würde das eine das andere nicht unbedingt ausschließen.
* Das preußische Abgeordnetenhaus trat heute in die erste Berathung des Etats du. Abg. Frhr. v. Huene (Centr.) erklärte fich im Ganzen mit dem Etat einverstanden, wünschte aber eine Aufdefferung der katholischen Geistlichen, sowie eine Ueberwdsung der halben Grund- und Gebäudesteuer an die Gemeinden. Den Gedanken an eine Aufhebung der Getreidezölle wies er zurück; das würde ein Verbrechen am Vaterlande sein. Eine weitere Belastung der Bevölkerung durch indirekte Steuern dürfe nicht stattfinden, vielmehr sd durch dtte Reform der direkten Steuern eine gerechtere Verthdlung der Steuerlast herbeizuführen. Abg. Hubrecht (nat.-lib.) verwies auf die schwankenden Grundlagen der jetzt so günstigen Finanzlage und befürwortete eine durchgreifende Reform der direkten Steuern. Abg. Rickert (frs.) bezweifelte das Zustandekommen dieser Reform und bestritt gegenüber der Thronrede, daß aus einer Zunahme der Sparkaffen-Einlagen auf eine Besserung der wirth- schaftlichen Lage geschlossen werden dürfe. Die Löhne seien nicht gestiegen, die Landwirthschaft habe fich durch ihre Klagen um den Kredit gebracht. Mit Prtvatbahnen wären wir in Bezug auf Tarifermäßrgungen weiter gekommen. Man sollte die Emkommenstmer kontingentiren. Der Reichstag hat 300 Millionen festgelegt, die von den ärmsten Klaffen getragen werden müßten. Finanzminister v. Scholz trat den Ausführungen Rickert'» entgegen. Er fragte Rickert, wie dieser die Bedürsniffe des Reiche» decken wolle. Die Berathung wird morgen fortgesetzt.
* Vom Rhein, 18. Jan. Nachdem dieöffent- lichen Blätter in letzter Zett gar Mancherlei, Verständige» und Thörichte», über die Verwendung der sogenannten Sperrgelder gebracht haben, dürste e« vielleicht von Interesse sein, Kenntniß zu nehmen von der im vorigen Jahre schon seitens der Pfarrgeistlichkeit des Dekanats St. Goar an das Abgeordnetenhaus gerichteten Adresse. Dieselbe enthält Alles zur Sache Rothwendige kurz und bündig. E« war das letzte amtliche Schriftstück, welches der verstorbene Dechant Berger zwei Tage vor seinem Tode unterzeichnete. Nachstehend der Wortlaut:
An das Hohe Haus der Abgeordneten zu Berlin, zu Händen des Freiherrn v. Dalwigk, Abgeordneter des Wahlkreises Coblenz-St. Goar.
Einem hohen Hause der Abgeordneten erlauben sich die Pfarrer des Dekanats St. Goar das Folgende vor- zutragen.
Nachdem durch die vorigjährigen kirchenpolitischen Gesetze in den letzten preußischen Blsthümern die geregelte Seelsorge wieder möglich geworden und in Folge jener Gesetze die durch das Gesetz vom 22. April 1875 über die katholische Geistlichkeit Preußens verfügte Gehaltssperre wieder aufgehoben ist, tritt die Frage nach der Rückzahlung der seit dm Jahren der Sperrung angesammelten
und Geschäft ein. Leider gesellt sich naturgemäß zum Luxus auch die Unsittlichkeit, welche in Norwegen furchtbare Ausdehnung genommen hat, und alle Gutdenkenden fragen sich entsetzt, wohin da» führen soll. Man weiß, daß da» Mark de» Volke» bedroht ist; Staat und Gemdnden erlassen die schärfsten Gesetze gegen die Unsittlichkeit, und allenthalben entstehen Sittlichkettsverdne, um die Ausführung der Gesetze zu fördern. Möge Gott diese Anstrengungen segnen! Aber so lange nur natürliche Mittel zu Gebote stehen, so lange die katholische Glaubens- und Stttenlehre nicht wieder auf den Thron gestiegen ist, von dem man sie mit Gewalt gerissen, wird keine gründliche Besserung kommen.
Was nun die Religion betrifft, so ist der Norweger von Haus aus christlich gesinnt und ist der Religionshab dn ihm unbekanntes Ding, wenn auch der rdigiöse Jndifferentismur in letzter Zeit sehr um sich grdft. Die lutherische Religion ist Staatsreligion, in welcher der König Papst, die Abgeordnetenkammer Konzil, die 6 lutherischen Bischöfe Staats-Inspektoren ohne alle Gewalt und die Priester Staatsbeamte find. Der lutherische Gottesdienst hat noch Vieles vom katholffchen Gottesdienste bdbehalten, wie z. B. einen großen Theil der priesterlichen und bischöflichen Gewänder, und letzte» Jahr hat man durch ein Gesetz die lutherische Liturgie der katholischen noch viel näher gebracht.
