Einzelbild herunterladen
 

rungsverhältnifsen meist ungestört hat vor sich gehen können, die Wintersaaten im Ganzen gut aufgegangen sind und bisher einen befriedigenden Stand zeigen. Nur der Weizen ist, den Meldungen aus einzelnen Bezirken zufolge, mehrfach in der Entwickelung zurückgeblieben. Die Vorbereitun­gen zu den Frühjahrsbestellungen haben fast durch­gängig gute Fortschritte machen können. Kleefelder und Wiesen zeigen, soweit Nachrichten vorliegen, ein gutes Aussehen.

• Im Bezirke der hessischen Landesbrandkafle betustg im Jahre 1887 die Zahl der Brände und Blitzschäden 279 und die hierfür verwil- ligte Gesammt-Entschädigung einschließlich 14,986 Mk. 31 Pf. für Löschbeschädigungen 914,517 Mk. 67 Pf. Hiervon kamen auf die Städte 202,492 Mk. 78 Pfg., auf die Landgemeinden 670,065 Mk. 89 Pfg. und auf die Gulibezirke 41,959 Mk. An Brandsteuern wurden insgesammt auf­gebracht 1,287,894 Mk. 56 Pf., und zwar 449,928 Mk. 76 Pfg. von den Städten, 811,176 Mk. 95 Pfg. von den Landgemeinden und 26,788 Mk. 85 Pfg. von den Gutsbezirken. Nur die letzteren haben also mehr an Entschädigung erhalten, al» was sie an Beiträgen geleistet. — Die Bilanz über das Ge- fammtvermögen der Hessischen Brandversicherung«- Anstalt am Schluffe de» Jahre» 1887 ergibt einen Ueberschuß der Aktiva, einschließlich dc» Reserve­fonds im Betrage von 350 806 Mark 36 Pf., von 547304 Mark 24 Pf.

* Gersfeld, 23. Jan. Der bisher in Hettenhausen domicllirende praktische Arzt Dr. Thomas wird vom 1. Februar er. seinen Wohnsitz nach Schmalnau verlegen. — Der in Hettenhausen bisher stationirt gewesene Gendarm Röder ist vom 1. Januar er. ab nach Hilders, der in Hilders stationirte Gendarm nach Tann und der daselbst stationirte Gendarm Löffelholz nach Schmalnau versetzt worden.

* Hanau, 22. Jan. Die ,Han. Ztg? be­richtet: Am vergangenen Samstag wollte der Knecht einer Waschanstalt der Haingafle einen mit Wäsche beladenen Leiterwagen au» einem Schuppen herausschieben, da hö.te er einen Schrei und al»' er zusah, lag ein bei dem Besitzer der Wäscherei in Pflege befindlicher 12jähriger Knabe blutend vor dem Wagen. Die Deichsel hatte denselben so an den Kopf getroffen, daß er nach zwei Stunden an den Verletzungen verschied. Der verunglückte Knabe war ein braver Schüler und genoß die Liebe seiner Mitschüler und der Lehrer.

