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entwurf, welchen Minister v. Pultkamer eingebracht hatte, in der Kommission stecken geblieben war. Minister v. Puttkamer wollte den 21 beteiligten Städten insgesammt 4.578,614 Mark mehr auf­bürden, als fie gegenwärtig für die königl. Polizei- Verwaltung bezahlen. Herr Herrfurth dagegen be­mißt die Mehlforderung auf den Betrag von 3,354,122 Mark. Der Kostenantheil berechnet sich auf Grund des Herrfurth'fchen Entwurfes nach Maßgabe der Kopfzahl der Bevölkerung und nimmt bei steigender Einwohnerzahl entsprechend zu. Darnach würde Fulda pro Kopf der Bevölke­rung 60 Pfennige und in Summa ca. 4500 Mk. zu zahlen haben, während sich die nach dem Putt- kamer'scken Entwurf zu leistende Summe auf nahe­zu 7000 Mark belief. Trotz der geringeren Mehr­belastung der betreff. 21 Städte wird die Vor­lage auf energischen Widerspruch stoßen, denn in einer Zeit, wo der Staat an Ueberschüffen labo- rirt, während man das Bedürfniß der Kommunen nach Ueberweisungen aus Staatsmitteln anerkannt hat, sollte der Ausgleich darin gesucht werden, daß der Staat den betreff. Städten eine entsprechende Vergütung gewährt. Von einer Regelung der Handhabung der Polizeigewalt ist in dem neuen Gesetzentwurf keine Rede. Die gesammte Macht- besugniß bleibt in den Händen des Staate», die betr. Gemeinden sollen lediglich stärker als bisher zu den Kosten herangezogen werden. —

• Dem Minister der öffentlichen Arbeiten ist von Seiten des reifenden Publikums die Bitte zu- gegangen, daß die Eisenbahntarif-Bestimmungen, betreffend die Beförderung von Kindern, eine weitere Ermäßigung einschließende Abänderung erfahren möchten. Während fitzt mehrere Kinder im Alter bi» zu vier Jahren völlig kostenfrei be­fördert werden, hat ein Kind, da» da» zehnte Lebensjahr auch nur um einen Tag überschritten hat, den vollen tarifmäßigen Fahrgeldbetrag für Erwachsene zu bezahlen. Die an den Minister gerichtete Bitte geht dahin, für die preußischen Staatsbahnen die Altersgrenze für die zum halben Preis beförderten Kindern von 10 Jahren auf 14 ober doch wenigsten» auf 12 Jahre hinaufzurücken.

* Dem Bericht der ,Han. Ztg.' über die Straf» kammerfitzung bee Landgerichtes Hanau vom 17. ds. Mts. entnehmen wir Folgendes : Ein Schlosser von Fulda war vom Schöffengericht zu 3 Wochen Gefängniß verurtheilt worden, weil er am 21. Oktober vorigen Jahres feinem Stiefvater mit einem Glas mehrmals ins Gesicht geschlagen hatte. Der Angeklagte legte Berufung gegen da« Unheil ein und behauptet, sein Stiefvater lebe feit seiner Entlassung aus dem Zuchthause, in welchem er 7 Jahre zugebracht, getrennt von seiner Frau; derselbe sei nun öfters gekommen und habe Streit angefangen, wobei die Frau gewöhnlich ihre Schläge bekommen habe. Letzteres sei auch am 21. Oktober der Fall gewesen. Nun sei er (der Angeklagte) in die Stube geeilt um seiner Mutter zur Hilfe zn kommen, er sei aber von dem außerordentlich starken und gefährlichen Siefvater auf da» Bett geworfen und gewürgt worden und habe in einem freien Augenblick au« der Tischlade einen Gegen­stand ergriffen, der, wie er nachher gehört, ein Glas gewesen fei, um sich damit zu wehren. Da diese Angaben von dem Haurwirth bestätigt wurden, sprach der Gerichtshof bett Angeklagten kosten­los frei.

