• KommerzienrathNeubauer in Magdeburg hat anläßlich de» Geburtstags des Kaisers antike Kunstschätze, die einen Werth von über 100,000 Mark repräsentiren, den königlichen Sammlungen in Berlin gespendet.
• Trier, 26. Jan. Der ,Tr. Ldsztg.' wird „vom Lande" geschrieben: „®in kleiner Beitrag zu der Tagesfrage: „„Wem gehören die gesperrten Gelder von 1875 bi» 1881?"" Meine Studien kosteten meinen Eltern 10,000 Mark und mich ost genug die Gesundheit. Al» Kaplan bezog ich nebst freier Station 50 Thaler pro Jahr. Der blecht in meinem elterlichen Hause bekam 70 Thaler da« Jahr. Meine erste Pfarrstelle trug auf dem Papier ein 384 Thaler, in Wirklichkeit weniger, weil manche arme Leute die Naturalien nicht zu liefern, noch viel weniger deren Werth zu zahlen vermochten. 1873, wenn ich nicht irre, gab e» eine Ausbesserung um 85 Thaler. Die weitere Aufbefferung um 100 Thaler habe ich 1 oder 2 Quartale genossen, da kam da» Sperrgesetz. Durch dasselbe waren mir jährlich 1075 Mark gestrichen, was für 25 Quartale 6718,75 Mark macht. Meine armen Pfarrkinder konnten mir Nicht« zum Ersätze geben, und auch von keiner anderen Seite habe ich irgend Etwa» zu meiner Erleichterung erhalten. Im Gegentheil: Kulturkampf» - Verurtheilungkn zu Geldstrafen, mehrere schwere Krankheiten kamen noch dazu. Seit mehreren Jahren au« einem rauhen Klima meiner Gesundheit wegen in ein mildere« versetzt, beziehe ich ein Einkommen von 1422 M. Die 200 Mark, die mein Vorgänger au« dem 2 Millionen-Fond» erhaltm, find mir noch nicht zu- gewiesen; und doch zähle ich seit vorigem Sommer wieder zu den Pfarrern und zwar zu denen der ältesten Klaffe. Daß nach all' diesen Opfern mein elterliche« Erbtheil daraufgegangen,wird man begreiflich finden. E» scheint, da für uns Geistliche auch im Jahre 1888/89 da« Naturgesetz, daß jeder Arbester seiner Lohnes werth sei, noch nicht zur vollen Geltung gelangen kann. Mit welcher Schnelligkeit hat man 1875 verfahren, und jetzt, wie langsam geht es. Und nun sollen die gesperrten Gelder mir auch noch vorenthalten werden? Wo bleibt da die Gerechtigkeit. welche doch die Grundlage der Staaten sein soll?"
* München, 27. Jan. Hunderttausend Mark schenkte in hochherzigster Weise Graf Konrad Prey sing zur Errichtung einer Mädchenschule und Kleinkinderbewahranstalt für den Pfarrsprengel Jsarhofen. Die Anstalt soll unter Leitung der armen Schulschwestern in» Leben treten. — Eine erhebende Feier fand vor einigen Tagen in dem unwest de« Miffion»hause« St. Ottilien gelegenen One Eresing bei Türkenfeld (Strecke München-Lindau) statt. Der Uditore der hiesigen Nuntiatur Monfignore Guidi spendete einem der drei Negerknaben, welche in St. Ottllien für den Miffionsberuf in Afrika erzogen werden, das Sakrament der hl. Taufe. Taufpathe war der Zentrumsfahrer Dr. Wtndthorst, der Getaufte ist ein Reffe de« König« von Kamerun. @ine große Menge Volkes hatte sich aus den benachbarten Orten zu dieser Feier eingefunden.
„Arme Kmder l" wiederholte der Fremde, fich eine Thräne au« dem Auge wischend, „sagt mir, um rod» batet Ihr denn vorhin so innig in Eurem andächtigen Gebete?"
Die beiden erzählten e» in ihrer« lieblichen Kinderunschuld treu und offenherzig.
„Wenn, was Wolfgang sagt, wahr ist, daß er berest» so gut Klavier spielt, so ist e« sehr wahrscheinlich, daß Ihr damst Geld verdienen könnt, und bin ich im Stande, Euch da Helfmd betstehm zu können.
„O liebster Herr, mein Bruder spielt nicht blo» ausgezeichnet, er komponirt auch berest» artige kleine Stücke," sagte Marianne darauf.
„Wie ast ist Dein Brüderchen?"
„Sech« Jahre und ich achtl"
„Und diese« Kind komponirt berest« l" rief der Fremde verwundert.
„Wundert Sie die« ?" frug Wolfgang lächelnd; „kommm Sie mst in unser Hau« und Sie können Beweise findm."
Der Fremde zog seine Uhr hervor, stand einen Augenblick sinnend da und sagte dann in halb scherzendem, halb ernstem Tone: „Meine Kinder,
Ausland.