d Die Stadt Cassel rüstet sich bereit» zu der großen Ausstellung für Jagd, Fischerei und Sport, welche im Sommer diese» Jahre» stattfinden und alle bisherigen Ausstellungen dieser Art in Folge Zusammenwirkens günstiger Umstände überragen wird' Diese Ausstellung wird ein voll­kommenes Bild über alle Zweige de» Jagd-, Fischerei- und Sportwesens geben, und ist nicht nur der großen Schaar der Berusrgenoffm, Lieb­haber und Freunde dieser Sportzweige, sondern auch allen Erfindern, Fabrikanten und Händlern einschlägiger Artckel Gelegenheit geboten, fich zu betheiligen und ihre Erzeugniffe dem großen Publikum, sowie maßgebenden Fachkreisen zugäng­lich zu machen, ihren Artikeln durch Verkauf und Musterausstellung ein neues, vergrößertes Absatz­gebiet zu verschaffen. Hierfür sprechen folgende Momente: Die Ausstellungsgebäude in unmittelbarer Verbindung mit dem weltberühmten Orangerieschloß, liegen unmittelbar in Kassels herrlichem Auepark, dicht neben dem weltberühmten Marmorbad, welches, gleichwie da» unvergleichliche Wilhelmshöhe mit seinen Wasserkünsten, jeden Sommer von Hunderttausenden au» allen Ländern der Welt besucht wird: die Generalversammlung de» Allgemeinen Deutschen Jagdschutz-Verein» wird zu gleicher Zeit in Cassel abgehalten und werben dessen Mitglieder — der Verein zählt 8000 — in sehr großer Anzahl erscheinen; Cassel liegt im Herzen Deutschland«, ist wichtiger Eisen­bahnknotenpunkt und von allen Gegenden rasch und billig zu erreichen, e» hat al« Kongreß- und Ausstellungsort von jeher große Anziehungskraft ausgeübt, auch fich in dieser Beziehung noch immer als erfolgreich bewährt, und endlich hat das Aus- stellungscomÜL so günstige und vorthellhaste Bedingungen gestellt daß jeder Aussteller seine Rechnung finden muß. Neben den Kollektiv-Aus­stellungen der einzelnen Landesvereine für Jagd bezw. Fischerei und Sport werden permanente

Verkaufs-Ausstellungen errichtet, zu deren Beschickung Deutschland und Oesterreich eingeladen werden. Zur Ausstellung gelangen: I. Schieß-, Hieb- und Stichwaffen aller Art, Munition, Jagd- hülfsmittel, Hornfabrikate, gangmittet, Wild-Em- zäunungen, Jagd-AuSrüstungS- und Bekletdungs- gegenstände aller Art, Lodenstoffe rc., Jagdzimmer- Einrichtungen, Gemälde, Jagdtrophäen, Luxus­artikel. II. Fische und Krebse, Fluß- und Seefische, Fischereigeräthschaften, Fischerkleidung, Produkte der Fischerei, Perlen, Bernstein, Muscheln rc., ferner künstliche Fischzucht; III. Fahr- und Reit­sport, Sattelzeug und Bespannung, Fahrräder und Ausrüstung, Ruder-, Segel- und Wassersport und deren Hülfsmittel, Ausstellung der Alpen-Vereine (Schutzhütten-, Ausrüstungs- und Bekleidungs- gegenstände, Apparate rc.) zum Sport und für Vergnügungen. Auch der ausübende Sport wird in hervorragender Weise kultivirt werden, indem alles, was in das Gebiet des Sport» gehört, sich hier zeigen nnd seine Kräfte messen kann; Pferde­rennen, Regatten, V-lozipedfahren, Olympische Spiele rc. werden mit einander abwechseln, und alle Vorkehrungen getroffen werden, um die be­treffenden Vorführungen zu Festtagen in würdiger und großartiger Weise zu gestalten.

• Nentershausen, 20. Jan. Eine grauen­hafte Thal ist in dem nahe gelegenen Ulfen ge- schehen. Zwei Holzhauer geriethen im Wirths- hause in Streit miteinander, der dahin ausartete, daß einer derselben da» Messer zog. Ein Dritter, der fich zwischen die Streitenden warf, erhielt für seine gute Absicht einen Stich in die linke Brust- fette nnd war sofort eine Leiche.

? Rotenburg a. T., 23. Jan. Gestern Abend«, (gegen 9 Uhr) verschied dahier nach kur­zem Krankenlager der Königliche R.ntmeister, Fried­rich von Drach, nachdem er noch auf seinen Wunsch hin zuvor in den Schooß der kath. Kirche ausgenommen worden war, der er schon zu Leb­zeiten so nahe gestanden und mit ganzem Herzen ergeben war. Allgemein von Jedermann geehrt und geliebt, ein liebevoller Gatte und Vater, wie nicht minder ein humaner und pflichttreuer Beamte, schied er au« dieser Zeitlichkeit. — Möge er, der so oftmals hinieden zufolge seine« Dienste« Langmuth und Barmherzigkeit, besonder« gegen die ärmere Klasse geübt, auch diese bei sei­nem Herrn und Gott gefunden haben! „Selig sind die Barmherzigen rc." R. J. P.

