Donnerstag, den 17. Januar.
1889
Jtitong.
Miill
Die ,Fuldaer Zeitung' «scheint täglich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit d« belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mark 50 Pfennig, auSwSrt» 1 Mart 55 Pfennig.
Inserate: Die einspaltig» Zeil» ob« deren Raum 16 Pf., bei Wiederholungen entsprechend« Rabatt.
* Ueber Landtagseröffnung und Thronrede
schreibt eine Berliner Centrumskorrespondenz vom 14. d. Mts.:
Die Eröffnung der ersten Arbeitrsession de» preußischen Landtages unter Wilhelm II. erfolgte unter großem Glanze und zahlreicher Thellnahme. Bon den Abgeordneten waren gegen drei Viertel erschienen. Tie Diplomatenloge war stark besetzt. Dem Inhalt der Thronrede sah man mit um so mehr Spannung entgegen, als diese Session ja die erste einer fünfjährigen Gesetzgebung». periode ist. Der Inhalt hat aber einigermaßen enttäuscht. Was in der Thronrede gesagt ist, war zum größten Theile in der Prefle bereits angekündigt, dagegen übergeht sie Manches, da« man sicher erwartet hat, vollständig mit Schweigen. Sie enthält nichts von einer kirchenpolitischen Vorlage, nichts von der in der Presse in Aussicht gestellten Landgemeindeordnung, nichts von der Ueberweisung der Grund- und Gebäudesteuern an die Gemeinden.
Das katholische Volk wird mit Bedauern besonders jede Andeutung über weitere Revisionen der Maigesetzgebung vermissen. Zahlreiche Verbefferungen, welche Bischof Kopp bei den früheren Revisionen als nothwendig betrachtete, harren ja, damals abgewtefen, noch der Erledigung ; Papst Leo XIH. selbst erblickt in dem gegen- wärtigen Zustande nicht den Frieden, sondern bloß einen Zugang zu demselben. Wenn also jetzt keine weitere Maigesetzrevision angekündtgt wird, so wird das Volk daraus folgern müssen, daß auch keine beabsichtigt ist. Am bedauerlichsten aber ist, daß selbst eine Vorlage über die Verwendnng der Eperrgelder nicht in Aussicht gestellt ist, ob- wohl bei einer gerechten Lösung der Frage von Schwierigkeiten gar nicht die Rede sein kann. Aber wie im Sturm kamen die Falk'schen Vorlagen geflogen, tropfenweise aber folgt die Besserung. Oder sollten die Offiziösen Recht behalten mit ihrer Behauptung, daß der jetzige Zustand schon als „voller Friede" betrachtet würde? Dann würde die Enttäuschung in Rom nicht minder groß sein, wie bei dem katholischen Volke.
Mit Genugthuuug kann man dagegen die in der Thronrede aurgesprechene Hoffnung auf Er- Haltung des Friedens begrüßen. Verheißen läßt sich der Friede bei der jetzigen Lage mit Sicher-
M«»« Mn
Roman von Gabriele d'Lrvor.
(67. Fortsetzung.)
„Genug, junger Mann/ unterbrach der Kommandant Pody kalt; „Ihr habet kein Recht, den Engländern den Prozeß zu machen. Wir thun unsere Pflicht, und England» Nachsicht ist oft zu groß gewefen gegen diese» unwürdige Land, da« mit Empörung auf wohlwollende Maßregeln der Regierung antwortete
„Da» ist eine Lüge!" schrie William, der sich in einer leicht erklärlichen Aufregung befand. „Ihr seid Tyrannen, Ungeheuer, und Ihr wollet Euch noch beklagen, daß Eure Opfer nicht die Hand küssen, die sie schlägt I Ohne die ungerechte Herrschaft der Engländer würde meine Braut nicht verhaftet worden sein, sie hätte keinen Grund gehabt, zu fliehen und mich zu verlassen. Ihr abscheuliche Engländer, seid es, denen ich mein Unglück verdanke, ich verfluche Euch, ich wünschte, Euch Alle in diesen Flammen zu sehen! Möge Eure Verrälherrace untergehen auf ewig!"
