbach (fonf.) «klärte sich Namen» seiner politischen Freunde für die Vorlage. Abg. Dr. Virchow machte eine Reihe •ooit Bedenken gegen da» Vorgehen zu Gunsten der ostafrikanischen Gesellschaft geltend; jedenfalls müsse Herr Wißmann mit größter Vorsicht handeln, um nicht das deutsche Prestige zu schädigen. Abg. Dr. Windthorst erblickte den Hauptzweck der Vorlage in der Bekämpfung der Sklaverei. Habe auch die ostafrikanische Gesellschaft Vortheil davon, desto besser. Wir ständen heute vor der Frage, ob wir Mückgehen wollen, nachdem wir einmal angefan- gm haben — zurück gehen wir nie. Hauptmann Wißmann erklärte nochmals ein rasches Handeln für unerläßlich. Hierauf wurde die Vorlage gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angenommen. Morgen: 3. Berathung der ostafrikanischen Vorlage, Etat.
* Der Großherzog von Sachsen-Weimar wohnte der heutigen Reichstagsfitzung bei.
Ausland.
* Paris, 29. Januar. In parlamentarischen Kreisen wird e» für unrichtig erklärt, daß Flcquet beabsichtige, einen Gesetzentwurf zur Unterdrückung boulangistischer Wahlumlrrebe einzubringen oder die Auflösung der Kammer vorzuschlagen. Floquet werde vielmehr heute eine Vorlage wegen Wiederherstellung der ArrondiffementSwahlen einbringen und Donnerstag die allgemeine Politik des Kabinett darlegen. Die ,Republ. Franc.' verlangt von einer Regierung, die stark und fähig fei, die Freiheit zu retten, willkürliche freche Umtriebe zu ahnden und die Diktatur zu bekämpfen. Eine solche Regierung dürfe man nicht unter den Radikalen suchen. Dem ,Mattn' zufolge erklärte Boulanger, er werde Donnerstag dm Antrag auf Auflösung der Kammer wieder einbringen. Bei der gestrigen Kundgebung von etwa 600 Studenten auf der Place Sorbonne wurde da» Bild Boulanger'» verbrannt. Al« von anderer Seite Protest erhoben wurde, entstand ein Handgemenge. Andere Ruhestörungen fanden auf der Place Maubort statt. Die Studirenden versuchten vor den Bureaus der ,Presse' zu mantfestiren, wurden aber von der Polizei daran gehindert. In den übrigen Theilen der Stadt herrschte Ruhe.
* Madrid, 29. Jan. Die Agitation gegen die SprÜsteuer nimmt in ben Mittelrneer-Provin- zen zu. Hunderte von Handetthäusern in den Hafenstädten sind geschloffen und der Weinexport ist vollständig lahm gelegt. (Franks. Zig.)
* Petersburg, 29. Jan. Die Blätter be- fprechen den Wahlsieg Boulanger's mit großem Interesse, behalten sich jedoch ein definitive» Ur» theil über bie Tragweite desselben btt zum Eintritte weitem Ereignisse vor. Die ,Nme Zett' und ,Nowosti' sehen in Boulanger'« Wahlerfolg eine an die Republik gerichtete Aufforderung zum energischen Vorgehen.
* Washington, 28. Jan. Der Senat genehmigte heute die Errichtung eine» General-Konsulat» in Apia (Samoa).
AuS Stadt, Vrovmz uitb Nachbargebiet
Fulda, 30. Januar.