* Schmalkalden, 22. Jan. Die schon er­wähnte höchst gefährliche Eisenbahnfahrt, welche am letzten Freitag ein Einwohner von Asbach als „blinder Passagier" auf der Werrabahn unter­nahm, wird dem ,Thür. Hfrd? In einem Berichte aus Salzungen de« Näheren wie folgt geschildert: Dis Geschäfte unsere« „Asbacher»", der nebenbei mit Wichse handelt, hatten ihn von Ruhla nach Eisenach geführt, von wo er die Heimreise mit dem Abends nach 9 Uhr von Eisenach abgehenden Personenzuge in der Weise bewirkte, daß er unter einen Personenwagen kroch und sich da auf die Bremsvorrichtung legte. Auf drei Querstangen ruhten Kopf, Kreuz und Füße, während ihm die zu beiden Setten angebrachten Längsstargen Ge­legenheit gaben, fich mit den Händen festzuhalten. In dieser Lage fuhr nun der Wagehals die ganze Strecke trotz grimmiger Kälte und eisigen Windes unbemerkt bi« Immelborn, wo ein Bremser, der mit seiner Laterne wohl die Achsen prüfte, ein — Bein hervorlugen sah. Schnell kamen einige Andere hinzu und der „stocksteif" gefrorene Fahr, gast wurde nicht etwa „an die Luft", sondern in« Trockene — in den Wartesaal und nachdem man ihn tüchtig erwärmt, in ein Bett gebracht. Am andern Morgen, nachdem der „Blinde" seinen ihm verabfolgten Kaffee getrunken und seine Per- sonalien festgestellt waren, dampfte er per pedes seiner Heimath zu.

* Aus Thüringen,21. Jan. Der Präsident des weimarischen Landtages, der Landgerichts- Präsident Fries zu Weida, hat sein Mandat niedergelegt. 24 Jichre hindurch war er Präsident de» Landtages. — Der in neuester Zeit viel ge­nannte Geologe von der Jenenser Universität, Dr. Walther, der, noch nicht dreißig Jahre att, fich durch seine Abhandlungen in verschiedenen Sprachen berett« einen guten Namen erworben hat, wird, eben vom Himalaya zurückgekehrt, im März Jena verlassen, um eine Polarfahrt zu unternehmen.

Neueste Post.

* Lahr, 23. Jan. 5.50 N. (Privatdepesche der Franks. Ztg.) Soeben wurde Herr Dekan Förderer, der frühere Landtagsabgeordnete, ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Der Mörder war erst heute früh aus dem Gefängniß entlassen worden und hatte in der Wirthschaft „Zam Geist" die Absicht geäußert: er werde jetzt zum Förderer gehen und ihn ermorden. Dem Dekan legte er heute Nachmittag 4 Uhr in der Studirstube einen Zettel vor, auf welchen hin der Dekan ihm ahnungslos ein Zwanzigpfennigstück hinschob. In diesem Augenblick brachte ihm der Mörder dreizehn Stiche mtt einem Buchbindermesser in die Brust bei, so daß Foerderer nach verzweifelter Gegenwehr zusammenbrach. Nach der That rühmte sich der Mörder in der nämlichen Gastwirthschaft „Zum Geist" des Verbrechens und äußerte: jetzt müsse ein protestantischer Geistlicher „hin". Es erfolgte sodann seine Verhaftung. Adda ist Buch- bindergehülfe, aus Aach bei Engen gebürtig und 25 Jahre alt. Da» Motiv der Unthat ist noch unbekannt.

Vermischtes.