„Herr Kommandant, der Mann ist wahnsinnig, soll man ihn arretiren?"
heil allerdings nicht, aber d-r Absatz über die europäische Lage klingt doch so zuversichtlich, daß er sicher zur Hebung de« Vertrauens in der Geschäftswelt beitragen wird. Die Leußerung über den Frieden knüpft, rote die Reichstagrthronrede, an die Kaiserretse an, ein Beweis, daß sich seit jener Zeit nicht« zum Schlimmeren geändert hat. Von afrikanischen, kolonialpolitischen Dingen enthält da« Dokument nicht«, well diese Sachen vor den Reichstag gehören.
An den Abschnitt über die auswärtige Politik schließt sich dann eine sehr günstige Darstellung der wirthschaftlichen Lage. Als Beweis wird der sehr günstige Stand der Sparkassen herangezogen, deren Einlagen bedeutend gewachsen seien. Dieses Steigen der Sparkassenbestände liefert indessen ke inen Beweis für den wachsenden Wohlstand. Der Zinsfuß für Kapitalien ist in letzter Zeit so gefallen, daß Viele ihre Gelder der Sparkasse überweisen, roetf sie sonst auch nicht mehr Zinsen erhalten. Anderersells aber läßt da« Steigen auch den Schluß zu, daß da« Kapital sich der Betheiligung an der Produktion abwendet, was sich leicht durch die Furcht vor kriegerischen Verwicklungen erklären ließe.
Bei der günstigen Finanzlage wird dann in der Thronrede ein doppeltes Ziel ins Auge gefaßt: 1. die Erleichterung von Steuern und 2. die Befriedigung dringender Bedürfnisse. Grundsätzlich kann man ja nur mit diesen beiden Zielen einverstanden sein. Aber was und wie viel an Steuern Hachgelassm werden soll, davon erfahr»» wir nicht viel. In Aussicht gestellt werden nur: eine Reform des Jmmobllienstempels, Erleichterung der Schullasten durch erhöhte Staatszuschüsse, Erhöhung der Gehälter der Geistlichen, Befteiung der Lehrer von Wittwenkassenaeiträgen und Alterszulagen für Volksschullehrer. Diese Erleichterungen werden ja in den Interessentenkreisen, denen sie von Herzen zu gönnen sind, Freude und Beftie- digung erregen, aber von einer Erleichterung der breiten Klassen der Bevölkerung, von einer Befreiung weiterer niedriger Steuerstufen ist nicht die Rede, obwohl diese ja durch viele indirekte Steuern der letzten Jahre belastet worden sind.
Längst angekündigt in der Presse und gefordert in den Wahlauftufen der Kartellparteien war die Reform der direkten Steuern in Preußen. Ueber die Art dieser Reform enthält die Thronrede zwei Andeutungen. Erstens wird die aller-
„Rein, wir haben keine Gewalt über ihn; Lord Sulton wird bestimmen, wa« mit ihm zu geschehen hat. Stände er nicht unter Mylords Schutz, so hätte ich ihm schon eine Kngel durch den Kopf gejagt."
„Schießt nur Herr, mir liegt nicht» mehr am Leben. Aber mein Tod würde Euch theuer zu stehen kommen."
WMam fürchtete den Zorn der Engländer nicht. War lag ihm daran, zu sterben. Er hatte nicht allein die Braut verloren, sondern auch Verbrechen begangen, die er nie mehr ungeschehen machen konnte. Er war ein Verräther geworden, hatte das Blut seine» Verwandten, de» Wohlthäter» seiner Familie, de» eigenen Leben»retter« vergossen, Clary, der ihn an jenem Abend geschont, war von seiner Hand erschossen, und nun vollendete er da» Werk, indem er die in der Höhle eingesperrten Männer, Weiber und Kinder einem schrecklichen Tode überlieferte. Ein letzter Rest von Glauben verhinderte ihn, Hand an sich selbst zu legen, sein elende» Dasein zu vernichten; er fühlte die Ungeheuerlichkeit seiner Verbrechen und zitterte vor dem Gerichte Gotte». Von den Engländern hatte er nicht« zu fürchten; so lange er unter dem
ding« kaum begründete Unterscheidung zwischen Klaffen- und Einkommensteuer in Wegfall kommen, dann aber wird an Stelle de» Abschätzung«, da» Deklarations-Verfahren treten. Es ist ja möglich, daß die Deklarattomspflicht dazu führt, die Begüterten stärker heranzuziehen und dann die minder Begüterten zu entlasten. Aber wie sich die Sache in der Praxis gestalten wird, das läßt sich im Vorau« kaum übersehen. Auf Zweifache« aber wird bei dieser Reform zu sehen sein, daß nämlich die Summe der jährlich zu erhebenden Steuern bestimmt wird und den etwa noch zu befreienden niederen Stufen dadurch nicht das Wahlrecht verkürzt werde.