* lieber die vom hiesigen Kciegervsrein veranstaltete Kaisersgeburtstagsfeier geht uns heute nachstehender Bericht zu: Vergangenen Sonntag feierte der hiesige Kriegerverein in den festlich geschmückten oberen Räumen der Harmonie den Geburtstag Sr. Maj. des Kaisers Wilhelm II. Die BethMgung war eine außerordentlich große, so daß buchstäblich kein Apfel zur Erde fallen konnte. Da» für diesen Tag ausgewählte, reichhaltige Programm bestand in der 1. Abthlg. au» dem Prologe und einigen vierstimmigen Vaterlandsliedern. Den Mittelpunkt der 2. Abtlg. bildete da« Genrebild: „Der Kaiser von 30 Jahren" ; zum Schluffe kam „die Examination eine« Einjährig- Freiwilligen Expktanten", zwei lebende Bilder und „Was Kaiser Wilhelm II. will." Sämmtliche Vorträge und Darstellungen wurden sicher und ausdrucksvoll ausgeführt, die Darsteller mit brausendem Beifalle belohnt. Ja den Zwischenpausen verstand Herr Simon mit seiner Kapelle die Zuhörer zu fesseln. In der Festrede gedachte der Präsident, Herr Lehrer Weber des vergangenen Trauerjahres, das uns zw.i Sterbetage, aber keinen Kaiser» Geburtstag gebracht habe. Redner führte da» Leben unsere» jetzigen Kaiser» in seinen Hauptzügen vor und schilderte da» schöne Ver- hältmß zwischen dem deutschen Volke und seinem Kaiser und schloß mit dem Wunsche: „Dem Kaiser Heil und Segen! Dem Kaiser Glück und Ruhm! Heil Deinem Kaiserthnme!" Begeistert stimmten die Anwesenden in da» zum Schluffe der kernigen und packenden Rede auf unfern Kaiser ausgebrachte dreifache Hoch ein, worauf stehend die Nationalhymne gesungen wurde. Hierauf begann da» Tanz» vergnügen. Die Ordnung bei dem ganzen Frste war eine musterhafte. Herr Kunstgärtner Angeli hatte auch wieder bei diesem Feste geschickt der Feier entsprechend den Saal ausgeschmückt. -? Auch der seit kurzem neugebildete Verein „Kriegerkameradschaft", dessen Statuten behördlicherseits noch der Genehmigung harren, feierte, um seiner patriotischen Gesinnung Ausdruck zu geben, den Geburtstag Sr. Maj. des Kaiser» durch gemeinschaftlichen Kirchgang mit darauffolgenden solennen Frühschoppen im Gasthaus zur Hinterburg. De» Abends wurde die Feier fortgeführt durch Festrede, Gesangsvorträge und sonstige passende Deklamationen.
* Folgende neueste Gerichtsentscheidung ist kauf- männischerseit» von Interesse: Die Amachung eines Prinzipals mit seinem HanvlungSgehülfev, daß dieser bei seinem Austritt aus dem Geschäfte de» Prinzipal» seine Kräfte keinem Konkurrenzgeschäfte widme, resp. in ein Konkurrenzgeschäft nicht eintrete, ist nach einem Uriheil de» Reichsgericht», I. Civilsenatt, vom 3. Oktober 1888, rechtlich wirksam und ist in der Regel so zu verstehen, daß der austretende Gehülfe innerhalb einer angem.ssmen Zeitdauer nach dem Austritt weder als Gehülfe in ein Konkurrenzgeschäft eintrete, noch ein solches für eigene Rechnung betreibe. Voraussetzung für die Wirksamkeit des Konkurrenzverbot» bildet die Entlassung de» Gehülfeu au« geschäftlich zu billigenden Gründen, dagegen ist da« Verbot wirkungslos, wenn bet Prinzipal ben Gehülfen ohne gerechtfertigten Anlaß verabfchiebet.
* Die Prüfungs-Kommission für Lehrer an Mittelschulen unb Rektoren ist für bas Jahr 1889 aus folgenden Herren zusammengesetzt: Provinzial-Schulrath Kannegießer-Cassel, Vorsitzender; Regierung«» und Schulrath Hass.-Cassel; Regierung«-, Schul- und Konststorialrath Risch- Wiesbaden, Seminar-Direktor W i e a ck e r-Schlüch» tern; Oberlehrer Dr. Quiehl-Cassel und Seminarlehrer Franke-Ufingen. Die Kommission tritt in Cassel zusammen.
• An der Landwirthschafttschule zu Weilburg soll auch in diesem Jahre, und zwar in der Herbst- Ferienzeit (Ende August bis Ende September) ein Fortbildungs-Kursus für Elementarlehrer'abgehalten »erben. Den theilnehmenben Lehrern wirb ein Zuschuß von 80 Mark in Aussicht gestellt, so- balb bie betreff. Gemeinde oder der Lehret selbst mindestens 35 Mark zuzuschießen bereit ist.
* Cassel, 29. Jan. Heute Morgen gegen 6 Uhr wurde bet Lehrling Hagemann aus Niebetzwehten auf dem Wege zur Stabt von einem
Unbekannten in bet Nähe von SLönseld überfallen. Auf ben Hülferuf des Knaben flüchtete der freche Patron nachdem er dem Lehrling mehrere Wunden an Kopf und Hals beigebracht hatte, in da» Schönfelder Gehölz, wo er unter dem Schutze der Dunkelheit verschwand.
