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* Die Verlobung der Prinzcffm Henriette von Belgien mit dem Prinzen Ferdinand von Hohenzollern, dem rumänischen Thronerben, gilt als beschlossene Sache.

• Präsident Carnot soll das Dekret betreffend die Rückberufung des Herzogs von Aumale nach Frankreich bereits zur Unterzeichnung vorliegen. Bekanntlich wurde der Herzog vor bald 3 Jahren auf Betreiben des damaiigen Kriegsministers Bou­langer cxilirt.

• Petersburg, 18. Jan. Wie von an­geblich zuverlässiger Seite gemeldet wird, ist das Nervenleiden der Kaiserin von Rußland nicht von direkt Besorgniß erregender Art; es bestehe in einem nervösen Zittern, welches dieselbe plötzlich befällt und meist nur wenige Sekunden oder Minuten anhält. Die durch die furchtbaren Gemüthserschütterunzen bei der Katastrophe von Borki hervorgerufenen Weinkrämpfe hätten stch in neuester Zeit nicht mehr wiederholt. Aus Rom wird der ,D. News' telegraphirt, daß die Zarin einige Monate in Neapel verbringen solle, wo auch der König von Dänemark und der Herzog von Cumberland zum Besuche eintreff m würden.

* Da» nordamerikanische Einwanderung«- komite empfiehlt, jeden Einwanderer mit 5 Doll, zu besteuern, ausgenommen Touristen und Geist- liche.___________________________________________________________

AuS Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 21. Januar.

* Zum Ersatz für das herkömmliche, diesmal jedoch in Wegfall gekommene Weihnachtsspiel ver­anstaltete der katholische Gesellenverein gestern in der „Harmonie" eine theatralisch-musikalische Abendunterhaltung. Der Zudrang war so stark, daß dieVerzichtleistung auf „reservirte" Plätze als etwas Selbstverständliches erschien. Nachdem die städtische Kapelle mit einem Festmarsch und sechs Zitherspieler die Unterhaltung mit einem seiner Neuheit wegen sehr beifällig aufgenommenen Vor­trag eingeleitet hatten, dankte der hochw. Herr Präses, Stadtkaplan Dr. Schmitt, den An­wesenden für die außerordentlich rege Betheiligung und da« dem Verein auf'» Neue kundgegebene Wohlwollen, deffen tiefster und nachhaltigster Grund jedenfalls in dem nützlichen Zweck des Gesellen­vereins zu suchen sei. Diesen Zweck näher be­sprechend entwarf der Herr Präses ein kurze» Lebensbild des Gesellenvaters Kolping, erwähnte die von demselben in Köln und Elberfeld gegrün­deten ersten Gesellenvereine, sowie die gegenwär­tige große Ausbreitung der ca. 80,000 Mitglie­der zählenden Gesellenvereine und empfahl zum Schluffe in einigen humorvollen Wendungen die finanziellen Nöthen des Gesellenvereins Fulda, die der projektirte Gesellenhaur-Nsubau mit sich bringe, der gütigen Berücksichtigung seiner vielen Gönner und Freunde. Die Mittheilung, daß einer der­selben unlängst die namhafte Summe von 1000 Mark gespendet habe, ließ allseitige freudige Ueber- raschung laut werden. Der Ansprache des Herrn Präses folgte ein zweiter Zithervortrag, Terzett, deffen mit Glockentönen untermischten anmuthigen Klänge bei der gespannten Aufmerksamkeit des Publikums im ganzen Saale deutlich zu verneh­men waren. Sodann wurden die Zuschauer durch ein glanzvoll aurgestattetes leben­de» Blld „Graf Rudolph einem Priester mit der hl. Wegzehrung begegnend" in ebenso würdiger als wirkungsvoller Weise auf den Haupt­gegenstand de« Programms, das dreiaktige dra­matische Bild „Rudolf von Habsburg" vorbereitet. Was über den herrlichen Inhalt dieses Stücke» bereits vor einigen Tagen in unserem Blatte gesagt worden ist, hat die Auffühmng voll­kommen gerechtfertigt. Die Titelrolle gelangte trotz ihrer nicht zu verkennenden Schwierigketten an­schaulich zur Geltung und war so recht geeignet, den christlich denkenden Zuschauer in seinem edelsten vaterländischen Empfinden anzuregen und zu er­wärmen. Dabei wurde der hohe sittliche Emst des Stücke« gemildert durch humoristische Scenm, so daß die lebhafte Mannichfaltigkett des Ganzen ben Mangel einheitlichen dramatischen Ausbaues übersehm ließ. Auch die sämmtltchm Mitspieler hattm sich ihrer Aufgabe mit löblichm Eifer unterzogen und so zum Gelingen der Auffühmng da» ihrige nach Krästm beigetragen. Wenn stch

