Einzelbild herunterladen
 

Stelle jener beiden sind v. Glirzczynski-Tost und Dieben neu getreten.

* Die morgige Wahl des Präsidiums des Abgeordnetenhauses dürste nicht den Wünschen der .Köln. Ztg/ entsprechen. Die Wiederwahl der Herren v. Köller und Freiherrn v. Heeremann ist zweifellos; sollte Herr von Benda wegen vor­gerückten Alters, wie es heißt» die Wahl zur zweiten Vizeprästdentenstelle ablehnen, so würde an seiner Stelle ein anderes von der national- liberalen Partei vorzuschlagendes Mitglied gewählt werden.

♦ AnläßliL der Eröffnung der gegenwärtigen Landtagssesfion, in welcher u. A. auch über die Verwendung der aufgesammelten Sperrgelder (16 Millionen Mark) berathen werde» soll, ist in der Presse die „Frage" aufgeworfen worden, ob aus dem Sperrgeld-Fond» nicht ein besondere« Bist hum für Berlin und den Delegaturbezirk eingerichtet werden solle. Dazu ist vom katholischen Standpunkte zu bemerken^ 1) die Sperrgelder find nicht Eigmthum de»°Staate«; wir fordern die Rückgabe und laffen uns auf andere Ver­wendungen nicht ein, io lange nicht der h. Stuhl und die Bischöfe etwa andere» beschloffen haben sollten. 2) Ob in Berlin ein Birthnm notwendig und nützlich ist, haben der h. Stuhl und die betheiligten Bischöfe zu entscheiden, nicht die Zeitungsschreiber. Thatsächlich ist festzustellen, daß der Herr Fürst­bischof von Breslau, dem jetzt Berlin und Delegatur unterstehen, gegen den Plan ist. Da» genügt.

* Au» Anlaß eines Spezialfalles in Ostpreußen ist jüngst wieder auf die gesetzlichen Bestimmungen über denMilitärdienst kath. Priester htnge- wiesen wordey. Die Ansicht, daß kath. Geistliche nach Empfang der Weihen zum Dienst mit der Waffe nicht herangezogenwerden können, wird als irrig bqeichnet. Eine Befreiung vom Dienst mit der Waffe sei an die zwei Bedingungen geknüpft, daß 1. die Theologen dem Beurlaubtenstande oder der Ersatzreserve angehören, also bereits der Militärpflicht genügt oder eine endgllttge Ent­scheidung der Ersatzbehörden erhalten haben, und 2. nicht bloß die Weihe erhalten haben, sondern ein geistliche» Amt bekleiden. Der Antrag de» Centrum», die Geistlichen von der Militärpflicht zu befreien, ist bekanntlich nicht durchgedrungen, obwohl der Priestermangel den Gedanken so nahe legt.

• Der Kaiser wird am nächstm Freitag den 18. d«. Mt»., im hiesigen königlichen Schlöffe die kapftelfähigen Ritter de» hohen Orden« vom Schwarzen Adler zur Abhaltung eine« Ordens- Kapitel« um sich versammeln. Hieran schließt sich dann am Nachmittage ein Diner. Am Sonntag den 20. Januar findet die Feier de« Krönungs­und Ordensfeste« in der herkömmlichen Weife statt.

• Das Herrenhaus verwies in seiner heutigen Plenarsitzung auf Vorschlag de» Präsidenten die von der Regierung eingegangenen Vorlagen an Kommissionen, so namentlich da» Gesetz betr. die Ausdehnung der Verwaltungsgerichtsbarkeit auf die Provinz Posen und ein Hannoversche« Lokal­

niedrigen Gewölbe und da« Echo gab da« unheim­liche Knistern der Feuersbrunst zurück; man hätte glauben können, die Klagen und Todesseufzer der erstickenden Opfer zu hören.