* Das Provinzial«Schulkollegium in Cassel macht im Amtsblatt Mittheilung über ver» schiebene Prüfungen. Die Rektoratsprüfung wirb am 6. Juni in Cassel, ble Prüfung ber Schul­vorsteherinnen, sowie ber Lehrerinnen ber franzö­sischen unb englischen Sprache am 14. Mai, die ber Lehrerinnen am 15. Mai in Wiesbaden, die Lehrerprüfung am Seminar zu Dillenburg am i. April, die Aufnahme resp. Entlaflungspiüfung am Seminar zu Usingen am 9. resp. 11. März, die EnÜaffungSprüfung in dem israelitischen Schul« lehrerseminar zu Cassel am 18. März stattfinden.

4- Geisa, 22. Jan. Auch in hiesiger Stadt soll ber bevorstehenbe Geburtstag Sr. M. be» Kaisers festlich gefeiert werben. So erläßt ein Comttö, an bessert Spitze Herr Bürgermeister Kiel, einen Aufruf an ble hiesigen Einwohner zu einem allgemeinen Kommers am Vorabend des Festes tat Gasthof zum Stern hier. Für Sonntag Abend ist Zapfenstreich und sodann Setten» de» hiesigen Kriegervereins eine theatralische Ausführung mit

darauf folgendem Ball im Saale bei Rathhauses geplant. Zur Aufführung gelangen: „Die Dril­linge", komisches Gesangsstück, und hierauf: „Der Weg durch die Küche", militärischer Schwank in einem Akt. Viele unserer Leser werden sich gewiß de» Festes der Enthüllung unseres Kriegerdenkmals freudig erinnern, e» ist aber dadurch der Krieger­verein in Schuldverhältniffe gerathen, bereit er sich bis jetzt nicht hat entlebigen können, er hat leider bis jetzt vergeblich an die Thüren Wohlhabender um ein Scherflein geklopft. Gönnen wir ihm daher ein volles Haus und eine reiche Einnahme.

• Fritzlar, 21. Jan. Sicherem Vernehmen ber ,Fr. Z.' nach wirb die 8. Batterie der hiesigen Artillerie-Abtheilung mit dem 1. April d. I. nach Waldau verlegt, um später nach Fertigstellung der neu zu erbauenden Artillerickaserne nach Kassel übergeführt zn werden. Die Ersatzrekruten zur Kompletirung de» erhöhten Etat« treffen heute hier ein.

• Cassel, 21. Jan. In nicht geringe Auf­regung sind die Eisebahn-Sekretäre der hiesigen königl. Eisenbahn-Betriebsämter Hannover-Cassel und Main-Weser durch die ans Veranlassung de» Herrn Minister» für öffentliche Arbeiten nach den östlich gelegenen Direktionsbezirken verfügte Ver­setzung versetzt worden. E» haben folgende Herren laut ber ,C. A. Z.' ihre Versetzung erhalten: Heldberg nach Breslau, Haase und Dauernheim nach Berlin, Ebell und Praetorius nach Stral­sund, Morell, Hoeffler und Schuchard nach Magde­burg, Stippich nach Cottbus, Fenner nach Walden­burg.

* Frankfurt a. M., 22. Jan. Die ,Frkf. Ztg.' erhält folgende berichtigende Zuschrift: „In Nr. 21 vom 21. d. Mts. Ihrer g. Zeitung lese ich, daß ich laut ,Magdeb. Ztg.' Mitgewinner des großen Looses der preußischen Staatslotterie fein soll. Da» ist ein Jrrthum. Ich habe nie in einer Lotterie gespielt; ein preußische» Staats- lotterie-Loo» habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen, viel weniger ein« besessen und mit dem­selben etwa» gewonnen. Heddernheim. Hartmann, Pfarrer."