Die Staat»kirche zerbröckelt aber immer mehr, und haben sich in Norwegen Sekten von allen möglichen Benennungen gebüdet. So gibt e«z. B.
Gelder wohl bald zur Tagesordnung des hohen Laufes. Es ist nicht die Absicht der Pfarrer des Dekanais St. Goar, sich über das durch das kirchenpolitische Gesetz vom Jahre 1875 uns zugefügte Unrecht eines Weiteren zu Der« breitm, nachdem das genannte Gesetz ja längst von Freund und Feind als ein dem Klerus zugefügtes Unrecht ver- urtheilt worden ist. Es ist seiner Zeit ja das Ungerechte dieses Gesetzes der Pfarrgeistlichkeit in Entbehrungen und Roth zum Bewußtsein gekommen. In welcher Lage während der Gehaltssperre wir waren, ist leicht zu denken. Wenn bei einem Gehalte, das damals auf 1500 Mark normirt war, uns über 1200 Mark zurückbehalten wurden, dann ist ja klar, entweder mutzte der Geistliche Schulden machen, wenn er kein Privatvermögen besaß, oder die Gemeinde mußte ihm Beihilfe leisten, was aber, einzelne Ortschaften ausgenommen, nicht viel heißen wollte. In jedem Falle erfordert es die Billigkeit, daß uns das Entzogene restituirt werde, um damit die Schulden zu tilgen, oder aber in irgend einer Weise den Pfarrgemeinden zu ersetzen, was sie nothgedrungen für uns thaten, ja auch, wenn der Fall vorliegt, um die Lücke im Privatbesitz wieder auszugleichen und es für die ungewissen Tage des Alters zu haben. Eine Feststellung des den Einzelnen entzogenen Betrages ist mit keinen Schwierigkeiten verbunden.
Wollte man aber bei dem bevorstehenden Erlaß eines Gesetzes über die Berwmdung der angesammelten Beträge das uns und nur uns allein Gehörige uns entziehen und zu irgend welchen anderen Zwecken verwenden, so könnten wir ja darin nur eine Erneuerung und Fortsetzung des 1875 gegen uns begangenen Unrechtes erblicken — dessen halten wir aber das hohe Haus in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht fähig.
Es ergeht daher an das hohe Haus unsere gehorsamste Bitte:
„es möge bei dem jdemnächstigen Erlasse „eines Gesetzes über die Rückzahlung „der Sperrgelder das hohe Haus sich „dahin aussprechen, diese Summen seien „denjenigen zu erstatten, denen sie entzogen wurden, da diese das erste und „einzige Recht darauf haben." —
Eines hohen Hauses der Abgeordneten gehorsame Pfarrer des Dekanats St. Goar.
I. B.
Der Dechant gez. I. B. Berger.
Pfarrer von Boppard. Boppard, den 4. Januar 1888.
Der unterzeichnete Dechant ist literarisch unter dem Namen „Gedeon von der Heide" bekannt. Der Standpunkt der Petition ist der moralisch rechtlich und politisch begründetste.
* Köln, 22. Jan. Der hochw. Herr Erzbischof hat fich heute zu einer Audienz bd S. M. dem Kaiser nach Berlin begeben.
* Der Herzog von Sachsen-Meiningen und Gemahlin treffen am Freitag zum Besuch am Berliner Hofe ein.
Ausland.
* Pari», 20. Jan. Die Kammer hat den Antrag LefZore-Pontalis abgelehnt, die Seminaristen und Priester bet der Mobilmachung dem Krankendienst zuzutheilen. Laffont vsr- stcherte, die Priester feien an Metzeleien gewöhnt, also an ihrem Platze in den Reihen der Soldaten.
in der kleinen Stadt Hammerfest allein 8 verschiedene religiöse Bekenntnisse. So traudg auch solche Zustände find, so bewdsen sie dennoch, daß die Reltgion dem Volke ein Bedürfniß ist. Da e» aber in keiner protestantischen Sekte Befriedigung für seinen Drang findet, so tastet es ziellos umher. Früher mußte Jeder zur Staatsktrche ange- hören, und das katholische Bekenntniß unterlag den schwersten Sttafen. Im Jahre 1845 aber wurde gesetzlich religiöse Freiheit proklamirt und sdther auch in der umfassendsten Weise geübt, so zwar, daß in manchen katholffchen Ländern die Kathokcken un» um unsere Freiheit beneiden möchten. So kümmert sich der Staat nicht um die Ernennung der Priester, und der katholische Priester, der eine Ernennung von dem von Rom gesandten kirchlichen Obern besitzt, wird in allen seinen Amtshandlungen und Akten anerkannt und gesetzlich geschützt. Zwar bleiben noch dnige Spuren der früheren Gesetzgebung, aber Jahr für Jahr entfernt der Staat immer mchrere, sogar ohne daß es uns große Anstrengung kostet.