William genoß in vollen Zügen die Wonne be­friedigter Rache, diese Götterlust des alten Heiden- thum»; er hätte gewünscht, sehen zu können, wie sein Nebenbuhler sich gegen den unvermeidlichen Tod wehrte; selbst der Gedanke an Nelly erweichte nicht sein rachsüchttges Herz; ein teuflisches Lächeln verzerrte seine Züge; er feuerte die Soldaten be­ständig an und schleppte selbst Brandmaterial herbei.

„Morbleu! Ihr seid nicht zärtlich," sagte ein Offizier, sich an William wendend. „Jetzt begreife ich es, daß da» hübsche Mädchm Euch einen Anderen vorgezogen hat, wahrhaftig, sie ist dämm nicht zu tadeln!"

„Sie irren sich, mein Herr!" erwiderte Pody; „ich bin kein Scheusal, der Verralh meiner Braut hat mich so erbittert. Würdm Sie ander« handeln, wenn Ihr Herz von Haß und Rachsucht erfüllt wäre? Würden Sie sich milleidiger zeigen? Ihr Engländer habet nicht da« Recht, einen Unglück­lichen zu beschuldigen. War haben denn Euch dre Irländer gethan, die Ihr seit Jahrhunderten bi« auf« Blut quälet? Haben sie Euch etwa die Braut geraubt, Euer Glück, Ehre und Leben ver­nichtet?" (Forts, folgt).

Gesetz. Außerdem wurden Personal-Veränderungen mitgetheilt. Nächste Sitzung unbestimmt.

* An den heutigen Verhandlungen de« Reichs­tag« nahm zum ersten Male in dieser Session Fürst Bismarck theil. Infolge deffen war auch der Zudrang zu den Tribünen ein ungewöhnlich starker und vor dem Reichstagsgebäude harrten viele Hunderte, um den Reichskanzler ankommen und abfahren zu sehen. Die Kontrole an den Ein­gängen wurde streng gehandhabt, um Unzuträg­lichleiten auszuschließen. Nachdem an Stelle des Abg. Dr. Trändlin Abg. Meysr-Jena zum Schriftführer gewählt worden war, wurde in die Berathung des Etats de» Auswärtigen ein­getreten. Gegen die Fordemng einer Vizekonfuls in Zanzibar sprach Abg. Richter unter Bezug­nahme auf die Vermittelung, welche der deutsche Generalkonsul in Zanzibar bei der Uebertragung der Hoheitsrechte und Verwaltung de« Küsten­gebiet« habe eintreten laffen. Reichskanzler Fürst Bismarck erwiderte, daß heute oder morgen eine Vorlage über die ostafrikanischen Angelegenheiten einlaufen werde, bei deren Berachung eine kolonial- politische Debatte am Platze sein werde. Abg. Woermann (nl.) wünschte Eintreten des Reichs gegen die Royal Niger Company. Fürst Bismarck erwiderte, daß es dazu an einer vertragsmäßigen Berechttgung fehle. Staatssekretär Graf Bismarck machte Mittheilung über da», wa» bisher in der Sache geschehen und hoffte auf ein Entgegenkommen seitens England«. Abg. Richter wünschte Verbot der Branntwein- und Waffeneinfuhr in Westafrika und Beseittgung der Sklaverei, die in der Nähe von Kamerun noch bestehen solle. Fürst Bismarck entgegnete, daß man sich hüten müsse, Hunderte Millionen, die mit der Sklaverei zusammenhängen, gegen uns aufzuhetzm. Er könne nicht annehmen, daß Richter dies wolle, obgleich er mit jener Preffe sympathtefire, die jede Gelegenheit ergreife, um in den Garten des Reiches Steine zu werfen. Abg. v. Kndorff bchauptete, daß Richter» Be­streben nur darauf hinauslaufe, die Kolonialpolittk zu kritifiren. Abg. Woermann bestritt, daß in Kamerun Sklaverei bestehe. Abg. Richter erklärt, die freisinnige Partei fei stolz, noch eine unab­hängige Preffe zu besitzen. Der Reichskanzler möge sich um die offiziöse Preffe bekümmern, die sich die Mißachtung aller anständigen Leute zuge- zogen. Fürst Bismarck bemerkte, die Preffe, die er meine, verdiene nicht die Bezeichnung unab­hängige und freie Preffe, denn sie sage nur die Unwahrheit. Abg. Stöcker stimmte Richter in der Forderung einer Verbot» der Schnapseinfuhr von Westafrika zu, tadelte aber da« Verhalten der freisinnigen Preffe bezüglich der Kolonialpolitik. Abg. Dr. Bamberger hegte Zweifel Über die deutschen Rechte in Südwestafrika. Fürst Bismarck führte aus, daß die deutschen Interessen dadurch nur geschädigt würden, wenn im Augenblicke der Verhandlungen mit England derartige Zweifel von hervorragenden Abgeordneten ausgesprochen würden. Abg. Dr. Bamberger erwiderte, er glaube den deutschen Jntereffen mehr zu dienen, wenn er die Kolonialpolitik bekämpfe. Schließlich wurde der Etat des Auswärtigen unverändert angenommen. Donnerstag Etat.