• Boulanger hat Paris erobert! Mit 244070 Stimmen wurde er zum Deputtrten des Seine-Departements gewählt. Der Republikaner Jaque« hat 162,520 Stimmen erhalten. Der Sozialist Boule ist mit 16,760 Stimmen abgefallen, 10,358 Stimmen haben sich zersplittert. Paris hat damit gegen da« jetzige Regiment, gegen bett Radikalismus Protest eingelegt, aber nicht zu Gunstm einer bestehendm Richtung mit bekanntm Zielm, sondern für da« Unbekannte, Ungewisse. Wer feine steht, zweifelt wohl nicht daran, daß Boulanger darauf hinsteuert, die Gewalt in die Hände zu bekommen und zwar eine andere, unbeschränktere, al» die, welche ein Präsident der Republik besitzt. Vielleicht ist man sich auch unter der politisch gemischten Gesellschaft, die ihn unterstützt, darüber nicht im Unklaren ; nur glaubt man hier, ihn rechtzeittg zurückhalten und seine Popu- larität, zu der man ihm selbst mit verhalfen, für die eigenen Endziele ausnützen zu können. Das wird fich al» ein Jrrthum erweisen. Boulanger könnte fich, selbst wenn er e» ursprünglich gewollt, gar nicht darauf einlaflen. Die Gesellschaft, die ihn auf» Schild erhoben hat, ist dazu viel zu bunt durcheinander gewürfelt. Wollte er für die Monarchie ober für ein napoleonische» Empire eintreten, so würbe seine Anhängerschaft im Nu auf die Ziffer der monarchischen oder der bona- parttschen Partei zusammenschrumpfen. Weiter sehende Leute unter fehlen heutigen Protektoren täuschen fich vielleicht auch darüber nicht, sagen fich aber, daß ein Regiment Boulanger eine sör- derliche Uebergangrperiode zu dem von ihnen erstrebten Regime ist. E» kann sein, daß diese» Kalkül richttg ist; e» kommt darauf an, al» wessen Geistes Kind fich Boulanger erweist, wenn er erst am Ruder ist. Floquet hat sich dem Präsidenten Carnot gegenüber berett erklärt, mit seinen Kollegen zurückzutreten, fall» der Präsident annähme, daß ihr Rücktritt zur Ueberwindung der voraursichllichen Schwierigketten beitragen würde. Die Entscheidung steht noch au».
* Da» französische katholische Volk ist unbestreitbar da» freigebigste der ganzen Kirche. Die Katholtten Lyon'« haben er jetzt bewiesen, wo e» sich um Gründung einer medizinischen Fakultät für die dorttge katholische Universität handelte. Der ,Univer»' veröffentlicht eine Gabenliste, au» welcher folgende Gaben hervorzuheben find: ein Ungenannter zu Ehren de« hl. Joseph 100,000 Frc«., und im Namen der Pfarrkinder der Stadtpfarrer de« h. Franz von Sale» 100,000 Frc»., der Stadtpfarrer von St. Martin, im Stadtheile Aivay 100,000 Frc«., der Stattpfarrer von St. Nisariu» 40,000 Frc»., ein Pfarrkind von St. Franciscu» 25,000 Frc»., der Erzbischof von Lyon 20,000 Frc«., der Bischof von Dijou 4000 Frc«. u. s. w.
• Suakin, 27.Jan. Ein Kaufmann, welcher au« Khartum am 4. Dezember v.J. abgereist ist, traf in Agig ein. Derselbe erklärte, er habe am 19. November v. I. einen weißen Gefangenen de« Mahdi gesehen, den man daselbst für Emin hielt; derselbe sei jedoch ein egypttscher Offizier und
der große Nepomuk von Böhmen hat mir befohlen zu sagen, daß Ihr jetzt heimgehen sollet zu Vater und Mutter und heute den ganzen Tag daheim bleibet, da Euch bi« zum Abend etwa« Besondere« bevorsteht. Sei glücklich, liebe« anmuthige« Kind," fuhr er zu Wolfgang gewendet fort, wir werden einander bald Wiedersehen!"
Damit machte fich der Fremde von Wolfgang, der ihn am Rocke gefaßt hatte, lo« und verschwand rasch hinter den Bäumen, ehe die Kinder fich dessen bewußt waren. Auch letztere schlugen jetzt den Heimweg ein.
„Sage, Wolfgang, glaubst Du, daß der freundliche Herr wirklich sich unserer amehme, und uns zur Erreichung unserer Pläne seine Hllfe geben wird?" frug Marianne.
„Ganz gewiß!" sagte Wolfgang mtt zuverficht- lichem Tone.
„Ich fürchte, er wollte un« nur eine rnoment- liche Freude beretten, später erinnert er fich unfet nicht mehr."
„Nun, da« wird fich finden," entgegnete der kleine Mozart.