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auch mitunter in etwa» zu raschem, monotonem Sprechen da» „Lampenfirber" bemerkbar machte, odrr wenn von einem grimmigen Raubritter an­der 3 'it Rudolf'» von Habsburg erwartet werden mußte, daß er fest auf den Beinen stehe und nicht mit den Schenkeln nach allen möglichen und unmöglichen Richtungen gliederpuppenartig um sich werfe, so störten diese kleinen, v.tzeihlichen Mängel doch keineswegs den befriedigenden Eindruck des Gesammtfpiels. Ein ernstes Drama mit Würde in Scene zu setzen, ist ja, zumal für Dilet­tanten, weit schwieriger als die Aufführung von Possen und Karnevalsscherzen. Der Einlettung entsprechend fand das Stück in einem leben­den Bilde „Krönung Rudolf'»" auch seinen Ab­schluß. Beide wurden von Knabenstimmen be­gleitet, welche die betreffenden feierlich emsten Gesänge recht sicher und wohlklingend zu Gehör brachten. Nach Erledigung de» Programme» über­ließ man stch von 10 Uhr ab der heiteren Ge­selligkeit, de» wohlverdienten Erfolges sowie ,ber angenehm verbrachten Stunden sich herzlich freumd. Wir schließen den ohnehin über unsere Zeit und Ab. sicht ausgedehnten Berichtjmit den Schlußworten der Ansprache des Herrn Präses: „Gott segne das ehrbare Handwerk!"

□ In der Generalversammlung des hiesigen Kriegervereins vom 19. b. M. würbe der Kassenbericht pro 1888 vorgetragen. Nach bem» selben setzt sich bas Vermögen bes Vereins fol- genbermaßen zusammen:

Ve^valtungskasse 67,43 M. Sterbekafle 1695,11 „ Unterstützungskasse 753,23 „ Werth bes Inventars 1319,88 „

Summa 3835,65 M.

Das Jahr 1887 schloß mit 3498,78 M. ab. Demnach ist bas Vereinsvsrmögen um 336,87 M. gewachsen. An Unterstützungen würben 255 M. unb an Beerbigungskosten 198 50 M. gezahlt. Mitglieber hat ber Verein 254 (gegen 250 im Vorjahre). Gleichzeitig würbe über bas Ergeb- niß ber Cigarrenspitzensammlung Bericht erstattet unb entnehmen wir demselben, daß die Einnahme ber bes Vorjahres ziemlich gleich kommt. Es konnten acht debürftige hiesige Witwen ehemaliger Solbatc», sowie zwei Anstalten mit zusammen 52 M. bebacht werben. Die Geschäfte bisset Samm­lung werben in dem laufenden Jahre von ben Kameraben Eckharbt, Hörning, Banblow unb Klager besorgt.

• Ueber ble gestern in Berlin begangene all­jährliche Feier bes Krönungr- unb Orben- feste» und die dabeistattgefundenenAuszeichnungen berichten wir morgen.

i? Hünfeld, 21. Januar. Die am gestrigen Abend vom hiesigen kath. Gesellen- und Meister­verein veranstaltete theatralische Abendunterhaltung war sehr stark besucht. Die aufgeführten 2, 3 und 4stimmigen größer« und schwierigen Gesang, stücke, sowie da« Theaterstück „Die Prozeßlustigen" wurden mit großer Präzision vorgetragen unb setzten burch ihren Inhalt bie Lrchmuskeln ber Anwrsmben nicht wenig in Bewegung. Der Herr Lehrer Lang, al» Dirigent be» Gesanges im Ver­eine, hat burch Aufführung ber Gesangsstücke wieberum bewiesen, wie er mit einfachen Hand­werkern schwierige Gesangsstücke einzuüben versteht, unb die Mitglieber des Verein« haben gezeigt, daß auch in bem an unb für sich kleinen Vereine Vieles geleistet werben kann, wenn Lust unb Liebe zur Sache vorhanben ist.

-Fritzlar, 18. Jan. Hinfichtlich unserer Garnison sehen wir hier in nächster Zeit einer Veränbemng entgegen. Dem Vernehmen nach wirb infolge der jetzt beginnenden neuen Reorga­nisation der Feldartillerie eine der hier in Garnison liegenden 4 Batterien nach Kassel verlegt werben, um ben Stamm zu einet neu zu formierenben Abtheilung bes Felb-Artillerie-Regiments Nc. 11 zu bilben. Die Abheilungen werben fortan aus 3 Batterien bestehen, wie bie» schon bisher bei den reitenden Abtheilungen der Fall geroefen ist. Dafür werden aber die sämmtlichen 6 Geschütze der hier verbleibenden Batterien Bespannung er. halten, so daß eine erhebliche Erhöhung der Etats an Pferden erforderlich wird. Trotzdem sich bie Zahl bet Batterien hier verringert, wirb die Zahl der befpattttten Geschütze von 16 auf 18 steigen.

(Fr. Z.)