• Die ostafrikanische Vorlage befindet sich noch im Stadium de, Vorberathung. E« müs­sen noch weitere Jnformattonen eingezogen und namentlich mtt der deutsch-ostafrikanischen Gesell- schäft wegen ihrer zivilrechtlichen Ansprüche aus dem Vertrage mit dem Sultan von Sansibar in erneute Verhandlungen eingetreten werden. Nach der bisherigen Feststellung würde e« sich um die Bewilligung von etwa 2 Millionen gehandelt haben. Der Reichskanzler hat gestern mit einigen leitenden Mitgliedern des Zentrum» eine Besprechung über den Gegenstand gehabt, nachdem er am Freitag berefts mit dem Abgeordneten von Bennigsen und Orchelhäuser, sowie dem Hauptmann Wißmann darüber referirt hatte.

• Die große Wahlschlacht im badischen Reichstag»Wahlkreise Offenburg-Ober- kirch-Kehl ist in ihrem ersten Thelle geschlagen, der zwette wichtigere Theil, die Stichwahl zwischen Centrum und Nationalliberalen, wird noch folgen müssen. Da» Gesammt-Ergebniß der drei Bezirke ist folgende«: Der Centrum« - Kandidat Herr ««fmann Reichert erhielt 7714, der natio- nalliberale Kandidat Herr v. Bodmann 8277, der Sozialdemokrat Geck 1217 Stimmen. Die abso­

