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jy 25. Mittwoch, den 30. Januar. 1889

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Die Zerstörung der Mission zu Pug«.

Vor wenigen Tagen traf aus Deutsch-Ostafrika die Trauerkunde ein, daß, wie bereits kurz er­wähnt, die von der deutschen St. BenedtktuS« Misfionrgenoflenschaft gegründete Niederlassung Pugu von den aufständischen Arabern überfallen und zerstört, 3 Mitglieder der Mission getödtet und 4 gefangen genommen worden seien. Einem „Bericht und Aufruf" des Superior» der St. Benediktus-Missions-Genoflenschaft, P. An­dreas Amrhein 0. S. B. zu St. Ottilien, ent­nehmen wir über das traurige Ereigniß folgende Einzelheiten. Zehn Missionare und vier Misfionr- schwestern aus der genannten Genoffeuschaft waren im November 1887 über Rom nach ihrer neu errichteten apostolischen Präfektur Süd-Sansibar aurgezogen und hatten Anfangs Februar 1888 auf einer waldigen Anhöhe zu Pugu, fünf Stun­den westlich von der Hafenstadt Dar-er-Salaam, nach dem Vorbilde der alten Benediktiner-Missions­klöster ihre Niederlassung begonnen. Elf Monate darauf fand der Feind schon sehr viel zum Zer­stören vor: eine schöne Kapelle, ein geräumiges, wohlgebautes Wohnhaus für die Missionare, ein zweites für die Schwestern, ein großer Waisenhaus für hundert Kinder und Asylbedürftige, eine Schule, ein Gebäude mit Werkstätten verschiedener Hand­werke und ein anderes für Oekonomie; und zum Verwüsten zwanzig Morgen mbar gemachte» Land mit jungen Palmen-, Bananen-, Gemüse- und Getreide-Pflanzungen — und in einem Garten daneben die Gräber zweier Opfer der Berufrtreue, eines Bruders (Wendelin Schön) und einer Schwester (Lioba Ellwanger), nebst denen der zwei ersten getauften Negerkinder (Andreas und Joseph). Znm unmenschlichen Blmwerke trafen sie da noch acht Missionare und zwei Misfionsschwestern an (zwei andere waren schon vor Monaten zur Wie­derherstellung ihrer Gesundheit in» Mutterhaus zmückgeschickt worden), umgeben von einer Anzahl wehrloser Katechumenen, getaufter schwarzer Kinder und von 150 jungen Negern aus dem Innern Afrika'-, welche von den arabischen Sklavenhänd­lern geraubt und geknechtet, aber von den Deut­schen befreit, hier nun auch „zur Freiheit der Kinder Gotte»" gelangen und „von der Gewalt

Zwei Kinder.

Erzählung von H. Riess en.

(Fortsetzung.)

II.

Als die Kinder zu Hause angelangt waren, frug eine einfach gekleidete Frau in von Schmerz durchbebtem Tone:

„Wie, Ihr habt Euer Brod noch nicht gegessen?"

„Wir haben keinen Hunger gehabt, Mütter­chen!" antwortete Marianne.

«Wir sahen den Boten des hl. Nepomuk, von dem der Bater uns so oft erzählte", sagte Wolf­gang schnell.

„So! dann erzählt einmal, wie sich da» zuge­tragen hat", ließ sich ein Mann mit gutmüthtgem Aeußern, der eben in» Zimmer trat und. welchen die Kinder al» Vater begrüßten, vernehmen.

, „Stelle Dir", sagte Wolfgang, „eine« großen, schönen Mann vor, mit einem lieben, anziehenden Gesichte, der aurfieht, wie ein König; er sagte uns, daß er der Bote de« hl. Nepomuk sei."

„Und wie bewies er dies?"

„Das ist'» ja eben, was wir selbst noch sehen Men; er gelobte mir Verschiedene», wa» un» Noth chut, zu senden, auch ein feine» Mittag«- ruahl sollten wir heute haben; mich will er gar,

de» Satan'» zu Gott bekehrt und dabei mit den nützlichen Kenntnissen der wahren Kultur ausge­rüstet werden sollten. Hätten die Missionare diese Pflegebefohlenen einst ab weisen oder jetzt ver­lassen sollen, um fich selbst in Sicherheit zu bringen? Beides verbot ihnen die Pflicht des Missionsberufes, auch wenn dadurch bei dem Mangel jeglichen Schutzes das Leben der Missio­nare offenbarer Gefahr ausgesetzt war. Daß sie sich dieser Gefahr schon lange vorher bewußt waren, bezeugen ihre letzten Briefe.