* Limburg, 21. Jan. Gestern Abend hielt ber hiesige katholische Gesellenverrin seine dies­jährige General-Versammlung ab. Nach ber Rech- mmgsablage be« Kaffirers betrugen bie Einahmen vom vorigen Jahre 844 M. 34 Pfg., bie Aus­gaben 763 M. 60 Pfg. Der Verein zählt 118 MUglieber unb 146 Ehrenmitglieder. Durchge­reist find im verflossenen Jahre 74 Gesellen, da­von erhielten 26 hier Arbeit. Bei der Wahl von vier Ordnern wurden drei wieder- und einer neu­gewählt. (N. B.)

* Aus Thüringen, 20. Jan. Einer landes­fürstlichen Verordnung zu Folge wird einem An­träge bet Landes-Synode entsprechend im Herzog- thum Meiningen der in die Fastenzeit fallende Bußtag aufgehoben, dagegen der in die Advent- zeit fallende aufrecht erhalten.

* Telegraph und Telephon.

Vorige Woche machte der Staatssekretär v. Stephan über die Entwicklung der Telegraphie und namentlich be» Fernsprechwesen» folgende inte­ressante Mittheilungen: Der Umfang sämmtlicher Telegraphenlinien auf der Erde beträgt gegenwärtig 966,900 Kilometer, also 26 Mal der Umfang de» Aequator». Die Leitungsdrähte haben eine Ausdehnung von 2,724,000 Kilometer, das ist 80 Mal der Umfang der Erde. Auf Europa fallen von ber Gesammtlänge der Tele­graphenlinien von 966,900 Kilometer 558 500 Kilometer, also mehr al« die Hälfte. Im Meere haben wir augenblicklich einen Gesammtbestand von 950 Kabeln. Von diesen waren durch die Staaten unterhalten und von den Staatsverwalt­ungen angelegt, namentlich in den Binnenmeeren Europas, 744 Kabel mit 13,132 Seemellen.

Auch dasFernspr echwesen hat einen großen Aufschwung genommen, und zwar ist da« Fern­sprechwesen in Berlin das wettaus größte der gan­zen Welt, e» übertrifft diejenigen von London, Pari«, selbst Newyork bei Weitem. Im deutschen Reichs-Telegraphen-Gebiete bestanden Ende 1887 164 Stadt - Fernsprech - Einrichtungen, welche im Ganzen 31,325 Sprechstellen mit 45,198 Kilo­meter Leitungen umfassen. Diese Zahlen werden nur Übertrossen durch bie Bereinigten Staaten; well b<i» Stabt - Fernsprechwesen in einer großen

Anzahl volkreicher Industriestädte und bei den Ge­wohnheiten ber amerikanischen Gesellschaft dort eine größere Ausdehnung hat. Dort beträgt die Zahl ber Fernsprechnetze 739, die Gesammtzahl ber Fernsprech-Theilnehmer 158,712. Dagegen betrug in Berlin allein in bet angegebenen Zett — jetzt ist cs viel mehr — bie Zahl ber Thellnehmer 8597, jetzt haben wir etwa 10,000, so daß also von 200 Einwohnern in Berlin immer einer an das Fernsprechnetz angeschloflen ist. Während in ganz Deutschland die Zahl der Fernsprechstellen 33,000 beträgt, beläuft fie sich in Oesterreich-Un­garn nur auf 4200, in Belgien aus 4674, in Dänemark auf 1837, Spanien aus 2218, wovon auf Madrid 1242 entfallen. F ankceich hatte nur 28 Fernsprech-Anlagen, von denen 2 auf Algerien kamen. Im Ganzen zählen die Anlagen in Frank­reich 9487 Thellnehmer. Großbritannien befaß 122 Fernsprechmtze mit 20426 Theilnehmern, Italien 28 Fernsprechnetze mit 9183 Theilnehmern, wovon 1835 auf Rom, 1213 ausNeapel und 748 auf Florenz kommen. In Luxemburg beträgt die Zahl der Anlagen 15, die ber Thellnehmer 483, Norwegen verfügt über 21 Fernsprechmtze mit 3930 Theilnehmern, bie Nieberlanbe besitzen 9 Netze mit 2872 Theilnehmern, Portugal nur 2, in Lissabon und Oporto, mit 541 unb 349 Theilnehmern. Selbst in Rußland hat sich das Fernsprechwesen entwickelt; dort bestehen 36 Fernsprechnetze mit 7589 Theilnehmern, wovon 1500 auf Petersburg, 840 auf Moskau, 700 auf Warschau und 700 auf Odessa kommen. Schweden ist in 137 Städten mit 12.864 Theilnehmern beteiligt. Die Schweiz endlich hatte 1888 71 Stadt - Fernsprechnetze mit 7626 Theilnehmern; davon kommen auf Genf 153, auf Zürich 1066, aus Basel 929 und auf Lausanne 544 Thellnehmer.