lute Mehrheit beträgt 8605, an dieser fehlen dem Centrums-Kandidaten 891, dem nationalliberalen Kandidaten 328 Stimmen. Abgesehen von den bei der Stichwahl von beiden Parteien noch etwa mobil zu machenden Reserven liegt die Entschei- düng bei der vereinigten demokratischen und Ar­beiterpartei, welche über 1217 Stimmen verfügen. Die Bedeutung der Offenburger Wahl liegt vor Allem in dem erheblichen Rückgang der kar­tellparteilichen Stimmen im Vergleiche zu den Septennats-Wahlen. Die nationallibe­rale Partei (vereint mit der im Wahlkreise nur schwach vertretenen konservativen Partei) hat gestern 1952, also rund 2000 Stimmen weniger erzielt, al» am 21. Februar 1887. Der Niedergang der Kartellherrlichkeit seit den Septennatr-Wahlen ist also aus'» Neue klar bewiesen. In Offenburg hat der pensionirte General v. Degenfeld am 21. Fe­bruar 1887 mit 10.229 Stimmen gesiegt, gestern blieb der pensionirteMajor v. Bodmann um 1952 Stimmen hinter dem Septennäter zurück, trotz aller amtlichen und halbamtlichen Unterstützung. Die CentrumSpartei hat 7714 Stimmen erzielt, 58 weniger al» bei den Septennats-Wahlen. Dieser kleine Ausfall ist bedeutungslos, um so mehr, al- ganz zweifellos Hunderte von demokratischen Stim­men, welche bei den Septennats-Wahlen auf den Centrums-Kandidaten Webel fielen, diesmal dem Sozialdemokraten Geck gegeben wurden. Die Sttm- menzahl der Centrumsprrtei beweist in diesem Wahlkreise von jeher eine seltene Stabilftät. 7874 Stimmen im Jahre 1881, 7166 bet der ersten Wahl 1884, 7772 bei derSeptennats-Wahl 1887 und 7714 bet der Nachwahl. Die Betheiltgung war erheblich schwächer al» 1887, wie bei Ersatz­wahlen gewöhnlich; der Ausfall liegt fast ganz auf Seiten des Kartell«. Da« ist erfreulich, immerhin aber entspricht das Ergebniß nicht den Erwartungen, welche man angesichts der durch die katholische Bevölkerung Baden« gehenden mächtigen Bewegung gehegt hatte. Die katholischen 8.erntet Offenburg und Oberkirch haben allerdings mit er­drückender Mehrheit (7594 gegen 3284 und 1160 Stimmen, nach einer Aufstellung, bei welcher nur mehr wenige Gemeinden fehlten) für den Centrums- Kandidaten, Landtags-Abgeordneten Reichert, ge­wählt; aber das protestantische Amt Kehl ver­schaffte (mit 3868 gegen 83 CentrumS- und 40 sozialistische Stimmen) dem nationalliberalen Hrn. v. Bodmann die relative Mehrheit. Da» Ergeb­niß der Stichwahl ist nicht im Voraus zu be­rechnen. Offiziell werden die Sozialdemokraten sich jedenfalls der Wahl enthalten, und wenn da« Centrum nicht noch erhebliche Reserven herbeizieht, könnte der Wahlkreis den Nattonalliberalen ver­bleiben. Die Parteileitung des Centrums hat in rühmlichster Weise gearbeitet, namentlich habender Kandidat Herr Reichert, Pfarrer Wacker und Rechtsanwalt Marbe die größten Opfer für die Agitation gebracht; hoffentlich werden die Wähler durch eine letzte große Anstrengung dafür sorgen, daß diese Bemühungen ihren wohlverdienten Lohn erhalten. — Die Stichwahl ist auf den 25. Ja­nuar festgesetzt worden.

Ausland.

• Fürst Ferdinand von Bulgarien bat he» früheren Fürsten Alexander zum General ä la suite und immerwährenden Inhaber de» 1. Infanterie- Regiments und dessen Bruder Franz Joseph von Battenberg zum Major ä la suite de» 1. Kavallerie- Regiments ernannt.

* Der französische Ministerpräsident Floquet und der Deputirte Laur find gestern im Foyer der Kammern scharf an einander gerathen. Laur hatte in einem Zeitungrarttkel behauptet, da« Ministerium hätte die geheimen Fond» mißbräuch­lich zu Wahlzwecken verwandt. Floquet erklärte diese Behauptung Laur gegenüber al« eine „infame Verleumdung". Laur ließ daraufhin Floquet fordern, dieser aber lehnte die Herausforderung einfach ab und verlangte, Laur solle seine Anklage in der Kammer begründen.

• Auf dem Mailänder „Friederkongreß" erklärte Boulaugist Sustni er würde Boulanger eigen­händig erdolchen, wenn dieser die Republik verriethe.

• Die Subskriptionsliste zum Mederankanfe de« Pektorale, welche« Kardinal Sanfelice von R e ft p e I in rührender Weise zu Gunsten der Anttsklaverei- bewegung opferte, erreichte die ansehnliche Summe von 18,000 Lire.