-7- Steinbach, 18. Jan. Herr Pfarrer Blume dahier lud am Neujahrstage b. I. bie Männer von Steinbach zu einer Versammlung ein, zwecks Gründung eines Anti-Sklaoerei-Vereins in hiesiger Pfarrei, bie auch recht gut besucht war. Nachdem genannter Herr den Erschienenen bie Sache recht bringend an'« Herz gelegt unb auch ben Auf­ruf unseres hochwürbigsten Herrn Bischof« Joseph verlesen hatte, würbe unter allgemeiner Zustim­mung ber Anwesenben zur Grünbung be» Verein« geschritten unb traten demselben in wenigen Tagen 57 Mitglieder bei, bie auch theilweise ihren bie«» jährigen Beitrag bereit« entrichteten. Statuten­gemäß muß auch j:ber Zweigverein einen Präfi- benten, Schriftführer unb Schatzmeister wählen. Diese Wahl geschah burch Akklamation unb würbe einstimmig H:rr Pfarrer Blume zum Präsidenten, Lehrer Schramm zum Schriftführer unb Herr Ge- meiubc-Erheber D.hler zum Schatzm.nster gewählt. Danach würbe auch noch bie Errichtung einer Fortbilbungsschule in hiesiger Gemeinde zur Sprache gebracht. Dieselbe würbe auch am 10. Januar c. mit 27 ber Schule bereits entwachsenen jungen Leuten bei Anwesenheit des König!. Herrn Lokal- Schulinspektor» Pfarrer Blume, des Herrn Bür­germeisters L Vogl eröffnet. Der Unterricht wird gemäß einer Verfügung ber König!. Regierung zu Cassel im Lesen, Schreiben mit Zeichnen und Rech­nen mit Raumlehre in wöchentlich 4 Stunden er« theilt.

△ Au« dem Freigericht, 18. Jan. Die kgl. Eisenbahndirektion hat nach Maßgabe einer diesbezüglichen Petition eine recht zweckmäßige Einrichtung getroffen, indem zwischen Hanau unb Langenselbold-Bahnhof ein abendlicher Extrazug eingelegt wurde, welcher den Bewohnern des Frei­gerichtes und einigen umliegenden Orten willkom­men ist. Diese angenehme Neuerung dürste eine deutliche Antwort für alle Diejenigen fein, die f. Z. in ber Postfrage Somborn—Bahnhof Langen­selbold mit allen möglichen Hebeln bem starken Verkehr au» bem Freigericht nach Meerholz das Wort redeten und erklärten, nach Hanau verkehr­ten nur Butterweiber. Damit dürfte wohl auch die s. Z in Umlauf gesetzte Gegenpetition in unserer Poststage etwas abgeschwächt werben, denn die Führung obigen Extrazuges bis nach Meerholz soll abfchläglich beschieden worden fein. Möge nun auch bald ber walbige Fußweg biesseits bes Freigerichtes über bem Bahnkörper für Fuhrwerk fahrbar gemacht unb Abends beleuchtet werben, denn ber lästige Umweg für Fuhrwerk nach bem Güterichoppen beträgt ca. eine Viertel-Stunbe.

Vermischtes.

* Professor Herrig, als Sprachgelehrter und Lehrer bekannt, ist Donnerstag-Abend in Berlin plbtzlich gestorben.

* Die Bayreuther Bühnenfestspiele sollen in diesem Jahre nun doch noch und zwar in der Zeit vom 21. Juli bis 18. August stattfinden.

Wohlthätig ist des Bieres Macht, Wenn's wird genossen mit Bedacht. Zu Allem, was man wirkt und schafft, Verleiht es Liebe, Lust und Kraft.

Drum, liebe Seele, merk' es dir, Ts geht nichts über gutes Bier. Doch wo man Unechtes mit Echtem Und 's Gute mischet mit dem Schlechte», Da giebt es einen schlimmen Trank.

Drum frage, wer ein Glas sich spendet. Vorsichtig^ welches Bräu es sendet. Kurz ist der Rausch, der Kater lang.

* Fulda, 21. Jan. Dem heutigen Schweinemarkt waren ca. 150 Läufer und 120 Ferkel angetrieben. Läufer 20 bis 40 Mk., Ferkel 6—15 M. Handel gewöhnlich.

Meteorologische Beobachtungen der Station Fulda.

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Bettet

bedeckt

-2,0

—6,9

1,0

-3,2

bedeckt

Herrn, «elfiui.

neblig trüb

Lemporatur- ertreme.

Mai. | Mtn.

—2,6

—2,2

—0,6

1,0

—1,0

—1,2

Wind- richvmg u. Starte.

SOI

SWl Windstill

SWl

Schneehöhe heute Morgen — 0,8 cm. Tages­mittel ber Lusttemp. jetzt 1,7° höher al» normal. Zug bet unteren Wolkenschicht (Nimbus) au« NNW.