(Fortsetzung folgt.)
sicherlich nicht Emin. Eine Abschrift de« Briefe« an den Khedive sei dem Gefangenen vor der Gefangennahme durch Emin zugestellt worden, um zum Kampfe gegen die Mahdisten zu ermuthigen. In der Nähe von Halaib bei Adjami sei ein Neger- schiff mit 40 Sklaven gekapert worden.
* In Dar-es-Salam fanden am Freitag harte Kämpfe zwischen den Deutschen und Arabern statt. Die Araber erfuhren große, die Deutschen keine Verluste; doch erlag nach dem Kampfe der Kapitänlieutenant Landfermann den Folgen einer Sonnenstiche«. Die Araber wollen die Gefangenen nicht gegen Lösegeld herausgeben; sie verlangen, daß die Europäer die Küste völlig räumen. — Nahe Halaib wurde ein Negerschiff mtt 40 Sklaven an Bord gekapert.
AuS Stadt, Vroviuz und Rachdargebiet«
Fulda, 29. Januar.
* Am 1. April wird auf allen preußischen Staatrbahnen ein einhettlicher und mehrfach billigerer Personentarif eingeführt. E» bestehen dann nur noch einige Privatbahnen in Preußen, welche an den höheren Tarifen festhalten. — Die Geltungsdauer der gewöhnlichen Retourbillet» bis zu 100 km Entfernung, welche zur Zett zwei Tage und nur beim Lösen de» Billets vor einem Sonn- und Festtage drei Tage bettägt, wird voraussichtlich vom 1. April d. I. an auf drei Tage allgemein festgesetzt werden.
* Dem Bericht der ,Han. Ztg.' über die Straf« kammerfitzung de« Landgericht» Hanau vom 24. d. entnehmen wir Folgendes: Da« Schöffengericht in Neuhof hatte einen Fischzüchter von Huhn- mühle wegen Betrug« zu 1 Woche Gefängniß ver- urtheilt. Der Fischzüchter hatte am 5. Juli auf Station Fulda ein Fischfaß, in welchem nur Wasser enthalten war, „al» mit lebenden Fischen besetzt" bei der Aufgabe deklarirt und soll dadurch den Eisenbahnfiskus um 5 Mark Frachtgeld geschädigt haben. Bei Fischtransporten besteht nämlich die Vergünstigung, daß ein Faß mit lebenden Fischen bei gewöhnlichem Frachtsatz wie Eilgut befördert wird. Der Angeklagte fuhr mtt einem Zuge von Hünfeld nach Neuhof, hatte aber ein zu Meine» Faß, so daß ihm die Fische darin, die für Sachsenhausen bestimmt waren, zum Theil kaput gegangen wären. Um diesem Schaden vorzubeugen, hatte er nun ein größere» Faß mit Wasser an den Bahnhof Fulda telegraphisch bestellt und die Fische zwischen Fulda und Neuhof während der Fahrt au» dem kleinen in da» große Faß umgesetzt. In dem Umstande nun, daß er da» größere Faß nicht al« ein Faß mit Wasser, sondern al« ein „Faß mit lebenden Fischen" deklarirt hatte, wofür et anstatt 10 nur 5 Mark Fracht gezahlt hatte, sah da« Schöffengericht Neuhof den That- bestand de« Betruges. Der Angeklagte behauptete, er habe den Eisenbahnfiskus nicht betrügen wollm, denn da» Umladen habe er im Beisein de» Zugführer» und der Schaffner vorgenommen, in dem guten Glauben, da» dürfe er thun. Unter der Annahme, daß der Angeklagte nicht da» Bewußtsein von der Strafbarkeit seiner Handlungsweise und auch nicht die Abstcht hatte, zu betrügen, wurde er von dem Bemfungsgericht kostenlos freigesprochen. — Da« Schöffengericht in Hildet« hatte die Ehefrau eine« Bauern von Simmershausen zu 2 Monaten Gefängniß verurthellt, well ste am 23. Oktober vorigen Jahre« gelegentlich eine« Streites mit ihren Hausmitbewohnern einer Ehefrau mit einem dicken Knüppel über den Kopf und Arm schlug, so daß diese eine blutende Wunde davontrug. Gegen diese« Uriheil legte die Angeklagte Berufung ein und versuchte heute die Sache gerade umgekehrt darzustellen, indem ste behauptete, fie sei zuerst von der Verletzten ange- grtffen worden. Auf Grund der Zmgenau«sagen wurde aber die Berufung unter Auferlegung der Kosten verworfen.
* Den Reichsbeamten ist mit dem Beginne de« Jahre« 1889 eine neue Uniform verliehen worden, die fich nebst anderen kleineren Abweichungen von der preußischen Beamten-Unifor« namentlich durch reichere Sttckerei unterscheidet. Für den Reichskanzler ist die Uniform der preußischen Staat«minister beibehalten.
• Da« Reichsgericht hat am 2. Oktober v. I. ein für die Landwirthschaft schwerwiegende«