So steht unserm gedeihlichen Wirken in Norwegen Nichts entgegen, al« unser großer Mangel an Priestern und unsere noch größere Armuth. Leider konnten wir bisher in diesem ausgedehnten Lande erst 8 feste Stationen gründen, die noch nicht dnmal dotirt sind, und viele, viele Stävte von 5- bis 20,000 Einwohner find ohne Priester, und verkümmern sogar die dort wohnenden Katholiken. Wo wir aber Stationen errichten konnten, da erfreuen wir uns eines gesegneten Erfolges. Schon die bloße Gegenwart unserer Priester und
Der Berichterstatter Gugot verlangte im Namen des Ausschusses die Ablehnung; es sei Sache der Kriegsministers, zu bestimmen, wer zum Krankendienst ober zur Seelsorge im Felde zu verwenden sei. Der Radikale Jourdan betheuerte, er sei eben so sehr Freidenker wie jeder Andere, aber er finde e» anstößig, daß dn Priester Waffenrock und Tornister trage. Floquet trat gegen den Antrag ein, der darauf mit 329 gegen 223 Stimmen abgelehnt wurde. Dagegen unterstützte Floquet den Antrag Msgr. Freppel's, daß die Pfarrer und Seelsorger nur durch besonderen Befehl eingerufen werden können. Der Antrag ging denn auch durch; doch ist dies kdne Bevorzugung der Pfarrer, denn auch Gymnasialdirektoren und eine ganze R-ihe Beamten genießen dieselbe. Dagegen wurde der Antrag abgelehnt, welcher diese theil« rodfe Befreiung auch den Miffionaren verschaffen sollte. — Die Austreibung der Ordensleute aus den öffentlichen Schulen wird mit allen Mitteln betrieben. In Tessoualle bd Anjou drohte der Schulinspektor, so lange auf Kosten der Gemeinde im dortigen Gasthof zu bleiben, bi» der Gemeinderath in die Verweltlichung willige. Der Gemeinderath ließ sich dadurch schrecken, denn seins Mitglieder wissen nicht, daß der Inspektor gesetzlich kein Recht hatte, sdne Drohung aurzuführen; aber sie wissen jedenfalls au» Erfahrung, daß die Gesetze eine republikanische Behörde wenig hindern, wenn e» eine Benachtheiligung der Kirche gilt.
* Der französische General Borgui» de» Bordes griff am 17. d. bei Ehomai und Tschotschu einen Haufen von tonkinefischen Piraten, welche die Bewohner der Umgegend geplündert und ge- brandschatzt hatten, an und besetzte nach einem lebhaften Kampfe, bei welchem die französischen Truppen einen Offizier und etwa 12 europäische Mannschaften verloren, den Ort Chomai.
* Die schwedische Hauptstadt und mii ihr ganz Schweden beging gestern den 60. Geburtstag des König« Oskar. Die ersten Glückwünsche gingen dem König von dem Kaiser Wilhelm und der Kaiserin Augusta zu. Stockholm war zur Feier des Tages festlich geschmückt und am Abend glänzend illuminirt.
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiets
Fulda, 23. Januar.
* Wie bereits vorgestern im politischen Theile unseres Blattes mitgttheilt wurde, ist der Gesetzentwurf, betreff, die Kosten der Polizei, in bett 21 Stäbten mit königl. Polizriverwalung, zu betten bekanntlich auch Fulba gehört, seitens de» Minister» Henfutth dem Abgeordnetenhause wieder vorgelegt worden, nachdem der vorjährige Gesetz-
Ordensschwestern hat dort die Abneigung gegen den Katholizismus in Zuneigung verwandelt. Die Protestanten wohnen fleißig unserm Gottesdienst und Unterricht bei, vertrauen ihre Kinder unfern Schulen an und nehmen mit .Vorliebe unsere barmherzigen Schwestern in Anspruch. Es ist ganz rührend, welche Liebe sie diesen Ordens-Schwestern entgegenbringen. Als diesen Sommer unsere Schwestern zu Christianta ihr zu eng gewordene» Spital erweiterten, steuerten unsere protestantischen Mitbürger um die Wette Baumaterial und Geld bd und der protestantische Architekt lieferte den Plan unentgeltlich. Die Stadtverwaltung aber entband sie vor wenigen Monaten für immer von den Steuern, die Pferdebahn gibt ihnen ftde Fahrt, und sie wie alle unsere Schwestern reifen auf allen Schiffen Norwegens um den halben Preis und oft unentgeltlich. Wir können Gott und unserm liebm Landsleuten, bett Behörden wie den Untergebenett, nicht genug danken für alle die Liebe, die wir in Norwegen finden. Mögen wir sie ihnen dadurch vergelten können, daß wir sie mit Gottes Gnade zurück führen in die Arme der Mutter, von der die meisten au« ihnm noch getrennt find, in die allein selig machende Kirche!
Und nun bitte ich Sie um Entschuldigung, wenn ich gar zu lange geredet und doch noch so Viele« übergehen mußte, da« Sie wohl erwartet hattm. Da» Thema war zu ausgedehnt und meine Kräfte zu schwach. Aber der Wille war gut, und damit werden Sie fich bd einem armen Missionär wohl begnügen müssen. _____