8 Die Zahl der alten Leute nimmt immer mehr ab. Nach den Mittheilungen des statistischen BüreauS lebten am 1. Dezember 1871 in Preußen 434 Personen, welche über 100 Jahre alt waren; am 1. Dezember 1875 381; am 1. Dezember 1880 359; am 1. Dezember 1885 nur 91. Von den letzteren zählte den größten Prozentsatz die Provinz Posen, nämlich 28, Westpreußen 26, Schlesien 12, Ostpreußen 13, Schleswig-Holstein, Westfalen, Pom­mern, Hessen-Nassau je 2, Rheinprovinz und Brandenburg je 1. — Unter diesen 91 Greisen fiel die Mehrzahl dem schönen Geschlecht zu, nämlich 76,6 °/o; 61 waren kathol., 24 evang., 7 jüdisch ; Wittwen und Wittwer 75, Eheleute 9, ledig 7. Die beiden ältesten Personen waren 2 Witt­wen, von denen die eine 115 Jahre 7 Monate alt im Thorner Kreise (Wefipreußen), die andere 110 Jahre alt im Nagniter Kreise (Ostpreußen), lebten.

Literarisches.

Frankfurter zeitgemäße Broschüren. Neue Folge, herausgegeben von Dr. I. M. Raich. Band X. Heft 2. — Die Jungfrau von Orleans, von Fr. Schauerte. Druck und Verlag von A. Foeffer Nachfolger. Frankfurt a. M. und Luzern 1889. Der fleckenlose Charakter der Jungfrau von Orleans ist in letzter Zeit nach strenger Revision der Akten in so Helles Licht gestellt worden, daß Bischof Dupanloup deren Beatifikations-Prozeß einleiten konnte. Selbst Leo Taxil, der diesen Stoff zu einem Angriff gegen die Kirche aus­beuten wollte, mußte vor dieser hehren Erscheinung die Waffen strecken und sah sich gedrungen, von da an dat zu vertheidigen, was er bisher mit äußerster Energie be­kämpft hatte. In obiger Schrift ist der echt christliche Patriotismus der Retterin Frankreichs, welche ihr Vater­land vielleicht vor dem traurigen Schicksal Irlands be­wahrt hat, nach dem Ergebniß der neuesten Forschungen trefflich geschildert. Die intereffante Paralelle zwischen der Geschichte und der dichterischen Behandlung, welche die Jungfrau in Schillers Drama gefunden, spricht nicht zu Gunsten des großen Dichters. Das historische Ideal hat einen höheren Flug genommen, als der Dichter trotz sei­ner Liebe für seine Heldin gewagt hat.

Meteorologische Beobachtungen der Station Fulda.

E

I

K

Ä

i

Satorn.

Milltm. 1

Therm. S-lstu«.

Temperatur- extreme.

Max. Min.

Wind­richtung u. Stärke.

Wetter

23

24

2 <48,6

9 748,6

7 747,0

—1,4

—5,7

—3,8

-1,4

—7,0

NO2 I NO1 8SW2>

heiter v. heiter trüb

Luftdruck bei eingetretener südwestlicher Luft­strömung unter Bedeckung de» Himmels mit Nimbus-Wolken um 2 mm gefallen.

Ueber Nordskandinavien ist ein Minimum erschienen, welches an der norwegischen Küste stürmische südwestliche Winde verursacht. Im Uebrigen ist die Luftdruckvertheilung wenig verändert. Bei meist schwacher nördlicher Luft­strömung ist das Wetter über Centraleuropa theilweise heiter und fast überall kälter. In Deutschland, wo seit gestern stellenweise geringe Schneefälle stattfanden, liegt die Temperatur bis zu 7 Grad unter dem Gefrierpunkte. In Finnland ist wieder, strenge Kälte eingetreten. (Seew.) Letzte Beobachtung IOV2 Uhr Morgens.

Luftdruck — 747,2 mm. —Lufttemperatur — —3,0 »6. — Luftfeuchtigkeit — 93<>/o. — Wolkenzug — 0. — Windrichtung — SW2. — Himmelsanficht — v. bedeckt.

Weiß gauzseid. Satin merveil- leux v Mk. 1.85 bis Mk. 10.25 pr. Met. — 20 Olual. — verwendet roden- und stückweise Port»- uud zollfrei du» F.drik-repSt ti. Henneberg (». u. 9. Hoflief.) Zttrleh. Muster mngeheu». Briefe kosten 20 Pf. Port».