* Hanau, 28. Jan. Die bekannte, in der Schöff- ugerichttsitzung vom 19. Dezember v. I». bereit» verhandelte Gänsegeschichte, in welcher ein am Paradeplatz wohnender Restaurateur wegen Ruhestörung bestraft worden war, weil seine Gänse die Nacht über schnatterten, gelangte in der heutigen Sitzung der Strafkammer al» Berufungsinstanz nicht zum Austrag, sondern wurde auf den 25. Februar, Vormittags 11 Uhr, vertagt, wozu noch einige Zeugen geladen werden sollen, um feststellen zu können, ob ersten» außer dem Anzeiger noch andere Personen so erheblich in ihrer Nachtruhe gestört worden find und zweitens, ob die Behauptung des Anzeiger», die Gänse de» Angeklagten seien in einem so schlechten Zustand gehalten worden, daß sie au» diesem Grunde die „trompetenähnlichen" Töne ausgestoßen hätte, den Thatsachen entspricht.
* Uerzell, 25. Jan. Die in hiesigem Orte ausgebroch.ne Krankheit (angeblich Typhus) scheint laut der ,Schl. Zig.' einen immer ernsteren Charakter annehmen zu wollen. Kaum hat sich bas Grab über einem von dieser Krankheit jäh dahingerofften Jüngling geschloffen, so stehen wir schon wieder am Sarge eines im besten Manner- alter Hingeschiedenen Mitbürger». Unser Dörfchen ist feit einiger Zeit wirklich sehr heimgesucht. Möchte eine Wendung zum Besseren bald eintreten!
* Tann a. Rh., 28. Jan. In der letzten Nacht 3*/t Uhr brach in dem Wohnhaufe bei Tagelöhner» Friedrich Geistung Hierselbst infolge mangelhafter Feuerungsanlage Feuer au«. Durch rasch herbeigeeilte Hilfe konnte dasselbe auf den Heerd beschränkt werden, sodaß nur der Dachstuhl de« genannten Wohnhauses abbrannte.
• Dermbach, 28. Jan. Die hiesige Zuckerfabrik soll verlegt werden, b. h. die Maschinen derselben sollen herausgenommen und an einem Ort aufgestellt werden, wo die Bodenverhältniffe für den Zuckerrübenbau günstiger sind und der direkte Anschluß an eine norwalspurige Bahn vorhanden ist. E« sind vorläufig die Orte Meiningen, Grimmenthal und Gerstungen in» Auge gefaßt worden. Die jetzigen Besitzer wollen sich an der neu zu gründenden Fabrik mit ihren Kapitalien al» Aktionäre beteiligen und die Leitung nach wie vor weiter führen.
♦ Limburg a. d. L., 28. Jan. Vor einigen Tagen fand hier ein Hündchen einen merkwürdigen Tod. Dasselbe sah von einem geöffneten Fenster in der ersten Etage eine» Hause» in der Diezer- straße Spatzen auf einem eisernen Geländer vor dem Hause sitzen. Im Eifer einen zu erhaschen, sprang da« Hündchen nach den Spatzen und wurde von einer der spitzen Stangen geradezu aufgespießt.
* Mainz 88. Januar. In der gestrigen Sitzung de« Mainzer Karneoal-Comitö'S wurde das Programm für die Karnevalstage eingehend besprochen. Ein Prunkzug, wie in den letzten Jahren, wird nach den bedeutenden finanziellen Anstrengungen des Jubiläumßjahres nicht abgehalten, dagegen wird am Fastnachtsmontag eine große maskirte Kappenfahrt in möglichst weiter, charakteristischer Ausdehnung stattfinden. Wegen sonstiger Veranstaltungen bleibt noch spezielle Festsetzung Vorbehalten.
* Der zweit« Hauptgewinn der preußischen Klaffenlotterie im Betrage von 300,000 Mark ist auf Rr. 187,875 in die Kollekte eines Lotterie. Einnehmers in Schwerin a. W. gefallen. Ein Achtel-Loo» wird in Schwerin, 4 Achtel in der Umgegend, die übrigen 3 Achtel in Wronke, Culmsee und in Westfalen gespielt. Di« glücklichen Gewinner find zum Theil unbemittelt.
Meteorologische Beobachtungen
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Lu tbrud feit 2 Tagen um 14 Mill, gefallen. Luftströmung u. Zug der Stratus-Wolken noch füdw.
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Ein tiefes Minimum liegt nördlich von Schottland, über Irland und Umgebung stürmische südwestliche und nordwestliche Wind« mrurfachend. Ueber Centraleuropa ist das Wetter im Korden mild, trübe und insbesondere im Nordwesten vielfach neblig bei mäßigen westlichen und südwestlichen Winde». sSeewarte.s
Letzte Beovachtung IO1/» Uhr Morgen». Luftdruck — 740,9 mm. — Lufttemperatur = 2,0 »C, — Luftfeuchtigkeit — 960/g. — Wolkenzug --- SW. —
Windrichtung = 0. — Htmmelsanficht — bedeckt.