Zu den erfreulichen Punkten der Thronrede ge- hött auch der Abschnitt über die Hebung der Ver- kehrs und be« Eisenbahnwesen«, für welches außerordentliche Mittel gefordert werden sollen. Wahrscheinlich find diese außerordentlichen Mittel in erster Linie für die absolut erforderliche Vermehrung des Wagenparkes bestimmt, wodupch fich der betreffenden Industrie sehr gute Aurstchten für die Ztckunft eröffnen. Geschehen mußte in dieser Beziehung angesichts der allgemeinen Klagen auch etwa», und daß es geschehen kann, dafür sorgen ja die Überschüsse der Eisenbahnen.
Die arbeit»- und mühevollste Vorlage der ganzen Session dürfte die Einführung der Provin- zial-Ordnung in der Provinz Posen sein, welche allein von allen Provinzen derselben bisher noch entbehrte. Aber die Andeutung, welche die Offiziösen über diese Vorlage gegeben haben, läßt von derselben leider nichts Gute« ermatten. Man fordett einfach eine Majottsirung der polnischen Bevölkerung durch große Vollmachten, welche man der Regierung bet Zusammensetzung der Körperschaften geben soll. Entspräche die Vorlage den Germanisirungs - Gelüsten und nicht den Grundsätzen der Gerechtigkeit, so würde sie zur Beruhigung in der überwiegend polnischen Provinz nicht beitragen.
Im Ganzen genommen scheint es un«, als ob die Thronrede dis Lage zu rosig anfieht. Wie die einzelnen Vorlagen und die Reformen beschaffen sein werden, das bleibt abzuwarten. Das Centrum wird an alle den Maßstab seiner Losung: „Wahrheü, Freiheit und Recht" anlegen. Von den Kartellparteten suchen die Natiouallibe- ralen den Konservativen die Heeresfolge aufzudringen. Da» wäre kein gute» Zeichen für die Session.
Schutze des Lord» stand, würde Niemand gewagt haben, ihn anzurühren. Deshalb gestattete sich William die bittere Gmugthuung, sie zu beleidigen.
Die Soldaten'fuhren fort, immer neues Brennmaterial in die Oeffnung zu werfen und sich dabei über die Qualm ihrer Opfer zu belustigen.
„Wa< ist da»?" fragte plötzlich der Kommandant.
Ein Geräusch gleich dem ©rollen eines fernen Donners ließ fich vernehmen, dann folgte ein dumpfer Krach, die Erde erbebte, der Felsen zersprang in Stücke, die au» dem Bodm gerissenen Bäume erschlagend niederfallend einige Soldaten, au» dem Loche schlug eine mächtige Lohe auf, vermischt mit Gestein, gerade al» ob ein feuerspeiender Berg seinen grausen Mund geöffnet. Die Soldaten, im Glauben, die Erde öffne fich, um sie zu verschlingen, staben nach allm Richtungen au»einander, ohne fich um die sterbenden und verwundeten Opfer der Katastrophe zu kümmern.
WMam war verschont geblieben, er errieth sofort die Ursache diese« Ereignisses. Die Schmuggler hatten eine bedeutende Menge Pulver und Spiritus in den unterirdischm Räumen untergebracht und dieses hatte Feuer gefangen.
Als die Offiziere endlich ihre Leute wieder bei-