Obwohl gewarnt und schon früher von einem deutschen Beamten zur Flucht aufgefordert, ver­harrten die Missionare auf ihrem Posten, und selbst die Schwestern, welche während des ersten Aufstandes nach Sansibar in Sicherheit gebracht worden waren, mußten auf ihre inständigen Bitten wieder nach Pugu zurückgeholt werden. „Ich wollte nach Sansibar," schrieb P. Bonifatius, der Obere der Mission, noch am 15. Dezember v. I., „aber in Dar-es-Salaam vernahm ich, Buschiri fei im Anzuge, und ein neuer großer Aufruhr ausgebrochen. Ich kehre daher nach Pugu zurück, um zugegen zu fein, mag kommen, was will. Gottes Wille geschehe!" Diese Zeilen trafen im Missionshause St. Ottilien am 13. Jan. ein, also gerade am nämlichen Tage, an welchem Gott diesen Opferwillen zur That werden ließ und das schmerzliche, kostbare Opfer annahm. Denn an diesem Tage, der Oktave des Festes der Erschei­nung de» Herrn vor der Heidenwelt, überfielen die Araber Buschiri'» mit Feuer und Schwert die Mission St. Benedikt zu Pugu. Die umwohnen­den schwarzen Eingeborenen beteiligten sich nicht daran. Die blühende Station wurde von Grund aus zerstört. Drei Mitglieder der Mission, näm­lich der Bruder Benedikt Kantwerk aus Schlesien, Bruder Petrus Michel aus Bayern und die Schwe­ster Martha Wanning von Westfalen starben al« Märtyrer ihres hohen Berufe», von den Messern der Wüthenden unmenschlich zerfleischt. Sie ge­hörten zu den ausgezeichnetsten und thätigsten Kräften unserer Mission. Mit Hülfe befreundeter Eingeborener blieben von Blutbad und Gefangen­schaft verschont, der apostolische Propräfekt P. Bonifatius Fleschütz nebst den Brüdern Fridolin Braun und Joseph Jrrgang, alle Drei au» Bayern, die übrigen drei Brüder und eine Schwester, der

wenn er mein Spiel so findet, wie Marianne und ich ihm solches schilderten, an den Hof de» Kaiser» bringen."

Der Kapellmeister Mozart mußte unwillkürlich über die kindliche Einfalt seine« Söhnchen« lachen. „Und Du glaubst diese» Alle» mein Junge?" frug er.

„Warum nicht? Hat e» un» doch der Freund de» hl. Nepomuk versprochen; ja noch mehr, ein Schloß mit prunkenden Gemächern und vielen Bedienten wartet unser. — Aber Mutter, wa» thust Du? Du wirst doch heute kein Mittagbrot bereiten? Wir werden ja ein andere» erhalten!"

Vater und Mutter konnten fich de» Lachen» nicht erwehren.

Kurze Zeit später hörte man einen Wagen vor dem Hause stillhalten, dem gleich darauf ein Koch entstieg. Letzterer langte von dem Wagen einen Korb herunter und trat dann in die Wohnung de» Kapellmeister» Mozart.

„Wir kommen im Auftrage de» Herrn, den der kleine „Meister" Mozart heute früh im Walde getroffen", sagte der Koch, den Korb aus den Boden niederstellend. Darauf brachte er au- letzterem feine Speisen nebst einigen Flaschen Weine», da» alle» er auf den Tisch «iedersiellte.

„Können Sie mir nicht sagen, wer der Sender

Katechet Fr. Jldeson» Kauer au» Ostpreußen, Br. Romuald Hofmann au» Baden, Bruder Ruppert Höchberger au» Bayern und die Misstonsschwester Benedikta Siverin au» Westfalen wurden sammt Allen, welche in Pugu Aufnahme gefunden, ge­fangen weggeführt.