Die Entwickelung in Deutschland war nicht möglich ohne Aufwendung sehr erheblicher Kosten. Diese Mittel sind aber, abgesehen von den im Vorjehre bewilligten 11/2 Millionen Mark für Vervollständigung be» Fernsprechnetze», aus den laufenben Fonds entnommen worden. Der Fern­sprecher ist bekanntlich eine Erfindung von Phi­lipp Rei» au» Gelnhausen, der zuerst einen Apparat konstrnirte, m t welchem man Töne in die Ferne übertragen konnte. In der Wissenschaft ist allgemein anerkannt, baß die erste Idee von Deutschland ausqegangen ist, unb ber hochselige Kaiser Wilhelm I. hat ba« auch dadurch bestätigt, daß er der Wittwe Rei» auf Antrag de» Reichs­kanzler» ein Jahresgehalt ausgesetzt hat. Auch ist ihm in seiner Vaterstadt Gelnhausen ein Denkmal errichtet worden. Allerdings hat nach seinem Tods erst der Amerikaner Graham Bell bett Apparat brauchbar gemacht. Ich habe darin von Anfang an ein neues Verkehrsmittel gesehen, das den Briefwechsel und das lästige Schreiben, da» beim Telegraphiren noch nothwendig ist, beseitigte. Ich schickte auch die Apparate dem Herrn Reichs­kanzler nach Varzin und ließ auch dort Versuche machen. E» ist kaum glaublich, wie man damals selbst in der gebildeten Gesellschaft diese Sache nur als amerikanischer Schwindel und Humbug ansah. Da» ist wieder ein Beweis dafür, wie mißtrauisch der Deutsche neuen Erfindungen gegenüber ist. Jetzt aber haben wir da» erste Fernsprechnetz der Welt in Berlin. E» werden in Deutschland täg­lich eine halbe Mellion Gespräche mit dem Fern­sprecher gethan, in Berlin allein 162,000. Da jede» Gespräch Rede und Gegenrede erfordert, macht da» täglich eine Million, jährlich also 365 Millionen Nachrichten, die sonst durch Briese unb Telegramme befördert werden müßten, jetzt aber schneller ankommen. E» ist also ein ganz neuer Krastfaktor, ein neue» Macht-Element in den Ver­kehr und da» gesellschaftliche Leben eingetreten, ja, auch in die Aktion dc» Staate«. Diese großen Erfolge find dem Umstande zu verdanken, daß Bundesrath und Reichstag stets berettwillig bie nöchigen Mittel zugestanden haben. Aber auch die Verwaltung muß sich stet» auf ber Höhe ber Zett halten.__________________________________________________

Eingesandt.

Merkwürdiger Weise hört man in Fulda noch Stimmen, die es nicht unbedingt für nöthrg finden, die Stadt mit einer neuen Wasserleitung zu versehen. ES find die» Leute, die in dem Stadttheil wohnen, der gerade mit dem allernSthigsten Wasser versehen ist und fich um die be­rechtigten Ansprüche ihrer Rebenmenschen nicht kümmern. Einsender dieses erlaubt fich deßhalb, die WasserverhLlt- nisse de» neuenStadttheil» nach demBahnhofe