An diesen Bericht knüpft P. Amrhein den nach­stehenden Aufruf:

„Bei allem natürlichen Schmerz erblickt der übernatür­liche Glaube ob den verbluteten Opfern die Siegespalme und Glorienkrone und preist die Gefallenen selig. Aber die armen GefangenenI Diese zu befreien, — wer möchte hierzu nicht gern die Hand bieten! Der Himmel weiß, welche Mißhandlungen sie in der Gefangenschaft zu erdulden haben. Die Erfahrungen, welche Dr. Meyer und sein Ge­fährte in den Ketten dieser Rebellen gemacht, lassen nichts Gutes erwarten. Nach telegraphischer Meldung eines Blattes hat der Reichskanzler den Generalkonsul von Sansibar angewiesen, mit Buschiri über den Loskauf der Gefangenen zu unterhandeln. Der Vertreter der Ostafri­kanischen Gesellschaft in Sansibar, welchen der Direktions­rath zur Zahlung des nöthigen Lösegeldes ermächtigte, hat nach Berlin berichtet, daß er mit Buschiri über die Aus­lösung von neun bis zehn Gefangenen von Pugu bereUs in Unterhandlung stehe. Mögen diese edeln Bemühungen bald mit Erfolg gesegnet feint (Es versteht sich von selbst, daß es sich hier um den Vorschuß einer vielleicht sehr be­trächtlichen Summe handelt, welche die arme Missions- Genossenschaft unmöglich gleich erlegen oder in gewünschter kurzer Frist aufbringen konnte. Das Lösegeld für Dr. Meyer soll allein 18,000 M. betragen haben.) Mögen diejenigen, welche ein Opfer der Sklavenbefreiung gewor­den und darob selbst ebenfalls in die Sklaverei gefallen sind, nun auch ihrerseits ihre Befteier finden!

An wen könnte fich da der Hilferuf mit größerer Hoff­nung richten, als an jene edeln christlichen Menschen­freunde der Äntisklaverei-Vereine, welche jetzt auf den Impuls des h. Vaters Papst Leo XIII. in allen civi- lisirten Staaten, zumal in Deutschland sich bilden, unter dem Protektorat von Königen und Kirchenfürsten, unter Betheiligung von Laien nnd Geistlichen, von Katholiken und Protestanten, ja von Allen, welche ein Herz haben für die entsetzlichen Leiden eines so großen, so lange unterdrückten, vernachlässigten und verachteten und doch so bildungsfähigen Theiles der Menschheit. Gewiß werden sie es dem Zwecke der gesammelten Mittel nicht heraus­finden, wenn ein Theil von dem, was zur Unterdrückung des Sklavenhandels und zur Unterstützung der Missionen in Afrika gespendet wurde, nun als Beitrag zum Lösegeld für gefangene deutsche Missionare in Afrika verwendet würde, da dieselben doch offenbar nichts Anderem als der großen christlichen Idee der Sklavenbefreiung zum Opfer gefallen sind und nicht bloß ihr Geld und Gut, sondern auch ihr Blut und ihre Freiheit, ihre Kräfte und Gesund­heit für die zweifache, geistige und leibliche Erlösung ihrer schwarzen Mitmenschen in die Schanze geschlagen haben.

Aber nicht bloß die Mitglieder dieser Vereine, — ent

Diese» ist?" frug der alte Mozart verblüfft dreinschauenb.

„Ich kann'» Ihnen nicht sagen," erwiderte der Mann ehrerbietig.

Der Kapellmeister hätte e» jedoch gar zu gerne erfahren und frug nochmals dringlich.

„Ihr Söhnchen wird'- wissen, wer mich gesandt."

„Ja!" rief Wolfgang, der den Worten aus- merksam gefolgt war, „Marianne weiß es auch: e« ist der Bote und Freund de» großen Nepomuk."

„Ich bitte Sie, klären Sie mir die Sache auf," drang Vater Mozart in den Koch. Dieser aber blieb b i t m.r o ig n Sntarr1.

„Ich kann unti darj Ibn n 2B.it.-r 6 nickt sagen. Wollen Sie mehr w ss.n, so lass n Sie Ihr Söhnchen sich an'« Klavier setzen und eine Sonate irnprovifiren; der Fremde wird dann er­scheinen. Fragen Sie nicht weiter, mehr kann ich Ihnen nicht sagen."

Der Vater mußte fich damit, trotzdem er gar zu gerne ben Namen de« edlen Unbekannten in Erfahrung gebracht hätte, wohl oder Übel zufrie­den geben. Nachdem der Koch den Tisch mit den Speisen gedeckt, verließ er das Haus. Der kleine Wolfgang war der erste, der da» eingetretene Still­schweigen brach.